Deschner vs. Christentum

Von: , Frage gestellt am Mo, 14. Jul 2008

Hi.

Kürzlich wurde im Religions-Brett meine Behauptung, das Christentum habe sich in Europa durch Gewalt verbreitet, von einem christlich orientierten Debattanten als „Stammtischparole“ abqualifiziert. Abgesehen davon, dass ich hätte hinzusetzen sollen: „im wesentlichen“, halte ich aber jene Parole für haltbar. Ich stütze mich dabei auf Deschner, der zwar von vielen seiner Gegner (aus dem christlichen Lager) als einseitig polemisch bewertet wird, dem aber meines Wissens nie ein geschichtswissenschaftlicher Fehler nachgewiesen werden konnte. Der Münchner Philosophieprofessor Stegmüller hält ihn für den „wichtigsten Kirchenkritiker“ des 20. Jhd.

Meine Frage also: ist Deschners Position (die ich in jene Formel kleidete) in ihrer Radikalität haltbar oder nicht?

Ich biete hier einige Zitate zum Thema an. Der Knackpunkt dabei ist die Person Chlodwigs I., dem ersten großen Initiator der Christianisierung Europas.

Vorab als Vorgeschmack ein paar Zeilen, wie frühe Christen in Mitteleuropa mit ihren Konkurrenten umsprangen:

„So vernichteten Trierer Christen bereits um 336 den großen Tempelbezirk im Altbachtal, vermutlich auf Initiative des Ortsbischofs... und des damals in Trier lebenden Hl. Athanasius. 50 Kapellen mit nordischen Göttern, ein Theater für Kultspiele und ein Mithrasheiligtum wurden dem Erdboden gleichgemacht. In Bonn zerschlug man Weihealtäre der aufinianischen Matronen.... usw. usf.“ (Kriminalgeschichte des Christentums, IV, 40)

Nun zu Chlodwig dem Ersten (466-511): so schreibt Deschner, dass „ethisch gesehen, unter dem Gesichtspunkt von Menschenrechten... Chlodwigs Laufbahn nichts anderes gewesen (ist) als der kometenhafte Aufstieg eines Gangsters, eines Staats- und Starbanditen... Verbündet mit verschiedenen Bruderstämmen, dehnte Chlodwig das salische Teilreich ... durch Raub, Mord, Krieg ... immer weiter aus.“ (KdChr, IV, 52).

„Ein so kriegslustiges Volk, dem überdies der Ruf der Treulosigkeit anhaftete, war für den christlichen Klerus von früh an attraktiv. Arianer, besonders aber Katholiken suchten seinen Führer zu gewinnen... Kaum ... war Chlodwig in Tournai König geworden, da wandte sich der Metropolit von Reims an ihn, der Hl. Remigius...“ (ebd., 52)

Dieser Remigius wurde ein wichtiger Berater des Königs. C.s Heirat mit Clotilde, einer burgundischen Katholikin, führte trotz ihrer Bemühungen nicht sofort zur Konversion des Königs. Erst dessen Feldzüge gegen die Alemannen erzeugten in ihm den Wunsch nach der Religion eines starken Siegergottes. Nach der Taufe Chlodwigs sprach „Remigius... ihn ´beredtem Munde also an: Beuge still deinen Nacken, Sicamber, bete an, was du verbrannt, verbrenne, was du angebetet hast (adora quod incendisti, incende quod adorasti“ (ebd., 57). Das ist klipp und klar ein Aufruf zur gewaltsamen Verbreitung der christlichen Religion.

„Natürlich wird die Geistlichkeit reich aus der Kriegsbeute des Merowinger beschenkt. Großzügig bedenkt er die Prälaten mit Stiftungen, mit Landzuweisungen... Und er ´fühlte sich jetzt als auserwähltes Werkzeug Gottes und frönte erst recht seiner Eroberungslust´ (Cartellieri)“ (ebd., 59).

