Frankreich, nach dem Friedensabkommen von 1940

Hallo

Ich suche Informationen zur politischen und sozialen Lage in Frankreich, vor und nach dem "Friedensabkommen zwischen Deutschland und Frankreich vom 25.6.1940. Wer war der Konkurrent von Petain als es darum ging einen neuen Presidenten zu wählen? Welche Ideen wurden aufgeworfen? Wieso kam es zu dieser Krise? Was wurde bei Rethondes „besprochen“? D.h. ich suche Infos, die in normalen Lexikons nicht zu finden sind.

Ich danke ihnen jetzt schon ganz herzlich für ihre Auskunft!

Alain Moebius

Hallo!

Hier serstmal der Text des Vertrages.

Deutsch-französischer Waffenstillstand 1940
Der bei Compiègne unterzeichnete deutsch-französische Waffenstillstandsvertrag besiegelte die Niederlage Frankreichs. In 24 Artikeln wurde die französische Regierung zu Waffenruhe und „Wiedergutmachung“ verpflichtet. Auszüge aus dem Vertrag:
"Art. 1: Die französische Regierung veranlaßt in Frankreich sowie in den französischen Besitzungen, Kolonien, Protektoratsgebieten und Mandaten sowie auf dem Meere die Einstellung des Kampfes gegen das Deutsche Reich …
Art. 2: Zur Sicherstellung der Interessen des Deutschen Reiches wird das französische Staatsgebiet nördlich und westlich der in anliegender Karte bezeichneten Linie von deutschen Truppen besetzt. Soweit sich die zu besetzenden Teile noch nicht in Gewalt der deutschen Truppen befinden, wird diese Besetzung unverzüglich nach Abschluß des Vertrages durchgeführt.
Art. 3: In den besetzten Teilen Frankreichs übt das Deutsche Reich alle Rechte der besetzenden Macht aus. … Alle französischen Behörden und Dienststellen des besetzten Gebietes sind daher von der Französischen Regierung unverzüglich anzuweisen, den Anordnungen der deutschen Militärbefehlshaber Folge zu leisten und in korrekter Weise mit diesen zusammenzuarbeiten …
Art. 4: Die französische Wehrmacht zu Land, zu Wasser und in der Luft ist in einer noch zu bestimmenden Frist demobil zu machen und abzurüsten. Ausgenommen davon sind nur jene Verbände, die für die Aufrechterhaltung der inneren Ordnung nötig sind. Ihre Stärke und Bewaffnung bestimmen Deutschland bzw. Italien …
Art. 5: Als Garantie für die Einhaltung des Waffenstillstandes kann gefordert werden die unversehrte Auslieferung aller jener Geschütze, Panzerkampfwagen, Panzerabwehrwaffen, Kriegsflugzeuge, Flakgeschütze, Infanteriewaffen, Zugmittel und Munition von Verbänden der französischen Wehrmacht, die im Kampf gegen Deutschland standen und sich zur Zeit des Inkrafttretens dieses Abkommens in dem von Deutschland nicht zu besetzenden Gebiet befinden …
Art. 8: Die französische Kriegsflotte ist unter deutscher bzw. italienischer Kontrolle demobil zu machen und abzurüsten …
Art. 10: Die französische Regierung verpflichtet sich, mit keinem Teil der ihr verbliebenen Wehrmacht und in keiner anderen Weise weiterhin feindselige Handlungen gegen das Deutsche Reich zu unternehmen … Die französische Regierung wird französischen Staatsangehörigen verbieten, im Dienste von Staaten, mit denen sich das Deutsche Reich noch im Kriege befindet, gegen diese zu kämpfen. Französische Staatsangehörige, die dem zuwiderhandeln, werden von den deutschen Truppen als Freischärler behandelt werden …
Art. 18: Die Kosten für den Unterhalt der deutschen Besatzungstruppe auf französischen Boden trägt die französische Regierung.

Art. 19: Freilassung aller Kriegs- und Zivilgefangenen durch Frankreich. Die französische Regierung ist verpflichtet, alle in Frankreich sowie in den französischen Besitzungen usw. befindlichen Deutschen … auf Verlangen auszuliefern.
Art. 24: Der Waffenstillstandsvertrag gilt bis zum Abschluß des Friedensvertrages. Er kann von der deutschen Regierung jederzeit mit sofortiger Wirkung gekündigt werden, wenn die französische Regierung die … übernommenen Verpflichtungen nicht erfüllt.
Gruß Max

Hallo !

Paul Reynaud, der amtierende Ministerpräsident wollte den Kampf gegen Deutschland fortsetzen. Petain nicht.
Daraufhin wurde Reynaud abgesetzt und Petain wurde Chef im nichtbesetzten Teil Frankreichs.

