NDR-Nacht - Erbsünde ???

Von: , Frage gestellt am Mo, 9. Mai 2005

Hi,

bekanntlicherweise sind ja hitler-wochen, d.h. kein sender ohne dukomentation, diskussion oder zumind. den ein oder anderen film zum thema...

Eine sendung aber hat mich ein wenig verstört. Und zwar die NACHT DES KRIEGSENDES beim NDR.
Alles in allem eine typische NDR-nacht mit den üblichen gutgemachten dokus und berichten.
Nur schien es mir, daß gerade diese sendung nicht ein gutes haar an deutschland und seinem volk gelassen hat.
Damit meine ich noch nichtmal ausschließlich deutschland zur ns-zeit, sonder hauptsächlich das nachkriegsdeutschland.
In mehrere blöcke unterteilt lautete das thema des ersten blocks "es muss einmal schluss sein" (oder s.ä.). Darin wurde über die "schlussstrichzieh-mentalität" nach dem krieg berichtet, aber gleichzeitig deutlich hervorgehoben, welche menschen alles noch frei herumlaufen oder liefe.
So wurde unser verfassungsrecht mit von ns-justizfunktionären gegründet. Auch die BW bediente sich wehrmachtsoffizieren u.a. zum aufbau.

Der zweite block sollte die weitverbreitete meinung, daß wir schon genug reparationsleistungen gezahlt hätten, thematisieren.
Auf der straße wurde menschen aus unserer generation befragt.

Dann wurden menschen befragt, die in nachbarschaft von konzentrationslagern gewohnt haben...

usw. usw.

Mein eindruck von der ganzen sendung war der, daß immer noch eine, zur erbsünde hochstilisierten, schuld auf unserer generation lastet, was mich verstört hat.
Ist denn jeder, dessen opa in stalingrad war, spross einer MITTÄTERFAMILIE???
Dürfte dieser opa dann keine veteranenrente beziehen (ein andere vorwurf, der gemacht wurde)?

Gab es einen schlußstrich oder kann es je einen geben?

Natürlich darf etwas derartieges nie mehr nirgendwo auf der welt passieren aber mE haben die alliierten unserem land doch die chance zu einem neuanfang gegeben.
Und wir haben doch einen guten job gemacht, was den aufbau einer funktionierenden demokratie angeht...


Vielleicht hat von euch auch jemand die sendung gesehn und kann mir sagen, was er davon hält...


LG Alex:-)

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
    Re: NDR-Nacht - Erbsünde ???