Später setzte sich das mit den Karolingern fort:

„Erst raubte man mit dem Schwert das Land, dann festigte man mittels christlicher Ideologie und kirchlicher Organisation die gemeinsame Herrschaft, passte die Eroberten und ´Bekehrten´ politisch an und beute sie wirtschaftlich aus... Die fränkischen Könige und Adligen hatten keine ergebeneren Helfer als die Geistlichen, und dies wurden durch nichts eifriger gefördert als durch den fränkischen Feudalismus. Der militärische Sieg zog gleich die Christianisierung nach sich. Wohin das fränkische Schwert nicht reichte, zu den Dänen etwa, dort war auch jede Mission ausgeschlossen.“ (ebd., 457-8)

Hier noch ein Spotlight auf das Thema Zwangstaufe aus Krahl, Das Elend des Christentums, 36:

„Im Frankenreich bildeten sich nach dem Tode Chlodwigs bald staatskirchenähnliche Verhältnisse heraus... Von 626 an zwang Dagobert der Erste den Restbestand der nichtchristlichen Bevölkerung zur Taufe.“

Na denn, was sagt die Wissenschaftsgemeinde zu all dem?

Gruß

53 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 12 Minuten 0 hilfreich
    Re: Deschner vs. Christentum

    Hallo Horst,

    die Debatte wird hier kaum weniger heftig werden als bei den Religionswissenschaflern; denn was ist schon Wahrheit? Beschränken wir uns auf das Handwerkszeug, das der junge Historiker gewöhnlich im Proseminar lernt.

    Man kann nicht heutige Anschauungen und Überzeugungen auf frühere Zeiten übertragen ("Anachronismus"). Das, was Du zitierst, war damals normal. Jeder Mensch ist -Christ oder nicht- Kind seiner Zeit. Anderes Beispiel: Wir würden Alexander den Großen heute kaum mehr den Großen nennen, und doch ist er eminent wichtig für unsere Kultur.

    Insofern wäre es sicher wünschenswert gewesen, die fränkischen Christen hätten im biblischen Sinne liebevoller gehandelt, und doch profitieren wir davon, dass wir nicht mehr einem Wotan huldigen oder sonstigem Aberglauben anhängen (obwohl es ja Neuheiden gibt, die das Rad zurückdrehen wollen).

    Gruß,
    Andreas

    • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
      Re^2: Deschner vs. Christentum

      Insofern wäre es sicher wünschenswert gewesen, die fränkischen
      Christen hätten im biblischen Sinne liebevoller gehandelt, und
      doch profitieren wir davon, dass wir nicht mehr einem Wotan
      huldigen oder sonstigem Aberglauben anhängen
      Inwiefern ist das

      - ein Vorteil und
      - in diesem Zusammenhang einre Folge der fränkischen Christen?

