Attentäter des 20. Juli

Von: , Frage gestellt am Mi, 21. Jul 2004

Hallo Experten,

wie BRD-nah waren eigentlich die Attentäter und die anderen Mitglieder dieser Widerstandsbewegung? Ist da interner Schriftverkehr überliefert über ihre Vorstellungen von der Zeit nach einem erfolgreichen Attentat?
Wollten die Attentäter ein Ende des Deutschen Reiches erreichen, z.B. durch Zerteilung und teilweise Übergabe an den Feind, wollten sie also etwas ähnliches wie die heutige BRD? Wollten sie mit den anglo-amerikanischen Truppen kollaborieren, die ja, wie wir wissen, "für Deutschland" kämpften.
Oder wollten sie, daß das 3. Reich den Krieg gewinnt?
Wollten die Attentäter (noch im Kriege) den Führerstaat durch eine Parteiendemokratie ersetzen oder wäre ihnen ein Auslaufen der Ermächtigungsgesetze nach Kriegsende genug gewesen?
Haben die Attentäter den millionenfachen Mord in den Gaskammern von Auschwitz angeklagt, und war ihnen ein judenorientiertes und auf Generationen hinaus schuldbewußtes deutsches Volk ein Hauptanliegen?
War ihnen die Abschaffung der körperlichen Bestrafung in der Kindererziehung ein Anliegen?


Ich stelle diese Fragen nicht, um Antworten dann mit eigenen Lesefrüchten oder Forschungsergebnissen zu kontern, sondern ich kenne wirklich keine einzige Schrift aus der Feder von z.B. Stauffenberg.

Ich hege nur den leisen Verdacht, daß viele dieser Hitlerfeinde nach heutigen Maßstäben Nazis reinsten Wassers gewesen sein könnten.

Mit herzlichem Gruß,

Wolfgang Berger

28 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 22 Minuten 1 hilfreich
    Re: Attentäter des 20. Juli

    Hallo Wolfgang,

    Goerdeler (ein (Haupt)Theoretiker des Putsches) war eher ein Nationalkonservativer, dem eher weniger an einem (basis)demokratischen Staat gelegen war. Er war, wenn ich mich recht erinnere, auch kein großer Freund und Unterstützer der Weimarer Republik. Wollten die Attentäter ein Ende des Deutschen Reiches
    erreichen, z.B. durch Zerteilung und teilweise Übergabe an den
    Feind, wollten sie also etwas ähnliches wie die heutige BRD?
    Es sollte versucht werden einen Frieden unter geleichen zu erreichen, schließlich war (trotzt der aussichtslosen Situation) noch kein fremder Soldat auf deutschem Boden.



    Oder wollten sie, daß das 3. Reich den Krieg gewinnt?
    Die meisten Militärs konnten nur für einen Putsch gewonnen werden, weil ihnen die Aussichtslosigkeit der Lage klar wurde/klar gemacht wurde. Wollten die Attentäter (noch im Kriege) den Führerstaat durch
    eine Parteiendemokratie ersetzen oder wäre ihnen ein Auslaufen
    der Ermächtigungsgesetze nach Kriegsende genug gewesen?
    Haben die Attentäter den millionenfachen Mord in den
    Gaskammern von Auschwitz angeklagt, und war ihnen ein
    judenorientiertes und auf Generationen hinaus schuldbewußtes
    deutsches Volk ein Hauptanliegen?
    Keine Ahnung. War ihnen die Abschaffung der körperlichen Bestrafung in der
    Kindererziehung ein Anliegen?
    Das scheint Dir ja ziemlich wichtig zu sein!
    Ich hege nur den leisen Verdacht, daß viele dieser
    Hitlerfeinde nach heutigen Maßstäben Nazis reinsten Wassers
    gewesen sein könnten.
    Das waren einige vielleicht vorher, aber zum Zeitpunkt des Putsches war es sicher keiner mehr. Andererseits waren sie sicher keine Erzdemokraten.
    Beim Prozeß hat z.B. niemand Staufenberg denunziert. Alle haben bis zum Ende zu ihrer Entscheidung gestanden.

