Re: Demokratie: Weder Hungersnot noch Krieg?
Hallo Peter,
na ja, dahinter steckt natürlich eine derzeit modische Idee, derzufolge Demokratie, wie wir es verstehen, das Maß aller Dinge ist. Demokratien haben weniger Kriege geführt und weniger Hungersnöte erlitten. Aber nicht unbedingt, weil sie Demokratien waren sondern einfach, weil die Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen in diesen Gebieten mehr oder weniger vorbei war und die Wirtschaftsleistung gleichzeitig so hoch, dass eben keine Hungersnöte vorkamen. In beiden Fällen abgesehen von Einzelfällen. England hat mehr als einen Krieg geführt. Wie bereits in einem anderen Posting erwähnt, gegen die USA, die ja auch Demokratie waren. Gegen Ägypten, dass sich gerade erst aus der Monarchie befreit hatte (hier waren auch die anderen Demokratien Frankreich und Israel beteiligt). Die Demokratie Frankreich hat im Algerienkrieg die Unabhängigkeitsbewegung, die eine souveräne algerische Demokratie schaffen wollte, niedergebombt (was wiederum den sozialistischen Flügel der FLN stärkte).
Es ist also nicht so, dass Demokratien in diesem Punkt erhaben wären. Vor allem, da es sich in den meisten Fällen um westliche Industrienationen handelt, zogen die immer mit enormem Material und Technikeinsatz in den Krieg, der sich dann in der Opferanzahl beim Gegner niederschlägt (Beispiel wiederum Algerien. 18000 gefallene franz. Soldaten, aber selbst die Franzosen geben mindestesn 350000 Opfer auf algerischer Seite, größtenteils Zivilisten, an. Die Algerier gehen eher von einer Million aus).
Was die Hungersnöte angeht ... Irland 1910, Türkei 1920. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 war in den meisten betroffenen Ländern auch schon sehr dicht dran. Gerade in diesem Punkt (Hungersnöte) kann ich nicht sehen, dass sich Demokratien irgendwie speziell außerhalb der normalen Parameter der wirtschaftlichen Entwicklung verhalten würden.
Gruß
Peter B.
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