Das gute Alphabet

Von: , Frage gestellt am Mo, 11. Dez 2000

Hallo,

könnt ihr mir sagen, wer eigentlich das Alphabet erfunden hat?

Mich würde interessieren, ob es diverse Erfindungen an verschiedenen ORTEN gab, oder nur ein einziges, aus dem sich die anderen entwickelt haben?

Zusatzfrage: Wie ist man auf die Reihenfolge gekommen?

Many thanks

Jerry

10 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden hilfreich
    Re: Das gute Alphabet

    Hallo,
    Alphabet ist die Folgereihe der in einer Sprache angewandten Buchstaben. Es ist nach den beiden ersten Buchstaben(Alpha, beta) der griechischen Zahlenreihe benannte Buchstabenreihe, aus der sich das deutsche Alphabet(auch Abc) entwickelt hat. Es kann auch sein, dass das Phönizische eine Rolle dabei gespielt hat, hier bin ich mir aber nicht sicher.
    Gruss
    Rainer [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 6 Stunden 1 hilfreich
    Re: Das gute Alphabet

    Hallo Jerry,

    so ganz hat man das Rätsel um die ursprüngliche Herkunft des Alphabets bis heute nicht gelöst. Jedoch forscht man eifrig weiter. Fest steht zumindest, dass es bereits im 17. - 16. Jhdt. v. Chr. ein erstes bekanntes Alphabet in Palästina gab. Dann in Folge um 1000 v. Chr. erste alphabetische Inschriften der Phönizier im Mittelmeerraum.

    Unter den nachfolgend genannten links, findest Du sicher noch sehr viel mehr Wissenswertes;-)

    http://www.sgh.bb.bw.schule.de/seminarkurs/gesch/sch...
    http://www.adhoc.at/sprache.htm
    http://www.biu.ac.il/JS/Carlebach/alef-bet/wquelle.html

    Ein überaus lesenswertes Buch zu diesem Thema - allein der Entstehung des Alphabets sind 10 Seiten
    gewidmet – ist:
    Andrew Robinson: Die Geschichte der Schrift ISBN 3-258-05373-1 [Buch anschauen]

    Gruss
    Eve*

  3. Antwort von nach 12 Stunden hilfreich
    Re: Das gute Alphabet

    Schauen Sie mal im Brett: Fremdsprachen, das Posting: Liste der meistgesprochenen Sprachen.
    Beste Grüße
    Fritz Ruppricht

  4. Antwort von nach 2 Tagen hilfreich
    Re: Das gute Alphabet

    Hi,

    Ugarit in Syrien, cc. 14Jh. v. Chr hat in Keilschrift das erste Alphabet aufgezeichnet- ist heute im Museum von Damaskus. Zeitgleich wurde ein ähnliches in Byblos/Libanon gefunden.
    Uff, zu dem Tehma gäbs noch vieles zu schreiben...
    Bei Interesse mach ich weiter.

    Salut

    Nina [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 3 Tagen hilfreich
      Re^2: Das gute Alphabet

      Hallo,

      danke für Eure hilfreichen Antworten!

      Es scheint also so zu sein, dass das Alphabet an mehreren Orten gleichzeitig "erfunden" worden ist.

      Aber mich würde noch interessieren, wie man auf die Reihenfolge der Zeichen und auch grundsätzlich die Zeichen selbst gekommen ist! Außerdem: Welches Alphabet hat von welchem abgekupfert?

      Jerry

  5. Antwort von nach 2 Tagen 3 hilfreich
    Re: Das gute Alphabet

    Leider hat meine Schwester das Buch

    "Universalgeschichte der Schrift"

    ausgeliehen, da findet sich sicher auch was darüber. Wenn Du Deine Schritte in die nächste Stadtbibliothek lenken würdest, könntest Du es sofort nachlesen.
    Weiterer Tip.
    Die Cambridge Enzyclopedie der Sprachen, müßt dort auch zu finden sein.