    Gandalf

  2. Antwort von nach 38 Minuten 1 hilfreich
    Re: Attentäter des 20. Juli

    Hallo Wolfgang, wie BRD-nah waren eigentlich die Attentäter und die anderen
    Mitglieder dieser Widerstandsbewegung?
    Nur wenig. Ist da interner
    Schriftverkehr überliefert über ihre Vorstellungen von der
    Zeit nach einem erfolgreichen Attentat?
    Die Attentäter um Stauffenberg hatten schon die Posten für eine Regierung nach dem geglückten Staatsstreich verteilt. Wollten die Attentäter ein Ende des Deutschen Reiches
    erreichen, z.B. durch Zerteilung und teilweise Übergabe an den
    Feind, wollten sie also etwas ähnliches wie die heutige BRD?
    AFAIK war eine Art Übergangsregierung aus eben diesem Kreis geplant.
    Die Leute um Stauffenberg waren grösstenteils Offiziere, überzeugte Militärs, mehr Soldaten als Nazis. Viele kamen aus dem Adel, der ja vor der Nazizeit schon noch mehr zählte als unter Hitler oder gar danach. Wollten sie mit den anglo-amerikanischen Truppen
    kollaborieren, die ja, wie wir wissen, "für Deutschland"
    kämpften.
    Naja, kollaborieren? Eine gewisse "Zusammenarbeit" wäre wohl kaum vermeidbar gewesen. Diesen Krieg wollten sie jedenfalls nicht weiterführen - sie sahen ihn als verloren an. Oder wollten sie, daß das 3. Reich den Krieg gewinnt?
    Nein. Wollten die Attentäter (noch im Kriege) den Führerstaat durch
    eine Parteiendemokratie ersetzen oder wäre ihnen ein Auslaufen
    der Ermächtigungsgesetze nach Kriegsende genug gewesen?
    Weiß ich nicht. Vielen wäre wohl ein Kaiser am liebsten gewesen ;-) aber ebenso utopisch. Haben die Attentäter den millionenfachen Mord in den
    Gaskammern von Auschwitz angeklagt, und war ihnen ein
    judenorientiertes und auf Generationen hinaus schuldbewußtes
    deutsches Volk ein Hauptanliegen?
    Da wird jeder von denen eine eigene Meinung gehabt haben.
    Es gab jedenfalls welche unter ihnen, die die Schrecklichkeit dieses Verbechens auch als solche erkannt haben. War ihnen die Abschaffung der körperlichen Bestrafung in der
    Kindererziehung ein Anliegen?
    Vermutlich eher nicht. Das würde ich aber eher als Zeitgeistphänomen betrachten - damals waren die Menschen noch nicht soweit zu erkennen, daß Gewalt gegen Kinder ein Verbechen ist. Wie Du weisst, sind selbst heute noch nicht alle soweit. Ich stelle diese Fragen nicht, um Antworten dann mit eigenen
    Lesefrüchten oder Forschungsergebnissen zu kontern, sondern
    ich kenne wirklich keine einzige Schrift aus der Feder von
    z.B. Stauffenberg.
    Ich hege nur den leisen Verdacht, daß viele dieser
    Hitlerfeinde nach heutigen Maßstäben Nazis reinsten Wassers
    gewesen sein könnten.
    Nazis eher nicht. Ich würde sie eher als überzeugte Soldaten, Militaristen und Adelige beschreiben. Natürlich waren viele lange Jahre voll mit bei der Sache der Nazis - Engel waren das auch nicht. Aber sie handelten aus anderen Motiven.

    Hauptmotiv für diese Staatsstreichpläne (da war weit mehr als nur das Attentat geplant!) war wohl weniger die Ideologie Hitlers, sondern mehr die Erkenntnis, daß der Typ einen an der Waffel hat und das, was er da tat, zum Scheitern verurteilt war.

