Die Evangelische Kirche unterscheidet sicher deutlich zwischen der verfaßten Kirche (also der menschlichen Organisation) und der "unsichtbaren Kirche" als nicht faßbare "Gemeinschaft der Heiligen", also all der Menschen, die im Glauben an den dreieinigen Gott leben, egal in welcher Form oder Kirche sie dies tun (deshalb "unsichtbar"). Und sie vertritt aus Überzeugung, daß die Zugehörigkeit zu einer konkreten verfaßten Kirche nicht notwendig ist. Aber das bedeutet nicht, daß diese Zugehörigkeit nicht als sinnvoll angesehen würde.
Im Gegenteil, da es ein Erfahrungswert ist, daß sich Menschen, die ihren Glauben "für sich alleine" leben, im Laufe der Zeit ohne Impulse oder Austausch über Glaubensfragen in der Regel immer weiter von dem entfernen, was in der Bibel verkündigt wird und für die Kirche das Fundament des Glaubens ist, betont auch die evangelische Kirche die Bedeutung der Mitgliedschaft in einer Kirche oder Gemeinschaft.
Wer sich nun für eine Taufe durch einen evangelischen Pfarrer/-in entscheidet, entscheidet sich damit auch für die Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche. Und deshalb zielt die Frage an die Paten natürlich auf beides ab: Auf den lebendigen Glauben in der Gemeinschaft der "unsichtbaren" Kirche UND der verfaßten. Und letzteren kann - aus Sicht der Kirche - niemand glaubhaft vertreten, der diese Gemeinschaft durch seinen Austritt bewußt verlassen hat, ohne sich einer anderen Gemeinschaft anzuschließen.
Daß Paten, die einer anderen (ACK-)Kirche angehören, unter bestimmten Umständen zugelassen sind, widerspricht dem nicht. Es bestätigt vielmehr, daß die Protestanten verschiedene Formen der Glaubensgemeinschaft anerkennen - also auch andere Kirchen.
Wer sich jedoch für den individuellen Glaubensweg ganz ohne Kirche oder organisierte Gemeinschaft entschieden hat, ist aus demselben Grund aus evangelischer Sicht als Pate nicht geeignet.
Es sind also sehr wohl inhaltliche Gründe, die zu dieser Regelung führen.
Gruß, Martinus..