Endungen der Ortsnamen

Von: , Frage gestellt am Mo, 25. Feb 2002

Beim Vergleichen von Ortsnamen fällt auf, daß in bestimmten Gegenden immer die gleichen Endungen verwendet werden: z.b. -heim(?), -burg(in Burgnähe), -ow (slawisch: in östlichen Gebieten), -au(?in Wiesennähe), -tann,-rode(in Waldgebieten).
1. Kann man irgendwo eine Systematik erkennen oder nachlesen?
2. Worauf deutet denn die Endung -lar (Wetzlar, Goslar, Fritzlar usw.) hin?
Gruß Martin

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
    Re: Endungen der Ortsnamen

    Hallo Martin,

    da hast du dir ein interessantes Kapitel der deutschen Sprache rausgesucht.

    Ganz kurz nur: -heim
    = Siedlung, Heimat eines Stammes, eines Clans, einer Sippe, von fränkischen Siedlern bevorzugt; alamannische haben dafür: -ingen -burg(in Burgnähe)
    richtig, kann aber auch Stadt im Sinne von befestigter Platz bedeuten -ow (slawisch: in östlichen Gebieten)
    auch richtig -au (?in Wiesennähe)
    nicht ganz, meint eher von Wasser umgeben, am Wasser; vgl. Reichenau, Mainau, Lindau im Bodensee -tann,
    in der Nähe von einem Tannenwald -rode(in Waldgebieten)
    gerodetes Gebiet 1. Kann man irgendwo eine Systematik erkennen oder nachlesen?
    Natürlich! Hier ist ein Ansatz:
    Die Wahrheit über Deppenhausen von Wolf-Henning Petershagen, ISBN 3-8062-1442-5 [Buch anschauen] [Buch anschauen].
    Im Buch wird auf eine Menge Literatur verwiesen. 2. Worauf deutet denn die Endung -lar (Wetzlar, Goslar,
    Fritzlar usw.) hin?
    Da eben lässt mich das genannte Büchlein im Stich, da es nur baden-württembergische Ortsnamen erklärt. Es könnte sich aber auf ein Gewässer beziehen.

    Gruß Fritz

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Endungen der Ortsnamen

      Hallo Fritz, na das ist doch schon mal ein Anfang. Vielen Dank Martin

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Endungen der Ortsnamen

      Hallo Fritz!

      Ich habe auch schon öfter gelesen, dass die Endung auf -heim auf eine fränkische Siedlung hindeuten soll. Nun gibt es aber auch einige Orte mit dieser Endung, die nördlich der alten Stammesgrenze zwischen Franken und Sachsen auf dem Rothaarkamm liegen. Wie ist das zu erklären?

      Viele Grüße und im Voraus vielen Dank!

      Christoph

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Endungen der Ortsnamen

        Hallo Christoph,

        dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen.

        Die Grenze zwischen den alamannisch besiedelten Gebieten hat sich nach der Schlacht von Zülpich das erste Mal und später vielleicht noch mal verschoben, so dass spätere fränkische Siedlungen auf früherem alamannischen Gebiet entstanden, wodurch dann neben einem älteren -ingen-Ort plötzlich ein jüngerer -heim-Ort liegt.

        Es kann auch zu Umbenennungen gekommen sein. So behauptete unser längst verstorbener Dorfchronist, dass Pleidelsheim - erstmals erwähnt 794 als Blidovesheim - ursprünglich Blidofingen hieß. Woher er das wusste, ist mir unbekannt.

        Pleidelsheim, der Ort, wo ich aufgewachsen bin, liegt im Bereich des fränkisch-alamannischen Überganggebietes zwischen Stuttgart und Heilbronn.
        Nördlich liegen Besigheim, Hessigheim, Gemmrigheim, aber auch Güglingen und Schützingen,
        parallel Steinheim, Ingersheim, Bietigheim, aber auch Bissingen,
        südlich Benningen, Geisingen, Beihingen, aber auch Heutigsheim, - letztere drei jetzt gemeindereformiert: Freiberg - und Eglosheim; also keine klare Grenzziehung zu entdecken.

        In diesen strittigen und unklaren Fällen muss stets durch Einzeluntersuchungen Gründungszeit und Gründerstamm ermittelt werden, ehe man sichere Aussagen machen kann.

        So ungefähr.
        Gruß Fritz

        • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
          Re^4: Endungen der Ortsnamen


          Hallo Fritz!

