20. Juli - Hitlerattentat

Von: , Frage gestellt am Mi, 14. Jul 2004

Hallo Allerseits,

In den Medien ist der Jahretag des Hitlerattentats vom 20. Juli 1944 sehr präsent.
So weit mir bekannt ist, hat es aber viele Attentate gegeben.
Warum wird ausgerechnet DIESER Attentatsversuch so herausgehoben?

Die Täter waren verantwortkliche Generäle haben dem Regime ziemlich lange gedient. Mit dem Attattat und einer Regierungsübernahme haben sie gewartet, bis der Niedergang der Militärmacht und die Niederlage offensichtlich waren.

Es gibt durchaus viele lobenswerte Beispiele für Widerstand. Warum konzentrieren sich dann die politischen Organe und Medien auf diesen Personenkreis?

Gruß
Carlos

14 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 45 Minuten 4 hilfreich
    Re: 20. Juli - Hitlerattentat

    Warum konzentrieren sich dann die politischen Organe und
    Medien auf diesen Personenkreis?
    Hi,

    wir hatten diese Diskussion schon einmal relativ ausführlich entweder in diesem Channel oder unter "Politik", schau mal im Archiv nach.

    Um meine Ansicht aber kurz zu fassen: Der militärische Widerstand des 20. Juli war der "kompatibelste" zur neuen Bundesrepublik.

    Der kommunistische/sozialistische Widerstand durfte nicht gewürdigt werden, da der neue Feind in der gleichen Tradition stand. "Einzeltäter" wie Elser eigneten sich auch nicht so besonders, weil sie eben nur Einzelne waren, was implizit bedeutet, dass die überwiegende Mehrheit der Deutschen dem Regime gleichgültig oder zustimmend gegenüber stand (was imho auch die Realität widerspiegelt).

    Die Männer des 20. Juli kamen dagegen aus der Elite der deutschen Gesellschaft (Adel, Militär, in weiterem Sinne auch Kirche) und waren noch dazu mehrere. Das impliziert wiederum, dass zumindest ein bedeutender Teil der Deutschen dem Regime eigentlich ablehnend gegenüber gestanden habe, noch dazu Deutsche innerhalb des Militärs. Diese (meiner Meinung nach falsche) Auffassung erleichterte die Integration gesellschaftlicher Eliten nach 1945, die dem NS-Staat gedient hatten (zum Beispiel in der Wehrmacht). Zusätzlich erleichterte eine aus dem Militär geborene Widerstands-Erinnerungstradition die Rehabilitierung des Militärischen und damit die Aufstellung der Bundeswehr.

    Allerdings möchte ich unterstreichen, dass die Leistung des militärischen Widerstands des 20. Juli dennoch hoch zu würdigen ist. Diese Männer waren zwar keine Demokraten und mögen sich erst zu dem Attentat entschlossen haben, nachdem sie zuvor auf das NS-Regime gesetzt und erst dann mit der zunehmend aussichtloseren Kriegslage gemerkt hatten, dass die neuen Machthaber Deutschland nicht zu neuem Glanz sondern in den Untergang führen würden. Dennoch haben sie weit mehr Mut aufgebracht als viele andere und unter Einsatz ihres Lebens versucht, das Regime zu beseitigen, was bei Erfolg hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschenleben gerettet hätte.

    Gruß

    Volker

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: 20. Juli - Hitlerattentat

      Diese Männer waren zwar keine Demokraten und
      mögen sich erst zu dem Attentat entschlossen haben, nachdem
      sie zuvor auf das NS-Regime gesetzt und erst dann mit der
      zunehmend aussichtloseren Kriegslage gemerkt hatten, dass die
      neuen Machthaber Deutschland nicht zu neuem Glanz sondern in
      den Untergang führen würden. Dennoch haben sie weit mehr Mut
      aufgebracht als viele andere und unter Einsatz ihres Lebens
      versucht, das Regime zu beseitigen, was bei Erfolg
      hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschenleben gerettet
      hätte.
      Nebenbei bemerkt:
      Wenn ich mich nicht täusche sind NACH dem Attentatsversuch mehr Menschen im Krieg umgekommen als in den 5 Jahren davor!

  2. Antwort von nach 9 Stunden 1 hilfreich
    Re: 20. Juli - Hitlerattentat

    Warum konzentrieren sich dann die politischen Organe und
    Medien auf diesen Personenkreis?

    Hallo !

    Weil diese Leute (von Adel, hohe Offiziere!!) standesgemäß sind.
    Standesgemäß, um von einem Staat (BRD) als Attentäter anerkannt zu werden.

    Was waren schon die vielen anderen? Alle lt. Urteil, schwachsinnig, verrückt oder geistig zurückgeblieben.

    Wo gibt es heute Attentäter, die normal sind? In den letzten jahren gab es so viele Attentate (Schäuble, Lafontaine usw), alle wurden als geistige Tiefflieger oder Verrückte eingestuft.

