Antwort von
nach 22 Stunden
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Re^2: O mein Gott!
Hallo Friedrich,
irgendwie kenne ich mich mit den Gemeinheiten bei einer theologischen Diskussion nicht aus. "Kindisch" heißt in meinem Duden: "(meist abwertend) sich in unangemessener Weise wie ein Kind benehmend, für einen Erwachsenen unpassend; töricht, albern, unreif". Wenn man das von mir meint, wäre es erwachsen gewesen, mir zu zeigen, wie sich Erwachsene benehmen. Oder sollte es einfach heißen: "Halt die Schnauze"?
Kindisch ist es wohl, wenn es mich interessiert, wie ein Mormone mittels dieses Forums missioniert bzw. auf die Frage "an was glaubst Du?" in angemessener Kürze antwortet. Übrigens wäre es auch interessant, wie auf die Frage Vertreter anderer Religionsgesellschaften reagieren.
Kindisch halte ich Atheisten, die von sich behaupten, keine Christen zu sein. Wenn die Imams in moslemischen Ländern gegen das Christenpack polemisieren, dann meinen sie nicht getaufte, gläubige Mitglieder einer christlichen Kirche, sondern die europäische Kultur. Und sie haben recht: Zweitausend Jahre Christentum haben ihre Spuren hinterlassen. Wenn ich alter Agnostiker mich brav nach oben bedanke, wenn ich meine Brille wiedergefunden habe, dann stelle ich mir als Empfänger des Danks nicht Buddha, Odin, Allah oder dergleichen vor, sondern den liebenden, fürsorglichen und häufiger abwesenden Christengott.
"Ich bin kein Christ" habe ich in signifikanter Anzahl im Osten gehört. Im Westen heißt es stattdessen meist "ich bin nicht religiös". Im Westen gehört es zur Schulbildung, daß es eigentlich keinen einheitlichen christlichen Glauben gibt. Die Rechtfertigungslehre von Luther war einer der Auslöser des Dreißigjährigen Krieges. Macht hin, Macht her, die Leute hätten sich nicht mit solcher Freude massakriert, wenn es nicht auch um Glauben gegangen wäre. Den Ausspruch von Gysi habe ich selbst bei einer Diskussion mit Heiner Geißler im Fernsehen miterlebt.
Die Frage "an was glauben Christen eigentlich" bzw. "was macht den christlichen Glauben aus" höre ich auch meist im Osten. Ich halte es für beschämend, daß ich die Leute dann nicht guten Gewissens zum nächstbesten Pfarrer schicken kann, sondern selbst versuche, eine Antwort zu finden. Wie gesagt, ich bin Agnostiker und habe nur genügend Wissen, um Missionsversuche abzuwehren.
Wenn ich aber gefragt werde, ob Gott ständig eingreift, sitzt meine katholische Erziehung noch tief: Gottes Wege sind unergründlich. Er ist kein Mensch und denkt nicht wie ein Mensch. Wenn er also eingreift, dann wird das kein Mensch kapieren. Meist greift er allerdings nicht ein. Nach Augustinus gibt Gott dem Menschen die Freiheit, sich für das Richtige oder Falsche zu entscheiden. Erst beim Jüngsten Gericht wird die Rechnung aufgemacht.
viele grüße
ralph