Woher kommt die Marienverehrung in der Kath.Kirche

Von: , Frage gestellt am Mi, 18. Apr 2001

Hallo,
habe es schon so häufig gesehen, Katholiken beten Maria an, erhoffen sich von ihr Wunder, Vergebung der Sünden usw. Sie wird als Mutter Gottes bezeichnet und im ganzen eine gottgleiche Bedeutung zugewiesen.
Ich frage mich aber: Warum?
Ich bin gläubiger Christ (Protestant, obwohl ich den konfessionen keine Wichtige Bedeutung zuordne) und lese auch des öfteren in der Bibel, habe aber bisher an keiner Stelle (bewusst)gelesen, wo dieMarienverehrung untermauert wird.
Wer kann mir erklären, warum dies in der katholischen Kirche praktiziert wird.

Viele Grüße

M.

16 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
    Re: Woher kommt die Marienverehrung in der Kath.Ki

    Maria genießt in der katholischen und in der orthodoxen Kirche höchste Verehrung. Für die katholische Kirche bestimmen vier Dogmen ihre Stellung in der Theologie:

    Maria ist als Gottesgebärerin die Mutter Gottes
    Maria ist trotz der Geburt immer Jungfrau geblieben
    Maria ist unbefleckt empfangen (d.h., sie ist vom ersten Augenblick ihres Daseins an heilig und ohne Erbsünde)
    Maria ist als ganzer Mensch mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen worden (dieses Dogma wurde erst am 1.11.1950 von Papst Pius XII. verkündet)

    "...Siehe von nun an preisen mich selig alle Geschlechter" (Lk 1, 48). Dieser Satz ist die biblische Grundlegung der Marienverehrung. Maria kündet es selbst an, daß alle künftigen Generationen der Glaubenden sie seligpreisen werden für das Große, das Gott an ihr getan hat.

    . Eine andere Stelle aus dem Johannes evangelium ist in diesem Zusammenhang ebenfalls von Bedeutung, das Vermächtniswort des Herrn am Kreuz: "Frau, siehe, dein Sohn! Siehe, deine Mutter! (Joh 19,26 f.) Gemäß der schon bei den Kirchenvätern vertretenen Auslegung gibt Jesus hier in der Person des Lieblingsjüngers der ganzen Jüngergemeinde Maria zur Mutter. Von hier aus erklärt sich der Titel "Mutter der Kirche" , den das 2. Vatikanische Konzil Maria verlieh.

    Das ganze ist natürlich zumindest fragwürdig. So sagen die Gegner: die Bibel zeigt eindeutig , daß Maria nicht "ewige Jungfrau" ist, sondern nach der Geburt Jesu auf natürliche Weise weitere Kinder bekam.

    Und Maria hat in der Bibel keinen Vorrang vor anderen Gläubigen. Das stellt Jesus selbst in Lukas 11,27-28 heraus: "....da erhob eine Frau aus der Volksmenge ihre Stimme und sprach zu ihm: Glückselig der Leib, der dich getragen und die Brüste, die du gesogen hast ! Er aber sprach: Gewiß, doch glückselig, die das Wort Gottes hören und befolgen!"

    In der Bibel finden wir keine Lehre von Maria als "Mittlerin aller Gnaden", "Unbefleckt empfangene", "Himmelskönigin", "Miterlöserin", "Schlangenzertreterin", "Mittlerin zum Mittler" oder von ihrer angeblichen Himmelfahrt. Diese Titel Marias sind unbiblisch, was natürlich den Gegnern der Marienverehrung mehr Recht verleihen soll !?

    wie bei vielen Glaubensfragen gibt es auf jeder Seite für jedes Argument mindestens zwei Widersprüche.

    gruß stare

  2. Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
    These: Synkretismus

    Hallo Milovic,

    einige Religionswissenschaftler haben die These aufgestellt, dass sowohl Maria als auch die Heiligenverehrung durch Synkretismus entstanden sind. (Synkretismus = Vermischung unterschiedlicher Religionen, Konfessionen oder philosophischer
    Systeme) - in dem Fall heidnischer Götter (Maria = heidnische Göttin, Heilige = Ortsgötter). Für die Heiligen weiss ich, dass die Christianisierung meist so ablief, dass zunächst die ursprünglichen Heiligtümer zerstört wurden und an gleicher Stelle eine Kirche oder ähnliches gebaut wurde. In der Bretagne siehst du heute noch oft Kreuze auf den Menhiren- was, wie mir ein bretonischer Hobbyhistoriker berichtete, ein ähnliches Phänomen sei. Die Menschen, pragmatisch wie sie oft sind, haben sich wohl meist einfach ihren Teil gedacht und oft ihren eigentlich Gott weiter angebetet und sie "Heilige" genannt oder sich "Heilige" gesucht. Mit der Zeit ist das in Vergessenheit geraten.

