Re: die goldenen, goldenen 20er
Hallo Adam,
zu den genannten Gründen, möchte ich noch folgenden Gedanken hinzufügen:
Nach dem Krisenjahr 23 kam's in Deutschland zu dem enormen wirtschaftlichen Aufschwung der "Goldenen 20er". Der wurde allerdings in der Tat durch die, nach dem Börsenkrach zurückgeforderten, amerikanischen Kredite fremdfinanziert. Jedenfalls zu großen Teilen. Diese Kredite sind also NICHT nur für die Rückzahlung von Reparationen verwendet worden, sondern viel mehr für Investitionen in Industrie und Landwitschaft, Herrichtung von Städten und Gemeinden durch den Bau von kommunalen Einrichtungen wie Schwimmbädern, Schulen, Wohnungen.
Es ging also vor allem auch um den Wiederaufbau der deutschen Volkswirtschaft (die auch ohne Reparationen ziemlich angedätscht gewesen wäre). Das Problem dabei war nur, dass dieser Wiederaufbau in einem Maße und mit einem "Aufschwungsglauben" betrieben wurde, der wie wir im Nachhinein schlau feststellen können, völlig unangemessen war. Tatsächlich gab's schon vorher warnende Stimmen (Keynes wurde schon erwähnt), und Anzeichen einer Rezession wurden fröhlich ignoriert (man glaubte, dass die Wirtschaft einem Zyklus folge, in dem jedem Abschwung auch ein Aufschwung folge... selbstregulierende Kräfte des Marktes).
Zumindest in der Krise ab 1929 und in den frühen 30ern spielten die Reparationen jedoch bestimmt nicht mehr DIE tragende Rolle, sondern es wirkten eine Reihe von Umständen (allgemeine Weltwirtschaftskrise, Staatsverschuldung, Deflationspolitik Brünings etc.).
Die Idee, dass alle wirtschaftlichen Krisen auf die Reparationen und den Versailler Vertrag zurück gehen, ist dann allerdings gerne in der Politik als Argument mancher Parteien genutzt worden. Und die Leute wollten natürlich gerne glauben, dass alles was schief geht die Schuld der anderen ist.
Viele Grüße von Kati
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