Knabenliebe im alten Griechenland

Von: , Frage gestellt am Mi, 7. Sep 2005

Hallo Hellenisten,

wenn man alte griechische Texte ließt (z.B. einige Dialog Platons) , stößt man immer wieder auf Schilderungen, daß Lehrer auch sexuelle Kontakt zu ihren Schülern hatten bzw. das Schüler ihre Lehrer sexuell begehrten. Diese Texte sind weder verkrampft noch verschlüsselt geschrieben, sodaß ich den Eindruck habe, diese Form der (homosexuellen) Kontakte war nicht unüblich und gesellschaftlich akzeptiert.
Ist dieser Eindruck richtig, oder trügt der Schein?

Gandalf

13 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Minuten 0 hilfreich
    Re: Knabenliebe im alten Griechenland

    Hi, wenn man alte griechische Texte ließt (z.B. einige Dialog
    Platons) , stößt man immer wieder auf Schilderungen, daß
    Lehrer auch sexuelle Kontakt zu ihren Schülern hatten bzw. das
    Schüler ihre Lehrer sexuell begehrten. Diese Texte sind weder
    verkrampft noch verschlüsselt geschrieben, sodaß ich den
    Eindruck habe, diese Form der (homosexuellen) Kontakte war
    nicht unüblich und gesellschaftlich akzeptiert.
    Ist dieser Eindruck richtig, oder trügt der Schein?
    dieser Eindruck ist wohl richtig. Es gab bspw. Soldatentruppen, die nur aus "Pärchen" bestanden. Ich mein, hey, man nennt jene Spielart nicht umsonst "griechisch", oder?

    Gruß,

    Malte

  2. Antwort von nach 11 Minuten 0 hilfreich
    Re: Knabenliebe im alten Griechenland

    Hallo an den grossen Chemiker. Hallo Hellenisten,

    wenn man alte griechische Texte ließt (z.B. einige Dialoge
    Platons) , stößt man immer wieder auf Schilderungen, daß
    Lehrer auch sexuelle Kontakt zu ihren Schülern hatten bzw. das
    Schüler ihre Lehrer sexuell begehrten. Diese Texte sind weder
    verkrampft noch verschlüsselt geschrieben, sodaß ich den
    Eindruck habe, diese Form der (homosexuellen) Kontakte war
    nicht unüblich und gesellschaftlich akzeptiert.
    Ist dieser Eindruck richtig, oder trügt der Schein?
    Der ist richtig: http://de.wikipedia.org/wiki/Knabenliebe

    HTH
    mfg M.L.

  3. Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
    Re: Knabenliebe im alten Griechenland

    Hallo,

    nein, der Schein trügt nicht.
    Es gab da tatsächlich eine nicht zu unterschätzende sexuelle Komponente zwischen dem Schüler und dem Mentor - und das war gesellschaftlich akzeptiert und durchaus der Normalfall.

    Allerdings muß man 2 Dinge dazu bemerken:
    1. Es handelte sich in keiner Weise um Zwang gegenüber dem Jugendlichen. Das Ganze gehörte einfach dazu zum erwachsen werden.
    In dem Sinne war der Mentor auch nicht sexuell abartig veranlangt oder so - er war in der Regel verheiratet und hatte Kinder.
    2. Es habdelte sich nicht um Sex mit Kindern im eigentlichen Sinne. Das Ganze passierte mit heranwachsenden Jugendlichen und wie schon gesagt, mit deren Einverständnis.

    Insofern ist die Pädisterie der alten Hellenen absolut nicht mit der sexuellen Abartigkeit zu vergleichen, die wir heute darunter verstehen.

    Gernot Geyer

    • Antwort von nach 3 Stunden 2 hilfreich
      Re^2: Knabenliebe im alten Griechenland

      Hallo Gernot, Es handelte sich nicht um Sex mit Kindern
      im eigentlichen Sinne. Das Ganze passierte
      mit heranwachsenden Jugendlichen
      und wie schon gesagt, mit deren Einverständnis.
      LOL Insofern ist die Pädiasterie der alten Hellenen
      absolut nicht mit der sexuellen Abartigkeit zu
      vergleichen, die wir heute darunter verstehen.
      Ich denke mal, Du bist nicht der erste,
      der hier strauchelt; beim Versuch, die
      "alten griechischen Päderasten" zu etwas
      Tollem und Sauberem umzudefinieren ;-)

      Ich denke, was wirklich 'out' war, war die
      "inzestuöse" Knabenliebe. Die gab es iirc nicht.
      Und dass jeder Junge mit jedem Alten herummachte,
      wird auch nicht anzunehmen sein, wahrscheinlich
      nur die "Liebespärchen".

      Und bedenke: Auch Schneewittchen war erst
      sieben Jahre alt, als sie den Prinzen heiratete ...

