Hallo Franz,
danke fuer die ausfuehrliche Antwort. Diese Inhaltsangaben helfen mir leider nicht wirklich weiter und weil das Thema erst am Ende des Semesters kam ist es nun auch zu spaet um das Buch von Kracauer zu bestellen bw. zu lesen.
Um 'Metropolis' geht es hier nicht, der Dozent meint Murnau war der 'groessere' Regisseur. Lang kommt an ihn nicht heran. Und 'Caligari' hat halt die expressionistischen Filme gestartet.
Leider ist das 'mangelhafte' Buch aber nun mal die Grundlage fuer die Pruefung.
Trotzdem danke,
was ein klarer Mangel des Fachbuches ist, denn man kann
diese Zusammenhänge so sehen, man könnte aber auch genau
anders rum einen Film wie den Caligari -so wie die Nazis auch-
als "entartete Kunst" betrachten ...
Anders gesagt: ohne zu sagen, aus welcher Perspektive man
diese Aussage trifft, macht die Aussage sinnlos.
Die klassische Studie schlechthin, auf die Dein Buch wohl auch
anspielt, ist Kracauers "Von Caligari zu Hitler" von m.W.
1947:
http://www.amazon.de/Caligari-Hitler-psychologische-...
Leider finde ich im Netz auf die Schnelle keine Inhaltsangabe,
am ehesten vielleicht noch hier:
http://www.thies-albers.de/seminar/filmsoziologie/PD...
in kritischer Ablehnung hier:
http://www.satt.org/film/00_12_caligari_1.html
oder eine teilweise "Anwendung" hier:
http://www.ilmondodisofia.it/archiviotesi/lingue/01l...
(Text ist auf deutsch!)
Wenn es Dir aber nicht speziell um den Caligari geht, sondern
um den Expressionismus, dann würde ich dir "Metropolis" ans
Herz legen, denn da ist nicht nur die Ästhetik des Films (wie
laut Kracauer und anderen beim Caligari), sondern da ist recht
klar ersichtlich das Sujet selbst ganz eindeutig faschistisch
(zumindest in der Lesart, in der die Nazis selbst den Film
sich angeeignet hatten).
Pathetisch könnte man mit Hegel sagen, dass in "Metropolis",
also am Ende des Expressionismus", dessen Wesen zur
Erscheinung kommt, also seine Formmerkmale Gehalt werden ;-)
Hier könnte ich die Vorlesung von Prof. Decker an der Uni Kiel
empfehlen, die es zum kostenlosen Download gibt:
http://www.literaturwissenschaft-online.uni-kiel.de/...
In dieser Vorlesung geht es nicht speziell um den
faschistischen Gehalt des Films, aber er wird dort klar
ersichtlich;
copy&paste-Auszüge aus meiner Mitschrift zur Vorlesung:
Metropolis als der teuerste Film der ufa-ever -> er trieb
die ufa in den Ruin bzw. zur Aktienübernahme durch Alfred
Hugenberg
-> als Metropolis uraufgeführt wurde, war die ufa schon in
der Hand Hugenbergs, aus der Uraufführung wurde eine Staatsakt
Drei Schichte: oben (Führerschicht; Technokratie) – unten
(vollkommen entindividualiserte Arbeiter) – ganz unten
(Katakomben; Maria; Mittler-Ebene)
Leitformel: „Mittler zwischen Hirn und Hand muss das Herz
sein“
-> das Herz als Metapher für die emotionale Bande zwischen
Arbeiterschaft und Führung wird in en oppositionellen
Gegensatz von Arbeitern und Führern eingeführt
-> damit wird der hierarchische Gegensatz zementiert statt
aufgelöst
-> die gesellschaftlichen Gruppen werden durch die
Vermittlung auf ein größeres Ganzes, den Bestand der
Gesellschaft verpflichtet
zentrale Botschaft des Film: die Klassen-Grenzen müssen
kommunikativ überwunden werden
-> und zwar eben durch Freder und Maria, Priester- und
Erlöserfiguren
durch die Personifizierung von Metropolis werden die
gegensätzlichen Klassen zu Teilen eines größeren Ganzen
-> zur einer Person gehören nicht nur Hirn und Hand, auch
das Herz
-> dadurch wird auch der Klassengegensatz naturalisiert, in
das Wesen der Welt gelegt, zu unhistorischen, unwandelbaren
Größen gemacht -> anti-Revolution
Losung: Der Klassengegensatz kann nur durch vermitteltes
Kommunizieren zwischen den Klassen unschädlich gemacht werden
Metropolis geht um die Disziplinierung des Menschen, z.B. der
Arbeiter, im idealen Fall um die Selbstdisziplinierung wie im
Fall Freders, dessen Beziehung zu Maria keine
leidenschaftlich-erotische ist, sondern eine ent-erotisiserte
Zweckbeziehung für die „Vermittlung“
Freder muss als Erlöser-Christus-Figur seinen Körper aufgeben,
als anderer weidergeboren werden nach dem Kreuzes-Opfer-tod an
der Zeit-Maschine und der Auferstehung in den Katakomben
-> Befreiung Freders von seinem Körper, seiner Sexualität
das Sexuelle ist das Maschinenhafte, etwas Unmenschliches; die
Roboter-Maria tanzt im Nachtclub, während die menschliche
Maria eine nicht-sexuelle, mütterliche ist
die Auflösung der gesellschaftlichen Ordnung droht durch die
Entfesselung der sexuellen Triebe, wie die todbringende
Roboter-Maria zeigt
Mythen im Film:
christliche und biblische Mythen: Christus, Moloch, Babylon,
Turmbau zu Babel, Vertröstung der leidenden Arbeiter auf den
Erlöser
-> dies kann vom Film heraus auch auf den Film selbst
übertragen werden: als ideologische Beeinflussung der Massen
im Dienste der Aufrechterhaltung der bestehenden Ordnung
Und ähnliches sieht eben Kracauer auch am Caligari bzw.
allgemein am Expressionismus, aber eben vornehmlich in der
Form des Films, nicht im Gehalt wie hier.
Viele Grüße
Franz