          Erst mal vielen Dank für Deine sehr aussagekräftige Antwort! Die Orte, die Du aufgeführt hast, liegen allerdings alle in Süddeutschland, so, dass hier Überschneidungen logisch erscheinen. Was aber ist mit Orten wie Hildesheim, Northeim, Bad Bentheim usw? Diese liegen weit nördlich der ehemaligen Stammesgrenze und Alemannen haben im heutigen Niedersachsen auch nie gesiedelt. Andererseits gibt es in Norddeutschland auch Orte mit der Endung -ingen ( Göttingen z.B.), müssten also eigentlich alemmanischen Ursprungs sein, was aber mit einiger Sicherheit nicht der Fall war.

          Ich komme übrigens nicht aus Niedersachsen, sondern aus dem Sauerland und in dieser Gegend gibt es sehr viele Dörfer, die auf -hausen enden. Weiß jemand zufällig, worauf diese Endung hindeutet? Eigentlich scheint es klar zu sein. Hausen ist eben die Wohnstätte bestimmter Siedler gewesen. Aber warum nannte man sie in anderen Gegenden des Sachsenlandes nicht auch Hausen? In Norddeutschland ( ja eigentlich schon im Norden Westfalens und das Sauerland liegt im Süden Westfalens ) findet man diese Endung kaum noch. Die Geschichte der Ortsnamensgebung scheint doch ziemlich verwickelt zu sein.

          Viele Grüße!

          Christoph

    • Antwort von nach 7 Tagen 1 hilfreich
      Re^2: Endungen der Ortsnamen

      Hallo, -rode(in Waldgebieten)
      gerodetes Gebiet
      als Betroffenem liegt mir besonders diese Endung am Herzen. Sie findet sich auch als ~rath, ~ried, ~roth usw. in praktisch ganz Deutschland und geht nach meinem Informationen auf das frühe Mittelalter zurück, in dem man im Zuge der Ausweitung der Landwirtschaft und natürlich der Besiedlung erstmalig dem in Deutschland vorherrschenden Urwald systematisch größere Lichtungen entriß. Wer also in einem riedrathrothrode wohnt, hat gute Chancen, daß sein Dörfchen über 1.000 Jahre alt ist.

      Gruß
      Christian

      • Antwort von nach 7 Tagen 0 hilfreich
        Re^3: Endungen der Ortsnamen

        Hallo, Christian auf das frühe Mittelalter zurück
        Hmmm, eher auf das "hohe Mittelalter", also 11./12. Jhdt. Die systematischen Rodungen und Neugründungen setzten so richtig erst in der Ottonenzeit ein. Wer also in einem riedrathrothrode wohnt, hat gute Chancen, daß sein Dörfchen über 1.000 Jahre alt ist.
        Nicht immer; s. o. aber so 8/900 auf jeden Fall.

        Beispiele:
        Bayreuth, ca. 1194,
        Gernrode, im Übergang 11./12. Jh.,
        Wernigerode Anfang 11. Jh.,

        aber:
        Walsrode 986!!!

        Gruß Fritz

        • Antwort von nach 7 Tagen 0 hilfreich
          *haarspalt*

          Moin, Hmmm, eher auf das "hohe Mittelalter", also 11./12. Jhdt. Die
          systematischen Rodungen und Neugründungen setzten so richtig
          erst in der Ottonenzeit ein.
          *räusper*
          Ottonen: Otto I.-III.
          Otto I.: 936-973
          Otto II.: 973-983
          Otto III.: 983-1002

          Na gut, die letzten 2 Jahre reißen es wieder raus, da lasse ich noch gerade Gnade vor Recht ergehen. ;-)

          Aber eigentlich hat es die Jahre ja eh nicht gegeben (Illig).

          Gruß
          Christian

          • Antwort von nach 7 Tagen 0 hilfreich
            Re: noch mehr *haarspalt*

            *räusper*
            Ottonen: Otto I.-III.
            Otto I.: 936-973
            Otto II.: 973-983
            Otto III.: 983-1002
            Na gut, die letzten 2 Jahre reißen es wieder raus, da lasse
            ich noch gerade Gnade vor Recht ergehen. ;-)
            Na, wo du Recht hast, hast du Recht! Aber eigentlich hat es die Jahre ja eh nicht gegeben (Illig).
            Die schon, die 360 davor nicht!

            Fritz



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