Weshalb beginnt die Geschichte Israels/ der Juden

erst mit der Zeit des römischen Reiches und weshalb fehlen zuvor fast alle Informationen, obwohl es hier doch wissenschaftlich gesicherte Fakten gibt.

Kann mir jemand Informationen bis zur Zeit des römischen Reiches nennen. Es muss ja, nimmt man die Schriften diverser Religionen in die Hand, Israel schon lange vor dem römischen Reich gegeben haben. Ein Volk gerät ja nicht einfach über Nacht plötzlich in das Schussfeld des römischen Reiches. Solche Excesse haben bekanntlich langwierige Ursachen. Die interessieren mich. Bitte nur objektive - wissenschaftlich begründete Beweise - Hinweise zur Geschichte. Mich interessieren Ersatzneurotiker gegen das Judentum oder Geschichtsfälscher, die ihre Schriften in dubiosen Foren veröffentlichen nicht. Kann mir notfalls jemand eine Universitätsadresse nennen. Da ich nur mangelhaft englisch spreche, wäre mir eine deutsche Übersetzung sehr wichtig.

Gruss Günter

Hallo, Günter,

wie wäre es mit einem Blick in die Bibel.

Buch der Könige, Chronik, Makkabäer, etc.

Ist zwar nicht just das, was man Historie nennt, aber …

Gruß Fritz

Zur Einführung
http://www.israel.de/botschaft/kuerze/geschichte.html
Kurze Auflistung der Kriege:
http://www.ewetel.net/~martin.bode/JueKrieg.htm

Zum Thema:
Ich stöpsele das mal aus meine Geschichtsbüchern zusammen:

die Geschichte vorher übergehe ich mal.
Die ist nämlich für die Weltgeschichte dezent unintressant…
Und drum wird die in den Schulbüchern auch immer etwas summarisch abgehandelt.

Die hellenistischen Seuleukiden versuchten, das Judentum = den jüdischen Glauben auszurotten, sie sahen offenbar in dem rigiden monotheismus eine Gefährdung der staatlichen Struktur. Das führte zu einem nettn kleinen Aufstand, wo die Seuleukiden rausgeschmissen wurden. danach übernahmen die Hasomäer die Macht.
Es kam nun immer wieder zu Thronwirren, in die sich auch rom einschaltete (Pompeius wurde 63 v Chr gebeten, zu vermitteln, was dieser auch tat, allerdings mit Unterstützung einiger legionen) 63 v Chr wird Judäa ein römischer Klientelstaat.

Mit freundlicher Unterstützung der Römer kommt 37 v Chr Herodes d. grosse auf den Thron, der sich nicht gerade an jüdische Sitten und gebräuche hielt… und dementsprechend unbeliebt war im Volk. nach seinem Tod 4 n Chr. wird Judäa unter seinen Nachkommen verteilt, das permanente Gebrodle im Volk war den römern offenbar unheimlich und so versuchten sie, den Staat zu zerschlagen. das Großstrategische problem lag darin, dass Syrien, die nördliche gelegene Provinz, immer latent durch die parther bedroht war, und die Römer an der Südflanke Ruhe wollten. Allerdings waren die Prokuratoren ziemlich dämlich, durch ihr unduldsamens Verhalten provozierten sie einen Aufstand, der 66 n Chr Ausbrach, die schwachen römischen Besatzungstruppen wurden vertrieben oder massakriert, ebenso Kollaborateure, eine Römische Truppe aus syrien wurde geschlagen.

Vespasian bekam den auftrag, den Aufstand niederzuschlagen, was ihm in 3 jahren auch gelang, jerusalem und der tempel wurde zerstört, letzte Widerstandsnester (masada z.B.) wurden unter seinem Sohn Titus sowie flavius Silva bis 73 n Chr ausgehoben.