    Hi, bekanntlicherweise sind ja hitler-wochen, d.h. kein sender
    ohne dukomentation, diskussion oder zumind. den ein oder
    anderen film zum thema...
    Hitler-Wochen? Mittlerweile sind es schon Hitler-Jahre. Los ging es ja 1996/97 mit Hitlers Helfer, gefolgt von seinen Kriegern, Managern und Frauen. Es vergeht kein Tag ohne eine Dokumentation auf irgendeinen Öffentlich-Rechtlichen Sender. Nur schien es mir, daß gerade diese sendung nicht ein gutes
    haar an deutschland und seinem volk gelassen hat.
    Das wundert mich überhaupt nicht: Ende der 60er Jahre war ja bekanntlich der Höhepunkt der linksgerichteten Studentenbewegung (sog. 68er), die damals u.a. mit Sprüchen wie „Traue keinem über 30“ mit ihrer Eltern- und Großelterngeneration abrechneten und alle als Nazis abstempelten. Diese Leute sind heute zw. 55 und 60 Jahre alt, sind auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und sitzen an den richtigen Hebeln ihre Auffassung von der Geschichte unters Volk zu bringen (bestes Beispiel unser Außenminister). Darin wurde
    über die "schlussstrichzieh-mentalität" nach dem krieg
    berichtet, aber gleichzeitig deutlich hervorgehoben, welche
    menschen alles noch frei herumlaufen oder liefe.
    So wurde unser verfassungsrecht mit von ns-justizfunktionären
    gegründet. Auch die BW bediente sich wehrmachtsoffizieren u.a.
    zum aufbau.
    Die Alliierten setzten nach Kriegsende Gerichte und Spruchkammern ein, die Verbrecher bestraften oder mit Berufsverbot belegten. Natürlich war der größte Teil der Nachkriegs-Staatsbeamten in irgendeiner NS-Vereinigung, da sämtliche öffentliche und wirtschaftliche Bereiche in irgendeiner NS-Organisation zusammengefasst waren (NSKK, NS-Lehrerbund, NS-Ärztebund, Reichsnährstand, Reichskirche usw.), der man angehören musste. Was aber nicht belegt, daß jeder Zahnarzt oder Anwalt ein Verbrecher war. Dann wurden menschen befragt, die in nachbarschaft von
    konzentrationslagern gewohnt haben...
    Diese Klugscheißerei kann ich leiden, von wegen „Warum habt ihr nichts dagegen getan?“
    In jeder größeren Stadt gibt es heute eine JVA – wenn dort gefoltert werden würde, würde es auch kein Anwohner merken. Wer besucht schon freiwillig ein Gefängnis?
    Wie oft passiert heute ein Verbrechen und Duzente Menschen schauen zu ohne einzugreifen. Wenn der Verbrecher dann aber auch noch der Staat ist, der international hofiert wird, wer traut sich da schon das Maul aufzumachen? Gab es einen schlußstrich oder kann es je einen geben?
    Laut unserem Bundespräsidenten wird es den wohl nie geben. Und unsere Bundesregierung bittet ja gerade jedes Volk der Erde um Vergebung für irgendwelche Verbrechen. Ich warte ja noch drauf, daß wir uns für die Plünderung Roms im Jahre 410 entschuldigen.

    • Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
      Re^2: NDR-Nacht - Erbsünde ???

      Hallo,

