Hallo Geschichtsexperten
ich habe da mal zwei Fragen:
- stimmt es, dass der polnische Aussenminister (Wirth??) vor 1939 beinahe wöchentlich in der Reichskanzlei erschienen ist, um die Deutschen zum gemeinsamen Feldzug gegen die Sowjetunion zu animieren, (um Großpolen wiederherzustellen - das ja bis vor Moskau reichte?)
- daß im Rahmen des Münchner Abkommens sich Polen einen guten Teil der Tschechoslowakei aneignete?
Gruß
Peter
Hallo!
Wirth, Josef, dt. Poltiker
* 06.09.1879 Freiburg i.B.
† 03.01.1956 ebenda
1913–1933 Mitglied des Landtags in Baden; 1914–1918 und 1920–1933 Mitglied des Reichstags für das Zentrum; 1920/21 Reichsfinanzminister; 1921/22 Reichskanzler, als „Erfüllungspolitiker“ denunziert, da er die ultimativen Reparationsforderungen der Entente akzeptierte; 1922 Vertrag von Rapallo mit der Sowjetunion; 1929/30 Reichsminister für die besetzten Gebiete; 1930/31 Reichsinnenminister; 1933–1948 Exil in der Schweiz; 1948 Gründer der Partei „Union der Mitte“; 1953 Vorsitzender und Mitgründer des Bundes der Deutschen für Einheit, Frieden und Freiheit.
Gruß Max
Hallo!
Nazi-Deutschland und Polen bis 1939.
Polen erwog nach Hitlers Machtübernahme über mehrere Monate hinweg ernsthaft einen militärischen Präventivschlag gegen Deutschland. Schon in der Weimarer Republik war es parteiübergreifender Konsens gewesen, daß die in Versailles festgelegte Grenzziehung mit dem neu gegründeten Staat Polen revidiert werden müsse, die Agitation der Nationalsozialisten in diese Richtung war entsprechend vehement.
Um so mehr verwunderte es die diplomatische Szene, als im Januar 1934 ein auf zehn Jahre befristeter Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und Polen zustande kam. Hitler hatte seit Herbst 1933 eine taktische Verständigungsbereitschaft an den Tag gelegt, die vorerst für Polen noch keine endgültige Rolle in seinem langfristigen Konzept der Ausweitung von Lebensraum vorsah.
Zwar hatte sich Polen verbal von der Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes distanziert, als Hitler jedoch die Sudetenkrise immer weiter anheizte, ließ sich Warschau kurzerhand zum Komplizen einer Zerschlagung der territorialen Integrität der Tschechoslowakei machen. Auf der Spitze der Krise empfing Hitler polnische Delegierte auf dem Berghof, um ein gemeinsames Vorgehen zu vereinbaren. Im Zuge der Angliederung der sudetendeutschen Gebiete an das Deutsche Reich marschierten polnische Truppen in das Olsa-Gebiet ein, das daraufhin von Polen annektiert wurde.
Wenig später mußte sich Warschau jedoch selbst der erpresserischen deutschen Ansprüche erwehren: Hitler forderte Danzig, den Bau einer exterritorialen Autobahn durch den „Korridor“ nach Ostpreußen sowie einen Beitritt Polens zum Antikominternpakt. Hitler deutete gegenüber dem polnischen Außenminister Beck sogar an, er plane einen Krieg gegen die Sowjetunion und biete Polen an, partnerschaftlich an diesem Angriff mitzuwirken.
Polen wies diese ultimativ vorgetragenen Forderungen jedoch zurück, als sich nach dem Ende der britischen Appeasementpolitik Großbritannien und Frankreich zu einer Garantie des polnischen Staates bereit fanden. Hitler wiederum nahm die Annahme des westlichen Hilfsangebotes zum Anlaß, im April 1939 den beiderseitigen Nichtangriffspakt von 1934 ebenso wie das deutsch-britische Flottenabkommen zu kündigen.
Tatsächlich hatte Hitler schon am 11. April eine Weisung an die Wehrmacht gegeben, den Angriff auf Polen vorzubereiten („Fall Weiß“). Der erfolgreiche Abschluß des Hitler-Stalin-Paktes gab ihm schließlich die endgültige Absicherung zum seit langer Zeit gewollten Losschlagen.
Gruß Max
2 „Gefällt mir“
die man so eigentlich nirgendwo liest.(Da gab und gibt es ein „Gedächtnisloch“)
Gruß
Peter
Hallo !
Doch, die gibt es zu lesen!
„Retrospect“ „Die Chronik des 20. Jahrhunderts“ auf CD-Rom
Gruß Max
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]