Antwort von
nach 3 Tagen
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goralisch, ruthenisch, griechisch-orthodox
also sind das eher polnische dialekte als eigene sprachen oder
doch eigenständige sprachen mit slawischen hintergrund oder
sogar ganz eigene sprachen?!?
neinein, goralisch ist sicherlich ein polnischer dialekt, insofern ist die bezeichnung für bergpolnisch missverständlich (das verächtlich als "bergtürkisch" bezeichnete kurdisch ist ja eine selbstständige sprache).
anders ist es mit ruthenisch: das ist eine ostslawische sprache, eng mit dem ukrainischen verwandt und damit oft verwechselt (die unterschiede reichen aber bis ins alfabet), jedochj mit sehr wenig sprechern. es sind wohl nicht mehr als etwa eine million sprecher/innen, die sich zudem immer auf mehrere territorien verteilt haben.
die gruppe der lemken siedelte in südostpolen und wurde 1948 zum großen teil nach nordwestpolen in die vormals deutschen gebiete umgesiedelt (nur eben das stichwort: aktion weichsel; weil die ruthenen kyrillisch schreiben, gibts etwa bei stettin geschäfte mit kyrillschen inschriften. das sind keine russenshops!).
die bojken siedelten im heute polnisch-ukrainischen grenzgebiet und wurden etwa zur gleichen zeit unter stalin komplett nach sibirien weggeschafft (angebliche zusammenarbeit mit den ukrainischen faschisten, wobei die ukrainischen faschisten eine realität, die angebliche zusammenarbeit mit ihnen eher ein vorwand gewesen sein dürfte, die Grenzregion zu entleeren.
die slowakischen ruthenen haben einen groooooßen sohn: andy warhol, kind eines auswandererehepaars. eine muntere minderheit im alleröstlichsten zipfel der slowakei.
zwei weitere ruthenische gruppen (eine davon heisst hutsulen, die vor allem durch ihre ponys bekannt sind) leben in dem, was mal als karpatho-ukraine bekannt war, im bergland gleich südöstlich der slowakei.
schrift und sprache weisen deutliche unterschiede zum ukrainischen auf, was die zentralisten in kiew gar nicht gerne hören. pikant ist es auch mit der religion: viele der ruthenen sind griechisch-orthodox, haben also nie eine metropolitane gewalt in moskau anerkannt, sondern den papst zum chef. selbst wenn der das nicht so toll findet, denn schliesslich betreiben sie priester-ehe und anerkennen die unbefleckte empfängnis mariae nicht :-)
ganz schön fortschrittlich? dafür hat sich am ritus seit 1000 jahren nix geändert. große teile der liturgie finden immer noch auf kirchenslawisch statt, was nun wirklich kaum noch jemand versteht. so ähnlich wie bei den römisch.katholischen die hochämter, die bis 1964 (glaubich, jedenfalls bis zum 2. vatikanischen konzil) überall auf lateinisch abgehalten wurden, auch etwa im ruhrgebiet, wo die katholischen arbeiter nun wirlkich kein latein konnten...
jetzt bin ich aber wieder ins monologisieren geraten *brems*
dietmar