Ist jede Veranlagung ethisch in Ordnung?

Von: , Frage gestellt am Mi, 6. Jun 2001

Hallo

Meine Frage entzündet sich an der Diskussion über Homosexualität weiter unten, geht aber darüber hinaus.

Dort wird die Homosexualität verteidigt mit dem Argument, daß man eben dazu veranlagt sei (egal ob das so nun stimmt oder nicht).

Meine Frage geht also dahin, welche Beziehung Veranlagung und ethisches Verhalten hat. Es ist mir klar, daß Ethik zu einem grossen Teil gesellschaftlich motiviert ist und sich daher ändert, wenn die Gesellschaft sich ändert. Aber gilt das zu 100%? Und kann jedes Verhalten damit entschuldigt werden, daß "man eben so ist"? Und nach welchen Richtlinien soll man Veranlagungs-Verhalten in Ordnung finden oder nicht?

Gruß
Thomas

10 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Ist jede Veranlagung ethisch in Ordnung?

    Hallo Thomas,

    unser Handeln beschränken (oder verstärken) wir ständig durch irgendwelche Richtlinien, sei es aufgrund einer Ethik, Religion, Glauben etc. Dieses funktioniert auch, wie ein kurzer Blick in die Vergangenheit zeigt und das sich auf dieser Ebene heutzutage nichts geändert hat, müsste es auch heute funktionieren.

    Auch eine Selbstreflexion zeigt doch, dass wir uns ständig beschränken und uns nicht von unseren Trieben, unserer Lust oder Veranlagung alleine leiten lassen. Dieses ist ein Grundprinzip menschlichen Lebens. Durch eine Religion wird dieses noch verstärkt, da hier in höherem Masse gesagt wird, was gut oder schlecht ist.

    Schalom,
    Eli

  2. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: Ist jede Veranlagung ethisch in Ordnung?

    Meine Frage geht also dahin, welche Beziehung Veranlagung und
    ethisches Verhalten hat. Es ist mir klar, daß Ethik zu einem
    grossen Teil gesellschaftlich motiviert ist und sich daher
    ändert, wenn die Gesellschaft sich ändert. Aber gilt das zu
    100%?
    glaub schon. die wertevorstellungen unserer eltern und großeltern sind längst überholt. mit unseren wertevorstellungen wird's genauso sein. und mit denen unserer kinder auch.
    am ende wird nur ein harter kern übrigbleiben. und dann geht das spiel vielleicht von vorne los. Und kann jedes Verhalten damit entschuldigt werden, daß
    "man eben so ist"?
    dann wären so manche gesetzbücher wohl ziemlich überflüssig... Und nach welchen Richtlinien soll man
    Veranlagungs-Verhalten in Ordnung finden oder nicht?
    als privatmann nach seinen eigenen. die natürlich zu einem großen teil von gesellschaftlichen normen geprägt sind.
    als richter nach geltendem recht. das natürlich auch zu einem gewissen teil von gesellschaftlichen normen geprägt ist.

    mehr fällt mir dazu erstmal net ein.

    gruß

    michael

  3. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Ist jede Veranlagung ethisch in Ordnung?

    Moin Thomas
    Meine Frage geht also dahin, welche Beziehung Veranlagung und
    ethisches Verhalten hat.
    ich hab im Fremdwörterlexikon nachgeschaut und da stand unter "ethisch": die von Verantwortung u. Verpflichtung anderen gegenüber getragene Lebensführung, -haltung betreffend, auf ihr beruhend.

    Da ich kein "Ethik-Experte" bin (und die meisten anderen hier wohl auch nicht), kann jeder primär nur von seiner sehr individuellen Lebensführung und Haltung ausgehen, wobei ich hier die Verantwortung nicht nur gegenüber dem anderen, sondern auch gegenüber sich selbst gerne einschließen möchte.

    Es ist mir klar, daß Ethik zu einem grossen Teil gesellschaftlich motiviert ist und sich daher
    ändert, wenn die Gesellschaft sich ändert. Aber gilt das zu
    100%?
    Sicher nicht. Was an gesamtgesellschaftlichen Verhaltensnormen zur Zeit besteht, bildet meiner Meinung nach einen Minimalkonsens und spiegelt sich z.B. in der Gesetzgebung wieder. Persönliche Verhaltensregeln können aber weit darüber hinaus gehen und eben z.B. religiös motiviert sein.