    Für Maria hatte ich vor Ewigkeiten mal einen Vortrag einer feministischen Religionswissenschaftlerin dazu gehört (nur damit du das einordnen kannst, woher diese These stammt)und sie behauptete, dass Maria ein Ersatz für Demeter, die Göttin der Ähren und Pflanzen, wenn ich das jetzt nicht völlig falsch in Erinnerung habe, wurde. Weil die Menschen auch eine Fruchtbarkeitsgöttin brauchten und immer hatten. Vielleicht weiss ja Metapher da mehr dazu. :) Ich krieg auch nicht mehr die ganze Argumentationskette von ihr hin. Als These sei es mal in den Raum gestellt, weil es mir recht plausibel erscheint. Für die Heiligen ist das mittlerweile eine sehr festgezurrte und belegte These. Warum nicht ähnliche Mechanismen für Maria?

    Beste Grüße,

    Barbara

  3. Antwort von nach 16 Stunden 5 hilfreich
    Maria - Sophia

    Hi Milovic

    (sorry, leider mal wieder sehr lang *gg*)

    eine religionshistorisch ganz spannende Angelegenheit, aber auch eine sehr komplizierte...

    Zunächst wäre es die Frage nach der Entwicklung des Marienkultes im Christentum überhaupt. Daß in den Reformationsbewegungen der Marienkult abgelehnt wurde, ist ja eine sehr späte Entwicklung, die mit der Entstehung des Kultes nichts zu tun hat.

    Es ist eine sehr umfangreiche Mythologie-Geschichte, deshalb will ich nur ein paar Hauptpunkte herauspicken:

    Die Formen des Kultes resultieren alle aus Synkretismen, so wie es barbara schon erklärte. Im gesamten Mittelmeerraum gab es schon Jahrhunderte vor der Entstehung des Christentums Kulte, in denen einerseits eine Mutter mit Kind vorkam (nur als Beispiel Isis/Osiris) und andererseits eine Göttin verehrt wurde, die an die Mondphasen assoziiert wurde.

    In Italien hat man eine Werkstätte aus dem 2. Jhdt v.Ch. gefunden (weiß leider im Augenblick nicht, wo), in der kleine Tonfiguren (Devotionalien) produziert wurden, die eine Frau mit einem Kind auf der Schulter darstellten...

    Die Mondphasengöttin (ich nenn sie mal so) hat generell die Eigenschaft, entweder weiß zu sein (Vollmond) oder schwarz (Neumond). Die Sichel des zunehmenden oder abnehmenden Mondes wurde an ein Schiff assoziiert, auf dem die Göttin (stehend) den Himmel durchkreuzt. Daher die zahlreichen Darstellungen und Kulte der "schwarzen Maria" und auch das Phänomen, daß Marienstatuetten häufig eine Mondsichel unter dem Fuß haben. Hier handelt es sich also eindeutig um das, was barbara beschrieb: hier wurden bereits bestehende Kulte mit einer neuen, aber ähnlichen Mythologie überlagert. Daß soetwas in der Christentumsgeschichte, überhaupt in der Geschichte aller Religionen nur selten ohne Gewalt abging, das ist ja jetzt nicht das Thema....

    Daß der Marienkult bereits im frühesten Christentum eine Rolle spielte, das erkennt man aus der Tatsache, daß in zweien der vier Evangelien (Matthäus, Lucas) über die "Mutter Jesu", die auf hebr. Marjam oder Mirjam hieß, eine Geschichte geschrieben wird, auf welche Weise sie mit Jesus schwanger wurde, von der man heute nicht weiß, wo die eigentlich herkommt. Daß in den Evangelientexten sichtbar wird, daß man Maria durchaus auch als reale Mutter sah, die außer Jesus auch noch andere Kinder hatte, darüber kann man hier nachlesen:

    "Jesus und seine Geschwister" (Forum Geistesw.)
    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

    Daß Personen, die später als Religionsgründer geschichtliche Bedeutung bekommen, eine besondere Form Geburtsgeschichte zugeschrieben wird, bei der es nicht mit rechten Dingen zugeht, ist keineswegs eine Besonderheit des Christentums. Gerade Mesopotamien und im Mittelmeerraum ist die Schwängerung einer Frau durch eine göttliche Gestalt nichts besonderes. Ich bin gerade einer alten chinesischen Darstellung der Geschichte des Buddha (der dort Shakyamuni heißt) auf der Spur, die enorme Ähnlichkeiten mit der mythischen Jesusgeburt aufweist (mit der Grabesgeschichte und der "Auferstehung" übrigens auch).

