Selber taufen

Von: , Frage gestellt am Mi, 22. Apr 2009

Hallo,
anlässlich einer Diskussion hier weiter unten bin ich darauf gestoßen, dass ich nicht weiss was Pfarrer (ev. und rk.) konkret machen würden, wenn Eltern (beide Kirchenmitglied) mit ihrem Kind zu ihm kämen und mitteilten, dass sie ihr Kind im Familienkreis selbst getauft hätten. Mit allen Einsetzungworten, Zeugen, Paten usw. nur eben ohne Pfarrer.

Beide Kirche sehen ja die Möglichkeit einer Taufe auch durch nicht ordinierte bzw. geweihte Kirchenvertreter für Notfälle vor. Die evangelischen Kirchen kennen sogar das Priesteramt aller Gläubigen.

Jeder der Pfarrer wird sich wohl aufregen und zunächst mal sagen, so ginge das nicht! Aber soweit ich mich erinnere, ist kaum etwas so igittigitt in den großen Kirchen, wie "Wiedertaufe". Da hat man in der Vergangenheit sogar lieber Taufen, die durch erklärte Herätiker vorgenommen wurden akzeptiert.

Was würde/müsste der Pfarrer also machen?

Gruß
Werner

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 23 Minuten 0 hilfreich
    Re: Selber taufen

    Hi, anlässlich einer Diskussion hier weiter unten bin ich darauf
    gestoßen, dass ich nicht weiss was Pfarrer (ev. und rk.)
    konkret machen würden, wenn Eltern (beide Kirchenmitglied) mit
    ihrem Kind zu ihm kämen und mitteilten, dass sie ihr Kind im
    Familienkreis selbst getauft hätten. Mit allen
    Einsetzungworten, Zeugen, Paten usw. nur eben ohne Pfarrer.
    Was würde/müsste der Pfarrer also machen?
    sowas ähnliches hab ich unlängst auch gefragt und folgende Antworten bekommen: http://www.wer-weiss-was.de/article/5016700

    Gruß,

    Malte

  2. Antwort von nach 6 Stunden 2 hilfreich
    Re: Selber taufen

    Vorab: 1. Die Taufe ist gültig, wenn sie mit Wasser und "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes" vollzogen wird.

    2. Die Taufe kann nachträglich auch in den Kirchenbüchern eingetragen werden. Eine Wiedertaufe findet nicht statt.

    Und dann: Der Pfarrer oder die Pfarrerin einer evangelischen Gemeinde würde den Eltern zu Kind und Taufe gratulieren. Er würde die betreffenden Gemeindeglieder aber vermutlich auch fragen, warum sie so gehandelt haben? Mitglied einer Gemeinschaft (in diesem Fall der Kirche) zu sein, bedeutet auch, die Spielregeln dieser Gemeinschaft zu achten. Und zu denen gehört, daß die Taufen von denen vollzogen werden, die dazu ordentlich berufen sind - sprich Pfarrerinnen und Pfarrer.
    Natürlich gibt es an viele Stellen auch Spielräume für eigenes Ermessen. Aber eine Gemeinschaft benötigt auch verläßliche Regeln. Und wer diese Regeln nicht akzeptieren kann, muß sich fragen, ob diese Gemeinschaft die richtige für ihn/sie ist.
    Wer sein Kind einerseits selber taufen will, andererseits aber die Gemeinschaft der Kirche sucht, sollte sich überlegen, was ihm am Ende wichtiger ist - Individualität und eigene Regeln oder Gemeinschaft und Rücksichtnahme auf die bestehenden Regeln.

    Das würde der Pfarrer oder die Pfarrerin vermutlich antworten.

    Gruß, Martinus..

    • Antwort von nach 9 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Selber taufen

      Hallo, Er würde die betreffenden Gemeindeglieder aber vermutlich auch
      fragen, warum sie so gehandelt haben?
      Ich vermute je nach Temperament des Betreffenden würde es wohl nicht bei dieser interessierten Frage bleiben. Wer sein Kind einerseits selber taufen will, andererseits aber
      die Gemeinschaft der Kirche sucht, sollte sich überlegen, was
      ihm am Ende wichtiger ist - Individualität und eigene Regeln
      oder Gemeinschaft und Rücksichtnahme auf die bestehenden
      Regeln.
      Nur ist das ja keine zwingende Alternative, denn wegen dieser Eingenmächtigkeit wird ja niemand ausgeschlossen und in in unserer individualisierten Gesellschaft sind Regelabweichungen ja fast schon Stilmittel.