      Grüße Ostlandreiter

  2. Antwort von nach einer Stunde 2 hilfreich
    Re: Deschner (et alii) vs. Christentum

    Hallo! Na denn, was sagt die Wissenschaftsgemeinde zu all dem?
    Ich bin nicht die Wissenschaftgemeinde, bin aber versucht, als Historiker zu alldem einfach "Na und?" zu sagen. Deschner, [...]
    , dem aber meines Wissens
    nie ein geschichtswissenschaftlicher Fehler nachgewiesen
    werden konnte.
    Wenn man hinnimmt, dass er die Maßstäbe unserer Überzeugungen von Aufklärung, Selbstbestimmung, Gesittung, Menschenrechten, gesellschaftlicher Rolle von Religion, Verhältnis von Kirche und Staat etc. an eine Epoche anlegt, die vor anderthalb Jahrtausenden stattfand - wenn man das alles als angemessen hinnimmt, dann ist sein Standpunkt geschichtswissenschaftlich einwandfrei. D. h. aber für mich: Das ist völlig unhistorisch geurteilt. (Dazu braucht man gar nicht die schöne Metapher, dass jede Epoche unmittelbar zu Gott sei.) Der Münchner Philosophieprofessor Stegmüller
    hält ihn für den „wichtigsten Kirchenkritiker“ des 20. Jhd.
    Nach welchem Kriterium von Wichtigkeit? Meine Frage also: ist Deschners Position (die ich in jene
    Formel kleidete) in ihrer Radikalität haltbar oder nicht?
    Die Fakten bestreitet doch niemand. Ich biete hier einige Zitate zum Thema an. Der Knackpunkt
    dabei ist die Person Chlodwigs I., dem ersten großen Initiator
    der Christianisierung Europas.
    (Vorsicht: Grammatik!) Nun zu Chlodwig dem Ersten (466-511): so schreibt Deschner,
    dass „ethisch gesehen, unter dem Gesichtspunkt von
    Menschenrechten... Chlodwigs Laufbahn nichts anderes gewesen
    (ist) als der kometenhafte Aufstieg eines Gangsters, eines
    Staats- und Starbanditen... Verbündet mit verschiedenen
    Bruderstämmen, dehnte Chlodwig das salische Teilreich ...
    durch Raub, Mord, Krieg ... immer weiter aus.“ (KdChr, IV,
    52).
    Braucht man dazu Deschner? Das steht doch in jedem Geschichtsbuch über die Germanenreiche auf römischem Boden. Nur: Dann waren eben alle die Germanenkönige (der Vandalen, der Ost-, Westgoten, der Burgunder usf.) die gleichen Banditen, nur eben weniger erfolgreich (aus Gründen, die mit der Religion zu tun hatten; dazu weiter unten). Ob es einem passt oder nicht: Es war dies der Geist der Völkerwanderungszeit und des Zerfalls des Imperium Romanum.
    War denn, mal ebenso unhistorisch geurteilt und beschränkt auf die Epoche des Absolutismus, Ludwig XIV. weniger Bandit, als er die Pfalz überfiel? Oder Friedrich ("der Große"!), als er beim Blick auf die Landkarte feststellte, ein Stück von Polen könnte er zur Abrundung seines Gebietes brauchen, und bei der Zarin und Maria Theresia anfragte und die Antwort bekam, dass das schon passt, wenn für sie auch was abfällt? Geändert hatte sich halt inzwischen die Rolle der Religion: Die Polen mussten nicht mehr protestantisch werden und orthodox (wahrscheinlich) auch nicht. Nah der
    Taufe Chlodwigs sprach „Remigius... ihn ´beredtem Munde also
    an: Beuge still deinen Nacken, Sicamber, bete an, was du
    verbrannt, verbrenne, was du angebetet hast (adora quod
    incendisti, incende quod adorasti“ (ebd., 57). Das ist klipp
    und klar ein Aufruf zur gewaltsamen Verbreitung der
    christlichen Religion.
    Es geht doch um etwas ganz anderes: Es war die staatsmäninsche Entscheidung, das Verhältnis zwischen der germanischen Erobererschicht und den provinzialrömischen Unterworfenen auf eine neue Basis zu stellen. (Das System der Goten in Italien scheiterte an der Trennung dieser beiden Gruppen.) Durch die gemeinsme Religion kommt es nun zur Verschmelzung (Folge der nun vorhandenen Möglichkeit zur Heirat) der beiden Schichten; so sehr, dass die Eroberer (Superstrat) die Kultur der Unterworfenen (Substrat) annahmen bis hin, dass schließlich in der "Francia" die Germanen romanisch sprachen, die Vorform des Altfranzösischen.
    Man hat die Maßstäbe der Epoche hinzunehmen. Man kann sie tadeln, für sich und für seine Zeit ablehnen. Aber was man nicht tun sollte, ist, unhistorisch urteilen: die Kriterien von heute verwenden für die Vergangenheit und die Kriterien von Damals für (z. B. das Christentum von) Heute.
    Gruß!
    Hannes
    Ps. Wäre das Thema nicht so ernst, würde ich hinzusetzen:
    PW: den von der Päpstin Johanna.

  3. Antwort von nach 5 Stunden 5 hilfreich
    Re: Deschner vs. Christentum

    Hallo Horst,

    nach ein paar Tagen Krankheit bin ich mal wieder da und finde auch gleich ein Posting von Dir vor ...
    Kürzlich wurde im Religions-Brett meine Behauptung, das
    Christentum habe sich in Europa durch Gewalt verbreitet, von
    einem christlich orientierten Debattanten als
    „Stammtischparole“ abqualifiziert.
    Sagen wir es so, die Katholiken haben das ziemlich gleich abgelehnt, die Historiker haben zu einem differenzierteren Geschichtsbild gemahnt und selbst die eingefleischtesten Atheisten kamen nicht über die Brücke, wenn ich mich richtig erinnere. Abgesehen davon, dass ich
    hätte hinzusetzen sollen: „im wesentlichen“, halte ich aber
    jene Parole für haltbar. Ich stütze mich dabei auf Deschner,
    der zwar von vielen seiner Gegner (aus dem christlichen Lager)
    als einseitig polemisch bewertet wird, dem aber meines Wissens
    nie ein geschichtswissenschaftlicher Fehler nachgewiesen
    werden konnte.
    Na, dann tun wir das weiter unten einfach mal ... Der Münchner Philosophieprofessor Stegmüller
    hält ihn für den „wichtigsten Kirchenkritiker“ des 20. Jhd.
    Nun müsste man nur noch wissen, warum die Meinung eines Philosophieprofessors in Fragen der Geschichte relevant ist.
    Meine Frage also: ist Deschners Position (die ich in jene
    Formel kleidete) in ihrer Radikalität haltbar oder nicht?