    Auch daß die Marjam als Jungfrau (griech. parthenos) gebiert (obgleich sie im Aramäischen lediglich eine "junge Frau" ist, ebenso in Isaia 7.14, eine Stelle, auf die sich Lucas 1.31 als Vorhersage bezieht - auch Paulus Galater 4.4 hat nur "geboren aus einer Frau") dargestellt und verehrt wird, hat eine hervorragende Bedeutung, die man aber nur nachvollziehen (oder meintwegen auch beibehalten) kann, wenn man sie als Mythos nimmt: es ist ein (geradezu internationaler) archaischer mythologischer Standart, an die "junge Frau" die "göttliche Weisheit" zu assoziieren. Beispiele: Athena, ferner die griech. "sophia", die als Frau vorgestellt wurde und gemeinsam mit dem "pneuma" (Geist) in griech. Geheimkulten und auch in der Stoa eine wesentliche Rolle spielte, von der späteren Gnosis ganz abgesehen.

    Die frühen Christen haben vermutlich an die Gestalt (besser sollte man sagen, die Idee) "Maria" ebenfalls bereits ältere Aussagen über die Weisheit (hebr. "chokma") und auch an "ruah" assoziiert. Besonders die Stellen Sirach 1.1-9, 24,1-18, 24.19-22, Sprüche 8.12-31 und besonders Sprüche 31.10-31 und viele andere haben Aussagen, die in die spätere Marienverehrung eingehen.

    Eine weitere Geschichte ist, wie es zu dem Ausdruck "Mutter Gottes" (griech. "theotókos" Gottesgebährerin) kam. Das hängt natürlich unmittelbar mit der Entwicklung des Verständnisses von Jesus als eine der "drei Personen Gottes" zusammen.
    siehe hierzu: "Geist und Trinität"
    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...
    und "Trinität und Triaden"
    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

    Das ist aber zuviel für ein Posting, und ich weiß ja nicht, wie genau du es wissen wolltest.

    Das problematischste für den Nichtanhänger von Marienkulten ist zweifellos die sog. Jungfrauengeburt. Aber diese Idee ist rein mythologisch betrachtet gar kein Problem und in der weltweiten Mythologiegeschichte keineswegs etwas außergewöhnliches. Abstrus und - um auch mal ne persönliche Stellungsnahme dazuzusagen - geradezu ketzerisch und sogar wiederlich wird das erst, wenn man daraus eine biologisch-medizinische Fragestellung macht - egal, ob man sie irrsinnigerweise zu einer medizinischen Tatsache macht und dann auch noch zu einer Glaubensverpflichtung, oder ob man dagegen opponiert (wodurch man es ja immer noch zu einem sinnvollen Diskussiongegenstand erklären würde). Mythen haben ihre Bedeutung und ihre Großartigkeit an sich selbst und haben nun mal absolut nichts mit historischen oder biologischen Tatsachen zu tun....

    zum Verständnis von Mythen siehe
    http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv...

    so - ich mach mal nen Punkt, sonst wird noch ein Buch draus...
    Grüße
    Metapher (der übrigens nicht Anhänger von Marienkulten ist)

  4. Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
    Maria aus Magdala

    Möglich, daß es noch eine andere Erklärung gibt.
    Vieleicht ist ursprünglich mit Maria, nicht die Mutter Jesu gemeint, sondern Maria Magdalena die Frau des Rabbis aus Nazareth. Stell dir vor, nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes am Kreuz mußte sie fliehen. Stell dir vor sie war von ihm schwanger, würde diese Maria mit dem Kind (immerhin der Sohn des König der Juden) nicht eine Leitfigur abgeben? Die Mutter mit dem Kind, die Dynastie wäre gesichert. Anbetungswürdig! Wem würde diese Version aber am meisten im Wege stehen? Doch denen, die den heutigen Marienkult am meisten propagieren. Passt auch besser ins Bild. Frauen lassen sich prima unterdrücken und keiner muß die Frage nach dem Verbleib der Familie von Jesus Familie beantworten.