Judäa wurde römische Provinz.
Der letzte Aufstand brach 131 aus: kaiser hadrian wollte Jerusalem wiederaufbauen… allerdings als römische Kolonie und anstelle des tempels einen Jupitertempel…
das brachte das Fass wieder mal zum Überlaufen und ein lange vorbereiteter Aufstand brach aus. (Simeon bar kochba) Gestützt wurde dies durch eine konspiration mit den Parthern, die aber wg eines Aufstandes im eigenen land nicht eingreifen konnten, sonst wärs möglicherweise anders ausgegangen.
Rom zog nach anfänglichen Niederlagen ca 8 Legionen zusammen (eine Riesenstreitmacht) und radierte in einem langen und sehr schmutzigen Feldzug bis 135 den Jüdischen Widerstand aus. jerusalem wurde als Kolonie wiedererrichtet, Juden war es verboten, die Stadt und ihr Umland zu betreten, viele Juden wanderten aus…

Fazit: Die Römer hatten aus ihrer sicht einen permanenten Krisenherd in der nähe einer strategisch durch eine andere Großmacht gefärdeten Grenze. Das konnten Sie natürlich nicht zulassen. und drum gings da permanent rund.

Ansonsten: Uni-Bibliothek; Lehrstuhl für Geschichte, einfach mal fragen… das kost nix.

Gruß
Mike

Geschichte Israels von 1300 v. Chr. bis 133 n.Chr.
Hallo!

erst mit der Zeit des römischen Reiches und weshalb fehlen
zuvor fast alle Informationen, obwohl es hier doch
wissenschaftlich gesicherte Fakten gibt.

Die Geschichte Israels beginnt doch gar nicht erst mit dem Römischen Reich (eher endet sie da … als Staatsgeschichte natürlich).

Wie mein Vorredner weise ich zum einen auf die Bibel hin, zum anderen ist aber Vieles aus den „historischen“ Büchern des AT auch historisch belegt - wenn auch nicht immer in der chronologischen Reihenfolge, wie es das AT angibt.

Als Beginn der Staatsgeschichte könnte man sicherlich die Landnahme Kanaans durch die Israeliten ansehen (ca. 1300 v. Chr.), spätestens mit der Gründung des Königreiches unter Saul (um 1000). Anschließend herrschten David und Salomon. Danach zerfiel das Reich Israel in zwei unabhängige Königreiche (Israel im Norden und Juda im Süden). Die Geschichte des Nordreiches endet 722 mit der militärischen Niederlage gegen die Assyrer unter König Sargon II. Die einheimische Bevölkerung wurde z.T. nach Medien und Mesopotamien deportiert (so ein Vorgehen war bei den Assyrern Usus). Es kamen neue Siedler ins Land, die sich mit der Restbevölkerung vermischten und später Samariter genannt wurden (und deshalb zu Jesu Zeiten von den Juden diskriminiert wurden). Dem Süd-Reich Juda blieb ein längeres Bestehen vergönnt. Es endete erst 587 nach eineinhalbjähriger Belagerung Jerusalems durch den babylonischen König Nebukadnezar II. Wiederum wurden Teile der Bevölkerung deportiert (v.a. die Oberschichten; war halt Usus damals) und die „Babylonische Gefangenschaft“ begann.

Die Hebräer spielten in der Folge keine Rolle mehr in der Außenpolitik. Ihr Land gehörte zuerst zum Babylonischen Reich, dann zum Perserreich. 539 begannen die ersten nicht assimilierten Hebräer aus Mesopotamien nach Judäa, das persische Provinz ist, zurückzukehren. 520-515 wurde der Jerusalemer Tempel wiederaufgebaut. 445 setzte der Perserkönig Artaxerxes I. seinen hebräischen Mundschenk Nehemia als Statthalter der Provinz Judäa ein. Jerusalem erhielt wieder eine Stadtmauer, die Provinz eine für das jüdische Leben ausgerichtete Ordnung innerhalb des Perserreiches.

