Hexenverfolgung
Von: , Frage gestellt am Mo, 21. Aug 2000
Um eine frühere Diskussion aufzunehmen, hier ein Artikel aus der Badischen Zeitung von heute. Interessant daran ist vor allem, dass die Leute selbst dem ausgewiesenen Fachmann nicht glauben wollen, wenn ihr bisheriges Weltbild dadurch zerstört wird. Es ist wie verhext!
Andreas
Eine Ausstellung in Endingen: Hexenverfolgungen gab es nicht nur im 'finsteren Mittelalter'
Anna Trutt, 1752 als Hexe verbrannt
Von unserer Mitarbeiterin Ruth Seitz
ENDINGEN. Sie wurden denunziert und der Buhlschaft mit dem Teufel bezichtigt, gequält, gefoltert und verbrannt - tausende von
Menschen, meistens Frauen, starben im Laufe der Geschichte als Hexen angeklagt, einen grausamen Feuertod. Eine Ausstellung in
Endingen widmet sich nun diesem heiklen und sehr sensiblen Thema, erinnert an die Menschen, die diese Qualen erdulden mussten.
Konzipiert haben diese Ausstellung der Bielefelder Rechtswissenschaftler Wolfgang Schild und Jürgen H. Koch, die bereits mit der Ausstellung über die 'Folter im Mittelalter' im vergangenen Jahr Aufsehen erregt hatten.
Keine Sensationen, nichts Reißerisches, keine voyeuristischen Einblicke - mit ihrer Ausstellung spüren die beiden der Frage nach, wie all das geschehen konnte, "etwas das eigentlich unfassbar war", wie Jürgen Koch betonte.
Am Beispiel der Anna Trutt, die als Hexe verurteilt im Jahr 1752 in Endingen auf dem Scheiterhaufen einen qualvollen Tod starb, spüren die Ausstellungsmacher in vier Kulissen dem Leben der Menschen nach, die der Hexerei bezichtigt und schließlich hingerichtet wurden.
Ausführliche Infotafeln begleiten den Besucher bei seinem Gang durch die Ausstellung, in der auch Origalschriftstücke von Hexenprozessen zu sehen sind, alte Sicheln, mit denen die der Teufelsbuhlschaft angeklagten Frauen Kräuter abgeschnitten haben und ein "Hexengürtel" aus dem Jahr 1619. Dieser Gürtel soll einen zehnjährigen Jungen des Nachts in einen Hasen verwandelt haben - auch das Kind wurde damals auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Beim Eröffnungsvortrag des Bielefelder Rechtswissenschaftlers Wolfgang Schild ging es in der anschließenden Diskussion vor allem um die Frage, welche Rolle der Kirche bei der Hexenverfolgung zukam. Einige Zuhörer warfen dem Rechtswissenschaftler vor, die Kirche in seinen Ausführungen
zu sehr geschont zu haben. Schild hatte in seinem Vortrag mehrfach darauf hingewiesen, dass es auch Kirchenmänner gegeben habe, die sich gegen den Hexenwahn gewandt hätten und dass die Verfolgung der als Hexen angeklagten Menschen aufgrund einer weltlichen Strafgesetzgebung vor sich ging.
Die neuesten Forschungen von Historikerinnen, die Schild zitierte, wonach es oft Frauen gewesen seien, die andere Frauen der Hexerei bezichtigten, rief bei einigen Zuhörerinnen massiven Protest hervor.
Außerdem wies der Historiker die gängige Auffassung, dass die Hexenverfolgung Ausdruck finsteren Mittelalters sei, mit Nachdruck zurück. Der Höhepunkt der Hexenverfolgungen liege im 17. Jahrhundert - und dies sei eindeutig nicht mehr Mittelalter.
Die Ausstellung über die Geschichte der Hexenverfolgung im Alten Wagenmannkeller bei der Martinskirche in Endingen ist bis 31.
Oktober, jeweils mittwochs und freitags von 17 bis 21 Uhr, sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Weitere Infos
beim Kaiserstühler Verkehrsbüro, Tel: 07642/689990.
