heilige schrift - apokryphen

Von: , Frage gestellt am Di, 2. Nov 1999

hallo alleswisser,
wann, wo und durch wen wurde eigentlich festgelgt, welche schriften in die bibel gehören und welche nicht (apokryphen)?
war wohl ein bestimmtes konzil, oder?
vielen dank für die antwort!
mfg - george

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 9 Stunden hilfreich
    Re: heilige schrift - apokryphen

    Hallo George,

    Die Urchristenheit benutzte die griechische Übersetzung des Alten Testamentes (Septuaginta), in der die Apokryphen wie selbstverständlich enthalten waren. Sie gehörten im 1. Jh. n. Chr. für die Christen also zum Kanon der heiligen Schriften.

    Zwischen 90 und 100 n. Chr. traf sich ein Rat von 72 jüdischen Gelehrten in Jamnia, um für das Judentum endgültig festzulegen, welche Schriften zum Kanon gehören sollten. Sie schieden die Apokryphen aus ihrem Kanon aus, weil diese Bücher allesamt nur in griechischer Übersetzung, aber nicht mehr im hebräischen Original vorlagen (daneben gab es noch theologische und stilistische Kriterien). Diese Entscheidung hat in der christlichen Kirche eine neue Kontroverse ausgelöst.

    Auf den Synoden von Rom (382), Hippo (393), und Karthago (397/419) wurde dann allerdings beschlossen, dass die Apokryphen für die christliche Bibel zum Kanon gehören.
    Der Reformator Martin Luther war dann der nächste, der in seiner Bibelübersetzung die Apokryphen herausgelöst und als besonderen Teil zwischen AT un NT gestellt hat. Sein Kommentar: "Das sind Bücher, so der heiligen Schrift nicht gleichzuhalten, und doch gut und nützlich zu lesen sind." Die Katholische Kirche hat im Gegenzug dazu auf dem Konzil von Trient 1546 bestätigt, dass die Apokryphen zum AT gehören und zwar in ihrer bisherigen Anordnung über das AT verteilt.

    Viele Grüße,

    Alex [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
      Re^2: heilige schrift - apokryphen

      lieber alexander,
      vielen dank für deine profunde, ausführliche antwort. das ist die erste antwort, die ich mir auch gleich ausgedruckt habe!
      mfg - george

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Re^2: Kleiner Widerspruch

      Hallo alle, Hallo George,

      Die Urchristenheit benutzte die
      griechische Übersetzung des Alten
      Testamentes (Septuaginta), in der die
      Apokryphen wie selbstverständlich
      enthalten waren. Sie gehörten im 1. Jh.
      n. Chr. für die Christen also zum Kanon
      der heiligen Schriften.

      Zwischen 90 und 100 n. Chr. traf sich ein
      Rat von 72 jüdischen Gelehrten in Jamnia,
      um für das Judentum endgültig
      festzulegen, welche Schriften zum Kanon
      gehören sollten. Sie schieden die
      Apokryphen aus ihrem Kanon aus, weil
      diese Bücher allesamt nur in griechischer
      Übersetzung, aber nicht mehr im
      hebräischen Original vorlagen (daneben
      gab es noch theologische und stilistische
      Kriterien). Diese Entscheidung hat in der
      christlichen Kirche eine neue Kontroverse
      ausgelöst.
      Das entspricht nicht mehr dem Stand der historisch-kritischen Forschung. Die sog. "Synode von Jamnia" ist aller Wahrscheinlichkeit nach ein bloßes Konstrukt und hat als solche nie wirklich stattgefunden. Die Frage, welche Bücher Teil der Schrift sind, hat sich wohl im Judentum auf die gleiche Weise wie im Christentum gelöst: durch die Praxis der Gemeinden, die einige Bücher in ihre Liturgie aufnahmen und sich dafür entschieden, sie als normativ anzusehen, andere aber eben nicht. Ein "urdemokratischer" Vorgang also sowohl im Judentum wie in der frühen Christenheit. Um diese historisch gewachsene Entscheidung zu legitimieren, hat man sie nachträglich und viel später einer unbestrittenen rabbinischen Autorität zugeschrieben - eben jener "Synode von Jamnia". Natürlich brauchte das alles seine Zeit, der Prozeß war bis ins 4. Jhdt. n. Chr. nicht abgeschlossen. Auf den Synoden von Rom (382), Hippo
      (393), und Karthago (397/419) wurde dann
      allerdings beschlossen, dass die
      Apokryphen für die christliche Bibel zum
      Kanon gehören.
      Der Reformator Martin Luther war dann der
      nächste, der in seiner Bibelübersetzung
      die Apokryphen herausgelöst und als
      besonderen Teil zwischen AT un NT
      gestellt hat. Sein Kommentar: "Das sind
      Bücher, so der heiligen Schrift nicht
      gleichzuhalten, und doch gut und nützlich
      zu lesen sind." Die Katholische Kirche
      hat im Gegenzug dazu auf dem Konzil von
      Trient 1546 bestätigt, dass die
      Apokryphen zum AT gehören und zwar in
      ihrer bisherigen Anordnung über das AT
      verteilt.
      Dazu muß man noch beachten, daß "Apokryphen" für die Evangelischen genau diese Bedetung hat, für andere Kirchen, die einen anderen Kanon haben, aber Schriften meinen, die zwar aus jener Zeit stammen, aber eben aus dem Kanon ausgschieden wurden - das Thomas- und das Petrusevangelium zB und eine Menge Briefe.

      Liebe Grüße
      Benjamin

  2. Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
    Re: apokryphen, und noch etwas dazu...

    Hello George,

    wir, die LDS, sehen das so:
    ( es gibt darueber sehr genaue Abhandlungen , die hier zuweit fuehren wuerden ), daher dies:
    Wer aus dem Studium der Apokryphen wirklich Nutzen ziehen will, muss erst einmal fundierte Evangeliumskenntnisse besitzen. Alle heilgen Schriften der Kirche verstehen und sich vom Geist fuehren lassen.

    Tschau
    Tom [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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