    Grüße Owi.

    • Antwort von nach 22 Stunden 3 hilfreich
      ähem

      naja - es war eigentlich nach der Geschichte der Enstehung des Kultes gefragt, nicht nach Phantasien, die man sich darüber auch noch (zweifellos) machen kann *g* Vieleicht ist ursprünglich mit Maria, nicht die Mutter Jesu
      gemeint
      zu keiner Zeit war die Leitfigur des christlichen Marienkultes jemand anderes als die Mutter Jesu. ... Maria Magdalena die Frau des Rabbis aus
      Nazareth. Stell dir vor, nach dem gewaltsamen Tod ihres Mannes
      Wenn man ernsthaft an der Historie von irgendwas interessiert ist, empfiehlt es sich, seine Kenntnisse aus anderen Quellen zu holen als aus (wohlbekannten) Filmproduktionen, die ja ein anderes Anliegen haben, als die Geschichte zu rekonstruieren.

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re: ähem

        Hi Metapher,

        gewollt oder ungewollt hat dich Owain Dantgwyn in die Situation gebracht, dass du dir selbst widersprochen hast oder widersprechen mußtest.
        In deinem ersten Posting las ich: "...Mythen haben ihre Bedeutung und ihre Großartigkeit an sich selbst und haben absolut nichts mit historischen oder biologischen Tatsachen zu tun..."
        In deiner jetzigen Reaktion auf den Vergleich mit Maria Magdalena sagst du: "..."Wenn man ernsthaft an der Historie von irgendwas interessiert
        ist, empfiehlt es sich, seine Kenntnisse aus anderen Quellen
        zu holen als aus (wohlbekannten) Filmproduktionen, die ja ein
        anderes Anliegen haben, als die Geschichte zu rekonstruieren."

        Ein wohl offenkundiger Widerspruch, der übrigens jeder theologischen Betrachtung einer Religion zu eigen ist. Die Wahrheit hat jede Religion für sich gepachtet, andersgläubige glauben falsch. Wahrheit und Wirklichkeit werden hier synonym benutzt und ergeben ein unantastbares Bild, das nie in Frage gestellt werden darf.
        Wenn dann doch, bricht jeder Religionsglaube wie ein Kartenhaus zusammen und hinterläßt bei dem die Erkenntnis Suchenden ein riesiges Loch.

        Gruß,
        Francesco

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^2: ähem

          Hallo!

          Wo ist da denn ein Widerspruch? Da wäre nur einer, wenn 'Mythos' mit 'Historie' gleichgesetzt würde. Aber gerade der Unterschied macht doch auch verschiedene 'Betrachtungsweisen' nötig. Wahrheit hat jede Religion für sich gepachtet, andersgläubige
          glauben falsch.
          Das mag häufig genug so scheinen, ist aber 'theologisch' keineswegs so. Wahrheit und Wirklichkeit werden hier synonym
          benutzt
          In der Theologie eben nicht. Da wäre dann 'wahr' auf der einen und 'falsch' auf der anderen Seite überhaupt nicht kompatibel.

          Ciao!
          Martin

        • Antwort von nach einem Tag 3 hilfreich
          Kartenhäuser

          Hi Francesco

          da ich in der Durchführung eines stringenten (also mindestens widerspruchsfreien) Gedankenganges nicht allzu geübt bin, freut es mich natürlich sehr, daß du mich auf einen Widerspruch hingeweist, insbesondere auch noch auf einen, den ich gezwungenermaßen machen mußte - schachmatt?

          Ich möchte es nur besser verstehen, daher eine Rückfrage: In deinem ersten Posting las ich: "...Mythen haben ihre
          Bedeutung und ihre Großartigkeit an sich selbst und haben
          absolut nichts mit historischen oder biologischen Tatsachen zu
          tun..."
          Das ist richtig, das meine ich in langjähriger Arbeit an Mythen aus aller Welt herausgefunden zu haben, daß sie gar nicht den Anspruch auf historische oder biologische Tatsächlichkeit hatten... und daß sie ihre anthropologische Bedeutung in keiner Weise einbüßen, wenn ihre Aussagen irgendwie durch historische oder biologische Erkenntnisse (meist späterer Zeiten) "wiederlegt" werden. Ein Mythos will etwas ganz anderes, als historisch oder biologisch "richtig" zu sein.
          Das haben Mythen übrigens mit Phantasien gemeinsam - beide, Mythen und Phantasien, haben eine enorme Bedeutung für das menschliche Leben (und Zusammenleben). In deiner jetzigen Reaktion auf den Vergleich mit Maria
          Magdalena sagst du: "..."Wenn man ernsthaft an der Historie
          von irgendwas interessiert
          ist, empfiehlt es sich, seine Kenntnisse aus anderen Quellen
          zu holen als aus (wohlbekannten) Filmproduktionen, die ja ein
          anderes Anliegen haben, als die Geschichte zu rekonstruieren."
          Das ist auch richtig. Filmproduktionen, wie die zitierte von Achternbusch (die also nicht den Charakter einer Recherche haben, auf die du dich als Journalist ja verstehst) haben nicht den Ansprcuh auf historische Tatsächlichkeit, wollen also ebenfalls etwas anderes aussagen, als historische Rekonstruktion.