    Disclaimer: Ich habe mich nicht auf wissenschaftlichem Niveau damit beschäftigt. Dies ist nur mein Eindruck, der durch Beschäftigung mit der Geschichte meiner eigenen Familie mittels Berichten aus erster und zweiter Hand entstanden ist, siehe auch hier: ISBN 3320020188 [Buch anschauen] Die Autorin ist die Tochter des Protagonisten.

    Gruß,

    Malte.

  3. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    Re: Attentäter des 20. Juli, Volia!

    Hallo Wolfgang,

    just, puenktlich zur alljaehrlichen "Beweihraeucherung zum 20. Juli", habe ich einen Link fuer Dich, welcher das Thema anschneidet und weiter verlinkt:

    http://www.burks.de/forum/phpBB2/viewtopic.php?t=3524#A wie BRD-nah waren eigentlich die Attentäter und die anderen
    Mitglieder dieser Widerstandsbewegung? Ist da interner
    Schriftverkehr überliefert über ihre Vorstellungen von der
    Zeit nach einem erfolgreichen Attentat?
    Oder wollten sie, daß das 3. Reich den Krieg gewinnt?
    Auf jeden Fall wollten sie nicht, dass es weiter unter und durch Hitler verliert. Haben die Attentäter den millionenfachen Mord in den
    Gaskammern von Auschwitz angeklagt, und war ihnen ein
    judenorientiertes und auf Generationen hinaus schuldbewußtes
    deutsches Volk ein Hauptanliegen?
    Weder noch. In dieser Frage hatten sie wohl glasklare Ansichten der wenigstens rassistischen Ausgrenzung bis zur Ermordung, waren also nichts anderes als Rassistenschweine und Moerder.

    burks.de:

    "In der Judenfrage war ich als recht eingehender Kenner der Zustände in der Systemzeit durchaus der Auffassung, daß die Juden aus dem Staats- und Wirtschaftsleben verschwinden müßten. In der Methode habe ich mehrfach ein etwas allmählicheres Vorgehen empfohlen, insbesondere aus Rücksichten der äußeren Politik."

    Ähnlich bemerkt Berthold Graf Stauffenberg: "Auf innenpolitischem Gebiet hatten wir die Grundideen des Nationalsozialismus zum größten Teil bejaht ... Der Rassegedanke ... erschien uns gesund und zukunftsträchtig." Für die Stunde Null prognostizierte der Bonhoeffer-Kreis mit sichtlichem Wohlgefallen, "daß die Zahl der überlebenden und nach Deutschland zurückkehrenden Juden ... nicht so groß sein" werde, "daß sie noch als Gefahr für das deutsche Volkstum angesehen werden können."

    "Wo Untergebene Vorschläge zur Brutalisierung der Kriegführung einbrachten, stießen sie bei von Tresckow auf offene Ohren: Als ein Major vorschlug, "tote Zonen" einzurichten und alle in diesen Zonen angetroffenen Männer zu deportieren bzw. zu erschießen, empfahl von Tresckow diese Idee der "besonderen Beachtung" der ihm unterstellten Einheiten. Von Tresckow war kein Gegner der NS-Verbrechen. Er war selbst Antisemit und bereit, sogenannte "jüdisch-bolschewistische" Untermenschen zu "erledigen". Mit einer Einschränkung: es musste einen militärischen Sinn haben. Deswegen hielt er nichts davon, ausnahmslos alle Juden umzubringen. Er hatte aber nichts dagegen, einige Hundert Juden umzubringen, wenn sich deren Tod als Rache für Partisanenangriffe eignete. Von Tresckow war ein treuer Soldat Hitlers - so lange, bis ihm klar wurde, dass mit Hitler der Krieg nicht zu gewinnen war."
    Ich stelle diese Fragen nicht, um Antworten dann mit eigenen
    Lesefrüchten oder Forschungsergebnissen zu kontern, sondern
    ich kenne wirklich keine einzige Schrift aus der Feder von
    z.B. Stauffenberg.
    Oh, das ist ja begruessenswert. Ich hege nur den leisen Verdacht, daß viele dieser
    Hitlerfeinde nach heutigen Maßstäben Nazis reinsten Wassers
    gewesen sein könnten.
    Yep, sehe ich auch so.

    viele gruesse, peter

    • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Attentäter des 20. Juli, Volia!

