„Prestige“ ist irrelevant gegenüber „Strate-
gischem Vorteil“. Anders gesagt: Den Fuß in
den arabischen Raum gesetzt zu haben, ist wie
ein 9ner im Lotto…
„Prestige“ war zur Zeit des Kalten Krieges überhaupt nicht irrelevant. Und der strategische Vorteil Israels für die USA mehr als zweifelhaft, da er den strategischen Vorteil, mit dem der gesamte blockfreie arabische Raum lockte, unerreichbar machte.
In den 50er/60er Jahren konkurrierten USA und Sowjetunion massivst um Nasser, und zwar nicht als Präsident des wirtschaftlich relativ unbedeutenden Ägypten, sondern als Sprecher fast der gesamten arabischen Welt mit erheblichem Einfluß auf die umliegenden Länder und v.a. auch auf die im Ost-West-Konflikt neutralen Länder der Dritten Welt.
Somit war Nasser das Zünglein an der Waage, der das zerbrechliche Mächtegleichgewicht umstürzen konnte, nämlich indem er diesen neutralen Block gen eine Richtung, Ost oder West, beeinflussen konnte… daß er das nicht wollte, konnte im übrigen die USA nicht akzeptieren. Da Nasser gleichzeitig Israel als Feindbild sah, als Landbarriere innerhalb des arabischen Raumes und als Überbleibsel der verhaßten europäischen Kolonialmächte, sah sich die USA vor einem bösen Dilemma (v.a. nach dem selbst verschuldeten, ungünstigen Verlauf der Finanzierung des Assuan-Staudammes 1955):
Zum einen der zum Scheitern verurteilte Versuch, Nasser für sich zu gewinnen, dabei aber das von ihm verhaßte Israel weiter zu unterstützen. Zum anderen schwoll die Angst vor einem Übergriff der Sowjetunion in den arabischen Raum so sehr an, daß man diese letzte „westliche“ Bastion Israel im Nahen Osten unbedingt halten und militärisch stärken mußte.
Deine Interpretation des Zionismus ist mehr
als einfältig: „reiche, einflußreiche Zio-
nisten in den USA“ - ist ein Witz. Die antizi-
onistischen, jüdischen Fundamentalisten sind
das Problem. Shamir, Netanjahu, Sharon sind
das Problem - vorgestern, gestern und heute in
je derselben Person…
Es tut mir leid, wenn du mich für „einfältig“ hältst. Aber ich denke, wenn alles nur an _einem_ Grund festzumachen wäre, würden wir es uns sehr einfach machen…
außerdem meinte ich v.a. die Sympathie vor den sechziger Jahren, also die Grundstimmung. Und ich denke, daß da die Israellobby im amerikanischen Kongreß (entschuldige die platte Bezeichnung „reiche, einflußreiche Zionisten“) zumindest mal nicht gar nix zu sagen hatte.
Ich habe hier auch nicht nach dem Problem an sich oder einer Lösung gesucht…! du bist etwas über das Ziel hinaus geschossen; keine Angst, mir ist schon klar daß es tausend Gründe für das Nahostproblem gibt (und daß einer der Dringlichsten und Verheerendsten im Moment Sharon ist, soweit käme ich in meiner Naivität auch noch). Das wollte ich hier aber gar nicht ergründen, denn das wäre ein Faß ohne Boden…
Schönen Sonntag,
Nona.