      zunächst meine grundsätzliche Ansicht: Ich kann nichts dafür, was unsere
      Vorfahren vor über 60 Jahren gemacht haben - aber ich bin dafür verantwortlich,
      dieses Erbe aufrecht zu erhalten und dafür zu sorgen, dass es nicht wieder
      geschehen kann - so gut das eben möglich ist. Und aus meiner Zugehörigkeit sehe
      ich mich durchaus in einer besonderen Verantwortung der Geschichte gegenüber,
      eben weil wir diejenigen sind, die aus der Geschichte (auch der
      Nachkriegsgeschichte) wirklich viel lernen mussten und konnten - die Weitergabe
      dieses Wissens verlangt auch weiterhin die Beschäftigung mit dem Thema. Dann wurden menschen befragt, die in nachbarschaft von
      konzentrationslagern gewohnt haben...
      Diese Klugscheißerei kann ich leiden, von wegen „Warum habt
      ihr nichts dagegen getan?“
      In jeder größeren Stadt gibt es heute eine JVA – wenn dort
      gefoltert werden würde, würde es auch kein Anwohner merken.
      Hier ist der Punkt, um den es mir eigentlich geht. Man sollte nicht die JVA eines
      demokratisch geeführten Staates, der ein sehr offenes und verständliches
      Strafrecht hat, mit Konzentrationslagern vergleichen. Wenn in einem Gefängnis "in
      kleinem Stil" gefoltert werden würde, sicherlich würde es keiner der Anwohner
      merken - weil unser Staat Folter nicht zulässt und auch sehr glaubhaft versichern
      kann, dass sie nicht stattfindet (und wenn doch, kommt es schnell an sich, siehe
      der mutmaßl. Metzler-Mörder und der BW-Skandal). Unser Staat ruft auch nicht zum
      Massenmord auf, schickt keine endlosen Ströme Menschen an einen Ort, von dem
      niemand mehr zurück kommt, lässt keine Viehwaggons voller Menschen durchs Land
      fahren, lässt Menschen auf offener Straße erschießen.
      Ich kann nicht glauben, dass es angeblich keiner gewusst hat - erst recht nicht
      die Leute, die unmittelbar an KZs gelebt haben. Das ist nichtmal eine Anklage
      gegen diese Leute - sie haben es entweder nicht wahrhaben wollen oder können, was
      da vor sich geht, oder haben einfach Angst um ihr eigenes Leben gehabt. Ich bin
      zum Glück noch niemals in so einer Situation gewesen und werde hoffentlich auch
      nicht hereinkommen. Aber angenommen, ich würde dort in dieser Zeit leben - ich
      wage nicht zu prognostizieren, wie ich mich letztlich verhalten hätte. Wer besucht schon freiwillig ein Gefängnis?
      Ich war schon vier Mal in einem... Zur "Besichtigung", wohl gemerkt! :) Wie oft passiert heute ein Verbrechen und Duzente Menschen
      schauen zu ohne einzugreifen. Wenn der Verbrecher dann aber
      Das ist trotzdem nicht zu vergleichen. auch noch der Staat ist, der international hofiert wird, wer
      traut sich da schon das Maul aufzumachen?
      Na, international hofiert wurde Deutschland nun wirklich nicht! Gab es einen schlußstrich oder kann es je einen geben?