      Wenn ich mir nur die hier immer wieder auftauchenden Fragen hinsichtlich der Zulässigkeit von Paten ansehe, dann würde ich z. B. in entsprechender Situation vielleicht tatsächlich die Schimpfe des Pastors in Kauf nehmen, bevor ich da formale Verrenkungen mache (Pate tritt für die Taufe wieder in die Kirche ein und danach wieder aus) oder Klinken putze bis ich einen gefunden habe, der trotz nicht bestehenden Ermessensspielraums sich die Freiheit nimmt und zur Tat schreitet.

      Man muss doch heute schon froh sein, wenn man jemanden findet, der als Pate nicht nur Geschenketante/-onkel wäre.
      Wenn ein evangelischer Christ dann zufällig nur katholische gute Freunde hat, wäre die Kirchenmitgliedschaft wohl ein ganz nachrangiges Kriterium. Zumal gerade in den Landeskirchen viele Mitglieder ein eher distanziertes Verhältnis zu ihren Gemeinden haben.

      Gruß
      Werner

      • Antwort von nach 10 Stunden 0 hilfreich
        Abstecher Patenamt

        Man muss doch heute schon froh sein, wenn man jemanden findet,
        der als Pate nicht nur Geschenketante/-onkel wäre.
        Wenn ein evangelischer Christ dann zufällig nur katholische
        gute Freunde hat, wäre die Kirchenmitgliedschaft wohl ein ganz
        nachrangiges Kriterium.
        Nicht nur wäre, sondern ist. In Ausnahme ist es möglich, mit katholischen Paten evangelisch zu taufen. Nur gar-nicht-kirchliche Paten sind ausgeschlossen (siehe anderes Thema).

        Gruß, Martinus..

        • Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
          Re: Abstecher Patenamt

          Hallo, Wenn ein evangelischer Christ dann zufällig nur katholische
          gute Freunde hat, wäre die Kirchenmitgliedschaft wohl ein ganz
          nachrangiges Kriterium.
          Nicht nur wäre, sondern ist. In Ausnahme ist es
          möglich, mit katholischen Paten evangelisch zu taufen.
          das wäre nicht einmal eine Ausnahme - ich habe schon gestern darauf hingewiesen, dass für die EKD die Mitgliedschaft in einer der ACK angeschlossenen Kirchen (ist bei der katholischen Kirche der Fall) in der Regel ausreicht. Lediglich in einigen Landeskirchen (dies ist die Ausnahme) muss der Pate einer evangelischen Kirche angehören. Konkret weiss ich dies allerdings nur von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers - in der Regel begnügt man sich damit, dass einer der Paten Mitglied einer evangelischen Kirche ist.

          Freundliche Grüße,
          Ralf

        • Antwort von nach 16 Stunden 0 hilfreich
          Re: Abstecher Patenamt

          Hallo,
          das "wäre" wollte ich auf die Entscheidung der Eltern bezogen sehen, die dann froh wären jemanden zu haben, der ihnen nahe steht, christlich motiviert ist und auch bereit ist. Solche formalen Aspekte, wie das "Pa(r)teibuch", wäre für diese dann wohl nur ganz am Rande von Interesse und ein Pfarrer, der das zur entscheidenden Hürde machte würde auf wenig Verständnis treffen.

          Da mein Beispiel aber nun anscheinend i. d. R. keinen Konflikt generieren würde, drehe es doch mal um.
          Katholische Eltern und nur evangelische Paten zur Hand.
          oder
          Evangelische Eltern und Pate ohne Kirchenmitgliedschaft.

          Gruß
          Werner

          • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
            Re^2: Abstecher Patenamt

            Solche formalen Aspekte, wie das "Pa(r)teibuch", wäre für diese dann
            wohl nur ganz am Rande von Interesse und ein Pfarrer, der das
            zur entscheidenden Hürde machte würde auf wenig Verständnis
            treffen.
            Die Taufe ist die Aufnahme eines Menschen in die Gemeinschaft mit Gott - und wenn sie vom Pfarrer gespendet wird auch in die konkrete Gemeinschaft der Kirche. Dabei versprechen die Paten, das Kind im christlichen Glauben UND in der Gemeinschaft der Kirche großzuziehen. Wenn aber die Paten aus der Kirche ausgetreten sind, dann ist das ein Widerspruch zu diesem Versprechen - ebenso wenn sie Moslems oder Buddhisten wären, weil man dann nicht davon ausgehen kann, daß sie das Taufversprechen einhalten können.

            Deshalb ist die Kirchenzugehörigkeit der Paten mehr als nur eine Formalie.

            Gruß, Martinus..

