Seeblockade

Von: , Frage gestellt am Do, 25. Aug 2005

Hallo.

Wie hat die britische Seelblockade im 1. Weltkrieg zu Ernährungsproblemen führen können? Auf welche lebenswichtigen Nahrungsmittel war Deutschland denn aus anderen Ländern angewiesen? Getreide, Fleisch und Gemüse gab es ja aus dem Inland. Nachdem viele in der Landwirtschaft erforderliche Arbeitskräfte und Pferde im Krieg waren, war die Versorgung natürlich schlecht. Welchen Einfluß hat aber die Seeblockade darauf gehabt?


Grüße
Ostlandreiter

17 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 14 Minuten 0 hilfreich
    Re: Seeblockade

    Auch hallo. Wie hat die britische Seelblockade im 1. Weltkrieg zu
    Ernährungsproblemen führen können? Auf welche lebenswichtigen
    Nahrungsmittel war Deutschland denn aus anderen Ländern
    angewiesen? Getreide, Fleisch und Gemüse gab es ja aus dem
    Inland. Nachdem viele in der Landwirtschaft erforderliche
    Arbeitskräfte und Pferde im Krieg waren, war die Versorgung
    natürlich schlecht. Welchen Einfluß hat aber die Seeblockade
    darauf gehabt?
    Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Inselblockade, http://de.wikipedia.org/wiki/Blockade, http://de.wikipedia.org/wiki/1._Weltkrieg
    Vielleicht war weniger die Seeblockade für die Hungertoten
    verantwortlich, als mehr der Umstand, dass kaum einer da war
    um die Bevölkerung ausreichend zu versorgen. So direkt kann
    man das mit dem Abstand von 80-90 Jahren natürlich nicht
    mehr sagen.
    Ausserdem wären Schiffe mit Nahrungsmitteln vermutlich nicht
    vom Erreichen des Zielhafens aufgehalten worden.

    HTH
    mfg M.L.

  2. Antwort von nach 35 Minuten 0 hilfreich
    Re: Seeblockade

    Hallo !
    Die brit. Seeblockade war ausschlaggebend für die Hungersnot in Deutschland.
    Im Gegensatz zum 2.Wk hatte Deutschland nicht die russischen Getreidegebiete besetzt. War also von allen Seiten blockiert. Ebenso fehlte Frankreich mit seinem Weizenanbau.


    mfgConrad

    • Antwort von nach 44 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Seeblockade


      Hallo !

      Hier noch ein Auszug aus dem Spiegel Geschichtswerk.

      Die britische Seeblockade
      Entgegen den Bestimmungen des Völkerrechtes verhängte die britische Regierung im Ersten Weltkrieg eine Fernblockade gegen die deutsche Küste, um das Deutsche Reich von den Einfuhren aus Übersee abzuschneiden.
      Die Seeblockade wurde in der Form einer Sperrlinie im Kanal und zwischen Norwegen und den Shetlandinseln errichtet: Am 2. November 1914 erklärte die englische Regierung die gesamte Nordsee zum Sperrgebiet und wies alle Schiffe an, kontrollierte Seewege in der Nähe der englischen Küste zu benutzen. Die Schiffe wurden von der englischen Kriegsmarine durchsucht, für Deutschland bestimmte Waren wurden beschlagnahmt. Weil Deutschland bei Milchprodukten, Kunstdünger, Kraftfutter, Baumwolle und anderen Gütern auf Einfuhren aus Übersee angewiesen war, entstand im Reich bald ein Mangel an diesen Produkten. Die Landwirtschaft konnte wegen fehlenden Kunstdüngers und mangelnden Saatguts die Vorkriegsproduktion nicht aufrechterhalten, was zu einer stetigen Verschlechterung der Versorgungslage führte. Laut Angaben des Reichsgesundheitsamtes starben im Ersten Weltkrieg etwa 750.000 Deutsche an den Folgen der Fernblockade, die erst im Januar 1919 aufgehoben wurde.

      mfgConrad

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Re^3: Seeblockade

        beschlagnahmt. Weil Deutschland bei Milchprodukten,
        Kunstdünger, Kraftfutter, Baumwolle und anderen Gütern auf
        Einfuhren aus Übersee angewiesen war, entstand im Reich bald
        ein Mangel an diesen Produkten.
        Bei Milchprodukten, Kraftfutter und Kunstdünger?

        Milch war doch sowieso nicht haltbar, und Butter und Käse aus Asien oder Südamerika?
        Was Kraftfutter betrifft und Kunstdünger, kenne ich mich nicht aus, aber welches Viehfutter soll das gewesen sein, das man importieren mußte?

        Für die Baumwolle ist es offensichtlich, aber die ist nicht zum Essen.

        Ich kenne einen Bericht, der dem von dir zitierten sehr ähnlich ist. Leider wurde in diesem auch nicht näher darauf eingegangen.