      Laut unserem Bundespräsidenten wird es den wohl nie geben. Und
      Es darf ihn auch nicht geben. Das Kapitel ist noch nicht abgeschlossen, und ein
      so unglaubliches Schrecken darf auch nicht in Vergessenheit geraten. unsere Bundesregierung bittet ja gerade jedes Volk der Erde um
      Vergebung für irgendwelche Verbrechen. Ich warte ja noch
      Der Holocaust und der Weltkrieg waren nicht "irgendwelche Verbrechen". Und
      solange es noch Zeitzeugen gibt, die unter unseren Vorfahren gelitten haben ist
      es auch unser Erbe und unsere Pflicht, sie um Verzeihung zu bitten. Ich brauche
      nicht in England oder in den Niederlanden zu den Jugendlichen zu gehen, um mich
      bei ihnen zu entschuldigen, aber einem KZ-Häftling, der überlebt hat, drücke ich
      sehr wohl meine Trauer und Scham über das aus, was in diesem Land mit ihm
      passiert ist. Wenn die Kriegsgeneration gestorben ist wird es Zeit, von der
      Kultur der Entschuldigung und Scham zur Kultur der Erinnerung und Mahnung zu
      wechseln, und wir sind auf dem besten Weg dazu, aber noch sind Entschuldigungen
      manchmal überfällig. Im übrigen: es gibt auch Engländer, Niederländer (und
      wahrscheinlich auch Soldaten anderer Nationen), die sich bei Deutschen
      entschuldigt haben für die Bomben, die abgeworfen und deutsche Zivilisten getötet
      haben. drauf, daß wir uns für die Plünderung Roms im Jahre 410
      entschuldigen.
      Toller Vergleich. Die Germanen haben ja auch so viel mit den Deutschen zu tun.
      Aber guck mal in das Religion&Ethik Brett, dort wird den Katholiken nach wie vor
      vorgehalten, dass es die Kreuzzüge und die Inquisition gab...

      Gruß
      Christian

      • Antwort von nach 5 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: NDR-Nacht - Erbsünde ???