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^3: Abstecher Patenamt

              Solche formalen Aspekte, wie das "Pa(r)teibuch", wäre für diese dann
              wohl nur ganz am Rande von Interesse und ein Pfarrer, der das
              zur entscheidenden Hürde machte würde auf wenig Verständnis
              treffen.
              Die Taufe ist die Aufnahme eines Menschen in die Gemeinschaft
              mit Gott - und wenn sie vom Pfarrer gespendet wird auch in die
              konkrete Gemeinschaft der Kirche. Dabei versprechen die Paten,
              das Kind im christlichen Glauben UND in der Gemeinschaft der
              Kirche großzuziehen.
              Nur welche Kirche ist da gemeint? Für die rk. Kirche kann ich das aus ihrem Selbstverständnis nachvollziehen. Da aber die evangelischen Kirchen sich der eigenen Abweichungen vom Ideal der Gemeinschaft der Christen offensichtlich bewusster sind und ja in der Regel als Paten auch Mitglieder anderern Kirchen zulassen, dabei auch so durchaus fremdartige wie syrisch-orthodoxe oder armenisch-apostolische Kirche, kann das mit dem Einschwören auf eine bestimmte konkrete Kirche(norganisation) nicht ganz ernst gemeint sein. Dabei wäre ein syrisch orthodoxer Christ wohl kaum geeigneter jemanden zum Lutheraner zu machen, als ein ausgetretener Lutheraner.

              Tatsächlich ist doch aber bei den evangelischen mit dem Taufgelöbnis nicht eine bestimmte Konfession, oder noch absurder die Verpflichtung zur Hinarbeit auf eine Mitgliedschaft z. B. in der Schaumburg-Lippischen Landeskirche gemeint, sondern doch wohl die Verpflichtung dem Kind zu helfen Mitglied der (imaginären) allgemeinen Kirche Christi zu werden, von der jede Konfession zwar annimmt/hofft, dass sie damit weitgehend übereinstimmt, zumindest die evangelischen Kirchen sollten sich der grundsäztlichen Fragwürdigkeit dieser Annahme aber bewusst sein. Das ein nicht Mitglied einer der ACK-Organisationen, prinzipiell schlechter geeignet ist, das zu leisten ist dann doch eine nur formal begründete Annahme.

              Gruß
              Werner

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^4: Abstecher Patenamt

              Die Evangelische Kirche unterscheidet sicher deutlich zwischen der verfaßten Kirche (also der menschlichen Organisation) und der "unsichtbaren Kirche" als nicht faßbare "Gemeinschaft der Heiligen", also all der Menschen, die im Glauben an den dreieinigen Gott leben, egal in welcher Form oder Kirche sie dies tun (deshalb "unsichtbar"). Und sie vertritt aus Überzeugung, daß die Zugehörigkeit zu einer konkreten verfaßten Kirche nicht notwendig ist. Aber das bedeutet nicht, daß diese Zugehörigkeit nicht als sinnvoll angesehen würde.
              Im Gegenteil, da es ein Erfahrungswert ist, daß sich Menschen, die ihren Glauben "für sich alleine" leben, im Laufe der Zeit ohne Impulse oder Austausch über Glaubensfragen in der Regel immer weiter von dem entfernen, was in der Bibel verkündigt wird und für die Kirche das Fundament des Glaubens ist, betont auch die evangelische Kirche die Bedeutung der Mitgliedschaft in einer Kirche oder Gemeinschaft.
              Wer sich nun für eine Taufe durch einen evangelischen Pfarrer/-in entscheidet, entscheidet sich damit auch für die Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche. Und deshalb zielt die Frage an die Paten natürlich auf beides ab: Auf den lebendigen Glauben in der Gemeinschaft der "unsichtbaren" Kirche UND der verfaßten. Und letzteren kann - aus Sicht der Kirche - niemand glaubhaft vertreten, der diese Gemeinschaft durch seinen Austritt bewußt verlassen hat, ohne sich einer anderen Gemeinschaft anzuschließen.
              Daß Paten, die einer anderen (ACK-)Kirche angehören, unter bestimmten Umständen zugelassen sind, widerspricht dem nicht. Es bestätigt vielmehr, daß die Protestanten verschiedene Formen der Glaubensgemeinschaft anerkennen - also auch andere Kirchen.
              Wer sich jedoch für den individuellen Glaubensweg ganz ohne Kirche oder organisierte Gemeinschaft entschieden hat, ist aus demselben Grund aus evangelischer Sicht als Pate nicht geeignet.

              Es sind also sehr wohl inhaltliche Gründe, die zu dieser Regelung führen.

              Gruß, Martinus..



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