Was ist germanisch?

Von: , Frage gestellt am Mi, 30. Jan 2002

Hallo,

ich habe in verschiedenen Büchern zur Geschichte (allgemeine und spezielle) des öfteren den Begriff "germanisch" gelesen mit der Erklärung das es nie etwas "germanisches" gab.

Also keinen germanischen Stamm, keine Germanen in Sinne eines Volkes oder einer Kultur (wie Kelten, Griechen, etc.).
Daher ist die Bezeichnung "germanisch" mehr Wunschdenken und ein Ergebniss überzogener Nationalgefühle, als wissenschaftlich anerkannt oder belegbar.

Wie ist das denn nun genau? Ist germanisch die Bezeichnung für die in den heutigen "Grenzen" (Sprachgrenzen?) der BRD "ansässigen" Volksgruppen? Ist germanisch also nur ein fiktiver Überbegriff? Gabs die Germanen? Was genau ist germanisch? Gab es eine germanische Kultur? Oder wurde nur der Name eines der Völker die sich im heutigen Deutschland herumtrieben zum Begriff?

Danke und Grüsse
Helena

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 2 Stunden 5 hilfreich
    Re: Was ist germanisch?

    Hallo!

    Germanen,
    Sammelname für Völker und Stämme in N- und Mitteleuropa, die der indogerman. Sprachfamilie angehören, untereinander sprachverwandt sind (germanischeSprachen), sich jedoch von den benachbarten Kultur- und Sprachgruppen der Kelten, Illyrer, Balten, Slawen und Finnen durch Sprache, Religion, Sitte, Brauch und materielle Kultur unterscheiden. Die Bez. wurde zuerst von Poseidonios als Name kleinerer Stämme im heutigen Belgien überliefert. Gallier und Römer seit Cäsar übertrugen den Namen ohne Unterschied auf sämtl. rechtsrhein. Völkerschaften. Die Germanen selbst kannten keinen einheim. Begriff für ihre Gesamtheit.

    Stammesgruppen:
    Tacitus unterschied drei german. Stammesgruppen: Ingwäonen, Herminonen und Istwäonen. Die Archäologie hingegen wies für die ersten Jahrhunderte n.Chr. mehrere german. Fundgruppen nach, denen bestimmte, von den Römern erstmals genannte Stämme zugeordnet werden können: Nordseegermanen (Friesen, Chauken, Sachsen), Rhein-Weser-Germanen (Tenkterer, Sugambrer, Brukterer, Cherusker, Chatten), Elbgermanen oder Elbsweben (Langobarden, Semnonen, Hermunduren, Markomannen, Quaden), Oder-Warthe-Germanen (Lugier, Wandalen), Weichselgermanen (Rugier, Burgunder, Goten), Ostseegermanen (kleinere südskandinav. Stämme). Erst im 3.Jh. kam es zum Zusammenschluss der historisch bekannten Großstämme (Alemannen, Franken, Sachsen, Goten).
    So Brockhaus.

    Die Germanen selbst kannten die Bezeichnung "Germane" nicht. Erst seit Cäsars Aufenthalt in Gallien wurde dieser Begriff als Sammelbezeichnung sämtl. deutscher Stämme den Römern geläufig.

    Jakob Grimm leitet den Namen Germani vom keltischen gairm, garm = Ruf, Ausruf her und erklärt ihn als Schreier, Rufer, ähnlich dem homerischen Rufer im Streit.

    Gruß Max

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Was ist germanisch?

      Danke Max,

      so ähnlich hatte ich das auch in Erinnerung, dachte nur das es noch "andere" Erkenntnisse gab.

      Grüsse
      Helena

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Was ist germanisch?

        Hallo Helena,

        schau mal im Februar auf arte:

        STURM ÜBER EUROPA
        DIE VÖLKERWANDERUNG

        Vierteilige Dokumentationsreihe

        1: Kimbern und Teutonen ,
        Samstag. 23. Februar. 20.45

        2: Varusschlacht und Gotensaga
        Sonntag. 24. Februar. 20.45

        3: Der Kampf um Rom
        Sonntag. 24. Februar. 21.40

        4: Die Erben des Imperiums
        Sonntag. 24. Februar. 23.45

        Spielfilm innerhalb des Themenabends
        Sonntag 4. Februar 22.30
        Attila, die Geißel Gottes
        mit Anthony Quinn und Sophia Loren

        Vielleicht hört man das was Neues.