    Gandalf

  6. Antwort von nach 4 Tagen 5 hilfreich
    Bilderschriften und Alphabete

    Alle Formen, gesprochene Sprache in reproduzierbaren (und im Umfang endlichen) Zeichensätzen zu normieren, gehen auf Piktogramme und Ideogramme zurück, also auf bildliche Darstellungen von Gegenständen und abstrakten Begriffen.

    Neben Knoten"schriften" (wampum in Nordamerika, quipus in Peru), die eine andere Geschichte haben, sind piktographisch/ideographische Schriften (mit begrenztem Zeichenvorrat) entwickelt worden in Sumer, Agypten, Zypern, Kreta, auf der Sinaihalbinsel, in Harappa, China, auf den Osterinseln, sowie bei den Mayas und Azteken.

    Die Entwicklungsgeschichte der Schriften muß jeweils berücksichtigen, was genau diese einzelnen Zeichen bedeuten: ob ein komplettes Wort, oder eine Silbe, oder einen einzelnen Laut, oder andere sprachliche Komponenten, die für eine Darstellung hier zu kompliziert sind.

    Die sumerischen Piktogramme (ca. 2500 v.Chr.) wurden von den (aus der arabischen Halbinsel eingewanderten) semitischen Akkadern übernommen, um ihre (gänzlich verschiedene) Sprache damit zu reproduzieren. Das war die Grundlage, diese Zeichen als Lautschrift zu abstrahieren. Sie wurde nach und nach von den Sumerern und Akkadern, später von den Babyloniern und Assyrern in Keilschrift-Konventionen verwandelt. Die Keilschrift der (altpersichen) Achämeniden (600 .. ca. 300 v.Chr.) war davon abgeleitet.

    Die ägyptischen Hieroglyphen (um Verwiirung zu vermeiden, sollte man nur diese "Hieroglyphen" nennen) waren im Mittleren Reich auf einen Zeichenvorrat von ca 700 normiert. Dabei sind reine Piktogramme (die genau das bedeuten was sie darstellen) aber reine Lautzeichen (nur Konsonanten! und zwar 24), aber auch Zeichen für Doppelkonsonanten (ca 100) sowie Dreifachkonsonanten.
    Diese Lautzeichen entstanden (zunächst) dadurch, daß die zu den Bildern gehörigen Wörter den gleichen Laut wiedergaben wie andere Wörter. Ein analoges Beispiel: wir bilden ein Zeichen, das (erkennbar) ein Auge darstellt, auf englich "eye". Dasselbe Zeichen kann nun verwendet werden, um das englische "I" (ich) wiederzugeben. Auf diese Weise entstanden nach und nach Zeichen, die reine Lautwerte repräsentierten, die aber keine piktografische Wertigkeit mehr hatten.

    Wichtig aber, daß diese Lautzeichen nur einen Teil des Zeichenvorrats bilden. Dasselbe gilt für Silbenschriften anderer Kulturen. Immer sind zahlreiche andere (1 Zeichen = 1 Wort) dabei.

    Anders entwickelte sich die chinesische Schrift. Das klassische Chinesisch hatte Ausschließlich Ein-Silben-Wörter. Hier wurden Zeichen zu komplexeren Zeichen kombiniert (allerdings auch hier solche, die Affixe wiedergeben). Bei einem Zeichenvorrat von über 60000 Zeichen war es notwendig, nach und nach deren Strichfolge zu normieren, so, daß dann mit einem Satz von 214 "Radikalen" alle anderen kombiniert werden konnten. Die Radikale werden nach der Anzahl der Einzelstriche geordnet, wobei die einfachsten aus 1 Strich bestehen und das komplexeste aus 19 (!) Strichen. Die Erfindung der Radikale (ich glaube ca. 200 v. Chr.) macht es heute überhaupt möglich, ein Zeichen im Lexikon zu finden.

