Deutschland im Vorfeld des I. WK

Von: , Frage gestellt am So, 21. Nov 2004

Hallo Foris!

Ich tu mich grad ziemlich scher und stecke in meinem Thema absolut fest: betriebsblindheit... ;-)
Es geht um Deutschland in der Phase vor dem I. Weltkrieg, also Attentat von Sarajewo ist bereits geschehen, Mir geht es um die Verwicklungen von Deutschland als Kriegstreiber: "Blankoscheck", drängen, dass Österreich einen offensiven Kurs einschlägt...usw.
Ich kenne die Fakten, aber irgendwie verzweifle ich mom. daran die irgendwie logisch und knapp zu formulieren. Kennt jemand von euch ne gute Darstellung, wo diese Problematik einfach nochmal dargestellt ist?

Dankeschön!!!
VLG

10 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 12 Stunden 1 hilfreich
    Stand der Forschung

    Hallo Jana,

    das Standardwerk zum Thema 1. Weltkrieg ist von John Keegan, dem vermutlich versiertesten Militärhistoriker unserer Zeit. Darin ist auch die Vorgeschichte gut beschrieben.

    Einen anregenden Kontrapunkt setzt sein jüngerer Kollege Niall Ferguson mit seiner Monographie "Der falsche Krieg". Seine Bewertung der Vorgeschichte bürstet die bekannten Fakten gegen den Strich.

    Wie in England üblich sind beide Autoren im Unterschied zu vielen ihrer deutschen Kollegen fähig, verständlich zu schreiben.

    Viele Grüße,
    Andreas

  2. Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
    Re: Deutschland im Vorfeld des I. WK

    Hallo,


    es ist meiner Meinung nach eine völlig falsche geschichtliche
    Einordnung im Vorfeld des 1. WK von Deutschland als Kriegstreiber zu
    sprechen.
    Deutschland war als Bündnispartner in einer Situation, die nicht
    viele Möglichkeiten offen ließ.
    Verträge über Bündnisse waren zur Kaiserzeit bei weitem nicht so
    löchrig, wie sie es später unter Hitler waren.
    Leider ist es so, dass auf Grund des 3. Reiches Rückschlüsse auf
    weite Kreise der deutschen Geschichte gezogen werden, die in keinster
    Weise berechtigt sind.


    gruß

    Matthias

    • Antwort von nach 22 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Deutschland im Vorfeld des I. WK

      Ich habe in keiner Weise einen Rückschluss auf das Dritte Reich gezogen und sehe auch keine veranlassung, das dies hier getan wird. Deutschland konnte man in diesem Sinne sehr wohl als Kriegstreiber sehen, da es in der Blankovollmacht, Österreich sämtliche Freiheiten zum Handeln und die damit verbundene Unterstützung gab (nicht das gewöhnliche Vorgehen). Des weiteren wurde nach aktueller Quellenlage Österreich zum offensiven Handeln gegen Derbien gedrängt und das berechtigt, meiner Meinung nach, sehr wohl die Aussage: Kriegstreiber!!!

      • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Deutschland im Vorfeld des I. WK

        Hi,

        Es wurde von einem östereichischen Gesandten die Bitte an Deutschland
        herangetragen, Waffenhilfe zu leisten. Man kann meiner Meinung nach
        nicht von einem Drängen sprechen.
        Man darf die allgeimeine Situation in Europa nicht außer Acht lassen.
        Es gab zwei größe Blöcke. Zum einen die "Tripel-Entente" mit
        Großbritanien, Frankreich und Rußland.
        Der Gegenpart war der "Dreibund" mit Deutschland, Östereich und
        Italien.
        Italen wird sich in Folge des Kriegsbeginnes aus dem lösen, kann also
        für diese Diskussion außer Acht gelassen werden.
        Wenn man sich zuerst der Tripel-Entente zuwendet kann man erkennen,
        dass es bei weitem genug Gründe gibt, sich auf einen Krieg
        einzulassen.
        Frankreich will die Schmach um Elsass-Lothringen bereinigen, nachdem
        das Gebiet in Folge des dt-frz. Krieges(1870/71) an das Reich
        abgegeben werden musste.
        Rußland sehnt sich nach einer Wiedergutmachung nach der demütigenden
        Niederlage gegen Japan 1905. Rußland hat seine große Stellung in
        Europa dadurch eingebüßt.
        Zwischen Östereich und Rußland war die Lage schon seit längerem
        angespannt, weil Östereich-Ungarn daran interssiert waren, Rußland
        nicht die Führerrolle auf dem Balkan zu lassen.
        Für Großbritanien galt es zu verhindern, dass in Eurpoa ein Staat
        eine allein-führende Rolle annimmt.
        Deutschland konnte in den letzten Jahren einnen enormen Aufstieg
        verzeichnen. Man war dabei die Vormachstellung in Europa einzunehmen,
        und das trotz einem im Vergleich zu Großbritannien, sehr
        zurückhaltendem Koloniebestreben.
        Es war mit Sicherheit eine ungünstige Situation, dass Deutschland,
        als vermeintlich stärkste Kraft Europas mit der schwächsten,
        Östereich-Ungarn im Bündnis stand, so war es aber nun mal.
        Reichskanzler Fürst von Bülow erklärte 1909 im Reichstag, dass
        Deutschland den Habsburgern ewig zur Seite stehen
        werden.(Nibelungentreue).
        Der Balkan war für Deutschland zu der Zeit in keinster Weise von
        großer Bedeutung. Ein Krieg auf dem gebiet hätte für Deutschland
        keine Vorteile, mehr Gefahren bedeutet.
        Bismarck sagte noch, dass der Balkan nicht einen Knochen eines
        pommerschen Grenadiers wert sei.(Nicht das Orginalzitat, aber
        sinngemäß stimmt es)


