wilhelm II und dann?

Von: , Frage gestellt am Mo, 7. Aug 2000

moin in die runde,

gerade vor einigenm tagen hatte ich mit nem norweger die interessante frage erörtert, wer eigentlich "thronfolger" des deutschen kaisers sei. wer würde eigentlich deutscher kaiser, wenn man monarchie wieder einführen würde? und: würde es die grundsätzliche möglichkeit dazu geben?

henner

28 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 22 Minuten hilfreich
    Re: Thronfolger

    Hallo,

    sollte irgendjemand ernsthaft versuchen, wieder einen deutschen Kaiser einzusetzen (tatsächlich gibt es so einen Verein: http://www.pro-monarchie.de/), dann wäre Seine kaiserliche und königliche Hoheit Georg Friedrich Prinz v. Preussen der aktuelle Thronfolger. Monsieur erblickten am 10.06.76 als erster Sohn von Prinz Louis Ferdinand jun. und Prinzessin Donata von Preussen das Licht der Welt.

    Theoretisch könnten wir natürlich unsere Staatsform wechseln, z. B. via Revolution; praktisch wird das wohl kaum jemand ernsthaft in Erwägung ziehen.

    Für mich hätte das ganze maximal Wert als touristische Attraktion. Man stelle sich die millionen Amis und Japaner mit gezücktem Foto vor, die gebannt auf das Erscheinen des Kaisers am Balkon von Sanssouci warten. Ein bayrischer König wäre da aber vieleicht noch besser...

    Gruss
    Peter

    • Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
      Re^2: Thronfolger

      moinsen, sollte irgendjemand ernsthaft versuchen, wieder einen
      deutschen Kaiser einzusetzen (tatsächlich gibt es so einen
      Verein: http://www.pro-monarchie.de/), dann wäre Seine
      kaiserliche und königliche Hoheit Georg Friedrich Prinz v.
      Preussen der aktuelle Thronfolger. Monsieur erblickten am
      10.06.76 als erster Sohn von Prinz Louis Ferdinand jun. und
      Prinzessin Donata von Preussen das Licht der Welt.
      oh ja. vielen dank. ich hatte jetzt auf otto von habsburg getippt, aber der dürfte nach österreich-ungarn gehören, oder?
      Theoretisch könnten wir natürlich unsere Staatsform wechseln,
      z. B. via Revolution; praktisch wird das wohl kaum jemand
      ernsthaft in Erwägung ziehen.
      okay. bei revolutionen steht ja alles auf dem kopf. ich meinte mehr den gedanken, ob irgendwo - grundgesetz oder so - festgeschrieben steht, dass deutschland die "republik" als staatsform hat. mir ist grad nur dazu art. 20 gg ins auge gefallen. "die bundesrepublik deutschland ist ein demokratischer und sozialer bundesstaat."

      also in spanien haben sie ja auch wieder die monarchie eingeführt - allerdings unter anderen umständen...

      weißt, was ich meine?
      Für mich hätte das ganze maximal Wert als touristische
      Attraktion. Man stelle sich die millionen Amis und Japaner mit
      gezücktem Foto vor, die gebannt auf das Erscheinen des Kaisers
      am Balkon von Sanssouci warten. Ein bayrischer König wäre da
      aber vieleicht noch besser...
      ich sehe das bild vor mir... :-/

      schöne grüße aus dem demokratischen norden. :-)

      henner

      • Antwort von nach 6 Stunden hilfreich
        Otto von Habsburgs Ansprüche

        oh ja. vielen dank. ich hatte jetzt auf otto von habsburg
        getippt, aber der dürfte nach österreich-ungarn gehören, oder?
        ja.
        kann der eigentlich noch erbansprüche auf spanien erheben?
        Nein. Die Sache ist seit dem Spanischen Erbfolgekrieg zu Gunsten der Bourbonen geregelt. Otto hat zudem auf Ansprüche in Österreich verzichtet, um seine Einreise zu ermöglichen.
        Ottos Vater Karl, der letzte k.u.k. Herrscher, hat übrigens nach 1918 zweimal versucht, wenigstens auf den ungarischen Königsthron zurückzukehren. Otto v.Habsburg war in der Wendezeit 1989 einmal als ungarischer Präsident im Gespräch.
        Die Voraussetzung hätte er, weil er alle Sprachen der alten Donaumonarchie spricht. (Viel Spaß beim Aufzählen!)

        Andreas

        • Antwort von nach 10 Stunden hilfreich
          Re: Otto von Habsburgs Sparchtalent

          hi

          deine erklärungen sind sehr hilfreich! aber...

          Otto v.Habsburg war in der Wendezeit 1989 einmal als ungarischer Präsident im Gespräch.
          Die Voraussetzung hätte er, weil er alle Sprachen der alten
          Donaumonarchie spricht.
          ... mit ALLEN sprachen der donaumonarchie hätte der gute auch seine probleme! ob DER wohl jiddisch kann, lemkisch, romanes und goralisch? *g

          dietmar

          • Antwort von nach 11 Stunden hilfreich
            Re^2: Otto von Habsburgs Sparchtalent

            lemkisch? goralisch?
            jiddisch is klar, romanes auch, aber die beiden?!?

