Guten Abend Christoph,
"arisch" war zuerst eine linguistische, wurde dann aber (leider) zu einer ethnischen Kategorie.
Angefangen hat das ganze Elend mit dem "arischen" Jesus mit dem Philo-
sophen des deutschen Idealismus Johann Gottlieb Fichte, deer über die zwei verschiedenen Stammbäume Jesus (bei Matth. und Lukas) stolperte und meinte, keiner von beiden stimme. Das war 1804; 1806 verglich er dann das paulinische mit dem johanneischen Christusbild und behauptete, die Juden selbst hätten Jesus nicht für einen Juden gehalten.
Arthur Schopenhauer verlegte Jesus nach Indien; Richard Wagner - Schopenhauer-Verehrer - bringt Jesus mit Wotan/Odin in verbindung; die Frage, wieweit der arische Jesus in seinen Opern propagiert wird, ist in der Forschung hoch umstritten.
1848/49 wurde der sog. "Essäerbrief" veröffentlicht, wahrscheinlich von einem Arzt aus Hannover geschrieben, der die Essäer (heute als Essener bekannt) zu ägyptischen Ariern und Jesus zu einem Essäer machte.
Ganz bekannte Namen von Vertretern der in der tat abstrusen Meinung, Jesus sei Arier gewesen, sind:
1871 - 1918
Houston Stewart Chamberlain, Erst Haeckel (das ist der mit den "Welträtseln"), Wilhelm II., J. Lanz "von" Liebenfels", Rudolf Steiner
1918 - 1933
Reinhold Seeberg (Ev. Theologe - Gott sei's geklagt!), dann natürlich Hitler, Himmler, Goebbels, Schellenberg, Alfred Rosenberg
1933 - 1945
Martin Dibelius, Emanuel Hirsch, W. Grundmann (alles ev. Theologen - s.o.)
Dann gibt es noch so sinistre Vereinigungen wie den Gotenorden oder den Germanenorden, die natürlich alle das gleiche behaupten.
Jedenfalls läßt sich die Herkunft dieser Vorstellung ziemlich eindeutig bei J.G. Fichte festmachen.
Und natürlich haben die "Deutschen Christen" im Dritten Reich in dieselbe Kerbe gehauen.
Die Namen habe ich Dir genannt - es gibt noch sehr viel mehr -, recherchieren kannst Du selber, sonst wird dieser Artikel viel zu lang.
Gruß - Rolf
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