        Gruß Fritz

  2. Antwort von nach 6 Tagen 2 hilfreich
    Re: Was ist germanisch?

    Hallo Helena,

    das läßt sich so einfach gar nicht sagen, weil die Germanen immer mal in Europa hin- und herzogen...

    Also vom grundsatz her bezeichnet man ursprünglich die Angehörigen einer Sprachfamilie so. Diese Stämme wohnten etwa auf dem gebiet des heutigen Deutschland, aber auch bis weit nach Polen hinein (Goten zum Beispiel, die saßen etwa im späteren Ostpreußen).
    Nun kamen aber irgendwann die Hunnen vom Osten und damit begann die Vökerwanderung, weil die germanischen Stämme gen Westen zogen.
    Sxchon vorher waren teile der Angeln und Sachsen (daher Angelsachsen) nach Großbritannien gezogen, die Briten sind somit eigentlich halbe Germanen (die englische Sprache steht ja der deutschen Sprache heute noch näher, wie z.B. die romanischen oder slawischen Sprachen).
    Die große Masse der Germanen verstreute sich quer durch das römische reich. Die Langobarden ließen sich z.B in Norditalien nieder (der Name Lombardei kommt von daher), die Vandalen zogen bis nach Spanien und setzten dann über nach Nordafrika. Von da su griffen sie später quer übers Mittelmeer sogar Rom an und plünderten es aus (daher das schöne Sprichwort "Sie hausten, wie die Vandalen" und der Begriff Vandalismus.
    Nun vermischten sich aber im Laufe der Zeit die eingedrungenen germanischen Stämme meist mit den Einheimischen, die schon da waren.
    Frankreich un Deutschland haben von der sache her die gleichen Wurzeln. Es waren die germanischen Franken, die da das frankenreich begründeten, das zur Zeit Karls des Großen das heutige Frankreich und Deutschland etwa bis zur elbe/Salle nach Osten umfaßte. Frag mal einen Franzosen, ob Karl der Große Deutscher oder Franzose war... für den war er Franzose. Dabei war er eigentlich beides nicht, er war schlichtweg Franke, also germane, weil es ja die heutigen nationalitäten noch gar nicht gab. Ostwärts von Elbe/Saale saßen zu der Zeit slawische Stämme.

    Erst nach dem Aussterben der Karolinger im 10. Jahrhundert und der Teilung des Reiches entstand ein reich auf dem gebiet des heutigen deutschland, daß sich ab dem 10. Jahrhundert durch die Ostkolonialisation langsam nach OSten schob.
    Der Begriff "deutsch" kam etwa zu dieser Zeit in Mode, er hieß eigentlich nichts anderes als volkstümlich, dem Volke zugehörig und war die bezeichnung für die entstehende Sprache des Volkes.
    Da ja seit Otto I. alle deutschen Könige gleichzeitig Kaiser von Rom waren, nannte man das staatliche Gebilde einfach Reich, es war das reich des römischen Kaisers. Später hieß es ja auch "Heilig Römisches Kaisserreich" und der Zusatz "deutscher Nation" kam dann mal irgendwann dazu.

    Da ist von Haus aus gar nichts Nationalistisches dran. Der Kaiser war der weltliche Herr der estelichen Welt, so wie der Papst der Geiltliche Herr war. Das dieser Kaiser in der regel deutscher war und außer der deutschen Königskrone mitunter auch noch im Zweitberuf König des Königreiches Sizilien und des Königreiches Jerusalem war (wie Friedrich II.), nun das hat wenig zu sagen. Die Kaiser von Österreich waren ja bis 1918 nebenbei auch noch Könige von Ungarn und Könige von Böhmen, aber deshalb wirft ja den Österreichern auch keiner Nationalismus vor.
    Natürlich läßt sich so was immer für irgendeine nationalistische Propaganda mißbrauchen und daß ist ja auch wirklich geschehen. Schließlich hat ja irgendein Germane oder Deutscher irgendawann mal so ziemlich über jeden Flecken Europas regiert, da muß man nur lange genug suchen. Das trifft aber für Angehörige anderer Nationen auch zu, da braucht sich keiner was vorzuwerfen.


    Gernot Geyer

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