          • Antwort von nach 22 Stunden hilfreich
            Re^3: Otto von Habsburgs Sprachtalent

            lemkisch? goralisch?
            jiddisch is klar, romanes auch, aber die beiden?!?
            lemkisch ist einer der fünf ruthenischen dialekte und wurde in galizien gesprochen, also, wenn man's streng nimmt, nur im kaiserlichen, nicht im königlichen teil der k.u.k. monarchie. zu ungarn gehörte aber bis 1918 auch die slowakei, und an deren nordgrenze liegen einige dörfer, in denen das "bergpolnische" goralisch gesprochen wird (bis heute).

            gruß
            dietmar

          • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
            Re^4: Otto von Habsburgs Sprachtalent

            lemkisch? goralisch?
            jiddisch is klar, romanes auch, aber die beiden?!?
            lemkisch ist einer der fünf ruthenischen dialekte und wurde in
            galizien gesprochen, also, wenn man's streng nimmt, nur im
            kaiserlichen, nicht im königlichen teil der k.u.k. monarchie.
            zu ungarn gehörte aber bis 1918 auch die slowakei, und an
            deren nordgrenze liegen einige dörfer, in denen das
            "bergpolnische" goralisch gesprochen wird (bis heute).
            also sind das eher polnische dialekte als eigene sprachen oder doch eigenständige sprachen mit slawischen hintergrund oder sogar ganz eigene sprachen?!?

          • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
            goralisch, ruthenisch, griechisch-orthodox


            also sind das eher polnische dialekte als eigene sprachen oder
            doch eigenständige sprachen mit slawischen hintergrund oder
            sogar ganz eigene sprachen?!?
            neinein, goralisch ist sicherlich ein polnischer dialekt, insofern ist die bezeichnung für bergpolnisch missverständlich (das verächtlich als "bergtürkisch" bezeichnete kurdisch ist ja eine selbstständige sprache).

            anders ist es mit ruthenisch: das ist eine ostslawische sprache, eng mit dem ukrainischen verwandt und damit oft verwechselt (die unterschiede reichen aber bis ins alfabet), jedochj mit sehr wenig sprechern. es sind wohl nicht mehr als etwa eine million sprecher/innen, die sich zudem immer auf mehrere territorien verteilt haben.

            die gruppe der lemken siedelte in südostpolen und wurde 1948 zum großen teil nach nordwestpolen in die vormals deutschen gebiete umgesiedelt (nur eben das stichwort: aktion weichsel; weil die ruthenen kyrillisch schreiben, gibts etwa bei stettin geschäfte mit kyrillschen inschriften. das sind keine russenshops!).

            die bojken siedelten im heute polnisch-ukrainischen grenzgebiet und wurden etwa zur gleichen zeit unter stalin komplett nach sibirien weggeschafft (angebliche zusammenarbeit mit den ukrainischen faschisten, wobei die ukrainischen faschisten eine realität, die angebliche zusammenarbeit mit ihnen eher ein vorwand gewesen sein dürfte, die Grenzregion zu entleeren.

            die slowakischen ruthenen haben einen groooooßen sohn: andy warhol, kind eines auswandererehepaars. eine muntere minderheit im alleröstlichsten zipfel der slowakei.

            zwei weitere ruthenische gruppen (eine davon heisst hutsulen, die vor allem durch ihre ponys bekannt sind) leben in dem, was mal als karpatho-ukraine bekannt war, im bergland gleich südöstlich der slowakei.

            schrift und sprache weisen deutliche unterschiede zum ukrainischen auf, was die zentralisten in kiew gar nicht gerne hören. pikant ist es auch mit der religion: viele der ruthenen sind griechisch-orthodox, haben also nie eine metropolitane gewalt in moskau anerkannt, sondern den papst zum chef. selbst wenn der das nicht so toll findet, denn schliesslich betreiben sie priester-ehe und anerkennen die unbefleckte empfängnis mariae nicht :-)
            ganz schön fortschrittlich? dafür hat sich am ritus seit 1000 jahren nix geändert. große teile der liturgie finden immer noch auf kirchenslawisch statt, was nun wirklich kaum noch jemand versteht. so ähnlich wie bei den römisch.katholischen die hochämter, die bis 1964 (glaubich, jedenfalls bis zum 2. vatikanischen konzil) überall auf lateinisch abgehalten wurden, auch etwa im ruhrgebiet, wo die katholischen arbeiter nun wirlkich kein latein konnten...

            jetzt bin ich aber wieder ins monologisieren geraten *brems*
            dietmar

          • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
            Re: griechisch-orthodox

            pikant ist es auch mit der religion: viele der ruthenen
            sind griechisch-orthodox, haben also nie eine metropolitane
            gewalt in moskau anerkannt, sondern den papst zum chef.
            Die Griechisch-Orthodoxen erkennen den Papst auch nicht an. Sonst hießen sie ja auch nicht orthodox. Du meinst die (mit Rom) unierten Kirchen, die Gottesdienst im orthodoxen Ritus feiern, aber den Papst anerkennen. Für die übrige orthodoxe Christenheit ist es "nur" der Bischof von Rom.

            Andreas



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