Frage zum Buddhismus

Von: , Frage gestellt am Mo, 25. Dez 2000

Hallo zusammen,

ich hätte mal eine Frage zum Buddhismus. Habe schon öfter gelesen, dass Buddhisten eigentlich nicht an einen Gott (im Sinne eines höheren Wesens) glauben. Trotzdem werden doch auch von Buddhisten verschiedene Gottheiten verehrt oder manche Menschen sogar als personifizierte Gottheit betrachtet. Oder täusche ich mich da? Was stimmt nun tatsächlich?


Vielen Dank und viele Grüsse,
Lisa

9 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 2 hilfreich
    Re: Frage zum Buddhismus

    Hi Lisa ... Trotzdem werden doch auch
    von Buddhisten verschiedene Gottheiten verehrt oder manche
    Menschen sogar als personifizierte Gottheit betrachtet....
    Nein, sowohl der mahayana als auch (erst recht) der hinayana ist von nicht-theistischen Ideen geprägt. Die Lehre des Siddharta Shakyamuni hat ihre Wurzeln im klassischen Hinduismus (und im Yoga, der aber ebenfalls non-theistisch ist, "ishvara" ist nur scheinbar eine göttliche Gestalt), und daher gibt es zahlreiche populäre kultische Erscheinungen, bzw. rituelle Mischformen, die
    die den Anschein von Gottesverehrungen haben. Z.B. ist der tathagata-amitabha-Kult oft in christlicher Analogie interpretiert worden.

    Allerdings ist die buddhistische Psychologie (zumindest aus westlicher Perspektive) höchst komplex und auch für den Alltag zu sehr abstrakt, sodaß die Neigung der Vorstellungskraft zur Verbildlichung im Kult oft zum tragen kommt. Dieser Effekt (der Popularisierung) zeigt sich in fast allen religiösen Erscheinungen. Mit solchen Begriffen wie z.B. "amithabha-buddha", "mahavairocana-buddha", "ratnasambhava-buddha" sind ja eher Stadien oder Aspekte der Persönlichkeitsentwicklung bzw. subjektive Bewußtseinsverfassungen gemeint, keineswegs aber reale menschliche Gestalten (erst recht keine historischen), aber vor allem auch keine göttlichen. Vor allem auf dem Boden des älteren, überaus götter-reichen Hinduismus macht der kultische Umgang aus solchen begrifflichen Konzeptionen gerne gottähnliche Gestalten - zum anschauen und auch zum anfassen....

    sowit in aller Kürze....

    Gruß
    M.G.

    • Antwort von nach 19 Stunden hilfreich
      Danke!

      Hallo Metapher,

      vielen Dank für deine ausführliche Antwort!! Nein, sowohl der mahayana als auch (erst recht) der hinayana
      ist von nicht-theistischen Ideen geprägt. Die Lehre des
      Siddharta Shakyamuni hat ihre Wurzeln im klassischen
      Hinduismus (und im Yoga, der aber ebenfalls non-theistisch
      ist, "ishvara" ist nur scheinbar eine göttliche Gestalt), und
      daher gibt es zahlreiche populäre kultische Erscheinungen,
      bzw. rituelle Mischformen, die
      die den Anschein von Gottesverehrungen haben. Z.B. ist der
      tathagata-amitabha-Kult oft in christlicher Analogie
      interpretiert worden.
      Gehören die Göttergestalten also eher in den Volksglauben? So wie bei uns im Karneval auch noch die Dämonen ausgetrieben werden?

      Bin übrigens noch auf der Suche nach Literatur zum Thema Buddhismus. Was ich bisher gefunden habe, ist entweder eine Glorifizierung seitens überzeugter Anhänger oder eine Verteufelung seitens Andersgläubiger, die sich durch den Buddhismus angegriffen fühlen. Mir wäre aber eine sachliche Darstellung lieber.

      Vielen Dank,
      Lisa

      • Antwort von nach 22 Stunden hilfreich
        Re: Danke!