Mit der Eroberung des Perserreiches durch Alexander den Großen 334-330 wurde Judäa Teil des Alexanderreiches. Nach Alexanders Tod geriet das Land unter wechselnde „griechische“ Herrscher. Palästina war ein zwischen den Ptolemäern (herrschten hauptsächlich in Ägypten) und den Seleukiden (Vorder- und Mittelasien) heftig umkämpftes Gebiet. Zum Schluß hatten die Seleukiden unter Antiochos III. die Oberhand behalten und Judäa wurde seleukidische Provinz. Allerdings achteten die seleukidischen Herrscher die jüdischen Gepflogenheiten in Umgang mit ihrer Religion nicht und machten den Jerusalemer Tempel zur Kultstätte ihres Reichsgottes Zeus Olympios. Daraufhin kam es ab 167 zu heftigen Aufständen der Juden unter den Hasmonäern (auch Makkabäer genannt).

Die Hasmonäer wandten sich an die zur Großmacht aufgestiegenen Römer, denen die Seleukiden seit ihrer Niederlage bei Magnesia 190 tibutpflichtig waren. 141 wurde die seleukidische Garnison aus Jerusalem vertrieben. Die Hasmonäer begründeten ab 129 ein eigenständiges Königreich Judäa, das aber unter römischen Schutz stand. Diese Schutzfunktion wurde den Römern zum Einfalltor nach Palästina. Der römische Feldherr Pompeius legte 63 den Grundstein für die Übernahme Palästinas in das römische Reich: Die Hasmonäerkönige bekamen einen Aufpasser zur Seite gestellt, den Nichtjuden Antipater.

Unter dem römischen Feldherrn Marcus Antonius kam es dann zur Ausrottung der Hasmonäer. Antipaters Sohn Herodes wurde 40 zum von Rom geduldeten König und eroberte 37 Jerusalem. Während des Bürgerkrieges zwischen Octavian (der spätere Augustus) und Antonius war Herodes ziemlich geschickt im Taktieren, wechselte rechtzeitig die Seite und konnte dadurch sein Reich erhalten. Nach seinem Tod wurde es aber unter seinen Söhnen aufgeteilt, und die Römer machten den Großteil ziemlich bald zu ihrem Prokurat (u.a. mit Pontius Pilatus als Prokurator). In Galiläa und anderen Gebieten um Judäa herum regierten noch die Söhne des alten Herodes mit Duldung der Römer. Einige Nachfahren von Herodes wie Herodes Agrippa I. (41-44 n.Chr.) und Herodes Agrippa II. (53-100) erlangten für kurze Zeit noch einmal den Königstitel, die eigentliche Macht lag aber in römischen Händen. 66-70 fand der große jüdische Aufstand gegen die Römerherrschaft statt, doch wurde er von den späteren Kaisern Vespasian und Titus niedergeschlagen und der Tempel zerstört. Nach 100 war Palästina in vollem Umfang römische Provinz. 132-135 kam es noch einmal zu einem Aufstand unter Bar Kochba, weil Jerusalem zur römischen Kolonie Aelia Capitolina umgewandelt werden sollte. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen, den Juden der Zutritt nach Jerusalem verboten. Ab 70/135 begann die verstärkte Auswanderung der Juden aus Palästina. Wie bekannt kam es erst nach dem 1. Weltkrieg zu einer größeren Rückkehr von Juden in das Land und die Leidensgeschichte der Palästinenser begann…

Gruß,

Oliver

Josephus Flavius
Hallo Günther

Geschichte, die „vor Ort“, ca. um 100 n.Ch. geschrieben wurde, aber mit der nötigen Vorsicht zu geniessen ist:

Josephus Falvius, Jüdische Altertümer, ISBN 3-921695-19-8 Buch anschauen
Umfasst den Zeitraum ab Adam und Eva - Nero.

Fortsetzung davon:
Josephus Falvius, Geschichte des jüdischen Krieges, keine ISBN gefunden, aber gleicher Verlag. Fourier Verlag, Wiesbaden

Beides sind umfangreiche, gut lesbare Reprint-Ausgaben.

