Hallo,
ich suche eine Übersicht der Geschehnisse oder Seminar/Diplomarbeit über die Ruhrbesetzung 1923. Kann mir jemand einen Tipp geben?
Welche Zeitungen gab es damals, in deren Archiv ich evtl. original Zeitungsartikel aus der Zeit finden kann?
Danke im Voraus
Nina
Hallo Nina!
Jede Tageszeitung von damals, die es heute noch gibt oder deren Nachfolger hat ein Archiv. Dort kannst Du alles erforschen.
Ich schicke Dir hier einige Auszüge aus „Geschichte der Deutschen“ von dp. CD-Rom.
Ruhrgebiet leistet passiven Widerstand
Als Reaktion auf die französisch-belgische Besetzung des Ruhrgebietes verkündete Reichskanzler Wilhelm Cuno am 13. Januar 1923 im Reichstag den „passiven Widerstand“. Unterstützt von allen Parteien wurden die Reparationslieferungen eingestellt.
Die Regierung wies alle Beamten an, Anordnungen der Besatzungsmacht nicht auszuführen und verbot den Eisenbahnern, Ladungen nach Frankreich oder Belgien abzufertigen. Der passive Widerstand in der Bevölkerung führte dazu, daß alle Gruben, Fabriken und Bahnen, sobald sie von Frankreich übernommen werden sollten, stillgelegt wurden. Frankreich konterte, indem es das Ruhrgebiet vom übrigen Reich abriegelte. Die Regierung mußte das streikende Gebiet mit Geld und Lebensmitteln unterstützen, um den passiven Widerstand fortsetzen zu können. Der Ruhrkampf veranlaßte die französische Regierung jedoch letztendlich nicht zum Einlenken und Gustav Stresemann mußte schließlich den passiven Widerstand abbrechen lassen.
Gruß Max
Franzosen besetzen das Ruhrgebiet
Am 11. Januar 1923 marschierten französische Truppen in das Ruhrgebiet ein. Das Gebiet wurde in drei Besatzungssektoren aufgeteilt: Essen, Bochum und Dortmund. Der Sektor zwischen Duisburg, Wesel und Haltern wurde von Belgien übernommen. Gleich zu Beginn der Besetzung kam es in Bochum zu einem Zwischenfall, als die einmarschierenden Truppen in eine Menge schossen, die unter dem Ruf „Siegreich wollen wir Frankreich schlagen“ zusammengeströmt war, ein Demonstrant fand dabei den Tod. Ansonsten wurde die Besetzung möglichst unauffällig durchgeführt, die militärischen Einheiten wurden am Rande der Ballungsgebiete untergebracht und die Zentren nur von kleineren Einheiten bewacht.
Die Besetzung des Ruhrgebietes einte die zerrissenen deutschen Parteien im Ruhrkampf, auch in der Bevölkerung machte sich Widerstand breit. Amerikaner und Briten ließen Deutschland gewisse Hilfe zuteil werden. Der amerikanische Präsident C. Coolidge zog 10.000 Mann, die bis dahin Koblenz und den rechtsrheinischen Brückenkopf besetzt hatten, ab. Auch die Engländer waren bereit, ihre Zone zu räumen, blieben dann allerdings auf Ersuchen der deutschen Regierung und verwehrten später im Ruhrkampf den Franzosen die Durchfahrt durch die britische Zone.
Aufruf zur Beendigung des Ruhrkampfes
Um mit den Alliierten bezüglich der Reparationsfrage wieder in Verhandlungen treten zu können, richtete der neue Reichskanzler Gustav Stresemann am 26. September 1923 einen Aufruf an das deutsche Volk mit dem Appell, den Ruhrkampf abzubrechen. 132 Tote, elf Todesurteile (davon eines vollstreckt), zahlreiche Geld- und Haftstrafen und 150.000 Ausweisungen sowie der Verlust von mindestens vier Milliarden Goldmark für die deutsche Wirtschaft waren die Bilanz des Ruhrkampfes. Der Aufruf stellte eine politische Gratwanderung dar: Auf der einen Seite gab sich Deutschland mit der Aufgabe des Ruhrkampfes gegenüber Frankreich geschlagen, auf der anderen war Deutschland finanziell so überbelastet, daß es unmöglich war, den Ruhrkampf weiterzuführen.
Die Kapitulation Deutschlands erhielt ihr volles Gewicht erst, als sich Frankreich nach dem Abbruch des Ruhrkampfes weigerte, seine Truppen abzuziehen und mit der Reichsregierung über die Verhältnisse an Rhein und Ruhr zu verhandeln. Raymond Poincaré sah sein Ziel, Deutschland in die Knie zu zwingen, erreicht. Stresemann stand vor der schweren Aufgabe, den mühsamen Weg aus dem Chaos meistern zu müssen.
Aus : ‚Geschichte der Deutschen‘ dp
Hallo Nina
Londoner Ultimatum droht mit Ruhrbesetzung
Am 5. Mai 1921 stellt die Londoner Alliiertenkonferenz den Deutschen ein auf sechs Tage befristetes Ultimatum: Entweder erkennt das Reich seine Reparationsverpflichtungen an, oder die Alliierten besetzen das Ruhrgebiet.
Bereits am 8. März waren französische Truppen wegen ausstehender Reparationszahlungen in die Rheinhäfen Duisburg, Ruhrort und Düsseldorf einmarschiert. Das Londoner Ultimatum sollte Deutschland dazu zwingen, den von der Reparationskommission inzwischen auf 135 Milliarden Goldmark ermäßigten Gesamtbetrag zu akzeptieren. Ferner wurde die schnelle vollständige Entwaffnung und die Aburteilung von „Kriegsverbrechern“ gefordert.
Die USA hatten das Ersuchen des Reichskanzlers Konstantin Fehrenbach, als Vermittler in der Reparationsfrage zu fungieren, abgelehnt. Da Fehrenbach seine Politik danach als gescheitert ansah, war er am 4. Mai mit dem gesamten Kabinett zurückgetreten. In der deutschen Politik gewann langsam die Ansicht an Einfluß, daß sich durch Annahme der Bedingungen („Erfüllungspolitik“) günstigere Voraussetzungen für die längerfristige Entwicklung erzielen ließen. Vor allem die Furcht, durch die Ablehnung des Londoner Ultimatums auch den Verlust Oberschlesiens zu riskieren, führte dazu, daß sich der Zentrumspolitiker Joseph Wirth (li.) bereit erklärte, mit SPD und DDP ein „Kabinett der Weimarer Koalition“ zu bilden und die innenpolitische Verantwortung für diese Politik zu übernehmen. Am 11. Mai nahm das Deutsche Reich nach Abstimmung im Reichstag das Ultimatum an.