          Wo ist nun aber der Widerspruch?

          Wenn gefragt ist nach der historischen (!) Entstehungsgeschichte, also nicht nach einer mythischen, in diesem Fall nach der Geschichte des Marienkultes, dann muß der Arbeitsprozess (und die Stringenzüberprüfung) folglich ganz anderen Regeln folgen als die, nach denen eine Phantasie - oder eben ein Mythos - aufgebaut ist.

          Maria aus Magdala ist nun aber eine Gestalt, von der ausschließlich in zwei Texten der Antike geredet wird. Von dieser Gestalt ist nichts weiter bekannt, als das, was in genau diesen beiden Texten steht. Und da steht nicht drin, daß sie die Ehefrau von wemauchimmer gewesen sei und auch nicht, daß sie schwanger o.ä. gewesen sei. Und von einem an sie assoziierten Kult gibt die kulthistorische Forschung keinerlei Kenntnisse her. Nach historischen Kenntnissen war aber gefragt !!
          Und zwar nach denen über den "Marien"-Kult, von dem man weiß, daß er sich nicht auf die Maria aus Magdala bezieht - basta!

          Ich sehe weit und breit keinen Widerspruch - dabei hatte ich mich schon so gefreut! Ein wohl offenkundiger Widerspruch, der übrigens jeder
          theologischen Betrachtung einer Religion zu eigen ist.
          1. siehe oben
          2. war das keine "theologische" Betrachtung, sondern ein historisches Kurzreferat über Kultgeschichte... Die
          Wahrheit hat jede Religion für sich gepachtet, andersgläubige
          glauben falsch.
          "Pacht" ist gar kein so schlechter Ausdruck für dieses Phänomen. Es unterscheidet sich ja von "Besitz". Übrigens Achternbusch würde sich kringeln und krümeln vor Lachen, wenn man ihm unterstellte, er habe eine "religiöse Wahrheit" propagieren wollen.

          Übrigens ist der in vielen Religionen vorhandene Begriff der "Wahrheit" in keiner Weise verwechselbar mit dem formallogischen Begriff "Wahrheit". Der letztere bezieht sich auf die Übereinstimmung einer Aussage mit einer Realität, über die sie etwas aussagt. Bei Nichtübereinstimmung wird die Aussage als "falsch" gewertet. Der religiöse Wahrheitsbegriff hat aber nicht "Falschheit" zum Gegensatz, sondern (je nach Kontext) soetwas wie "Blindheit", "Verborgenheit", "Unsichtbarkeit" oder "Verwirrung". Soetwas sollte man aber wissen, wenn man sich aufmacht, Religionen zu kritisieren.......

          ...sonst fällt die Religionskritik in sich zusammen wie ein Kartenhaus :-)


          Gruß
          Metapher

      • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
        Re: Typisch

        zu keiner Zeit war die Leitfigur des christlichen Marienkultes
        jemand anderes als die Mutter Jesu.
        Möchte mal wissen woher Du da so sicher bist? Natürlich! Habe ich vergessen. Was die Kurie festlegt ist richtig. Wer was anderes behauptet wird verbrannt. Wenn man ernsthaft an der Historie von irgendwas interessiert
        ist, empfiehlt es sich, seine Kenntnisse aus anderen Quellen
        zu holen als aus (wohlbekannten) Filmproduktionen, die ja ein
        anderes Anliegen haben, als die Geschichte zu rekonstruieren.
        Oder der Lächerlichkeit preisgegeben. Ich weiss nicht welche Filmproduktion Du meinst aber meine Quelle ist hauptsächlich die Bibel.

        Gott zum Gruße Owi.



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