Gladiator - Film und Wirklichkeit

Hallo zusammen,

Die Geschichte des Marcus Aurelius und seines Nachfolgers Commodus wurden in diesem Film Hollywood-like publikumswirksam verfremdet, gewisse Bezüge stimmen wohl im Groben. Wie sieht es jedoch mit der Figur des ‚Maximus‘ aus. Über ihn konnte ich keine Quellen finden. Ist diese Figur im Film frei erfunden?
Danke für alle Hinweise,

Christian

Ich kenne den Film nicht, aber der Übergang von Marc Aurel auf Commodus gilt seit dem 18. Jh. (Edward Gibbon: „Niedergang und Fall des Römischen Reichs“) als der Anfang vom Ende Roms und ist -zigmal Vorlage für Filme gewesen.
Ein „Maximus“ ist mir aus der Geschichte nicht bekannt. Der Name heißt schlicht: „Größter“ und war ein Attribut des Gottes Jupiter (Jupiter Optimus Maximus), also kaum der Name eines unfreien Menschen.

Django

Hallo Christian,

vielleicht hilft Dir nachfolgender link weiter:

http://sammler.com/mz/rom3.htm

Gruss
Eve*

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Hallo Christian!
Es gab in der röm. Geschichte mehrere Maximus.

Der Usurpator Maximus hatte sich in Britannien zum Herrscher ausrufen lassen. Er ließ sich in Trier nieder und hoffte, von Theodosius anerkannt zu werden.
388 besetzt Max. Italien und stürzt Valentinian.
Theodosius aber beseitigt Max. nach kurzer Zeit.
Max. Sohn wurde in Gallien zum Kaiser erhoben und von Arbogast getötet.

Senator Maximus Petronius wurde am 17.3.455 zum Kaiser ausgerufen, nachdem er Kaiser Valentinian III ermordet hatte.

Gruß Werner

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Sind aber alles „Maxima“ ca. 200 Jahre und später als die Zeit Marc Aurel / Commodus.

Django

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Hallo Christian!

Die Geschichte des Marcus Aurelius und seines Nachfolgers
Commodus wurden in diesem Film Hollywood-like publikumswirksam
verfremdet, gewisse Bezüge stimmen wohl im Groben. Wie sieht
es jedoch mit der Figur des ‚Maximus‘ aus. Über ihn konnte ich
keine Quellen finden.

Maximus ist ein zu römischer Zeit üblicher Name. Um Nachforschungen anzustellen, müßtest du den gesamten Familiennamen kennen.

Und was du schreibst, der Film stimmt im Groben… Nun ja, der Film strotzt nur so vor Fehlern.
Im Jahre 180 kannten die Römer noch keinen Steigbügel (kam erst deutlich nach der Völkerwanderung in Gebrauch, etwa 650 - 700 n.Chr.). Im Film sitzt die Kavallerie auf Sätteln mit Steigbügeln (in einer Szene ist Maximus sogar Steigbügelhalter von Marc Aurel)

  • Commodus war auch nicht Thronfolger, sondern bereits seit zwei Jahren Mitregent von Marc Aurel (Titel: Augustus).
  • Commodus regierte auch nicht 150 Tage (im Film stirbt er während der großen Feiern zu Ehren von Marc Aurel), sondern 12 Jahre
  • kein Senator wurde gewählt, schon gar nicht vom Volke, sondern vom Herrscher ernannt
    usw. usw.
    *sehr* grob an der Wahrheit orientiert…

Im Jahre 180 kannten die Römer noch keinen Steigbügel (kam
erst deutlich nach der Völkerwanderung in Gebrauch, etwa 650 -
700 n.Chr.). Im Film sitzt die Kavallerie auf Sätteln mit
Steigbügeln (in einer Szene ist Maximus sogar Steigbügelhalter
von Marc Aurel)

naja, wie solln die armen schauspieler denn sonst reiten… hatten die mongolen eigentlich sättel und steigbügel?

  • Commodus war auch nicht Thronfolger, sondern bereits seit
    zwei Jahren Mitregent von Marc Aurel (Titel: Augustus).
  • Commodus regierte auch nicht 150 Tage (im Film stirbt er
    während der großen Feiern zu Ehren von Marc Aurel), sondern 12
    Jahre

aber laut unten angegebener link-seite wurde er immerhin echt von nem gladiator umgebracht… DAS hatte ich am wenigsten geglaubt.
der tod in der arena wird trotzdem reine fiktion sein, oder?

