Ö-U nicht zerschlagen?
Naja, man hätte sich ja vorstellen können, dass die
Volksvertretung zusammenhält. Oder deutsche und tschechische
Liberale zusammenhalten. War aber nicht.
Ich wage die These, dass die Zerschlagung des
Vielvölkerstaates ein Grundübel des 20. Jhs. war. Aber die
Diskussion führte sicher zu weit.
och, ich finde es nicht zu weitgehend. nur… du hast selbst moniert, dass die parlamente entlang nationalistischer fragen diskutierten, während die monarchie ausgleichend tätig war. heißt das etwa, daß du für den erhalt der monarchie gewesen wärest? *kicher* angemessener ist es wohl, auf die entwicklung der demokratie zu drängen. Siehst du irgendeine ernsthafte alternative zur zerlegung Ö-Us?
deutsche und tschechische liberale etc… da erliegst du, mit verlaub, einer liberalen fiktion, dass der (alt-)liberalismus hätte transnational, gar internationalistisch sein können. der nationalstaat als das große projekt der liberalen im 19. Jh. war damals aber nun mal eine einrichtung, die einen wirtschaftsraum definierte, der mit anderen wirtschaftsräumen konkurrieren sollte; und wenn zusammengewachsen war, was nicht zusammengehörte, musste eben getrennt werden, um die verschiedenen ökonomien optimal zu entwickeln. es sein denn, es hätte eine neue zentralgewalt gegeben, die für einen ökonomischen ausgleich sorgte; aber finanzausgleiche etc. sind eine errungenschaft entwickelter industriegesellschaften.
auf einer weniger ökonomischen, sondern gesellschaftlichen ebene war es doch so: die liberalen grenzten sich in sozialen einheiten ab, die so klein oder groß waren, dass sie optimal zu den eigenen bedürfnissen passten und hegemonie über nachgeordnete soziale einheiten ermöglichten. dass dies nicht immer optimal lief (zerstrittene opposition gegen die monarchie, unvorteilhafte zollregime etc), macht das nicht unrichtig.
so weit erstmal, nicht gerade aus der tiefe der akademischen diskussion, aber u.a. nach vier jahren daueraufenthalt im einst königlichen teil der k.u.k. monarchie, nämlich in der slowakei 
dietmar