      Hallo Lego,

      die von Bundespräsident Köhler ausgesprochene Ehrung hätte also dem ehrlosen Volksverhetzer Jakob Gapp gelten müssen, der offenbar so etwas in der Art der BRD gewünscht hatte.

      Mit herzlichem Gruß,

      Wolfgang Berger

      • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Attentäter des 20. Juli, Volia!

        die von Bundespräsident Köhler ausgesprochene Ehrung hätte
        also dem ehrlosen Volksverhetzer Jakob Gapp gelten müssen, der
        offenbar so etwas in der Art der BRD gewünscht hatte.
        Ja, vor allem ein "Kopftuchverbot für
        dienstliche islamische Kopftücher" ;-)
        (katholischer Pfarrer)

        CMБ

        PS.: Mitte April 45 hat sich ja auch
        Himmler *gegen Hitler* gewandt und wollte
        diese "Verhandlungen" mit den Alliierten.
        Ist es denn so bedeutsam, *wann* man sich
        gegen Hitler wendet ;-)

        ...

  4. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Re: Attentäter des 20. Juli

    Hi, Wollten die Attentäter ... [dies und das]
    ein bemerkenswerter Artikel aus Deiner Feder!
    Hast Du Deine Krise überwunden? Glückwunsch. Haben die Attentäter den millionenfachen Mord in den
    Gaskammern von Auschwitz angeklagt, und war ihnen ein
    judenorientiertes und auf Generationen hinaus schuldbewußtes
    deutsches Volk ein Hauptanliegen?
    Wieso denn? "Der Jude" hat ja die Welt gegen
    Deutschland in den Krieg getrieben. Wieso
    sollten die Führer dieses Abwehrkrieges
    sich für den "Hauptfeind" einsetzen?

    Ausserdem war die lagermäßige Judenvernichtung als
    absolutes Geheimprojekt Himmlers und des RSHA sicher
    nicht Diskussionsgegenstand in Kreisen des Militäradel.

    Die Herren Offiziere können, wenn überhaupt, nur
    durch Hörensagen von Seiten "undichter" Kollegen
    und Freunde aus der SS aufmerksam geworden sein.
    Über zuverlässige Informationen verfügte 1944
    wahrscheinlich *keiner* aus den benannten Kreisen.

    Was man allerdings wusste, waren Resultate der
    3 SS-Einsatzgruppen, welche 100,000'e von Juden,
    Polen und Russen hinter der Front ermordeten.

    Ausserdem haben die Herren Verschwörer mit
    Sicherheit Kenntniss genommen vom Hungertod
    von über 3 Millionen gefangenen Sowjetsoldaten,
    da diese ja in *deren* Verantwortungsbereich
    dahinstarben. Über Proteste oder Einwendungen
    ist mir nichts bekannt.

    (Man kläre mich auf, wenn es anders ist.) War ihnen die Abschaffung der körperlichen Bestrafung
    in der Kindererziehung ein Anliegen?
    ;-)

    Ich bin immer noch dabei zu verstehen (zu versuchen)
    ob die ausserordentlichen "soldatischen Leistungen"
    der Soldaten der alten Waffen-SS-Divisionen ohne die
    "strenge Erziehung" durch die "väterliche Hand" in der
    Kindheit denkbar sind ;-) Ich hege nur den leisen Verdacht, daß viele dieser
    Hitlerfeinde nach heutigen Maßstäben Nazis reinsten
    Wassers gewesen sein könnten.
    "Nach heutigen Masstäben" ist schon eine ziemlich
    lächerliche Hinzufügung, meinst Du nicht auch ;-)

    Grüße

    CMБ

  5. Antwort von nach 6 Stunden 4 hilfreich
    Re: Attentäter des 20. Juli

    Guten Abend!

