Fluchtwege aus Frankreich zur Nazizeit

Von: , Frage gestellt am Di, 29. Nov 2005

Hallo alle,
ich suche detaillierteste Infos/Literatur darüber, wie man wann wohin aus Frankreich fliehen konnte kurz bevor/während/kurz nachdem die Deutschen Frankreich besetzt haben.
Beispiel: Ich würde z.B. gerne wissen, was man damals tun musste/konnte, wenn man beispielsweise als nach Frankreich emigrierter deutscher Staatsbürger von Frankreich aus in die USA, nach Russland oder nach Südamerika fliehen wollte, was die üblichsten Ziele waren, welche Zwischenstationen, wofür man welche Art von Visum brauchte etc., welche Reisemittel i.d.R gewählt wurden etc.
Meine bisherigen Kenntnisse sind praktisch Null, ich weiß gerade mal das, was man im Vorspann von "Casablanca" hört... :)
lg
F.

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 12 Stunden 1 hilfreich
    Re: Fluchtwege aus Frankreich zur Nazizeit

    Servus Fredun,

    nicht sehr detailliert(est), aber ein Hinweis zum Weiterkommen:

    Eine einigermaßen wichtige Linie war der Weg über die Pyrenäen > Spanien > Lisboa. Auch eine Facette von "Spain is different" - ob der sonst ziemlich bissige Kommunistenfresser Franco technisch die Mittel gehabt hätte, diesen Transitweg ganz zuzumachen, und wie das ebenfalls nicht grad antifaschistisch gesinnte Portugal zu dieser Funktion kam, entzieht sich meiner Kenntnis.


    Schöne Grüße




    MM

    • Antwort von nach 23 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Fluchtwege aus Frankreich zur Nazizeit

      Servus! nicht sehr detailliert(est), aber ein Hinweis zum
      Weiterkommen:

      Eine einigermaßen wichtige Linie war der Weg über die Pyrenäen
      > Spanien > Lisboa. Auch eine Facette von "Spain is
      different" - ob der sonst ziemlich bissige Kommunistenfresser
      Franco technisch die Mittel gehabt hätte, diesen Transitweg
      ganz zuzumachen, und wie das ebenfalls nicht grad
      antifaschistisch gesinnte Portugal zu dieser Funktion kam,
      entzieht sich meiner Kenntnis.
      Ließ nicht Simmel in seinem "Kaviar" seinen Thomas Lieven auch mal nach Lissabon gehen? Mit derselben Begründung: Lissabon sei damals sowas wie eine "freie Stadt" gewesen, in der sich alle Geheimdienste tummelten? Und eben auch viele Flüchtlinge...

      VG
      Christian

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Fluchtwege aus Frankreich zur Nazizeit

        Hallo Christian,

        keine eigentliche Aufklärung zum Thema Lissabon, aber einen Brief von Feuchtwanger, zitiert und erläutert in der Süddeutschen, und dann in den Weiten des Web gelandet:

        http://www.dada.at/wohngemeinschaft/stories/storyRea...

        Auch mit dem Namen Varian Fry (emergency rescue committee) als weiteren Anhaltspunkt. Lissabon hat anscheinend eine ähnliche Rolle gespielt wie mit umgekehrten Vorzeichen Rom als Station der "rat line" 1945.

        Schöne Grüße




        MM

  2. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Fluchtwege aus Frankreich zur Nazizeit

    Hallo,
    die meisten deutschen wurden nach Kriegsbeginn von den Franzosen in Internierungslagern gesammelt und diese dann nach dem Waffenstillstand an deutsche behörden übergeben.
    Gruss
    Rainer [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  3. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    Re: Fluchtwege aus Frankreich zur Nazizeit

    Servus
    die Flucht nach Spanien war (zur Durchreise) z. B. Juden und Katholiken gut möglich. Von dort konnte man Südamerika relativ leicht erreichen.
    Für wagemutige gab es wohl auch die Möglichkeit sich zur Fremdenlegion zu melden. Bei Verwendung in den Kolnien war man somit auch vor deutschem Zugriff sicher.
    MfG Christoph

    • Antwort von nach 2 Tagen 1 hilfreich
      Re^2: Fluchtwege aus Frankreich zur Nazizeit

      Hallo, die Flucht nach Spanien war (zur Durchreise) z. B. Juden und
      Katholiken gut möglich. Von dort konnte man Südamerika relativ
      leicht erreichen.
      Ja, wenn er /sie nicht vorher interniert wurden!!!

      gib mal bei google 'Frankreich internierungslager' ein, dann wirst Du anders darüber denken, z.B.:
      http://golm.rz.uni-potsdam.de/Seghers/frankreich/Lag...