        Hallo Christian Hier ist der Punkt, um den es mir eigentlich geht. Man sollte
        nicht die JVA eines
        demokratisch geeführten Staates, der ein sehr offenes und
        verständliches
        Strafrecht hat, mit Konzentrationslagern vergleichen. Wenn in
        einem Gefängnis "in
        kleinem Stil" gefoltert werden würde, sicherlich würde es
        keiner der Anwohner
        merken - weil unser Staat Folter nicht zulässt und auch sehr
        glaubhaft versichern
        kann, dass sie nicht stattfindet (und wenn doch, kommt es
        schnell an sich, siehe
        der mutmaßl. Metzler-Mörder und der BW-Skandal).
        Ich will auch nicht die JVA mit einem KZ vergleichen, sondern nur auf die Unterschiedlichen Rechte der Bevölkerung (Anwohner) in den unterschiedlichen Systemen hinweisen. Im Dritten Reich gab es keine Presse die den Staat kontrollierte, da waren keine öffentlichen Besuche in den Haftanstalten möglich - selbst wenn jemand gewußt hat was in den Haftanstalten läuft, was hätte er tun sollen? Vielleicht eine Demonstration anmelden (wie es heute möglich ist) oder gerichtliche Schritte gegen den Staat einleiten? Wenn er es einen Spitzel weitererzählt hätte, hätte er am nächsten Tag selbst drin gesessen. Unser Staat ruft auch nicht zum Massenmord auf,
        Das wurde im Dritten Reich auch nicht praktiziert - jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur als "Geheime Reichssache". schickt keine endlosen Ströme Menschen an einen Ort, von dem
        niemand mehr zurück kommt, lässt keine Viehwaggons voller
        Menschen durchs Land
        fahren,
        Wer hätte das bemerken sollen (außer die Koordinatoren selbst)? Die Züge standen bestimmt nicht auf den öffentlichen Bahnhöfen rum oder wurden dort beladen. Jedes Lager hatte einen eigenen Bahnhof. Die großen Vernichtungslager wurden außerdem bewußt außerhalb Deutschlands angelegt (in Polen, Slowenien und dem Baltikum). Die Arbeitslager in Deutschland (Buchenwald, Dachau usw.) entsprachen äußerlich internationalen Standard. Ich kann nicht glauben, dass es angeblich keiner gewusst hat
        Das glaub ich auch nicht - man legt an viele Dinge aber die Maßstäbe eines demokratischen Rechtsstaates. auch noch der Staat ist, der international hofiert wird, wer
        traut sich da schon das Maul aufzumachen?
        Na, international hofiert wurde Deutschland nun wirklich
        nicht!
        Bei der Olympiade 1936 zogen alle Teilnehmer mit "deutschem Gruß" an Hitler vorbei. Bis zum Kriegsausbruch 1939 waren die Deutschen überall gern gesehen. Selbst die Sowjets waren bis zum Überfall 1941 (zum Ärgernis der KPD) die dicksten Verbündeten Deutschlands. Nach dem gescheiterten Attentat Eilers auf Hitler verurteilten sie die Tat sogar aufs schärfste. unsere Bundesregierung bittet ja gerade jedes Volk der Erde um
        Vergebung für irgendwelche Verbrechen. Ich warte ja noch
        nicht in England oder in den Niederlanden zu den Jugendlichen
        zu gehen, um mich
        bei ihnen zu entschuldigen, aber einem KZ-Häftling, der
        überlebt hat, drücke ich
        es ging mir auch nicht um die KZ-Häftlinge, sondern um die anderen Genie-Streiche unserer Regierung... manchmal überfällig. Im übrigen: es gibt auch Engländer,
        Niederländer (und
        wahrscheinlich auch Soldaten anderer Nationen), die sich bei
        Deutschen
        entschuldigt haben für die Bomben, die abgeworfen und deutsche
        Zivilisten getötet
        haben.
        es ging mir um die Regierung drauf, daß wir uns für die Plünderung Roms im Jahre 410
        entschuldigen.
        Toller Vergleich. Die Germanen haben ja auch so viel mit den
        Deutschen zu tun.
        Wir sind doch auch Schuld, daß das Osmanische Reich die Armenier umgebracht hat, nur weil wir Verbündete ersterer waren. Da wirst Du dich doch nicht an solchen Lapalien wie die Beziehung der Westgoten zu den deutschen Stämmen stören, oder?

        • Antwort von nach 14 Stunden 0 hilfreich
          IRRTUM!?

          Hi, Bei der Olympiade 1936 zogen alle Teilnehmer mit "deutschem
          Gruß" an Hitler vorbei. Bis zum Kriegsausbruch 1939 waren die
          Deutschen überall gern gesehen. Selbst die Sowjets waren bis
          zum Überfall 1941 (zum Ärgernis der KPD) die dicksten
          Verbündeten Deutschlands. Nach dem gescheiterten Attentat
          Eilers auf Hitler verurteilten sie die Tat sogar aufs
          schärfste.
          Genau dieser teil der doku hat mich am meisten verwundert.
          Es wurde berichten, daß die olympioniken mit "deutschem gruß" die tribüne passierten...
          Ich habe das immer so gelernt, daß es sich um den OLYMPISCHEN GRUß handelt, der eben der gleiche ist.
          So sind im übrigen '72 auch noch staaten in münchen einmarschiert...