    Meine Liebhaberei Dorfchroniken, zeitgenössische Schulbücher und Zeitungen laßt Zeitgeist pur schnuppern. Dabei bemerkt man, daß das Deutsche Reich auch nach 1918 in seiner Befindlichkeit noch ein Kaiserreich war, ein obrigkeitlicher Staat ohne verwurzeltes demokratisches Bewußtsein. Die Weimarer Republik war eher ein Betriebsunfall nach dem 1. Weltkrieg, eine Verlegenheitslösung ohne größeren Rückhalt in der breiten Bevölkerung. Typische Verhältnisse z. B. in Mecklenburg waren von großen Gütern adeliger Familien geprägt, in deren Umgebung bis in die 40er Jahre faktisch Leibeigenschaft herrschte. Das war kein Boden, auf dem Gedanken an eine Demokratie vom Zuschnitt der heutigen Bundesrepublik entstehen konnten. (Anm.: In abgelegenen, dörflichen Gegenden Westdeutschlands fanden sich ausgesprochen feudalistische Strukturen bis in die 50er Jahre!).

    Die sich ab 1920 aus kleinen Anfängen formierende NSDAP verstand es im Laufe der Zeit, für breitere Kreise anziehend zu wirken, als es untereinander zerstrittene Kommunisten und Sozialisten vermochten. Bei den Nazis fühlten sich schließlich große Teile der Arbeiterschaft wohl und ein striktes Führerprinzip mit klaren Verhältnissen, wo oben und unten ist, war dem Landadel allemal lieber als etwa Sozialdemokratie.

    Die NSDAP kam 33 nicht durch Putsch und Gewalt an die Macht, sondern durch Wahlen. Nach 1933 wurden die Rüstungsbeschränkungen von Versailles ignoriert, es wurde aufgerüstet, dem Militär Priorität eingeräumt. Im Dt. Reich entsprach es langer Tradition, daß viele Wehrmachtsoffiziere dem Adel entstammten. Diese Kreise identifizierten sich mehrheitlich mit der wachsenden Bedeutung des Militärs. Spätestens nach dem schnellen Polen-Feldzug waren die meisten Deutschen schier besoffen; von nur einer herrschenden Partei konnte keine Rede mehr sein, es war tatsächlich Nazi-Deutschland.

    Der Rassenwahn mit abstrusen Zügen, die organisierte Vernichtung von Minderheiten und der jüdischen Bevölkerung sind Ideen der Nazis, nicht jedoch der Antisemitismus, der schon viele Jahrhunderte alt ist und im Dt. Reich mehr oder weniger zum Alltag gehörte.

    Vor dem Hintergrund dieser Prise Zeitgeist läßt sich mit Sicherheit sagen, daß die Leute um Graf v. Stauffenberg keinen Umsturz in Richtung Demokratie planten und sich wenig an Mord- und Vernichtungsaktionen störten. Sie hatten nur früher als der Gröfaz eingesehen, daß der Krieg nicht mehr zu gewinnen war. Sie wollten dem aussichtslosen Krieg ein Ende setzen, aber gewiß nicht dem Dt. Reich, vermutlich nicht einmal der Diktatur. Ein Waffenstillstand und Friedensverhandlungen waren die Ziele, während es über Details des Staatswesens bestenfalls diffuse Vorstellungen gab. Es waren Militärs, aber politische Amateure. Wollten sie mit den :anglo-amerikanischen Truppen :kollaborieren, die ja, wie :wir wissen, "für Deutschland" :kämpften...
    Die Alliierten wollten ihren Gegner vernichtend geschlagen sehen und hatten Vorstellungen über die Aufteilung ihrer zukünftigen Einflußbereiche. Für Dt. lief da rein nichts, jedenfalls nicht bis zum Kriegsende und einige Zeit danach. Jede andere Erwartung wäre weltfremd.