Gruß Max

Hi!

Paul Reynaud, der amtierende Ministerpräsident wollte den
Kampf gegen Deutschland fortsetzen. Petain nicht.
Daraufhin wurde Reynaud abgesetzt und Petain wurde Chef im
nichtbesetzten Teil Frankreichs.

Ganz so einfach und pauschal war die Situation nicht.

Am 20.03.1940 muß der französische Ministerpräsident Daladier nach heftiger öffentlicher Diskussion, warum Frankreich Finnland im Winterkrieg 1939/40 gegen die Sowjetunion nicht unterstützt hat, zurücktreten. Nachfolger Daladiers wird Paul Reynaud, während Daladier das Amt des Kriegsministers bekommt.

Mitte Mai, nach Beginn des deutschen Angriffs, bildet Reynaud die französische Regierung um. Der greise Philippe Petain, Botschafter Frankreichs in Spanien, wird Vizepräsident der Regierung. Reynaud übernimmt zusätzlich das Kriegsministerium.

Am 11.Juni 1940 bittet Churchill in einem persönlichen Gespräch in Briare die französische Regierung, den Krieg weiterzuführen. Die Franzosen fordern als Gegenleistung alles an Jagd-Flugzeugen, was die Briten aufbieten können. Die Briten lehnen ab.

Die Gespräche in Briare und Tours schleppen sich drei Tage hin. Churchill erwartet von den Franzosen, daß deren Flotte nicht in deutsche Hände fällt (später sprich Churchill die Erwartung aus, daß die französische Flotte britische Häfen anlaufen wird - was aber nicht geschah. Am 3.Juli griff die britische Marine die französiche Flotte in Mers-al-kebir bei Oran/Algerien an).

Am 13.Juni reisen Churchill, Außenminister Halifax und der Minister für Flugzeugbau, Lord Beaverbrook, ohne konkrete Zuagen ab. Einen Tag später besetzen die Deutschen kampflos Paris. Am 16.Juni tritt Reynaud zurück, Nachfolger wird Petain, der den Deutschen Waffenstillstandsverhandlungen anbietet. Am 22.Juni, um 18.50 Uhr, unterschreiben im Eisenbahnwaggon im Wald von Compiegne (Rethondes) GenOberst Keitel für das Deutsche Reich und Gen. Huntziger für Frankreich das Waffenstillstandsabkommen (es handelt sich um den selben Waggon, in dem Deustchland 1918 kapituliert hatte). Frankreich wird aufgeteilt in einen besetzten Teil (Linie Genf - Dole - Tours - Mont de Marsan - spanische Grenze) und einen unbesetzten Teil mit Regierungssitz Vichy. Die französische Regierung darf über ein Heer von 100.000 Mann verfügen (auch eine Anspielung auf das deutsche Heer in den 20ern). Die frz. Flotte wird der Regierung Petain unterstellt. Eine Übernahme durch die deutsche Marine ist nicht geplant.

Noch am 23.Juni schießt Unterleutnant Marchelidon vom GCI/2 einen deutschen Aufklärer vom Typ Henschel 126 ab. Am 24.Juni wird die frz. Kapitulation gegenüber den Italienern unetrzeichnet. Am 25.Juni werden alle Kämpfe eingestellt.

Am 18.Juni hat sich General de Gaulle in England zum „Führer der Freien Franzosen“ erklärt und ruft seine Landsleute zur Fortsetzung des Kampfes auf. Am 28.Juni wird deGaulle von den Briten anerkannt. Tags zuvor hat die Regierung Petain die diplomatischen Kontakte mit GB abgebrochen.

Am 10.Juli hebt das frz. Parlament die Verfassung auf und stattet Petain mit außerordentlichen Rechten aus. Petain wird Staatsoberhaupt. Am 11.Juli legt der bisherige Staatspräsident Lebrun sein Amt nieder. Stellvertretender Ministerpräsident wird Pierre Laval. Vichy-Frankreich erklärt sich für neutral. Jedem Franzosen, der sich am Kampf gegen Hitler-Deutschland beteiligt, droht die Todesstrafe. Am 2.August wird deGaulle in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Pierre Laval wird am 15.10.1945 in Paris als Hochverräter hingerichtet. Petain wird am 14.08.1945 als 90jähriger zum Tode verurteilt, von deGaulle aber zu lebenslanger Haft begnadigt. Er stirbt 1951 auf der Ile d’Yeu.

Grüße
Heinrich

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Noch am 23.Juni schießt Unterleutnant Marchelidon vom GCI/2
einen deutschen Aufklärer vom Typ Henschel 126 ab.

„Henschel“!!! Fliegende Lokomotiven?.
(kleiner Scherz auf so viel Ergänzung!).