          LG Alex:-)

          • Antwort von nach 21 Stunden 0 hilfreich
            Nicht ganz

            Hallo Alex, Genau dieser teil der doku hat mich am meisten verwundert.
            Es wurde berichten, daß die olympioniken mit "deutschem gruß"
            die tribüne passierten...
            Ich habe das immer so gelernt, daß es sich um den OLYMPISCHEN
            GRUß handelt, der eben der gleiche ist.
            Du hast recht, die meisten Teilnehmer grüßten mit dem olympischen Gruß - der Eindruck war aber der von mir Geschilderte. Wenn ich als souveräner Staat mit den Zuständen in Deutschland nicht einverstanden bin (und es war international bekannt, wie die Nationalsozialisten mit ihren politischen Gegnern verfuhren), nehme ich nicht an der Olympiade teil und ziehe erst recht nicht mir deutsch-olympischen Gruß am Führer vorbei. So sind im übrigen '72 auch noch staaten in münchen
            einmarschiert...
            Manche Ereignisse sprechen sich ziemlich langsam herum. Auf Sri Lanka wurde der Außenminister letztes Jahr auch noch mit der DDR-Flagge begrüßt.

        • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: NDR-Nacht - Erbsünde ???

          Hallo, Ich will auch nicht die JVA mit einem KZ vergleichen, sondern
          Die schriebst in etwa "wenn dort gefolter würde, würde es auch keiner bemerken" -
          was durchaus als Vergleich verstanden werden kann. Aber OK, dann habe ich es
          falsch verstanden. Dritten Reich gab es keine Presse die den Staat kontrollierte,
          da waren keine öffentlichen Besuche in den Haftanstalten
          möglich - selbst wenn jemand gewußt hat was in den
          Haftanstalten läuft, was hätte er tun sollen? Vielleicht eine
          Demonstration anmelden (wie es heute möglich ist) oder
          gerichtliche Schritte gegen den Staat einleiten? Wenn er es
          einen Spitzel weitererzählt hätte, hätte er am nächsten Tag
          selbst drin gesessen.
          Man könnte darüber spekulieren, was wohl gewesen wäre, wenn tatsächlich das ganze
          Volk gestreikt hätte, aber das ist müßig und Geschichtsspielerei, die zu nichts
          führt. Ich habe in meiner ersten Antwort geschrieben, dass mir diese Problematik
          durchaus bewusst ist und ich selbst von mir nicht sagen kann, wie ich damals
          reagiert hätte. Unser Staat ruft auch nicht zum Massenmord auf,
          Das wurde im Dritten Reich auch nicht praktiziert - jedenfalls
          nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur als "Geheime
          Reichssache".
          Das, was die Nazis an Antisemitismus geschürt haben, war praktisch Aufruf zum
          Massenmord. Jeder, der damals denunziert hat wird gewusst haben, dass Juden,
          Regimekritiker, etc., die er verrät, wie Tiere aus den Häusern gezerrt werden und
          für immer verschwinden würden. Wer hätte das bemerken sollen (außer die Koordinatoren
          selbst)? Die Züge standen bestimmt nicht auf den öffentlichen
          Dass auf einmal die Nachbarn weg sind, die Besitzer des Ladens um die Ecke, der
          freundliche Herr aus dem Kaufhaus? Immer dann, wenn Lastwagen durch die Stadt
          rumpelten, schwerbewaffnete Männer Häuser stürmten, schrien, schossen, Scheiben
          einwarfen - wer hätte das bemerken sollen...
          Ich habe vor einigen Jahren in der Oberstufe mal ein Referat über Euthanasie in
          der Rheinischen Landesklinik (Kr. Kleve) gehalten, auch von dort wurden zig
          Patienten in KZs gebracht. Und entlang der Bahnstrecke gibt es viele Orte,
          Städte, das haben Bahnschienen so an sich, dass sie Ortschaften miteinander
          verbinden. Nur wer sich weggedreht hat musste sich nicht anschauen, welche Züge
          da fuhren... Ich kann nicht glauben, dass es angeblich keiner gewusst hat
          Das glaub ich auch nicht - man legt an viele Dinge aber die
          Maßstäbe eines demokratischen Rechtsstaates.
          Darum ging es nicht. Es geht darum, wie wir heute damit umgehen, und wir sind ein
          moderner demokratischer Rechtsstaat, der mit dieser Hypothek belastet ist und der
          dementsprechend aus seiner Verantwortung heraus auch heute noch zu diesem Erbe
          stehen muss. Na, international hofiert wurde Deutschland nun wirklich
          nicht!
          Bei der Olympiade 1936 zogen alle Teilnehmer mit "deutschem
          Den "olympischen Gruß" besprichst Du ja gerade schon mit Max, und: 1936 war das
          Ausmaß der bevorstehenden Katastrophe vielleicht wirklich noch nicht so
          ersichtlich. Wir entschuldigen uns nicht für die Zeit von 1933 bis 1936, sondern
          für die Zeit von 1933 bis 1945, und insbesondere für die letzten Jahre, in denen
          die Vernichtung des Lebens ihren Höhepunkt erreichte. es ging mir auch nicht um die KZ-Häftlinge, sondern um die
          anderen Genie-Streiche unserer Regierung...
          Da bin ich gespannt, was Du meinst. manchmal überfällig. Im übrigen: es gibt auch Engländer,
          Niederländer (und
          wahrscheinlich auch Soldaten anderer Nationen), die sich bei
          Deutschen
          entschuldigt haben für die Bomben, die abgeworfen und deutsche
          Zivilisten getötet
          haben.
          es ging mir um die Regierung
          "Wir sind das Volk" - das Volk ist der Staat, das Volk ist die Regierung. Wir
          wählen aus unserer Mitte demokratisch die Vertreter unseres Volkes, also steht
          die Regierung stellvertretend für die Menschen des Landes - eben weil sich nicht
          jeder persönlich entschuldigen kann.