    Und kann jedes Verhalten damit entschuldigt werden, daß "man eben so ist"?
    Wenn du von "entschuldigen" sprichst, muss es auch eine Schuld geben, wobei ich Schuld jetzt mal als Folge von Fehlverhalten gegenüber sich selbst oder anderen definiere.

    Wenn es also jemanden gibt, dem Schaden zugefügt wurde und der eine Anrecht auf eine Entschuldigung hätte, dann hat ein Fehlverhalten vorgelegen.

    Dies hat aber meiner Meinung nach absolut NICHTS mit einer bestimmten Veranlangung (z.B. Homosexualität) zu tun. Ich glaube kaum, dass bei einem homosexuellen Paar einer meint, der andere müsse sich (generell) für sein Verhalten (sexuelle Handlungen) bei ihm entschuldigen. *g*

    Jedoch wird es viele Situationen, sowohl bei heterosexuellen Paaren, wie auch bei homosexuellen Paaren geben, bei denen eine Entschuldigung durchaus angebracht ist.

    Oder nochmal ganz deutlich: Ich vielen "normalen" heterosexuellen Beziehungen findest du jede Menge an körperlicher und sexueller Gewalt, Zwang, Körperverletzung, psychischen Verletungen etc.

    Und nach welchen Richtlinien soll man Veranlagungs-Verhalten in Ordnung finden oder nicht?
    Ich denke, was über die Gesetzte hinaus geht, muss schon jeder für sich selbst entscheiden. Meine Devise: Soll doch jeder machen was er will, solange alle Beteiligten ihren Spass daran haben und in einem Alter sind, in dem sie eigenverantwortlich entscheiden können.

    Schließlich nehme ich dieses Recht für mich ja auch in Anspruch :-)

    Gruss
    Marion

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Ist jede Veranlagung ethisch in Ordnung?

      Hallo Marion Ich denke, was über die Gesetzte hinaus geht, muss schon jeder
      für sich selbst entscheiden. Meine Devise: Soll doch jeder
      machen was er will, solange alle Beteiligten ihren Spass daran
      haben und in einem Alter sind, in dem sie eigenverantwortlich
      entscheiden können.

      Mit der Aussage habe ich gerechnet. Ich würde Dir durchaus zustimmen (mit dem Zusatz, daß sich jeder selbst vor Gott verantworten wird), solange sichergestellt ist, daß individuelles Handeln ausschliesslich individuelle Folgen hat.

      Aber das ist nicht immer gegeben. Insbesondere Langzeitfolgen von Handeln sind zu oft nicht absehbar. Das fängt bei dem Riesenkühlschrank an, den z.B. in den USA jeder besitzt und dazu führt, daß die Umweltbelastung entsprechend hoch ist und reicht bis zu den Sexualpraktiken in einigen Schwarzafrikanischen Ländern.

      Einem Artikel im Spektrum der Wissenschaft vor einigen Monaten zufolge hat die Praxis des "trockenen Sexualverkehrs" erheblich zur starken Ausbreitung von AIDS beigetragen, mit verheerenden Folgen für das gesamte Land.

      Auf Grund unserer Technik können wir uns vor solchen Folgen noch schützen, aber wenn wir erst über die Folgen von Ethik bzw. dem Minimieren derselben nachdenken, wenn ein eventuelles Problem akut ist, ist es im allgemeinen zu spät. Die momentanen Fortschritte in der Benutzung von menschlichem Leben in Embryonalform für Experimente überholt die Diskussion über die zugrundeliegende Ethik auch viel zu schnell.