    Aus einer sog. proto-semitischen Bilderschrift, die man auf der Sinai-Halbinsel fand (Sinaischrift), und die man auf älter als 1500 v.Chr. datiert (aktuellere Datierungen weiß ich nicht),
    entwickelten sich die meisten reinen Buchstabenschriften, die man Alphabetschriften nennt (warum, ist schon hier gemailt worden). Falls es stimmt, daß auch die indische Devanagari (über das Sabäische aus der Brahmi entstanden) darauf zurückzuführen ist, dann haben wir hier die Quelle von ALLEN reinen (!) Buchstabenschriften.

    Das eigentümliche dieser Schrift war, daß die Zeichen den Lautwert des Anfangsbuchstabens (!) des Wortes repräsentieren, für das sie ein Bild waren. Darwinistisch könnte man sagen, daß darin das enorme Überlebens- und Verbreitungspotential bestand, denn man konnte es in ALLEN Sprachen benutzen - selbstverständlich bis auf Lautwerte, die es in anderen Sprachen nicht gab und bis auf Lautwerte anderer Sprachen, die die semitischen Sprachen nicht hatten.

    Die ursprünglichen Zeichen wurden über viele Entwicklungsstufen vereinfacht und variiert. man muß sich das so vorstellen, daß es Zwischenstufen gab, die ihrerseits wieder eine "Verteiler"funktion hatten, von denen sich andere Schriften spezialisierten.

    Hier einige Beispiele von "Verzweigungen" und Ableitungen von Schriften (NICHT von den zugehörigen Sprachen!!):

    Protosemitisch -> Aramäisch, Phönizisch, Sabäisch
    Sabäisch -> Äthiopisch, Brahmi
    Brahmi -> Devanagari (für Sanskrit)
    Devanagari -> Mongolisch, Tibetisch, Javanisch, Malaiisch etc.
    Aramäisch -> Hebräisch, Nabatäisch, Griechisch, Awestisch
    Nabatäisch -> Arabisch
    Arabisch -> Türkisch (bis 1928), Persisch
    Griechisch -> Kyrillisch, Armenisch, Etruskisch
    Etruskisch -> Lateinisch, Runen
    Lateinisch -> alle europäischen Alphabete

    So, das wärs für heute
    Grüße
    M.G.

    • Antwort von nach 6 Tagen hilfreich
      Re: Bilderschriften und Alphabete

      Aus einer sog. proto-semitischen Bilderschrift, die man auf
      der Sinai-Halbinsel fand (Sinaischrift), und die man auf älter
      als 1500 v.Chr. datiert (aktuellere Datierungen weiß ich
      nicht),
      entwickelten sich die meisten reinen Buchstabenschriften, die
      man Alphabetschriften nennt (warum, ist schon hier gemailt
      worden). Falls es stimmt, daß auch die indische Devanagari
      (über das Sabäische aus der Brahmi entstanden) darauf
      zurückzuführen ist, dann haben wir hier die Quelle von ALLEN
      reinen (!) Buchstabenschriften.
      Sehr interessante Darstellung, in der Tat. Kurze Nachfrage zu diesem Abschnitt: Gilt das auch für das Mchedschuli-Alphabet des Georgischen?

      Gruß, Kubi

      • Antwort von nach 7 Tagen 1 hilfreich
        auch georgische Alphabete

        Sehr interessante Darstellung, in der Tat. Kurze Nachfrage zu
        diesem Abschnitt: Gilt das auch für das Mchedschuli-Alphabet
        des Georgischen?

        Gruß, Kubi
        Ja, die mchedruli (Kriegerschrift) entwickelte sich im 10. Jh. aus älteren Formen, die im 5. Jh. von christl. Missionaren aus griechischen und aramäischen Schrifttypen entwickelt wurden. Dasselbe gilt für die Sakralschrift chucuri. Sie kommt aus einer griechischen Unziale....

        Gruß M.G.



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