Gruss
Mäni

Hallo Günther
Lesenswert, wenn auch nicht exakt deine Frage, Christoph Levin: Das Alte Testament, Beck Wissen für 7,50 Euro ISBN 3-406-44760-0 Buch anschauen Ausserdem als grundsätzlicher Wälzer zum Thema: H.Donner, Geschichte des Volkes Israel und seiner Nachbarn in Grundzügen. Und Flavius Josephus ist nicht die schlechteste Quelle, wenn er auch tendenziös schreibt. Das ist kein Wunder, entstammte er doch dem jüdischen Priesteradel, aber er ist zeitlich einfach ganz nah dran. Ist ja schon mit Titel und ISBN vorgeschlagen worden. War nur ein Tippfehler beim Namen: Flavius, nicht Falvius. Sonst hast du vielleicht Schwierigkeiten ihn in einem Lexikon zu finden.
Gruss Carsten

ot

Hab kürzlich „Bildung“ von Dietrich Schwanitz gelesen. Ein echt lesenswertes Buch, daß seine 14 Euro echt wert ist. Was die Geschichte angeht, fängt er mit Juden- und Griechentum an, und referenziert die jüdische Geschichte auch zu den Bibeltexten.
Das Buch ist zum Einstieg sicherlich gut geeignet.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Abraham - Mose - Salomon
Moin Günter,

ich seh den thread hier jetzt erst, würde aber gerne noch einiges hinzufügen, nämlich was vor dem geschah, was Oliver schon ausführte. :smile:

Wie schon einige andeuteten ist das AT auf jeden Fall eine wichtige Quelle. Die ältestens geschichtlichen Überlieferungen des AT reichen bis etwa zum Jahr 1700 v.Chr. zurück, in die Zeit Abrahams. Allerdings wurde das AT erst um ca. 1000 niedergeschrieben, also gelten die Angaben als recht unbestimmt. Weitere Erkenntnisse über die Zeit stammen aus babylonischen und ägyptischen Quellen, sowie aus Ausgrabungen.

ca. 1650 lebten in Syrien/Palästina später zu Israel gehörige kanaanäische Stämme. um 1550 wird Palästina ägyptische Provin, wobei die örtliche Regierungsgewalt weiterhin lokalen Dynastien kanaanäischer, hurritischer und vereinzelt indoarischer Herkunft überlassen bleibt. Die Hauptquelle dafür ist das Keilschriftbriefarchiv von El-Amarna (Mittelägypten), die sogenannten Amarnabriefe (1400-1350).

nach 1250 kommt es zu Rückwanderungen von Gruppen, die besonders Ramses der II in Ägypten zur Fronarbeit gezwungen hatte (die Vorfahren der späteren Josephstämme im Zwöflstämme-Schema Ephraim und Menasse) unter Mose und Aharon aus Ägypten. Die Gottesoffenbarung am Sinai (oder Horeb, Identität mit dem heutigen Sinai ist fraglich) an Mose verpflichtete die Sippen, ausschließlich dem einen Gott Jahwe zu dienen. Kultmittelpunkt wird die Bundeslage. (Das ist wohl dann die Geburt der jüdischen Religion) Es folgen lange Jahre des Herumziehens in den Wüstensteppen Südpalästinas (nomadische Lebensweise).

Um 1220 wird der Name Israel zuerst auf einer Stele Merenptahs (Nachfolger von Ramses II) erwähnt.

Ich mach jetzt mal einen kleinen Sprung über ein paar Jahrhunderte, die hauptsächlich aus kriegerischen Auseinandersetzugen der „12 Stämme“ mit anderen Bewohnern Palästinas und neu hinzukommenden bestehen.

um 1008-969 gelingt es dann erst David aus dem Stamme Juda einen einheitlichen Staat zu errichten und er entreißt Jerusalem den Jebusitern und macht es zur Hauptstadt und weitet das Reich weiter aus.

Davids Sohn Salomon (um 969-930) kann das Land nur zum Teil halten. Er nähert sich wieder Ägypten an (Heirat mit einer ägyptischen Prinzessin) und legt am Golf von Akaba in Edorm einen Hafen an. Durch Handel mit Arabien erlangt er großen Reichtum, baut in Jerusalem den Tempel und gibt damit erstmals dem Kult ein festes Zentrum.

