Re^4: Eine Frage zu Jehovas Zeugen
Hallo Carlos,
ich habe gar nichts zu den offiziellen Kirchen geschrieben, deshalb kann in dem Sinne auch nichts irreführend gewesen sein. Den Inhalt meines Links habe ich sehr genau gelesen und jetzt noch zur Untermauerung meines Beitrags zwei weitere hinzugefügt. Es ist schon so, dass die offizielle WTG gezielt Lügen verbreitet und ihre „unteren Chargen“ systematisch verdummt und ausnutzt.
Nochmal zurück zur Anbiederung und offenen Kompromissbereitschaft der ZJ an bzw. gegenüber Hitler:
Im Anschluss an die Tagung der ZJ in Berlin am 25.06.1933 wurde unter dem 2. Präsidenten der ZJ, J.F. Rutherford, ein Schreiben mit einer beigefügten Erklärung an den damaligen Reichskanzler Adolf Hitler gerichtet. Das war zu einem Zeitpunkt, als die ZJ noch überhaupt keiner Verfolgung also Organisation ausgesetzt waren. Erst als die Dienstverpflichtung für über 18-Jährige eingeführt war, fielen einige, wenige ZJ dadurch auf, dass sie den „Deutschen Gruß“ und den Wehrdienst verweigerten. Sie wurden also deshalb verfolgt und nicht als Angehörige der Organisation.
In dem Schreiben und seiner beigefügten Erklärung ging es darum, Hitler mitzuteilen, dass die ZJ äußerst deutschfreundlich und national seien, es aber gegen ihre religiösen Überzeugungen verstoße, irgendwelche Tätigkeiten im Zusammenhang mit Staat oder Militär zu verrichten. Also kein Hitlergruß, kein Wehrdienst oder Polizeidienst und dergleichen. Man sei sich allerdings darin einig, dass Hitler als der Führer Deutschlands anzuerkennen sei und dass die Schuldigen an jedweden Missständen die Juden seien.
Diese Äußerungen wurden getan, als es bereits KZs gab und Juden das Land verlassen mussten. Die ZJ unterstützten offen die antisemitischen Gedanken und Ziele Hitlers!! Dieses Schreiben wurde von 5000 (fünftausend) ZJ einstimmig angenommen und an Hitler gesandt. Abschließend enthielt dieses Schreiben eine Warnung an Hitler, sich nicht an den ZJ zu vergreifen, weil er sonst Gottes Werk selbst angreife und somit Gottes Zorn auf sich ziehen werde. Erst diese Drohungen gegen Hitler, die dann 1934 nochmal wiederholt wurden, führten dazu, dass die ZJ Deutschlands als Organisation verfolgt wurden.
Wenn jetzt in dem Video „Standhaft trotz Verfolgung“ davon die Rede ist, wie standhaft und tapfer die ZJ sich gegen die Nazis wehrten, so muss man das erst einmal relativieren. Die Inhaftierten weigerten sich (dazu genaueres unten), den Hitlergruß zu benutzen und Wehrdienst zu leisten, ansonsten waren sie durchaus gern gesehenes Personal bei den Offizieren der Nazis, weil sie dort willig und gut zivile Arbeiten verrichteten, denn das stand nicht im Widerspruch zu ihren religiösen Überzeugungen und ebenfalls nicht im Widerspruch zu ihren ideologischen, nationalistischen, antisemitischen Überzeugungen.
Dass die ZJ sich mit den anderen Opfern des Nationalsozialismus vergleichen und sich als genauso verfolgt bezeichnen wie Sinti, Roma, Schwule oder Juden, ist m.E. sehr dreist, denn keine der anderen Gruppen hat jemals Hitler mit dem Zorn und der Strafe Gottes gedroht, wenn er sie nicht in Ruhe lässt. Es ist vor allem Rutherford selbst zu verdanken, dass deutsche ZJ als Organisation verfolgt wurden!
Was die Kompromisse angeht, so hat man sie gemacht! Z.B. waren viele ZJ, die in KZs waren, als Haushaltskräfte bei hohen Offizieren fleißige und willfährige Dienstboten. Sie haben zwar keine Waffen angefasst, aber sie haben sich nicht geweigert, die persönlichen Wünsche der Nazischergen zu befriedigen und dafür besseres und mehr Essen bekommen, als alle anderen Häftlinge sonst.
In den KZs saßen tatsächlich ca. 6000 ZJ vorübergehend ein, ca. 1200 von ihnen wurden ermordet. Die übrigen 19000 ZJ Deutschlands blieben unbehelligt. Viele von ihnen waren in der Armee, es ist also eine glatte Lüge, wenn behauptet wird, die ZJ hätten sich so tapfer dem Regime widersetzt und vor allem, sie hätten keinen Militärdienst geleistet!
Ein Beispiel ist die Erklärung der Vereinigung der ZJ der Schweiz aus dem Jahre 1943, in der es heißt:
"Wir stellen ausdrücklich fest, daß unsere Vereinigung weder gebietet, noch empfiehlt, noch sonst in irgendeiner Weise nahelegt, gegen militärische Vorschriften zu handeln. Derartige Fragen werden weder in unseren Versammlungen noch in den von der Vereinigung herausgegebenen Schriften behandelt. Hunderte unserer Mitglieder und Glaubensfreunde haben ihre militärischen Pflichten erfüllt und erfüllen sie weiterhin. Wir haben uns nie angemaßt und werden uns nie anmaßen, in dieser militärischen Pflichterfüllung eine Zuwiderhandlung gegen die Grundsätze und Bestrebungen der Vereinigung Jehovas Zeugen ... zu erblicken."
Im Ersten Weltkrieg waren übrigens auch viele ZJ in der Armee.
Quellen: http://www.muenchnernotizen.de/Religion/Zeugen_Jehov..., http://www.infolink-net.de/docs/politik/wolf16.htm
mfg Sylvia