        Grüße
        Ostlandreiter

        • Antwort von nach 2 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Seeblockade

          Ich hab mich mit einem verwandten Thema ("Deutsche Wirtschftspolitik in WWI") für meine Magisterprüfung beschäftigt. Mal schauen, was ich noch zusammenbekommen: Milch war doch sowieso nicht haltbar, und Butter und Käse aus
          Asien oder Südamerika?
          Halte ich auch für unwahrscheinlich. Und außerdem kann ich mich nicht erinnern, was in die Richtung gelesen zu haben. Ich kann mich aber dumpf erinnern, dass es schon früh Importe größerer Mengen Butter aus Irland gegeben hat, bin aber nicht zu 100% sicher. Was Kraftfutter betrifft und Kunstdünger, kenne ich mich nicht
          aus, aber welches Viehfutter soll das gewesen sein, das man
          importieren mußte?
          Soja wurde bereits als hochwertiges Viefutter importiert, in erster Linie handelte es sich, wenn ich mich korrekt erinnere, um Abfallprodukte aus der Sojaöl-Produktion. Ähnliches gilt auch für Rückstände anderer Ölpflanzen.

          Ganz entscheidend war aber der Kunstdünger. In diesem Punkt hatte die Blockade tatsächlich den folgenschwersten Einfluss auf die deutsche Landwirtschaft. Die ausreichende Nahrungsmittelproduktion in einem relativ dich besiedelten Land mit vergleichsweise wenig Agrarfläche war (und ist) nur mit ausreichend Kustdünger möglich. Zum weitgehend unterbrochenen Import kam noch die Tatsache hinzu, dass Kunstdünger und Sprengstoff (Munition) aus den gleichen Ausgangsstoffen, die weitestgehend aus Südamerika kamen, hergestellt wurden. Und für die deutsche Regierung ging nun mal die Munitionsproduktion (Materialschlachten!) vor. Da blieb nur wenig Nitrat für Düngemittel übrig.

          Allerdings sollte man die Folgen der Blockade auch nicht überbewerten. Die Unfähigkeit der Verwaltung zur vernünftigen Rohstoffbewirtschaftung sowie weitere kriegsbedingte Umstände wie mangelnde Arbeitskräfte oder die Konfiszierung von Pferden für die Armee waren mindestens genauso bedeutsam, wenn nicht sogar wichtiger.

        • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: Seeblockade

          beschlagnahmt. Weil Deutschland bei Milchprodukten,
          Kunstdünger, Kraftfutter, Baumwolle und anderen Gütern auf
          Einfuhren aus Übersee angewiesen war, entstand im Reich bald
          ein Mangel an diesen Produkten.
          Bei Milchprodukten, Kraftfutter und Kunstdünger?

          Milch war doch sowieso nicht haltbar, und Butter und Käse aus
          Asien oder Südamerika?<<<

          Nein, USA, Australien, Irland, England usw usw. Auch damals hatte man schon kühlschiffe.

          >Was Kraftfutter betrifft und Kunstdünger, kenne ich mich nicht
          aus, aber welches Viehfutter soll das gewesen sein, das man
          importieren mußte?<

          Getreide, Apfelsinenschalen, Sojabohnen usw.

          • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
            Re^5: Seeblockade

            Milch war doch sowieso nicht haltbar, und Butter und Käse aus
            Asien oder Südamerika?<<<

            Nein, USA, Australien, Irland, England usw usw. Auch damals
            hatte man schon kühlschiffe.

            Vielleicht.. aber England und Australien lieferten seit Kriegsanfang wohl eh nichts mehr an Deutschland, die USA vielelicht am Anfang noch, aber später auch nichts mehr.

            Da kommt also nur noch Südamerika in Frage?

            • Antwort von nach 8 Stunden 0 hilfreich
              Re^6: Seeblockade

              Da kommt also nur noch Südamerika in Frage?
              Warum nur Südamerika??

              Deutschland handelte mit über 100 Überseeländern.

              Deutschland hatte eigene Kolonien. Aus diesen wurden Lebensmittel eingeführt, wie z.B. Pflanzenfette für Margarine. Obst, Citrusfrüchte, Lebertran für die Gesundheit der Kinder. USW;USW;USW!!!!!

              Das alles konnte schlagartig nicht mehr geliefert werden.

            • Antwort von nach 18 Stunden 0 hilfreich
              Re^7: Seeblockade

              Auf Grund dieser Seeblockade lagen in den überseeischen Häfen hunderte deutscher Frachtsegler fest. Ein Durchbruch nach Deutschland war mit Seglern unmöglich. Die Seeblockade begann ja nicht erst bei Helgoland, sondern schon hinter den Ladehäfen dieser deutschen Schiffe.
              Als dann die meisten Länder auf Seiten der Alliierten mit in den Krieg zogen, wurden diese Schiffe interniert. Und wurden dann, bei Beendigung des Krieges, willkommene Beute.
              Im mexikanischen Hafen von Santa Rosalia lagen 12 deutsche Segler sieben Jahre fest. Von 1914 bis 1921.

              Die Viermastbarken "Orotava", "Hans", "Egon", "Wandsbek", "Reinbek", "Thielbek", "Lasbek", "Schürbek", "Helwig", "Harvestehude", "Walküre", "Adolf Vinnen".

              Diese Schiffe wurden dann an die Siegermächte verteilt.

              Die Seeblockade eines Landes beginnt nicht an seiner Küste, sondern dort, wo sich seine Schiffe befinden. In einem neutralen Hafen sind sie sicher. Aber nach dem Auslaufen und wenn es in Japan wäre, sind sie gefährdet.

              mfgConrad



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