Nach Salomons Tod zerfällt das Reich in das Nordreich Israel unter Jerobeam I. (Hauptstadt Sichem, später Samaria) und das viel kleinere Judäa unter Rehabeam, Salomons Sohn…

(Quelle: Der große Ploetz)

Naja, etc,etc…

Gruss
Marion

Hallo Marion,

vielen Dank für die umfassende Antwort.

Gruss Günter und ein schöne WE

Moin Marion,

Die ältestens geschichtlichen Überlieferungen
des AT reichen bis etwa zum Jahr 1700 v.Chr. zurück, in die
Zeit Abrahams. Allerdings wurde das AT erst um ca. 1000
niedergeschrieben, also gelten die Angaben als recht

(Quelle: Der große Ploetz)

Sowohl du als auch deine Quelle sollten versuchen, an den neuesten Stand der Forschung zu kommen.

Die Geschichten Abrahams und der Väter bis Moses sind reine Märchen.
Vielleicht gibt es einige Gesänge (Psalmen), die schon um 1000 v. Chr. fixiert waren, aber sicher kein Abschnitt des AT.
Erste längere Kapitel wurden zu Zeiten der Könige (Prophetenschriften) aufgeschrieben.
Ein AT als Textsammlung ist erst nach der „Babylonischen Gefangenschaft“ durch Esra und Nehemia anzunehmen.

Dass sich diese falschen Vorstellungen von der Bibel nicht beseitigen lassen?!?

Beste Grüße Fritz

Moin Fritz,

Die ältestens geschichtlichen Überlieferungen
des AT reichen bis etwa zum Jahr 1700 v.Chr. zurück, in die
Zeit Abrahams. Allerdings wurde das AT erst um ca. 1000
niedergeschrieben, also gelten die Angaben als recht

(Quelle: Der große Ploetz)

Sowohl du als auch deine Quelle sollten versuchen, an den
neuesten Stand der Forschung zu kommen.

Wärst du denn auch so freundlich mir zu erzählen, wo ich diesen „neuesten Stand der Forschung“ finde, der wenigstens so seriös sein sollte, wie der große Ploetz von 1998 ? :smile:) Insbesondere würde mich interessieren, wo der Stand der Forschung denn so von dem hier von mir geschriebenen abweicht :smile:

Die Geschichten Abrahams und der Väter bis Moses sind reine
Märchen.
Vielleicht gibt es einige Gesänge (Psalmen), die schon um 1000
v. Chr. fixiert waren, aber sicher kein Abschnitt des AT.
Erste längere Kapitel wurden zu Zeiten der Könige
(Prophetenschriften) aufgeschrieben.
Ein AT als Textsammlung ist erst nach der „Babylonischen
Gefangenschaft“ durch Esra und Nehemia anzunehmen.

Ich versteh deinen Einwand nicht so ganz. Das wiederspricht ja nicht gundsätzlich dem, was ich geschreiben habe. Gut, ich korrigiere: die ältesten Teile des AT wurde erst ab ca. 1000 v.Chr. niedergeschreiben, und ?

Es geht hier im wesentlichen um Abrahams Herkunft aus Charran, was die Erinnerung daran bewahrt, dass der Stamm Benjamin Reststammt eines nach den Briefen von Mari (1720) in Nordmesopotamien zeltenden großen Nomandenstamms ist. (Ich denke mal die Steintafeln von Mari sind dir als geschichtliche Quelle bekannt, oder ?).

Um die „Geschichten“ um Abraham etc. ging es mir bei der Erwähnung dieses Nahmes eigentlich weniger :smile:

Mir ging es darum, die wichtigen Eckpfeiler der frühen Israelischen/Jüdischen Geschichte darzustellen, und das sind nunmal meiner Meinung nach die Abstammung (Volkszugehörigkeit, hier stellvertretend „Abraham“ genannt), wobei ich hier aber die Abstammung von den „12-Stämmen“ eh als viel bedeutsamer ansehe, Moses als „Religionsstifter“, David als Errichter des ersten zusammenhängenden Staates mit eigener Hauptstadt und Salomon als als Errichter eines religösen Zentrums.