    Diese hohen Attentäter machten sich dann zusätzlich noch Gedanken, wer denn diesen Staat und diesen Krieg weiter führt. Während die Einzelgänger vorher verantwortungslos nur den Hitler umbringen wollten und das Land damit in Anarchie gestürzt hätten. Goerdeler und Stauffenberg und und und hatten wenigsten für sich und das geliebte Vaterland eine neue Ordnung im Kopf. Jeder hatte für die Nachattentatsperiode seinen Posten und sein Einkommen. Hätte gehabt!!
    mfgConrad

  3. Antwort von nach 18 Stunden 0 hilfreich
    Re: 20. Juli - Hitlerattentat

    Hi,
    neben dem bereits Gesagten scheint mir noch wichtig zu sein:
    - am 20.07.44 fand ja nicht nur ein Attentat auf Hitler statt, sondern es wurde ein Staatsstreich versucht, d.h. es sollte die Macht übernommen werden.
    Attentate einzelner (Georg Eisner) hätten vielleicht Hitler getötet, aber es dann dem Zufall überlassen, wer aus der NS-Hierarche an die Macht gekommen wäre.
    Die Vorstellungen der Männer vom 20. Juli zum polit. Nachkriegssystem Deutschlands waren offenbar auf Grund der Herkunft überwiegend (sehr) konservativ, aber der Versuch der Entmachtung der NS-Herrschaft ist im dt. Widerstand einzigartig und sollte m.E. auch auchreichend gewürdigt werden.

    Abert

  4. Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
    Kurze Frage: 20. Juli - Hitlerattentat

    Dazu hätte ich eine Frage. Ich habe noch so im Hinterkopf daß es so 2 Dutzend Attentate auf Hitler gegeben haben soll - kann sie aber leider nicht belegen. Angefangen mit Gift, Pistole über Bomben usw. in- und ausländischer Extremisten. Sind diese 25 Attentate realistisch oder auch nur ein Gag eines Historikers?
    Eine andere Frage: Einzelne Leute (es konnten nur Einzelpersonen sein wegen SD, Gestapo, Parteimitglieder usw.) die so was planen und ausführen ohne die weitreichenden Folgen zu erkennen, weil sie die Notwendigkeit sehen - so wie die Städte zerbombt werden auch die Soldaten an der Front umkommen können (es gab ja nur die Wochenschau und die glorifizierten Todesanzeigen in der Zeitung), sind diese Leute Zurechnungsfähig?

    A.

    • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
      Re: Kurze Frage: 20. Juli - Hitlerattentat

      sind diese Leute
      Zurechnungsfähig?
      Erheblich zurechnungsfähiger als alle anderen. Immerhin haben sie erkannt, dass das Regime in den Abgrund steuerte und hatten außerdem den Mut, etwas dagegen zu tun. Wenn man auch darüber streiten mag, ob die Ermordung Hitlers den Kurs schwerwiegend geändert hätte.

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^2: Kurze Frage: 20. Juli - Hitlerattentat

        Ja, es hätte aus einem "Hitler-Staat" einen
        "Himmler-Staat" gemacht. Prima Perspektive.

        Und Ausserdem. Der deutsche Militäradel eignete
        sich aufgrund von Dünkel, Unprofessionalität
        und ewigem halböffentlichem Umsturz-"Geplane" eher
        nicht für so eine Aufgabe. 'no match' für SD oder SS,
        imho.

        Grüße

        CMБ [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

        • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
          SS?

          Und Ausserdem. Der deutsche Militäradel eignete
          sich aufgrund von Dünkel, Unprofessionalität
          und ewigem halböffentlichem Umsturz-"Geplane" eher
          nicht für so eine Aufgabe. 'no match' für SD oder SS,
          imho.
          Wie man ja in Paris gesehen hat, hihi. Ich finde, Du glorifizierst diese Pseudoelite etwas.

          Andreas

          • Antwort von nach 4 Tagen 0 hilfreich
            Re: SS?

            Hallo Andreas, Und Ausserdem. Der deutsche Militäradel eignete
            sich aufgrund von Dünkel, Unprofessionalität
            und ewigem halböffentlichem Umsturz-"Geplane" eher
            nicht für so eine Aufgabe. 'no match' für SD oder SS,
            imho.
            Wie man ja in Paris gesehen hat, hihi. Ich finde, Du
            glorifizierst diese Pseudoelite etwas.
            Paris? Meinst Du das Attentat von Grynszpan?

            Andreas, Du weisst sicher, dass über die Jahre
            bis 1944 *jeder* Stabsoffizier in Hitlers Um-
            gebung seine (geladene) Dienstwaffe trug.

            Mehr muss ich zur "Fähigkeit" des Miitäradels
            nicht sagen, oder?

            Bevor und nachdem das Attentat vollzogen wurde,
            hat es Deine Adelselite nicht geschafft, auch
            nur im Entferntesten eine tatsächliche organi-
            satorische Basis für einen "richtigen" Machtwechsel
            zu schaffen.

            Dann wäre es nämlich egal gewesen, ob nun
            Hitler tot oder nur verwundet gewesen sei.
            Man hätte ihn verhaftet und fertig.

            Auf der anderen Seite; es dauerte nur wenige
            Tage und alle in das Attentat involvierten
            "Umsturz-Experten" waren tot und deren Familien
            eingesperrt. Die Macht der SS wuchs *durch*
            das Attentat ins Unermessliche.

            Zweifel? Bin gespannt.

            Grüße

            CMБ

            PS.1: es ist schon auffällig, dass hohe
            Positionen in SS und überhaupt RSHA vor-
            wiegend von (promovierten) Juristen oder
            Wissenschaftlern gehalten wurden. *Das*
            lässt sich nicht einfach wegerklären.
            *Das* muss auch eine reale Widerspieglung
            in den tatsächlichen Verhältnissen
            finden.

            PS.2: ich möchte wirklich keine
            *Pseudoelite* "glorifizieren".
            Ich möchte aber verstehen und
            möchte ein Gefühl für die tat-
            sächlichen Verhältnisse in einem
            totalitären Staat entwickeln ...



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