      Gruß
      Thomas

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        langfristige Verantwortung

        Moin Thomas
        Mit der Aussage habe ich gerechnet. Ich würde Dir durchaus
        zustimmen (mit dem Zusatz, daß sich jeder selbst vor Gott
        verantworten wird),
        ähm...also wenn du glaubst, du musst dich mal vor einem Gott verantworten...naja, dazu kann ich nix sagen...

        solange sichergestellt ist, daß individuelles Handeln ausschliesslich individuelle Folgen hat.
        Das ist NIE sichergestellt. Schon mal was von der Chaostheorie gehört ? Und das der Flügelschlag eines Schmetterling in der Wüste Gobi einen Orkan in Kentucky verursachen kann oder so ? Aber das ist nicht immer gegeben. Insbesondere Langzeitfolgen
        von Handeln sind zu oft nicht absehbar.
        Richtig, wenn sie nicht absehbar sind, trifft dich meiner Meinung nach auch keine Schuld. Wenn du zum Beispiel ein Kind in die Welt setzt, und dieses Kind verletzt später als Erwachsener einen anderen Menschen schwer, dann kann es trotzdem nicht deine Schuld sein, weil du diesen Menschen in die Welt gesetzt hast.

        Sind langfristige Folgen jedoch absehbar, dann hat jeder auch durchaus eine Verantwortung für sein Handeln. (Meine Meinung).

        Aber was das jetzt noch mit "Veranlagung" zu tun hat, ist mir nicht klar. Ist der Punkt abgehakt ?

        Gruss
        Marion

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re: langfristige Verantwortung

          Hallo Marion ähm...also wenn du glaubst, du musst dich mal vor einem Gott
          verantworten...naja, dazu kann ich nix sagen...

          Hey, ich glaub sogar, daß DU Dich einmal vor Gott verantworten musst ;-)), aber auch dazu musst Du nix sagen... Aber was das jetzt noch mit "Veranlagung" zu tun hat, ist mir
          nicht klar. Ist der Punkt abgehakt ?

          Na ja, DAS war eigentlich die Frage. Wie Carlos korrekt dargestellt hat, gilt in unserer Gesellschaft die Ethik "Wenn alle unmittelbar Beteiligten zustimmen, dann ist das Ausleben einer Veranlagung in Ordnung".

          Mein Hinweis ging dahin - und Du hast ja zugestimmt- daß die Einschränkung auf die unmittelbar Beteiligten ein grosses Problem darstellen kann.
          Carlos und Ich würden von Gott her argumentieren und dabei darauf setzen, daß Gott die Langzeitfolgen von scheinbar unproblematischem Verhalten besser überblickt als wir. Aber Leuten, die nicht an Gott glauben kann man so nicht kommen.

          Hier denke ich ist das Bewusstmachen von globalen Zusammenhängen wichtig, wenn - fürchte ich - auch nicht ausreichend. Die oben zitierte Ethik ist sehr gefährlich, weil es für die Meisten eine zu grosse Versuchung darstellt, sich auf ihre individuellen Rechte (=Ausleben individueller Veranlagung) zurückzuziehen. Man streitet einfach ab, daß es einen Zusammenhang zwischen dem individuellen Verhalten und den globalen Problemen gibt.

          Ich weiss aus der Klemme auch keinen Ausweg, denn die Lösung, die individuellen Rechte zu beschneiden, würde den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Ich will z.B. die sexuelle Freiheit auch nicht missen, aber wie bringt man die Menschen dazu, gegen ihren Egoismus verantwortlich für alle zu handeln?

          Gruß
          Thomas

          • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
            Re^2: langfristige Verantwortung

            Moin Thomas
            Hey, ich glaub sogar, daß DU Dich einmal vor Gott verantworten
            musst ;-)), aber auch dazu musst Du nix sagen...
            Nun ja, bekanntlich darf ja jeder glauben, was er will :-) Mein Hinweis ging dahin - und Du hast ja zugestimmt- daß die
            Einschränkung auf die unmittelbar Beteiligten ein grosses
            Problem darstellen kann.
            Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dem zugestimmt hätte. Falls du dein Beispiel mit AIDS meinst: Wer in der Gegend rumvögelt, ohne sich z.B. vor ansteckenden Krankheiten zu schützen, handelt ganz mittelbar unverantwortlich gegenüber sich selbst und seinem Partner. Da braucht man dann gar nicht weiter über "globale" Langzeitfolgen nachdenken...nur...was hat dieses Beispiel mit irgendeiner bestimmten Veranlagung zu tun ? Carlos und Ich würden von Gott her argumentieren und dabei
            darauf setzen, daß Gott die Langzeitfolgen von scheinbar
            unproblematischem Verhalten besser überblickt als wir.
            Dann nenn doch mal bitte in konkretes Beispiel für "scheinbar unproblematisches Verhalten" was einer Veranlagung entspricht und u.U. schlimme Langzeitfolgen haben könnte, so dass dein Gott es lieber verbietet ?