        Hallo Lisa,

        Informationen kannst du von vielen Seiten erhalten.
        Da sich diese aber oft selbst widersprechen machte ich mich einst auf eigene zu suchen.
        Was ich fand empfinden bestimmt auch andere, es ist also kein "Allheilmittel" von mir.
        Wie du ja selbst weist gibt es viele Religionen. Manche sind mir ein Begriff, andere ein Buch mit sieben Siegeln.
        Wenn ich jetzt überzeugter "-Odin-ist" wäre, könnte ich dann behaupten Christen, Juden, Moslems,... seien alle Lügner?
        Könnte ich das?
        Es gibt immer mal wieder Leute die behaupten sie hätten eine Marienerscheinung gehabt, der "Glaube" an eine Maria, Mutter Gottes ist aber zum Teil eine Ableitung aus dem heidnischen Glauben wie er vor der Christianisierung Europa füllte; Die Mormonen begründen ihren Glauben auf eine Erscheinung. Quasi jede Religion hat welche. Will man jetzt als Jude behaupten alle andersgläubigen seien Lügner?
        Jene Menschen die von ihrem Glauben überzeugt sind, tun dies. Und ich kann es ihnen nicht verübeln.
        Aber dann bräuchte man ja alle paartausend Jahre einen Neuen; weil der Alte nicht länger zeitgemäß ist.

        Woher wollen wir den überhaupt wissen wie >Gott< existiert? Im Himmel mit Blümchen und Gesang?
        Vielleicht ist er aber auch nur ein Gefühl, die Inspiration oder die Einheit aller Seelen die des Lebens Joch abstreiften?

        So Lisa,
        ich hoffe ich konnte dir neuen Stoff zum nachgrübeln geben und ebenso die eine oder andere Antwort verschaffen.

        Love and Light
        Gerrit





        Gehören die Göttergestalten also eher in den Volksglauben? So
        wie bei uns im Karneval auch noch die Dämonen ausgetrieben
        werden?

        Bin übrigens noch auf der Suche nach Literatur zum Thema
        Buddhismus. Was ich bisher gefunden habe, ist entweder eine
        Glorifizierung seitens überzeugter Anhänger oder eine
        Verteufelung seitens Andersgläubiger, die sich durch den
        Buddhismus angegriffen fühlen. Mir wäre aber eine sachliche
        Darstellung lieber.

        Vielen Dank,
        Lisa

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^2: Danke!

          Hallo Gerrit,
          Informationen kannst du von vielen Seiten erhalten.
          Da sich diese aber oft selbst widersprechen machte ich mich
          einst auf eigene zu suchen.
          Ja, genau dieser Widerspruch ist das Problem. Da blickt man am Anfang kaum durch. Wie du ja selbst weist gibt es viele Religionen. Manche sind
          mir ein Begriff, andere ein Buch mit sieben Siegeln.
          Wenn ich jetzt überzeugter "-Odin-ist" wäre, könnte ich dann
          behaupten Christen, Juden, Moslems,... seien alle Lügner?
          Könnte ich das?
          Ich hoffe, es besteht hier kein Missverständnis. Ich wollte ja gerade nicht behaupten, dass irgendjemand recht oder unrecht hätte. das genau ist der Grund, warum ich nach möglich sachlichen und objektiven (soweit das im Religionsbereich möglich ist) Informationen suche. Ich selbst gehöre keiner Glaubensrichtung an. Religionen bilden aber zu einen guten Teil die Grundlage für Kulturen und daher halte ich es für wichtig informiert zu sein. Aber dann bräuchte man ja alle paartausend Jahre einen Neuen;
          weil der Alte nicht länger zeitgemäß ist.
          *grins*. Aber genau das passiert ja auch, wenn man sich die Weltgeschichte so anschaut. Woher wollen wir den überhaupt wissen wie >Gott<
          existiert? Im Himmel mit Blümchen und Gesang?
          Vielleicht ist er aber auch nur ein Gefühl, die Inspiration
          oder die Einheit aller Seelen die des Lebens Joch abstreiften?
          Ich persönlich glaube nicht an Gott. Ich behaupte aber nicht, dass das der Weisheit letzter Schluss ist. Es ist meine persönliche Überzeugung. Alle anderen können genauso recht haben.

          Vielen Dank auch für deine Antwort Gerrit und viele Grüsse,

          Lisa

      • Antwort von nach 23 Stunden 1 hilfreich
        Symbolik statt Göttergestalten

        Hallo Lisa

        die Antwort von Metapher war zwar grundsätzlich richtig, aber vielleicht etwas kompliziert *g*.
        Ich werde mal versuchen, das Ganze anhand von Beispielen etwas einfacher zu erläutern.
        :
        : Gehören die Göttergestalten also eher in den Volksglauben? So
        : wie bei uns im Karneval auch noch die Dämonen ausgetrieben
        : werden?