          Gruß
          Christian

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: NDR-Nacht - Erbsünde ???

            Hallo Christian, Das, was die Nazis an Antisemitismus geschürt haben, war
            praktisch Aufruf zum
            Massenmord. Jeder, der damals denunziert hat wird gewusst
            haben, dass Juden,
            Regimekritiker, etc., die er verrät, wie Tiere aus den Häusern
            gezerrt werden und
            für immer verschwinden würden.
            [...]
            Dass auf einmal die Nachbarn weg sind, die Besitzer des Ladens
            um die Ecke, der
            freundliche Herr aus dem Kaufhaus?
            Der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Deutschlands betrug 0,6%, rechnet man die zu anderen Glaubensrichtungen Konvertierten hinzu kommt man auf ca. 1%. Daraus folgt für mich, daß ein großer Teil der Deutschen (vor allem die Landbevölkerung) gar keinen Kontakt zu ihren jüdischen Mitbürgern hatte. Es ist richtig, daß es Deutsche gegeben hat, die sehr wohl etwas von den Treiben mitbekommen haben, aber das kann man nicht auf alle verallgemeinern.

            (Statistiken unter http://www.literad.de) Ich habe vor einigen Jahren in der Oberstufe mal ein Referat
            über Euthanasie in
            der Rheinischen Landesklinik (Kr. Kleve) gehalten, auch von
            dort wurden zig
            Patienten in KZs gebracht. Und entlang der Bahnstrecke gibt es
            viele Orte,
            Städte, das haben Bahnschienen so an sich, dass sie
            Ortschaften miteinander
            verbinden. Nur wer sich weggedreht hat musste sich nicht
            anschauen, welche Züge
            da fuhren...
            1.) Gibt es genug Gründe die gegen deine „Wegseher-Theorie“ sprechen:
            - man kann die Züge nachts fahren lassen;
            - selbst bei langsamer Fahrt fällt es schwer die Ladung eines Waggons zu bestimmen;
            - auch damals war es langweilig Züge zu beobachten
            2.) In Deutschland war es eher üblich, die Häftlinge in einem örtlichen Gefängnis oder Neben-KZ zu „sammeln“ und dann gruppenweise mit LKW’s ins KZ zu transportieren. Die von dir beschriebenen Züge transportierten hauptsächlich die Juden Ost- und Südosteuropas (die ja auch den größten Anteil der Opfer tragen) in die Vernichtungslager die ebenfalls dort angesiedelt waren (Treblinka, Auschwitz usw.). Den "olympischen Gruß" besprichst Du ja gerade schon mit Max,
            und: 1936 war das
            Ausmaß der bevorstehenden Katastrophe vielleicht wirklich noch
            nicht so
            ersichtlich. Wir entschuldigen uns nicht für die Zeit von 1933
            bis 1936, sondern
            für die Zeit von 1933 bis 1945, und insbesondere für die
            letzten Jahre, in denen
            die Vernichtung des Lebens ihren Höhepunkt erreichte.
            1933 bis 1937 war es noch möglich die Nationalsozialisten zu stürzen. Spätestens 1937 gab es keine ernsthafte Opposition und das Volk war von den gemäßigten Politikern und vom Ausland alleine gelassen. es ging mir auch nicht um die KZ-Häftlinge, sondern um die
            anderen Genie-Streiche unserer Regierung...
            Da bin ich gespannt, was Du meinst.
            Ich halte die Geschehnisse in den KZ’s für einen perversen, höchst kriminellen Teil der Deutschen Geschichte. Ich halte auch die Todesurteile gegen KZ-Personal, Gauleiter und NS-Bonzen wie Göring und Keitel für gerechtfertigt. Das man jetzt aber so weit geht und einseitig, alleinig und ohne Differenzierung die Schuld für sämtliche Verbrechen der letzten hundert Jahre übernimmt, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Genau wie man beginnt alliierte Kriegsverbrechen zu verharmlosen, auf der anderen Seite aber das Verhalten der Deutschen Seite nach heutigen Maßstäben be-/verurteilt. manchmal überfällig. Im übrigen: es gibt auch Engländer,
            Niederländer (und
            wahrscheinlich auch Soldaten anderer Nationen), die sich bei
            Deutschen
            entschuldigt haben für die Bomben, die abgeworfen und deutsche
            Zivilisten getötet
            haben.
            es ging mir um die Regierung
            "Wir sind das Volk" - das Volk ist der Staat, das Volk ist die
            Regierung. Wir
            wählen aus unserer Mitte demokratisch die Vertreter unseres
            Volkes, also steht
            die Regierung stellvertretend für die Menschen des Landes -
            eben weil sich nicht
            jeder persönlich entschuldigen kann.
            Für mich ist es aber ein Unterschied ob sich ein Engländer/ Deutscher entschuldigt oder die englische- / deutsche Regierung. Natürlich ist es ein feiner Zug wenn sich eine Einzelperson entschuldigt – es ist aber unverbindlich und genau so schnell vergessen. Ich habe nichts dagegen die Geschichte gemeinsam aufzuarbeiten, aber im Moment geschieht das alles viel zu einseitig.

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: NDR-Nacht - Erbsünde ???

            "Wir sind das Volk" - das Volk ist der Staat, das Volk ist die
            Regierung. Wir
            wählen aus unserer Mitte demokratisch die Vertreter unseres
            Volkes
            Ja ja, das mußte ich auch einmal auswendig lernen. 9. Klasse Sozialkunde, soweit ich mich erinnere. gg