            Aber Leuten, die nicht an Gott glauben kann man so nicht kommen.
            Nö, aber reden kann man doch mit ihnen, oder ? :-)


            Die oben zitierte Ethik ist sehr gefährlich, weil es für die Meisten eine zu grosse Versuchung darstellt, sich
            auf ihre individuellen Rechte (=Ausleben individueller
            Veranlagung) zurückzuziehen. Man streitet einfach ab, daß es
            einen Zusammenhang zwischen dem individuellen Verhalten und
            den globalen Problemen gibt.
            Ich verstehe dich immer noch nicht. Wenn jemand nun mal gerne viel rumvögelt (was ich aber nicht unbedingt als besondere Veranlagung ansehen würde) dann soll er es halt verantwortungsvoll machen und sich schützen, dann gibts auch kein Problem, weder individuell noch global.

            Ich will z.B. die sexuelle Freiheit auch nicht missen, aber wie bringt man die Menschen dazu,
            gegen ihren Egoismus verantwortlich für alle zu handeln?
            Menno, nun nenn doch endlich mal ein konkretes Beispiel für diese "allgemeingefährlichen" sexuellen Freiheiten, dass man nicht mit Hilfe eines Kondoms lösen könnte ?

            Gruss
            Marion

  4. Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
    Re: Ist jede Veranlagung ethisch in Ordnung?

    Hallo Thomas, Meine Frage geht also dahin, welche Beziehung Veranlagung und
    ethisches Verhalten hat. Es ist mir klar, daß Ethik zu einem
    grossen Teil gesellschaftlich motiviert ist und sich daher
    ändert, wenn die Gesellschaft sich ändert. Aber gilt das zu
    100%? Und kann jedes Verhalten damit entschuldigt werden, daß
    "man eben so ist"? Und nach welchen Richtlinien soll man
    Veranlagungs-Verhalten in Ordnung finden oder nicht?
    In der momentanen Gesellschaft gibt es eine ethische Hauptregel:
    Du kannst alles machen was du willst, solange du keinem anderen Menschen gegen seinen Willen Schaden zufügst

    Wenn also ein Mensch eine Veranlagung zur Homosexualität oder SM hat, gilt das als unproblematisch.

    Wenn jemand Pädophil ist oder seine Frau mißhandelt wird dies verurteilt.

    Sodomie gilt wohl nur wegen des Aspekts der Tierquälerei als problematisch.

    Somit ist also jede Veranlagung, die dem obigen Leitsatz entspricht, in der heutigen Gesellschaft akkzeptiert.

    Der Knackpunkt ist natürlich, dass hierbei die Existenz eines Gottes, der zusätzliche Einschränkungen mit einbringt sehr störend ist.
    Entweder geht man hin und formt sich diesen Gott dahingehend, dass er mit den Normen der Gesellschaft übereinstimmt.
    Oder man steht sich als intoleranter Mensch außerhalb der normen der Gesellschaft.

    Gruß
    Carlos

  5. Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
    Re: Ist jede Veranlagung ethisch in Ordnung?

    Hallo,
    Hi Thomas,

    Nimm einmal an, du lebtest iun einer Gesellschaft, in der Heterosexualität den Stellenwert hat wie Homosexualität bei uns. Das heißt, du wirst als Mann, der Frauen liebt, beschimpft, gehänselt, verachtet, diskriminiert, man stellt dir in der Gesellschaft den Sessel vor die Tür und sagt dir, dass du mit dieser Veranlagung in die Hölle kommst. Du müsstest eben an dir arbeiten und zusehen, dass du Liebe und Erotik für einen Mann empfindest. Könntest du es?
    gruß,
    bb



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