Re^2: Dalai Lama betet - aber zu wem?
Hallo Karl,
Im Buddhismus wird auch von einer allumfassenden Buddha-Natur
gesprochen, die [...] auch als
Anbetungs-"Gegenstand" verehrt und eben angebetet werden.
wärest Du so freundlich uns mitzuteilen, in welcher buddhistischen Tradition die Buddha-Natur (übrigens eine reichlich schiefe Übersetzung von buddhadhâtu bzw. buddhatâ) "als Anbetungs-"Gegenstand" verehrt und eben angebetet werden" soll? Oder hast Du sonst einen ernstzunehmenden Beleg für diese Behauptung?
Gerade um die hier entstandene Konfusion zu vermeiden wird in Bezug auf das, was der Dalai Lama da getan hat, häufig auch nicht von 'beten' sondern von 'Wünsche machen' gesprochen. Tibetisch heisst diese Praxis Mönlam, etwa "Wunsch-Pfad". Selbstverständlich handelt es sich nicht um Wünsche für sich selbst und auch nicht um Wünsche an eine Instanz, schon gar keine personal vorgestellte.
Es handelt sich vielmehr um eine sog. Paramita-Übung - die 8. nach dem Avatamsaka-Sutra. Auf Sanskrit heist dieses Übungsfeld Pranidhāna pāramitā, wobei 'Pranidhana' sich auf die Bodhisattva-Gelübde bezieht. Der "Wunsch", um den es da geht, ist schlicht der, alle Wesen aus dem samsarischen Kreislauf zu erretten. In der entsprechenden liturgischen Handlung wird diesem Wunsch u.a. durch Rezitation von Texten Ausdruck gegeben - das ist das, was manche Westler dann als 'Gebet' missverstehen und manchmal auch Tibeter selbst so bezeichnen - nämlich dann, wenn sie davon ausgehen, dass ihre westlichen Zuhörer eh nicht kapieren, worum es geht. 'Gebet' ist hier bestenfalls ein schiefes Analogon.
Freundliche Grüße,
Ralf