Antwort von
nach einem Tag
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Re^2: Gott ist logisch...
Meinst Du damit, die Annahme eines
: Schöpfers sei eine logische
: Notwendigkeit, die in irgendeiner Weise
: aus Beobachtbarem ableitbar ist?
:
Nein, aber es ist natürlich naheliegend, daß man sich -wenn man in Gott ein "ordnendes Moment"
sieht- besser (und das ist nun wirklich subjektiv) für Gott als gegen ihn entscheidet. Da dies aber
wie gesagt subjektiv ist, respektiere ich auch alle Leute mit anderer Einstellung, solange sie nicht nihilistisch und in
sich unschlüssig ist.
:: Wenn aber heute namhafte
:: Evolutionsforscher die Evolutionstheorie
:: mehr als nur kritisch hinterfragen, ja
:: gar anzweifeln, dann muß ich mich darüber
:: wundern, warum die meisten Menschen
:: natruwissenschaftliche Erkenntnisse nach
:: wie vor als gesicherte Wahrheiten
:: hinnehmen,
:
: Wissenschaftliche Theorien erheben
: tatsächlich keinen Anspruch darauf,
: letzte Wahrheiten darzustellen. Wer eine
: wissenschaftliche Ausbildung durchlaufen
: hat, weiß von der Vorläufigkeit aller
: Theorien. Sie stellen den Versuch dar,
: Beobachtungen, die man in der Welt
: angestellt hat, zu systematisieren und in
: möglichst schlüssiger Weise zu erklären.
: Aus ihnen sind Vorhersagen ableitbar, die
: ihrerseits wieder durch Beobachtung
: überprüfbar sind. Daß es konkurrierende
: Theorien gibt, ist in allen
: Wissenschaften absolut
: selbstverständlich.
:
: Der Begriff der "Wahrscheinlichkeit" ist
: hier ein rein subjektiver, und es ist mir
: nicht klar, aufgrund "welcher Daten" Du
: solche Aussagen machst. Wenn ich in eine
: Urne 999 rote und eine weiße Kugel fülle,
: und Dich anschließend eine Kugel ziehen
: lasse, dann ist es zwar weder sicher, daß
: die Kugel, die Du ziehst rot sein wird,
: noch ist es sicher, daß es die weiße sein
: wird; trotzdem sind beide Ereignisse aber
: nicht gleich wahrscheinlich.
:
Also die Aussage verstehe ich nicht. Es geht nicht um eine Argumentation aufgrund irgendwelcher Daten.
Ein derartiges Unterfangen wäre wohl auch zum Scheitern verurteilt, weil sich die Kette der
Wahrscheinlichkeiten, die zum jetzigen Entwicklungsstand geführt haben, kaum nachvollziehen läßt. Das
ist aber auch weniger eine Frage der stochastischen (mathematischen) Wahrscheinlichkeit als eher
eine Frage der Vorstellungskraft. Es geht mir nämlich darum, daß viele Menschen heute nicht mehr an
Gott glauben, weil sie meinen, die Naturwissenschaft habe Gott entzaubert. Und das ist meiner Meinung
nach Unsinn. Zwar deckt die NW Gesetzmäßigkeiten auf, aber den Urheber des Gesetzes kennt
niemand. Und warum fällt es den Menschen leichter, an einen Zufall, der aus Nichts entsteht, zu glauben,
als an einen Gott, der die Welt erschafft. Darum ging es mir bei den Wahrscheinlichkeiten. Nämlich um
die Frage, ob Du mir Folgendes glauben würdest:
Ein Tornado fegt über einen Schrottplatz und hinterläßt aus den Schrott-teilen eine Boeing 747.
Wohl eher kaum. Und gerade das propagieren viele Wissenschaftler, und es glauben die Menschen,
die Gott aus eben den Resultaten der Wissenschaft heraus verdammen.
: Auch in den Wissenschaften wird mit
: Wahrscheinlichkeiten argumentiert; so zum
: Beispiel, wenn man Entscheidungen über
: die Richtigkeit bestimmter theoretischer
: Annahmen aufgrund experimenteller Befunde
: trifft. In solchen Fällen argumentiert
: man so, daß eine bestimmte vorliegende
: Beobachtung beim Zutreffen einer
: bestimmten theoretischen Annahme so
: unwahrscheinlich wäre, daß dies gegen die
: Richtigkeit dieser Annahme spricht.
:
: Das, was wir in der Welt beobachten
: können, ist mit einigen
: Gottesauffassungen so schlecht zu
: vereinbaren, daß wir diese als praktisch
: widerlegt betrachten können.
Grundlegend einverstanden, aber...
Entweder man nimmt die Bibel wörtlich, oder man nimmt sie ernst. Natürlich wird die Weltanschauung
bildlich übermittelt, weil unsere Sprache vielleicht auch gar nicht anders in der Lage ist, sie zu
transportieren. Und welchen Einfluß das Medium -hier nämlich die Sprache- auf die Botschaft hat, das
wissen wir nicht erst seit McLuhans bekanntem Satz "Das Medium ist die Botschaft". Naturwissenschaft
und Religion schließen sich daher meines Erachtens nicht aus, denn sie behandeln verschiedene
Aspekte des Lebens. Während nämlich die Naturwissenschaften "nur" Ausprägungen und Formen des
Ganzen untersuchen, beschäftigt sich die Religion mit dem Urheber, den man Gott nennt - wie auch
immer dieser beschaffen ist. Von daher sehe ich da keine Diskrepanzen, sondern ergänzende
Eigenschaften. Und deswegen verstehe ich auch Deine Unterstellung der Unvereinbarkeit nicht. Sie ist
genau Ziel meiner Kritik, denn egal ob man nun auf der Schiene der Wissenschaft oder der Religion
argumentiert, es bleibt Glaubensfrage.
mfg
Thomas