        gruß

        Matthias

        • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Deutschland im Vorfeld des I. WK

          Zum einen war der Krieg von vornherein nicht auf den Balkan begrenzt, zum anderen möchte ich jetzt keine Grundsatzdiskussion beginnen!!!!

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Deutschland im Vorfeld des I. WK

        Des weiteren wurde nach aktueller Quellenlage Österreich zum
        offensiven Handeln gegen Derbien gedrängt und das berechtigt,
        meiner Meinung nach, sehr wohl die Aussage: Kriegstreiber!!!
        Das ist doch nur die grosskotzige Deutsche Sicht, Österreich-Ungarn(!!!) war damals ein mächtiger Staat kein kleiner Lakai. Die hatten es gar nicht nötig sich von Deutschland in den Krieg treiben zu lassen.

        Gruss Jan

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Deutschland im Vorfeld des I. WK

          Österreich-Ungarn und Deutschland sollten nicht gegeneinander aufgewogen werden. Sie waren Kinder desselben alten Reichs, teilten sich als solche dessen Erbe und hatten jeder für sich eigene Vorzüge. Österreich hatte die alte Hauptstadt Wien, die Donau, die südosteuropäische Landschaft - es fehlte nur als Krönung der Zugang zum Schwarzen Meer.
          Da es ein, wegen der vielen unterschiedlichen Völker, in sich zerrissener und vom Verfall bedrohter Staat war, war es zwangsläufig nicht in der Lage, allein gegen einen starken Gegner Krieg zu führen.
          Dafür aber hatte es schließlich den Bruder Deutschland. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: Deutschland im Vorfeld des I. WK

            Österreich-Ungarn und Deutschland sollten nicht gegeneinander
            aufgewogen werden. Sie waren Kinder desselben alten Reichs,
            teilten sich als solche dessen Erbe und hatten jeder für sich
            eigene Vorzüge. Österreich hatte die alte Hauptstadt Wien, die
            Donau, die südosteuropäische Landschaft - es fehlte nur als
            Krönung der Zugang zum Schwarzen Meer.
            Da es ein, wegen der vielen unterschiedlichen Völker, in sich
            zerrissener und vom Verfall bedrohter Staat war, war es
            zwangsläufig nicht in der Lage, allein gegen einen starken
            Gegner Krieg zu führen.
            Dafür aber hatte es schließlich den Bruder Deutschland.
            Erklär mir mal bitte wieso Ö-U zur Krönung einen Zugang zum Schwarzen Meer brauchte? War das Mittelmeer deiner Meinung nach nicht gut genug oder wie?

            Gruß

            Christoph

            • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
              Re^6: Deutschland im Vorfeld des I. WK

              Erklär mir mal bitte wieso Ö-U zur Krönung einen Zugang zum
              Schwarzen Meer brauchte? War das Mittelmeer deiner Meinung
              nach nicht gut genug oder wie?

              Also mir hätte es besser gefallen, wenn die Donau-Monarchie auch die Donaumündung ins Schwarze Meer in ihrem Staatsgebiet gehabt hätte. Lieber kein Mittelmeerzugang und dafür Anteil am Schwarzen Meer. Das wäre schön gewesen.



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