      Zu Einzelheiten einer Flucht hier:

      http://golm.rz.uni-potsdam.de/Seghers/index.htm

      "....Nach dem Sieg der Hitlerarmeen und dem Waffenstillstand von Compiègne wurde Frankreich zur Falle für die deutschen Emigranten. Aufgrund des Artikels 19 Absatz 2 des Waffenstillstandsvertrages mußte Frankreich sämtliche Personen deutscher Herkunft ausliefern, die Deutschland nannte. Somit war das Asylrecht sowohl im besetzten Nordfrankreich als auch in der Vichy-Zone aufgehoben. Die Emigranten galten, soweit sie nicht interniert waren, als vogelfrei. Der einzige Ausweg der Nichtinternierten, aus Frankreich zu entkommen, war die Flucht über Spanien und Portugal in die USA, zu dieser Zeit das Hauptasylland. Die Einreise in die USA war allerdings mit einem komplizierten rechtlichen Verfahren verbunden. Ähnlich schwierig war zudem die Ausreise aus Frankreich. Selbst wenn man den zum Verlassen des Wohnortes notwendigen sauf- conduit erhielt, blieb kaum mehr als die Hoffnung, auch in den Besitz eines Visums zu kommen. Lediglich in Nizza und Marseille arbeiteten noch ausländische Konsulate. Der Emigrant erhielt eine zeitlich nur knapp bemessene Aufenthaltserlaubnis, vorausgesetzt, er hatte den Nachweis erbringen können, daß er sich um die Ausreise aus Frankreich bemühte. Nicht gemeldete Ausländer waren von den fast täglichen Razzien, wie sie auch "Transit" schildert, bedroht...."

      Gruß
      Peter

  4. Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
    Kannst Du französisch?

    Hallo,

    dann schau hier mal nach:

    http://resistanceallemande.online.fr/

    Es gibt sogar ein Forum in dem Du es weiter versuchen kannst.

    Das einfachste ist es, bei den exilierten deutschen und österreichischen Künstlern anzusetzen. Die haben sich alle mal in Sanary sur Mer an der Cote d'Azur getroffen. Lion Feuchtwanger ist nach seiner Internierung im Camp des Milles, einer ehemaligen Ziegelei , über Portugal ausgewandert.

    Versuche es mal bei Google mit folgenden Begriffen:

    Schriftsteller Sanary sur mer Camp des Milles

    Eine weitere Piste könnte das Schloss Chenonceaux sein. Die Galerie hinter dem Schloss war wie eine Brücke über den Cher und trennte das besetzte Frankreich vom Vichy-Frankreich. Diese Galerie wurde oft zur Flucht benutzt.

    Viel Erfolg

    Jörg-Holger

    • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
      Klasse!

      Die Seite ist super!
      Vielen Dank, genau das, was ich gebraucht habe!
      merci beaucoup
      F.

    • Antwort von nach 2 Tagen 0 hilfreich
      Re: Kannst Du französisch?

      Eine weitere Piste könnte das Schloss Chenonceaux sein. Die
      Galerie hinter dem Schloss war wie eine Brücke über den Cher
      und trennte das besetzte Frankreich vom Vichy-Frankreich.
      Diese Galerie wurde oft zur Flucht benutzt.

      Hallo

      Die Flucht über die Demarkationslinie (Grenze vom besetzten zum freien Teil Frankreichs) war aber nur bis Mitte 1943 sinnvoll. Damals wechselten die Italiener die Seite und gaben ihren Teil Frankreichs auf, somit waren die Deutschen auch im Süden Frankreichs präsent.

      Allen Interessierten hier möchte ich zwei Buchtipps weitergeben:

      "L'étrange destin d'un juif allemand" von Arnold Frank (verwandt mit Anne Frank)
      Er war unter anderem für die Fremdenlegion in Nordafrika im Einsatz, und zweimal aus deutscher Gefangenschaft von Deutschland nach Frankreich geflohen, danach wurde er Mitglied der Resistance.

      "Und sac de billes" (Ein Sack Murmeln) von Joseph Joffo (wurde auch verfilmt)
      Dies ist die Geschichte der Flucht zweier jüdischer Jungen von Paris nach Südfrankreich und ihr dortiges Überleben bis zum Kriegsende. Dieses Buch wurde anscheinend verfilmt, allerdings nicht ganz wahrheitsgetreu.

      Ich habe beide Bücher gelesen (in französischer Sprache) und fand sie sehr interessant und aufschlussreich und empfehle sie deshalb gerne weiter.



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