Hallo miteinander,
Bei der Frage sind ein paar Dinge miteinander verwechselt:
1. Das Angelus-Läuten am Morgen, Mittag und Abernd: Das ist gedacht als eine Art Anwendung des klösterlichen Stundengebets für die Laien:
Am Morgen (bezeugt seit 1317 aus Parma) sollte an die Auferstehung am Ostermorgen gedacht werden,
am Mittag (bezeugt seit 1386 aus Prag) an die Kreuzigung Christi,
am Abend (bezeugt seit 1307 aus Gran, 1327 Rom) an die Geburt Christi am Heiligen Abend.
2. Das „Angst-Läuten” zum Gedächtnis der Todesangst Christi am Ölberg in der Nacht seiner Gefangennahme;
Mancherorts heute noch am Donnerstag nach dem Abendläuten üblich mit einer besonderen Glocke,
auch das Läuten am Freitagnachmittag um drei Uhr soll an den Tod Christi „um die neunte Stunde” (römischer Zählung) erinnern;
mancherorts war es auch/zusätzlich eine Stunde nach Sonnenuntergang üblich zum Gedächtnis an die Verstorbenen („Arme-Seelen-Läuten”), heute noch mancherorts üblich mit der Arme-Seelen-Glocke nach dem Abendläuten;
[oft verwechselt mit dem Glockensignal im Mittelalter zum Igne-tegium (Löschen des Feuers) nach Einbruch der Dunkelheit, also so gegen neun und zehn Uhr Abends (wo nicht der Nachtwächter dazu aufrief)].
3. Das „Türkenläuten” als Gebetsruf gegen die Türkengefahr;
wiederholt von kirchlichen Synoden dekretiert; erstmals in Prag 1386,
seit 29.6.1456 durch Papst Calixtus III. vorgeschrieben täglich zwischen den Stundengebeten Non und Vesper (also gegen 17.00 Uhr);
allgemein geboten von Papst Benedikt XIV. (23.12.1740) und wieder von Pius XI. (für Freitag 15.00 Uhr).
Die Türkengefahr sah man im Abendland im 14. Jh., spätestens als sie unter Muhrad I. nach Europa herüberkamen und 1361 Adrianopel zu ihrem ersten Stützpunkt machten. Ins gleiche Jahrhundert fällt ihr Sieg auf dem Amselfeld (1389), durch den sie Bulgarien, Mazedonien und den Süden von Serbien gewannen. (Die heutige Kosovoproblem geht darauf zurück!). Dadurch und seitdem sah das christliche Europa die Türkengefahr. Wiederholt berieten Reichstage als „Türkentage” darüber.
So viel aus der Geschichte und der Volkskunde zum Thema.
Schöne Grüße!
H.