Gruss
Marion, gespannt auf Antwort wartend

Dass sich diese falschen Vorstellungen von der Bibel nicht
beseitigen lassen?!?

Beste Grüße Fritz

Hallo Marion!

Jetzt hast du mich erwischt. Vor Jahren schon habe ich meine theologische Sekundärliteratur unter der Leute gebracht. Wenn ich also jetzt mich zu diesen Themen äußere, muss ich mich auf mein Gedächtnis verlassen. Und mein Theologiestudium liegt schon zwei Jahrzehnte zurück.

Zum Glück gibt es das Internet. Da habe ich auf die Schnelle gefunden:

Bei google unter dem Stichwort:
Jahwist
http://www.joerg-sieger.de/einleit/spez/02dtr/spez18…

Die Fünf Bücher Mose (vgl. Stichwort) des Alten Testaments sind nicht nur von einem Verfasser geschrieben. Auch wenn sie nach Mose benannt sind, ist er nicht der Autor der Bücher. Neben dem Elohisten, der Priesterschaft und der deuteronomistischen Schule ist der Jahwist einer der Verfasser, der die mündlichen Überlieferungen und Erzählungen des Nomadenvolkes Israel schriftlich niederlegte. Der Jahwist schrieb im 9. Jahrhundert v. Chr. im Südreich Juda. Seinen Namen weiß man nicht. Man nannte ihn „Jahwist“, weil er immer den Gottesnamen „Jahwe“ verwendet.

Und ausführlicher:
http://www.google.de/search?q=cache:smiley:VVGJEq1DzIC:www…
speziell: page 9ff. Dort wird der Jahwist, der Elohist und die Priesterschrift, die erst um 550 v. Chr. entstand, besprochen. Die drei machen den Grundstock des AT aus. Dazu kommen die Propheten etc.

Erst im 1. Jhdt nach Christus ist ein Kanon zu erkennen. Es ist also bis dahin mit Eingriffen, Ergänzungen und Bearbeitungen der Texte zu rechnen.

Ich bedaure, nicht mehr bieten zu können, aber denke doch, dass du genügend Punkte findest, die Datierung um zwei bis drei Jahrhunderte zu verschieben.

Es geht hier im wesentlichen um Abrahams Herkunft aus Charran,
was die Erinnerung daran bewahrt, dass der Stamm Benjamin
Reststammt eines nach den Briefen von Mari (1720) in
Nordmesopotamien zeltenden großen Nomandenstamms ist. (Ich
denke mal die Steintafeln von Mari sind dir als geschichtliche
Quelle bekannt, oder ?).

Das ist meines Wissens ein Annahme, der die allgemeine Zustimmung noch fehlt. Auf dem Gebiet wird ein Kratzer in der Wand leicht ein Dokument!

Und verzeih den kurz angebundenen Stil meiner ersten Anmerkung.
Beste Grüße Fritz

Hallo Fritz :smile:

Jetzt hast du mich erwischt. Vor Jahren schon habe ich meine
theologische Sekundärliteratur unter der Leute gebracht. Wenn
ich also jetzt mich zu diesen Themen äußere, muss ich mich auf
mein Gedächtnis verlassen. Und mein Theologiestudium liegt
schon zwei Jahrzehnte zurück.

Soso, und das nennst du dann den „neuesten Stand der Forschung“ ? *schmunzel*

Ich bedaure, nicht mehr bieten zu können, aber denke doch,
dass du genügend Punkte findest, die Datierung um zwei bis
drei Jahrhunderte zu verschieben.