        Es gibt im Buddhismus keine Göttergestalten, da Götterglaube im Buddhismus unbekannt ist. Ich
        vermute mal, dass du dich bei "Göttergestalten" im wesentlichen auf Abbildungen im tibetischen
        Buddhismus beziehst. Diese Abbildungen wurden in von Gottglauben geprägten Gesellschaften
        oft als Abbildungen von Göttergestalten mißinterpretiert, da dort eine Vorstellung von einer
        Religion ohne Gott (oder Götter) unvorstellbar war (ist).
        Tatsächlich sind diese Abbildungen jedoch stark symbolhaft. Sie stellen ein bestimmtes Prinzip
        oder einen bestimmten Aspekt der buddhistischen Lehre dar.

        Ein paar Beispiele:

        schwarze oder dunkelblaue und braune Figuren werden von westlichen Beschreibern oft als
        Dämonen angesehen. Dieser Eindruck ist jedoch falsch. Es sind keine bösen Dämonen, sondern
        sie gehören dem allerhöchsten religiösen Bereich, der Buddha-Ebene an und symbolisieren z.B.
        die Zerstörung der spirituellen Unwissenheit (also eigentlich etwas positives).

        Ein weiteres Beispiel wäre die Darstellung des elfköpfigen und tausendarmigen Avalokitesvara,
        des Boddhisattva des Mitgefühls. Sie symbolisiert das absolute Mitgefühl, das gleichzeitig in alle
        Richtungen und auf alle möglichen Weisen wirkt. Die tausend Arme vertreten die zahllosen
        Hilfsmittel, die dem Mitleid zur Verfügung stehen, um Lebewesen zu helfen und sie zu schützen.

        Ein drittes Beispiel: die grüne Tara. Grün steht für Frieden und Erlösung. Die fünf Totenschädel,
        die sie trägt, stehen für die fünf buddhistischen Weisheiten etc.

        Im tibetischen Buddhismus gibt es unzählige Beispiele für symbolhafte Darstellung, Gegenstände
        oder Handlungen. Sie alle haben symbolische Wertigkeiten, die den Tibetern helfen, mit dem in
        Kontakt zu bleiben, was hinter den Symbolen liegt, worauf diese Symbole hinweisen - also höhere
        Ebenen des Seihns, des Bewußtseins und der Realität gemäß der buddhistischen Lehre.
        Also nix mit Göttergestalten etc. :-)

        : Bin übrigens noch auf der Suche nach Literatur zum Thema
        : Buddhismus. Was ich bisher gefunden habe, ist entweder eine
        : Glorifizierung seitens überzeugter Anhänger oder eine
        : Verteufelung seitens Andersgläubiger, die sich durch den
        : Buddhismus angegriffen fühlen. Mir wäre aber eine sachliche
        : Darstellung lieber.

        Die beste allgemeine Einführung in den Buddhismus, die mir bekannt ist, ist das Buch: "Was ist
        Buddhismus" von Alex Kennedy. ISBN 3442123968 [Buch anschauen]

        Solltest du dich speziell für die tibetische symbolische religiöse Kunst interessieren, empfehle ich
        dir trotzdem, zunächst dieses Buch zu lesen, da sich diese Symbolik nur dem erschließt, der im
        Buddhismus halbswegs bewandert ist.

        ähm...ist das Ganze nun etwas klarer geworden ?
        Falls nicht, frag ruhig weiter :-)

        liebe Grüsse
        Marion

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re: Symbolik statt Göttergestalten

          Hallo Marion,

          dir auch erst mal vielen Dank für deine anschaulichen Erläuterungen. Und auch für den Buchtip mit eingebautem Link :-)). Der Preis ist ja auch annehmbar, deshalb hab ichs mir gleich bestellt.
          Es gibt im Buddhismus keine Göttergestalten, da Götterglaube
          im Buddhismus unbekannt ist. Ich
          vermute mal, dass du dich bei "Göttergestalten" im
          wesentlichen auf Abbildungen im tibetischen
          Buddhismus beziehst.
          Zum Teil. Habe aber auch z.B. gelesen, dass der Dalai Lama die Verehrung irgendeines Schutzgottes verboten haben soll (stammt aus dem Internet, daher weiss ich nicht, was dran ist). Den Namen der Göttergestalt konnte ich mir leider nicht merken :-)) und den link habe ich nicht gespeichert. Aber der Artikel klang nicht so, als hätte diese Gottheit nur symbolischen Charakter besessen (kann mich aber täuschen).