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: das Wissen der Deutschen

            Hallo Christian! Das, was die Nazis an Antisemitismus geschürt haben, war
            praktisch Aufruf zum
            Massenmord. Jeder, der damals denunziert hat wird gewusst
            haben, dass Juden,
            Regimekritiker, etc., die er verrät, wie Tiere aus den Häusern
            gezerrt werden und
            für immer verschwinden würden.
            DASS viele Juden verschwunden sind, das hat man wohl bemerkt. Von vielen hiess es dann, die seien nach Amerika, heimlich, still und leise. Was bei der Bevölkerung oft wie ein Schuldgeständnis wirkte.
            Von denjenigen, die öffentlich oder halböffentlich abgeholt wurden, wusste man, dass sie ins KZ kamen, aber man dachte dabei nicht an körperliche Vernichtung, auch nicht an Vernichtung durch Arbeit. Das waren im öffentlichen Bewusstsein Straflager, zwar hart, aber nicht mörderisch (was z.B. Dachau, das älteste KZ, auch lange Zeit nicht war - ich meine jetzt die Gaskammern etc.)
            Angenehm war´s dort sicherlich von Anfang an nicht...mit "Dachau" wurde auch immer gedroht bzw. Widerspenstigen ins Gewissen geredet...sozusagen. Dachau war also schon was "Besonderes". So werden wohl auch die anderen KZ´s im Bewusstsein der Bevölkerung gewesen sein: Ein Ort, an den man absolut nicht hin wollte. Gemeinheiten war mann auch gewohnt, schließlich lag der 1.Weltkrieg noch nicht allzu lang zurück, die Militärausbildung damals war auch angefüllt von Erniedrigungen für die Rekruten, entsprechend dürfte man sich die Zustände in einem solchen Lager vorgestellt haben. So richtig pervertiert sind die Wärter auch in Dachau ja erst mit der Zeit, dann aber richtig...
            Ich habe auch noch nie von KZ-Häftlingen gehört, die noch zur Nazizeit wieder aus dem KZ entlassen wurden und dann viel davon erzählten - noch ein Grund, warum sich die Bevölkerung v.a. in den späten 30ern und in den 40ern ein falsches Bild von einem KZ gemacht haben dürften.
            Die Gründe? Die Ex-Häftlinge waren entweder so eingeschüchtert, dass sie sich nicht trauten, was zu erzählen, oder sie wollten verhindern, wieder ins KZ zu kommen (diesmal womöglich mit ihren Familien), oder sie dachten, dass ihre Geschichten auf ihre Nachbarn unglaubwürdig wirken würden. Oder alles miteinander.

            Dazu drei Storys:
            Eine ältere Dame aus einem kleinen Dorf bei Eichstätt in Oberbayern hat mir auf die Frage, ob man damals wirklich nichts mitbekommen hätte von den Kz´s, der Judenverfolgung usw., gesagt: "Mei, mit Juden ham mir ja eigentlich nie was zu tun g´habt. Natürlich war´n G´schichten im Umlauf, aber des warn halt G´schichten. Manche G´schichten stimmen, manche net. Und d´Nazi, de ham bei uns sowieso nix zum sag´n g´habt. Der einzige Nazi im Dorf, des war a Depp!"

            Ein Bauer aus der Dachauer Gegend: "Natürlich ham mir gesehen, dass da die Züge (er meinte die Kolonnen der Häftlinge) zum Arbeiten nausganga sind und am Abend wieder z´ruckkomma sind und dass de schlecht beieinander waren. Aber mir ham uns dacht, des san halt Häftlinge, de werden scho irgendwas verbrochen ham, für des sie jetzt büssen müssen. Was im KZ selber g´laufen is, des ham mir ja gar net g´wusst. Und die, die´s g´wusst ham, die ham nix g´sagt!"
            Zur Ergänzung dieser Aussage noch die Erzählung der Tochter des Mannes, der das KZ Auschwitz mit Gemüse beliefert hat: "Mein Vater musste ja regelmässig ins KZ hinein und hat da natürlich alles gesehen. Uns aber hat er nie ein Wort davon erzählt. Wir haben schon bemerkt, dass er nach dem ersten Besuch ganz still war, und mit der Zeit ist er richtig depressiv geworden, aber er hat nie was erzählt. Wahrscheinlich, um uns zu schützen."

            VG
            Christian



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