Gebiete mit römischer Besatzung

Von: , Frage gestellt am Di, 12. Sep 2006

Wie nannten die Römer die besetzten Gebiete in Mitteleuropa? Hatten sie
einen Namen dafür?
Alexander

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 53 Minuten 3 hilfreich
    Re: Gebiete mit römischer Besatzung

    Wie nannten die Römer die besetzten Gebiete in Mitteleuropa?
    Hallo Alexander,
    unsichere Kantonisten (in Italien) bekamen eine römische Besatzung oder es wurden bei ihnen römische Kolonisten oder Heeresveteranen angesiedelt. Eine solche Stadt hieß in der Regel municipium.
    Der übliche Ausdruck für ein unterworfenes (oder ein durch Erbschaft an Rom geratenes) außeritalisches Gebiet war seit der Eroberung Siziliens "provincia". Die Sizilier - oder jedenfalls viele von ihnen - waren stolz darauf, die "prima provincia populi Romani" zu sein.
    Durch eine "lex provincialis" gaben die Römer (d. h. der Senat) der P. eine Verfassung, die in der Regel auf die Kultur und die Tradition Rücksicht nahm, wenn es sich nicht um besonders renitente Völker handelte.
    Das Römische Reich war aber kein einheitlicher Herrschaftsverband, sondern bestand dadurch, dass jedes auswärtige Volk einen eigenen Vertrag mit Rom hatte, die Völker untereinander aber keine Verträge (das Prinzip "divide et impera!"); die Verträge mit diesen Büdnispartnern waren aber nicht alle gleich: manche der socii/foederati hatten Selbstverwaltung, teilweise römisches Bürgerrecht, andere mussten sich erst dazu empordienen, indem sie durch Wohlverhalten im Lauf der Zeit die von Rom eingesetzte Verwaltung abwendeten.
    Hinsichtlich des römischen Bürgerrechts ist zu sagen:
    1. Es ist weder ein Geblüts-, noch ein Stammesrecht, sondern beruht auf der Verleihung des Rechtsstatus römischer Bürger;
    2. Es war nicht "exklusiv" (wie etwa in Athen, wo man durch Definition die Zahl der Bürger verringerte), sondern wurde großzügig an Provizuntertanen vergeben; Kaiser Caracalla verlieh es 212 durch die constitutio Antonina allen freien Reichsuntertanen.
    Gruß!
    H.

  2. Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
    'Mitteleuropa' - ein kolonialistischer Begriff

    Weil wir hier in einem Forum für Geschichte sind, erlaube ich mir, eine
    Anmerkung zur Verwendung geografischer Begriffe zu machen:

    Meinst du die römischen Gebiete in 'Westeuropa'? Immer noch wird für
    Gebiete westlich Oder - Neisse der Begriff 'Mitteleuropa' verwendet. Er
    stammt aus dem Brockhaus von 1912 und ist deshalb als kolonialistisch
    zu werten. Er bezeichnet die östlichen (minderwertigen) ZWEI DRITTEL
    von Europa politisch ebenso unkorrekt als 'Osteuropa'.

    Also:
    Westlich Oder-Neisse: Westeuropa
    Östlich Oder-Neisse bis russische Grenze: Zentraleuropa
    Östlich russische Grenze bis Ural: Osteuropa

    In bezug auf das afrikanisch-asiatisch-europäische kolonialistische
    römische Mittelmeerreich lag Germanien im Norden ...

    • Antwort von nach einem Tag 3 hilfreich
      Re: 'Mitteleuropa' - ein kolonialistischer Begriff

      Er stammt aus dem Brockhaus von 1912 und ist deshalb als
      kolonialistisch zu werten.
      Was ist denn das für eine kuriose Argumentation? Ein Begriff ist 'kolonialistisch' (was ist überhaupt ein 'kolonialistischer Begriff'?), weil er im Brockhaus von 1912 steht?? Er bezeichnet die östlichen (minderwertigen) ZWEI
      DRITTEL
      von Europa politisch ebenso unkorrekt als 'Osteuropa'.
      Zwei Drittel von Europa sind 'minderwertig'??? Sagt wer??? Du?
      Und was genau ist an dem Begriff 'Osteuropa' politisch unkorrekt? Also:
      Westlich Oder-Neisse: Westeuropa
      Östlich Oder-Neisse bis russische Grenze: Zentraleuropa
      Östlich russische Grenze bis Ural: Osteuropa
      Sagt Wer??? Du? Und inwiefern ist 'Zentraleuropa' politisch korrekter als 'Mitteleuropa'? Russland als osteuropäisch zu bezeichnen, ist politisch korrekt, bei Weissrussland ist es politisch unkorrekt und kolonialistisch?