    Wir müssen letztlich heilfroh über den Einsatz aller Alliierten einschließlich der Russen sein, insofern kämpften sie tatsächlich für Deutschland, ohne es zunächst selbst zu wollen oder zu wissen. Weder die Attentäter v. 20. Juli 44 hatten Demokratisches im Sinn, noch hätte es dieses Volk absehbar aus eigener Kraft zustande gebracht, sich aus seiner obrigkeitlich-feudalistischen Tradition zu lösen. Unsere heutige parlamentarische Demokratie beruht in ihren Anfängen auf einer von den Alliierten verordneten "Revolution". Von innen aus eigenem Antrieb fand dieses Volk keinen Weg zu demokratischen Strukturen.
    Ich halte die Glorifizierung der Attentäter v. 20 Juli 1944 für zweischneidig. Mindestens trifft die Bezeichnung "Widerstandshämpfer" nicht den Kern. Es war nämlich mitnichten Widerstand gegen das Regime, mit dem man sich ansonsten zu arrangieren verstand; es war kein Widerstand gegen Diktatur, nicht gegen die Vernichtung von Juden und Minderheiten, ja nicht einmal Widerstand gegen den Krieg, denn gegen Krieg mit der Unterwerfung anderer Völker hatte keiner der Herren etwas einzuwenden. Es war nur Widerstand gegen die Fortsetzung des aussichtslos gewordenen Krieges. Das alles mit dem Ziel, das Deutsche Reich in seiner Vorkriegs(staats)form zu erhalten.

    Gruß
    Wolfgang

    • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Attentäter des 20. Juli

      (Anm.: In abgelegenen,
      dörflichen Gegenden Westdeutschlands fanden sich ausgesprochen
      feudalistische Strukturen bis in die 50er Jahre!).
      Kannst du das näher erklären? Das wäre interessant! Du meinst sicher die Eifel?

    • Antwort von nach 21 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: Attentäter des 20. Juli

      Hallo Wolfgang, Ich halte die Glorifizierung der Attentäter v. 20 Juli 1944
      für zweischneidig. Mindestens trifft die Bezeichnung
      "Widerstandshämpfer" nicht den Kern. Es war nämlich mitnichten
      Widerstand gegen das Regime, mit dem man sich ansonsten zu
      arrangieren verstand; es war kein Widerstand gegen Diktatur,
      nicht gegen die Vernichtung von Juden und Minderheiten, ja
      nicht einmal Widerstand gegen den Krieg, denn gegen Krieg mit
      der Unterwerfung anderer Völker hatte keiner der Herren etwas
      einzuwenden. Es war nur Widerstand gegen die Fortsetzung des
      aussichtslos gewordenen Krieges. Das alles mit dem Ziel, das
      Deutsche Reich in seiner Vorkriegs(staats)form zu erhalten.
      völlige Zustimmung.

      Auch wenn es jetzt einige Leute sicher in den falschen Kanal kriegen und/oder es als zynischen Blödsinn betrachten:
      Ich bin letztendlich nicht so traurig, daß das Attentat des 20.7. fehlgeschlage ist, trotz der vielen Toten die der weitere Verlauf des Krieges gefordert hat.
      Wäre Hitler getötet worden und ein irgendwie gearteter Frieden oder eine Kapitulation zustande gekommen, wäre das der ideale Nährboden für eine neue Dolchstoßlegende geworden. Nur weil Deutschland völlig zugrundegerichtet wurde, hatten wir eine reele Chance auf einen demokratischen Neubeginn.
      Es ist wie bei einem Süchtigen. Er muß erst am Boden zerstört sein ,damit er die Notwendigkeit einer Veränderung in seinem Verhalten erkennt.
      Mit den Männern des 20. Juli wäre ein solcher Neubeginn nicht möglich gewesen.

      Gandalf



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