  • kein Senator wurde gewählt, schon gar nicht vom Volke,
    sondern vom Herrscher ernannt

ist der eine mit dem bart nicht der volkstribun?

usw. usw.
*sehr* grob an der Wahrheit orientiert…

wie ist das eigentlich mit den blei-rohren?
man munkelt, die römer seien deshalb so untergegangen, weil sie ihr wasser aus bleileitungen genommen haben und daher alle totaaal wahnsinnig?

bis dann

Hi,

Commodus regierte von 180 n.Chr. bis 192 n.Chr. und wurde in seinem Palast im Bade ermordet.
Der Film ist wohl aus dramaturgischen Gründen etwas von der Wirklichkeit abgerutscht, obwohl die tatsächliche Geschichte auch filmreif gewesen wäre.
Gruß,
Francesco

Maximus ist ein zu römischer Zeit üblicher Name. Um
Nachforschungen anzustellen, müßtest du den gesamten
Familiennamen kennen.

Im Film gibt M. seinen vollständigen Namen mit Decimus Verennius Maximus ( oder so ähnlich ) an. ( Eigentlich sagt er ja Maximus Decimus Verennius, was aber Käse ist, da Maximus kein Vorname ist, Decimus aber schon. )

*sehr* grob an der Wahrheit orientiert…

Dazu läßt sich noch eine Menge sagen, z.B.

  • Marcus Aurelius sagt im Film, daß er seit 25 Jahren regiert.
    161-180 macht für mich eher 19.
  • Die Figur des kleinen Lucius dürfte völlig fiktiv sein. Der
    Kleine sagt, er heiße Lucius Verus, wie sein Vater. Der wahre
    Lucius Verus ( M. Aurelius Mitregent seit 161 ) war aber schon
    seit 169, also seit 11 Jahren, tot, und da das Alter des Jungen
    mit 8 angegeben wird, stellt sich die Frage: wer ist sein
    Vater ? Vielleicht der Senator Ummidius Quadratus, mit dem
    Lucilla damals verheiratet war, der jedoch in dem Film noch
    nicht mal erwähnt wird !
  • Marcus Aurelius wird im Film als Tattergreis an der Schwelle
    des Todes dargestellt. Aber zu diesem Zeitpunkt war er in
    Wirklichkeit erst 58 Jahre alt; er wurde auch nicht ermordet,
    sondern starb eines natürlichen Todes.

Was das Ende angeht, orientiert sich „Gladiator“ offenbar an dem Film „Der Untergang des Römischen Reiches“ ( u.a. mit Alec Guiness als M. Aurelius ), der jedoch noch sorgloser mit der historischen Wahrheit umgeht.
Insgesamt gesehen macht „Gladiator“ als Film relativ viel Spaß, aber als historisches Dokument ist er Käse und sollte auf keinen Fall ernstgenommen werden.

Hi Lars!

naja, wie solln die armen schauspieler denn sonst reiten…
hatten die mongolen eigentlich sättel und steigbügel?

Sattel und Steigbügel kommen von den Reitervölkern der asiatischen Steppe (m.W. waren die Awaren die ersten, die in Europa mit Sattelzeug gesehen wurden). Der Vorteil war, daß ein Bogenschütze durch die Steigbügel stehen und schießen konnte. Vermutlich - neben den Kompositbögen - der Hauptgrund, warum sie halb Europa überrannt haben.

aber laut unten angegebener link-seite wurde er immerhin echt
von nem gladiator umgebracht… DAS hatte ich am wenigsten
geglaubt.
der tod in der arena wird trotzdem reine fiktion sein, oder?

Soweit ich weiß, wurde Commodus durch ein Getränk betäubt und anschließend erwürgt. Ob das jetzt ein Gladiator war oder ein anderer Bediensteter des Palastes - keine Ahnung. Es stimmt jedoch, daß Commodus in der Arena gekämpft hat - sogar als er Imperator war. Ex gibt einige Quellen, die besagen, Commodus sei kein leiblicher Sohn von Marc Aurel, sondern eines Gladiators, den sich Aurels Frau als Geliebten genommen hat.

Steigbügel

Hi Lars!

naja, wie solln die armen schauspieler denn sonst reiten…
hatten die mongolen eigentlich sättel und steigbügel?

Wendelin Böheim, Handbuch der Waffenkunde, 1890, bringt Fig. 133 das Bild eines „sarmatischen“ Reiters, Reliefbild auf einem Goldgefäß des 5. Jh. u.Z., OHNE Steigbügel.
In den Buchmalereien des Codex aureus, 8. Jh. (Kloster St. Gallen, bei Böheim z.B. Fig. 134) haben die fränksichen Reiter Steigbügel.
Ein „tatarischer“ (mongolischer) Steigbügel aus Holz, zu einem 1556 erbeuteten älteren Sattel gehörig (Fig. 234) beweist m.E. nicht, daß die Mongolen des 13. Jh. Steigbügel hatten.

Gute Bogenschützen zu Pferde waren die Perser und die Parther; beide hatten keine Steigbügel.

Steigbügel sind für den Kampf mit der Lanze wichtig. Der Ritter konnte über den Sattel, die Steigbügel und seine Beine die gesamte Kraft des Pferdes in seinen Lanzenstoß hineinlegen.