      Es geht doch bei diesen Begriffen weniger um geographische Räume als um kulturelle. Und da gibt es nun einmal einen slawisch geprägten Kulturraum im europäischen Osten und Südosten, einen weitgehend romanischen im Westen und Südwesten (mit der wichtigen Sonderrolle Englands und Irlands) sowie den skandinavischen Raum im Norden. Zwischen all diesen Räumen ein von deutscher Sprache und Kultur geprägter Raum.

      Die Grenzen zwischen diesen Räumen sind notwendig diffus; sie sind in kultureller Hinsicht ebenso wenig scharf voneinander abzugrenzen wie geographischer Hinsicht. Sie sind auch nicht notwendig deckungsgleich mit Sprachgrenzen - es gibt gute Gründe, etwa Polen und Tschechien eher dem mittel- als dem osteuropäischen Raum zuzuordnen. In bezug auf das afrikanisch-asiatisch-europäische
      kolonialistische
      römische Mittelmeerreich lag Germanien im Norden ...
      Das ist das einzige in Deinem Posting, was einigermaßen hinhaut - auch wenn der Begriff 'kolonialistisch' hier anachronistischer Unfug ist. Rom hatte zwar Kolonien, aber die hatten mit den Kolonien der Neuzeit ebensowenig etwas zu tun wie diese wiederum mit den Provinzen des römischen Imperiums.

      Freundliche Grüße,
      Ralf

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re: 'Mitteleuropa' - ein kolonialistischer Begriff

      By Jove,
      für mich war Mitteleuopa immer nur ein geographischer Begriff. West-,
      Süd-, Ost- und Nordeuropa analog. Was der Brockhaus von 1912 dazu
      sagt, ist mir schleierhaft. Vielleicht wurde in der neuesten Ausgabe
      inzwischen der Begiff "Mitteleuropa" neu überarbetet und neu
      definiert. Interessant wäre jezt der Eintrag vom Brockhausii Romana.
      Übrigens hatten damals die Römer Mittel- und Westeuropa kolonisiert.
      Daher bleibts einfach kolonialistisch.
      Mit Gruss ins SchweizerLand, Alexander


      _______________
      MOD: überflüssiges Zitat des beantworteten Artikels entfernt

    • Antwort von nach 15 Tagen 0 hilfreich
      Re: 'Mitteleuropa' - ein kolonialistischer Begriff

      Hallo Weil wir hier in einem Forum für Geschichte sind, erlaube ich
      mir, eine
      Anmerkung zur Verwendung geografischer Begriffe zu machen:

      Meinst du die römischen Gebiete in 'Westeuropa'? Immer noch
      wird für
      Gebiete westlich Oder - Neisse der Begriff 'Mitteleuropa'
      verwendet. Er
      stammt aus dem Brockhaus von 1912
      Der Begriff mag ja in genannter Quelle auftauchen, doch hat ihn wirklich der Brockhaus erfunden und wie sagte man vorher?

      Die Verwendung der Oder-Neisse-Grenze scheint mir in diesem Fall überhaupt fehl am Platz. (Ich erkenne diese Grenze als heutige Staatsgrenze innerhalb der EU voll an.) Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie 1912 im Brockhaus verwendet wurde. Eher vermute ich, dass Mitteleuropa im kalten Krieg dort im Sinne der Politik zu Ende war.
      Vorher reicht der deutsche, im Sinn der allgemeinen Terminologie eindeutig Mitteleuropäische Kulturraum weit über Oder und Lausitzer Neisse nach Osten. Auch die mitteleuropäische Landschaft der variskischen Mittelgebirge, im Gegensatz zur russischen Tiefebene ist dort zu finden. Polen ist also ebenso wie Tschechien MITTELEUROPA.


      und ist deshalb als kolonialistisch
      zu werten.
      Europa war 1912 aber keine Kolonie.

      Er bezeichnet die östlichen (minderwertigen) ZWEI DRITTEL
      von Europa politisch ebenso unkorrekt als 'Osteuropa'.
      Die Minderwertigkeit unterstellst Du. Ist die Bezeichnung "Ost" politisch inkorrekt per se?
      Also:
      Westlich Oder-Neisse: Westeuropa
      Östlich Oder-Neisse bis russische Grenze: Zentraleuropa
      Östlich russische Grenze bis Ural: Osteuropa

      In bezug auf das afrikanisch-asiatisch-europäische
      kolonialistische
      römische Mittelmeerreich lag Germanien im Norden ...
      Gruß C

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