          Nochmal vielen Dank und viele Grüsse,
          Lisa

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^2: Symbolik statt Göttergestalten

            Hallo Lisa
            Zum Teil. Habe aber auch z.B. gelesen, dass der Dalai Lama die
            Verehrung irgendeines Schutzgottes verboten haben soll (stammt
            aus dem Internet, daher weiss ich nicht, was dran ist). Den
            Namen der Göttergestalt konnte ich mir leider nicht merken -)) und den link habe ich nicht gespeichert. Aber der Artikel
            klang nicht so, als hätte diese Gottheit nur symbolischen
            Charakter besessen (kann mich aber täuschen).
            Tja, dazu kann ich mit so wenig Informationen leider auch nicht viel sagen :-)

            Tibet ist, was den Buddhismus anbelangt, sicher ein besonderer Fall. Bevor der Buddhismus nach Tibet kam, herrschte dort die Bön-Religion, ein von Schamanismus und Geistern geprägter Glaube. Es dauerte über 500 Jahre, bis sich der Buddhismus in Tibet wirklich durchgesetzt hatte (die Christianisierung Europas ging im Vergleich dazu ruckzuck). In dieser Zeit hat der Buddhismus in Tibet viele Aspekte des Bön-Glauben integriert. Jedoch besteht der Bön und sein Kult auch heute noch in Tibet eigenständig neben dem Buddhismus weiter.

            Für jemanden, der nicht wirklich sehr gut informiert ist, kann der tibetische Buddhismus daher sehr verwirrend wirken. "Leider" stolpern die meisten am Buddhismus interessierten oftmals als erstes über den tibetischen Buddhismus, da dieser durch seine "exotisch" anmutende Ausprägung vermutlich mehr Neugierde weckt, als eher "schlichte" Schulen des Buddhismus. Zudem hat der Dalai Lama als spirituelles Oberhaupt der Tibeter viel zum Ansehen des tibetischen Buddhismus (aber auch des Buddhismus allgemein) im Westen beigetragen. Dieser Effekt wird noch durch hervorragende tibetische buddhistische Leher, die aufgrund der chinesischen Bezatzung ins Exil gezwungen wurden, und sich teilweise im Westen niedergelassen haben, verstärkt. Für jemanden, der gerade erst anfängt, sich für Buddhismus zu interessieren, würde ich den tibetischen Buddhismus als "Einstieg" aber vielleicht nicht unbedingt empfehlen, auch wenn der Buddhismus-Interessierte über kurz oder lang sicher auch dort landen wird :-)

            Wenn du dir die Bandbreite der buddhistischen Schulen vor Augen führen willst, dann vergleiche nur mal den japanischen Zen-Buddhismus mit dem tibetischen Buddhismus. Du wirst feststellen, dass die jeweiligen Ausprägungsformen doch sehr unterschiedlich, aber beide in ihren Grundsätzen dennoch buddhistisch sind.

            Gruss
            Marion

            • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
              Link wieder gefunden

              Hallo Marion,

              vielen Dank für deine nochmalige ausführliche Antwort! Inzwischen hast du mir schon einen recht guten Überblick vermittelt.

              Gestern habe ich den Link wieder gefunden, auf den mich neulich bezogen hatte (mit der tibetischen Gottheit :-)). Falls du noch Zeit und Lust hast, würde mich Deine Meinung zu dem Text sehr interessieren.

              http://www.tibet-internal.com/info1.html

              Viele Grüsse,
              Lisa

            • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
              Re: Link wieder gefunden

              Hallo Lisa
              Gestern habe ich den Link wieder gefunden, auf den mich
              neulich bezogen hatte (mit der tibetischen Gottheit :-)).
              Falls du noch Zeit und Lust hast, würde mich Deine Meinung zu
              dem Text sehr interessieren.

              Danke für den Link. Ich hab mir den Bericht aufmerksam durchgelesen, aber ich befürchte, ich kann dazu nicht wirklich eine ernstzunehmende Stellungnahme abgeben, da ich nicht gerade ein Experte für den tibetischen Buddhismus bin *g*. Für mich scheint das einer dieser Fälle der Besonderheit des tibetischen Buddhismus aufgrund seiner Verbindung zum Geisterglaube der Bön-Religion zu sein.

              Damit dein Link aber trotzdem nicht unkommentiert bleibt, hab ich mal einen anderen Link für dich herausgesucht:
              http://www.tibetfocus.com/shugden/index.htm

              dort stehen einige Artikel zu der Problematik, u.A. auch ein Interview mit dem Dalai Lama selbst zu diesem Thema.

              Was von der ganzen Angelegenheit zu halten ist, muss wohl jeder selbst entscheiden. Ich kann dazu eigentlich nur mit den Achseln zucken :-)

              Ich hoffe, trotzdem ein wenig geholfen zu haben.
              Gruss
              Marion

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