      Grüße

      CMБ

      • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Knabenliebe im alten Griechenland

        Insofern ist die Pädiasterie der alten Hellenen
        absolut nicht mit der sexuellen Abartigkeit zu
        vergleichen, die wir heute darunter verstehen.
        Ich denke mal, Du bist nicht der erste,
        der hier strauchelt; beim Versuch, die
        "alten griechischen Päderasten" zu etwas
        Tollem und Sauberem umzudefinieren ;-)

        Zumindest hatte sie nicht diesen perversen Touch, den sie im Laufe der Jahrhunderte bekommen hat. Das ein Wechsel in der Mentalität stattgefunden hat, kann wohl niemand bestreiten. Und wenn sie selbst ein Gegenstand der Dichter war, so war das Verhältnis zu ihr wohl auch ästhetischer als sie es jetzt ist.

        gruß
        rolf

      • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
        Kinderliebe im alten Griechenland und in Märchen

        Ähh, Semjon? Und bedenke: Auch Schneewittchen war erst sieben Jahre alt, als sie den Prinzen heiratete ...
        Du meinst vielleicht: Schneewittchen hatte erst/schon Erfahrungen mit sieben Männern, ehe es/sie den Prinzen heiratete?

        Aber man sagt auch, dass Helena mit zehn Jahren erst schon das erste Mal entführt wurde.

        Dame. Das Kleinod ist durch manche Hand gegangen,
        Auch die Verguldung ziemlich abgebraucht.
        Andere. Vom zehnten Jahr an hat sie nichts getaugt.
        Faust II, 6528 - 6530

        Solche Figuren sind zeit- und alterslos.

        Fritz

        • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
          Re: Kinderliebe im alten Griechenland und in Märch

          Hallo Fritz, Solche Figuren sind zeit- und alterslos.
          Trotzdem wäre mal eine Tabelle der
          Märchen- und Literaturwelt interessant,
          in der die "Heiratsalter" der Protagonistinnen
          eingertagen sind, wie z.B. von den Grimms überliefert ...

           Schneewittchen  7
          Dornröschen    15
          Aschenbrödel   (http://deutsch.pi-noe.ac.at/stubi/mae_aschen.htm)
          ...
          


          Grüße

          CMБ

      • Antwort von nach 13 Stunden 1 hilfreich
        Re^3: Knabenliebe im alten Griechenland

        Hallo,

        ich will es nicht umdefinieren - ich stelle Tatsachen fest.

        Und danach bekam im alten Griechenland so zhiemlich jeder männliche Jugendliche (zumindest in den Oberschichten), wenn er aus dem Kanbenalter raus war, eine Art Mentor. Der war in erster Linie Lehrer und Erzieher, aber das Verhältnis hatte eben auch ene sexuelle Komponente.
        Das war hesellschaftlicher Konsens und normal - und es läßt sich auch nicht wegdiskutieren.
        Der Mentor erzog den Heranwachsenden, gab ihm sein Wissen weiter, schleppte ihn überall mit hin und führte ihn so in die Gesellschaft ein. Er war für ihn verantwortlich - das versagen des Schülers war gleichzeitig das versagen des Mentors.
        Ich denke, wir mit unserem christlich verbrämten Moralbild haben echte Probleme, das wirklich zu verstehen, was da ablief.

        Die berühmten Liebespaare (Theben war da wohl das Paradebeispiel, in anderen Staaten war das wohl weniger üblich) sind etwas anderes, denn das wareen wohl Paare im gleichen Alter - und da kann ja nicht mehr von Knabenliebe sprechen.

        Und auf einem ganz anderen Blatt steht die käufliche Sexualität. Da gab es ion der Spätantike, besonders in Rom, dann wirklich sehr ausgefallene Dinge.


        Gernot Geyer

        • Antwort von nach 18 Stunden 1 hilfreich
          Re^4: Knabenliebe im alten Griechenland

          Hallo, ... sexuelle Komponente ...
          Das war gesellschaftlicher Konsens und normal -
          und es läßt sich auch nicht wegdiskutieren.
          Wie ist das denn zeitlich einzuordnen, sind die
          Erscheinungen der öffentlichen Päderastie mehr
          mit dem Hochkommen oder dem Niedergang der "alten
          Griechen" verbunden?

          Gab es Unterschiede von Athen zu Sparta zu
          den Inseln? War es mehr als ein Zeitvertreib
          einiger Avantgardisten, welche wir heute
          allzuleicht für die "ganze Gesellschaft"
          halten?

          Andererseits behaupte ich, dass es "nicht wegzudiskutieren"
          ist, dass es "erfolgreiche Gesellschaften" gegeben hat,
          in welchen junge Mädchen oder möglichst tapfere gefangen-
          genommene Feinde geschlachtet und dem Gott zu Ehren
          geopfert bzw. gegessen wurden (z.B. Azteken).

          Auch damit wurde "Kultur vermittelt" ;-)

          Grüße

          CMБ



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