Hab ich auch kein Problem mit :smile:

Es geht hier im wesentlichen um Abrahams Herkunft aus Charran,
was die Erinnerung daran bewahrt, dass der Stamm Benjamin
Reststammt eines nach den Briefen von Mari (1720) in
Nordmesopotamien zeltenden großen Nomandenstamms ist. (Ich
denke mal die Tafeln von Mari sind dir als geschichtliche
Quelle bekannt, oder ?).

Das ist meines Wissens ein Annahme, der die allgemeine
Zustimmung noch fehlt. Auf dem Gebiet wird ein Kratzer in der
Wand leicht ein Dokument!

HIERMIT hab ich allerdings schon ein Problem *g*. Die Tafeln von Mari umfassen mittlerweile über 20.000 Exemplare, alle fein säuberlich in Babylonischer Keilschrift abgefasst. Ich hab mal versucht im Internet was darüber zu finden für dich, das meiste sind allerdings französische links, weil die Franzosen sich um die Übersetzung dieser Tafeln ziemlich verdient gemacht haben (die Übersetzung füllt wohl etliche dicke Wälzer mittlerweile). Aber damit du auch ein paar „Kratzer“ zum Anschauen hast, streu ich dir mal diesen Link hier rein: http://www.france.diplomatie.fr/culture/france/arche…

Und verzeih den kurz angebundenen Stil meiner ersten
Anmerkung.

-)

Gruss
Marion

Weißt du, Marion,

Soso, und das nennst du dann den „neuesten Stand der
Forschung“ ? *schmunzel*

das ist doch das Bedauerliche, dass das, was ich vor zwanzig Jahren bereits lernte, immer noch nicht in die allgemein bildenden Standartwerke eingegangen ist. Dort steht man noch auf dem Niveau von: „Und die Bibel hat doch Recht“ und glaubt noch an Bretterfunde der Arche am Ararat und den Durchzug durchs Rote Meer.

Dafür kriegt man im TV englische und amerikanische „Discovery“-Produktionen zu sehen mit Wandkritzeleien aus den Sianaibergen, die einem als Tafel von den 10 Geboten vorgestellt werden.

Ich kann nicht sagen, dass die Tafeln von Mari mich davon überzeugen, dass es ein Volk Israel mit all diesen Vätergeschichten gegeben hat. Dass es eine alte Gesetzschreibung gab in Mesopotamien ist ja nichts Neues. Von dort und aus Ägypten haben die Bibelautoren des 5. Jhdts wohl ihre Bestimmungen und andere Textteile bezogen

Nicht einmal die sogenannte „Israelstele“ -
Stele aus dem 5. Regierungsjahr des Königs Merenptah (um 1208 v.Chr.), die in seinem Totentempel in Theben-West gefunden wurde. Sie befindet sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo.
Die gewaltige, auf der Vorderseite von Amenophis III. beschriftete Granitstele von knapp 3,20 m Höhe, wurde unter Merenptah auf der Rückseite mit einem langen poetischen Text versehen, der den Sieg des Königs über die Libyer verherrlicht. Am Ende sind mehrere Gebiete und Städte in Syrien-Palästina aufgezählt, die ebenfalls von Merenptah niedergerungen wurden sein sollen, mit der einzigen Erwähnung des Namens Israel in ägyptischen Texten.

  • kann als Beleg gelten, dass es das Volk Israel, so wie es die Bibel berichtet zu dieser Zeit schon gegeben hat.

Wer weiß, was für „lausige Nomaden“ da von dem sich selbst verherrlichenden Palaststil der Pharaonen zu einem Volk stilisiert wurden. Die Reden doch von Eroberung einer Stadt, wenn sie ein paar Zelte verbrannt hatten.

Genug meine Rückfalls.
Und beste Grüße
Fritz

Zusatz
Eben jetzt wird auf „Phönix“ ein Bericht gezeigt, der zweite Teil einer siebenteiligen Serie: Glut unter der Asche.
Und da hat man wieder ein in zehn Felder eingeteiltes Quadrat, das auf einen Felsen von Sinai aufgemalt wurde, als möglichen Hinweis auf die Zehn Gebote gedeutet.
Das ist es!
Fritz