Django

wie ist das eigentlich mit den blei-rohren?
man munkelt, die römer seien deshalb so untergegangen, weil
sie ihr wasser aus bleileitungen genommen haben und daher alle
totaaal wahnsinnig?

total wahnsinnig ist leicht übertrieben, aber es spricht viel
dafür, daß die leute, besonders die oberschicht, alle chronische
bleivergiftungen hatten. nicht nur wegen der wasserleitungen,
auch, weil sie mit bleizucker (sapa oder so) ihre nahrungsmittel
und den wein gesüßt haben. das zeug entsteht, wenn man essig oder
wein in bleipfannen einkochen läßt, bis die flüssigkeit verdampft
ist. dabei lösen die säuren das blei auf und bilden stark süße
bleisalze. (aus dem selben grund hat man eine zeit lang zum
portwein bleischrott zugegeben, damit er schön süß wird und auch
länger hält)
ergebnisse sind verstopfung und schmerzen in kopf und bauch, aber
auch unfruchtbarkeit, dauermüdigkeit und fehlgeburten. alles
dinge, die auf dauer ein volk für die weltherrschaft
disqualifizieren können.
das wird schon beigetragen haben zum untergang des imperiums

markus

Über bleierne Wasserleitungen und sapa
Daß Blei giftig ist, wußten die Römer. Der römische Architekt Vitruv warnt vor Bleiröhren, aber nur abgeschwächt (Vitruv, Architektura, 3. Buch 10. Kapitel: „Es sieht so aus“ (videtur), als ob Blei giftig wäre, „Man sagt“ (dicitur), Bleiweiß (als Schminke) wäre schädlich. Und damit hat er Recht: Noch heute besteht ein großer Teil der Wasserrohre aus Blei, ohne daß jemand davon Schaden erleidet. Ist nämlich das Wasser „hart“, d.h. ziemlich kalkhaltig, dann bedeckt sich das Rohr innen mit einer Kalkschicht, die den Kontakt des Wassers mit dem Blei unterbindet. „Weiches“ Wasser ist aggressiv und löst Blei.
„Bleizucker“ ist Bleiazetat, eine Verbindung von Blei und Essigsäure, die anfangs süßlich schmeckt, dann aber einen unangenehm metallischen Nachgeschmack hat (vgl. "Mercks Warenlexikon, 1920, „Bleizucker“). STARK belastetes Wasser oder STARK kontaminierter Wein wären aufgefallen.

sapa ist der aus den Weintrauben ausgepreßte und auf 1/3 seines Volumens eingekochte Saft. Zum Kochen (des praktisch kalkfreien und somit extrem „weichen“) Saftes nahm man Bleigefäße, weil nicht ständig gepflegte kupferne Gefäße noch giftiger gewesen wären; Glas war zu teuer. Die sapa wurde dann vergorenem Wein zugefügt, so daß er etwa wie Samos-Wein (d.h. wie Zuckerwasser) schmeckte. Und auf die Tour vergiftete sich die römische OBERSCHICHT. Das gewöhnliche Volk blieb unbeeinträchtigt.

Django

Hallo!
Für mich war es gleich klar das der Film nicht allzu streng historisch ist. Es ist kaum vorstellbar das sich der Kaiser Commodus selbst oder ohne Wächter in der Arena zum Kampf stellt. Es stimmt aber das Commodus oft in der Arena war. Er tötet einfach hundertet Gladiatoren die schon im Sterben lagen.

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Hallo Christian!

Da ich Lateinunterricht habe und unser Lehrer in römischer Geschichte fit ist, kann ich dir einiges zu Gladiator sagen:

Einen Kriegstribun Maximus gab es zur Zeit Marc Aurels nicht, er soll wohl auf den derzeitigen Legaten(Oberbefehlshaber eines Heeres; daher stimmt auch der Titel Tribun nicht, Tribun war nur das Zweithöchste) anspielen. Diesem wurde allerdings nie von Marc Aurel die Macht übertragen und er schwur auch nach Marc Aurels Tod Commodus die Treue!

Zu Commmodus ist zu sagen, dass er tatsächlich als Gladiator in der Arena auftrat, allerdings gegen schwache Gegner (Krüppel, Bettler). Eine erwähnenswerte Geschichte ist folgende: Commodus ließ den derzeitig erfolgreichsten GLadiator gegen sich antreten, gab ihm aber nur ein Holzschwert. Als daraufhin der Gladiator das Schwert wegwarf und meinte, für Commodus würden auch die Hände reichen, schenkte Commodus ihm die Freiheit.
Commodus verkörperte seiner Meinung Herkules und lebte diesen Kult wieder auf.

Ich hoffe, das hilft dir weiter
SilentSniper

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