    Ich biete hier einige Zitate zum Thema an. Der Knackpunkt
    dabei ist die Person Chlodwigs I., dem ersten großen Initiator
    der Christianisierung Europas.
    Was an sich bereits eine Verzerrung der Tatsachen darstellt. Chlodwig wurde um 465 geboren, Toulouse beispielsweise war bereits vor 400 Bischofssitz. Das Christentum hatte sich also bereits ganz mächtig auch ohne ihn ausgebreitet. Einfach aus dem Grunde, weil die erste Schwertmacht der Kirche, das absterbende Römische Imperium, bereits dafür gesorgt hatte.
    In Irland beispielsweise hatte sich ebenfalls ein Mönchstum gebildet (Ab Ende des 3./Anfang des 4. Jahrhunderts) das bereits begann in die Bretagne und Normandie hinein zu missionieren etwa um die Zeit herum, als Chlodwig laufen lernte. Verschiedene Quellen legen auch die Anwesenheit christlicher Mönche auf Isalnd relativ früh nahe.
    Das gibt uns den zweiten Anhaltspunkt. Es war der Kirche sehr wohl möglich, per Mission zu wirken, sprich, sich auszubreiten.
    Vorab als Vorgeschmack ein paar Zeilen, wie frühe Christen in
    Mitteleuropa mit ihren Konkurrenten umsprangen:

    „So vernichteten Trierer Christen bereits um 336 den großen
    Tempelbezirk im Altbachtal, vermutlich auf Initiative des
    Ortsbischofs... und des damals in Trier lebenden Hl.
    Athanasius. 50 Kapellen mit nordischen Göttern, ein Theater
    für Kultspiele und ein Mithrasheiligtum wurden dem Erdboden
    gleichgemacht. In Bonn zerschlug man Weihealtäre der
    aufinianischen Matronen.... usw. usf.“ (Kriminalgeschichte des
    Christentums, IV, 40)
    Hummm ... da wird es etwas nebulös, findest Du nicht? Der Hl. Athanasius oder auch Athanasius der Große residierte in Alexandria. Der hat Trier nie betreten und wußte wohl nicht einmal von dessen Existenz. Also der war offensichtlich nicht der hier erwähnte Athanasius. Dann gab es einen weiteren, der nicht als Heiliger anerkannt wurde, aber ursprünglich in Bayern lebte, bevor er ins Rheinland zog. Das war aber erst im 9.Jahrhundert. Wäre also schon interessant, auf welchen mir unbekannten "Hl. Athanasius" hier Bezug genommen wird.
    Außerdem macht mich das Mithrasheiligtum ziemlich stutzig. Der Mithraskult war nicht derartig verbreitet, vor allem nicht nördlich der Alpen. Dort war er vor allem ein in den Legionen gepflegter Kult. Die Wahrscheinlichkeit jedoch, dass es einem Mob aus Christen gelungen sein, sozusagen den Hausaltar einer römischen Legion zu zerstören ohne dafür niedergemetzelt zu werden, halte ich jetzt für eher gering.
    In Trier findet sich aber tatsächlich die Heiligkreuzkapelle, die der Legende nach von der Mutter Konstantins d. Großen im 4.Jhdt. erbaut worden sein soll. Wir wissen, dass sie Christin war und auch, dass K sie nach Trier holen ließ wo er ja eine Zeit lang residierte. Insofern deckt sich die Geschichte mit der Legende. Nur, die Kapelle steht beinahe im ehemaligen Tempelbezirk. Das würde bedeuten, dass die Christianisierung dieses Bezirks bereits irgendwann vor 312 (als Helena Trier wieder verließ) begonnen haben muss. Also mindestens 44 Jahre bevor die bösen Christen das mit Gewalt angefangen haben sollen, minstens 144 Jahre, bevor der angeblich erste große Initiator einer christlichen Expansion, Chlodwig, geboren wurde.
    Also, dieser Teil macht mich mal schwer mißtrauisch. Ich habe hier aber das Buch nicht vorlegen, vielleicht kannst Du ja mal erzählen, aus welche Quellen sich diese Kriminalgeschichte des Christentums für diesen Fall bezieht.
    Nun zu Chlodwig dem Ersten (466-511): so schreibt Deschner,
    dass „ethisch gesehen, unter dem Gesichtspunkt von
    Menschenrechten... Chlodwigs Laufbahn nichts anderes gewesen
    (ist) als der kometenhafte Aufstieg eines Gangsters, eines
    Staats- und Starbanditen... Verbündet mit verschiedenen
    Bruderstämmen, dehnte Chlodwig das salische Teilreich ...
    durch Raub, Mord, Krieg ... immer weiter aus.“ (KdChr, IV,
    52).
    Da gibt es dann gleich zwei Dinge an Herrn Deschner zu bemängeln. Erstens war die Idee der Menschenrechte zu Zeiten Chlodwigs noch nicht geboren. Ganz einfach. Er war ein Kind seiner Zeit, ein Herrscher seiner Zeit. Insofern macht Deschner hier den 08/15-Fehler vieler eher mittelmäßiger Geschichtler, die damalige Welt mit den Maßstäben der heutigen zu beurteilen zu wollen anstatt zu versuchen, die Maßstäbe der Zeit, die sie untersuchen zu begreifen.
    Zweitens war Chlodwig nie so etwas wie ein Räuberhauptmann. Er war Sohn des Childrich der wiederum einer von mehreren römischen Vasallenherrschern über Teile der Franken war. Beurteilt man seine Stellung nach damaligem römischem Recht, dann war er etwa mit einem Herrmann dem Cherusker aber auch einem Herodes Antipas vergleichbar. Ein Vasallenherrscher unter der Oberhoheit Roms.
    Als Rom schwach wurde und ein Machtvakuum entstand, stieß er mit etlichen Verwandten in dieses Vakuum vor. Dabei waren seine Feldzüge keineswegs Raubzüge, nicht einmal im gleichen Maße wie es jeder gewöhnliche Kriegszug einer römischen Legion gewäsen wäre. Seine Bewegungen zeigen, dass Chlodwig ein brillianter Stratege und Taktiker war, der auch noch so ganz nebenbei die politischen Querelen in seiner eigenen Familie im Griff hatte. Das wiederum konnte nicht alleine mit Gewalt bewerkstelligen, dazu gehörte durchaus mehr.
    Die Behauptung, er dehnte seinen Machtbereich durch Krieg aus, ist also gerechtfertigt. Mord, in dem Sinne, das Teile der Zivilbevölkerung mal eben dahingeschlachtet wurden, wie es beispielsweise unter den ach so zivilisierten Römern immer mal passierte, fand in einem bis dahin in der Geschichte nie dagewesenen kleinem Umfang statt. Eine Plünderung von Toulouse beispielsweise unterblieb völlig.
    Das Geschichtsbild des Herrn Deschner deckt sich also in diesem Zitat in keiner Weise mit den Fakten sondern ladiglich mit seiner beabsichtigten Aussage.
    „Ein so kriegslustiges Volk, dem überdies der Ruf der
    Treulosigkeit anhaftete, war für den christlichen Klerus von
    früh an attraktiv. Arianer, besonders aber Katholiken suchten
    seinen Führer zu gewinnen... Kaum ... war Chlodwig in Tournai
    König geworden, da wandte sich der Metropolit von Reims an
    ihn, der Hl. Remigius...“ (ebd., 52)
    Die salischen Franken waren stark und aktiv, wenn auch bisweilen, vor allem wenn Chlodwig nicht persönlich dabei war, etwas unorganisiert. So gesehen stellten sie einen starken Gegenpol zu einem dekadierten Rom dar, dass sich ja auch fleißig von anderen Hilfstruppen auf dem Schlachtfeld vertreten ließ. Chlodwigs Einigung der frankischen Stämme als "kriegslustig" zu bezeichnen trifft trotzdem den Kern der Sache überhaupt nicht. Was hier wirklich geschah war ja zunächst, dass sie einfach mal die Römer aus den fränkischen Siedlungsgebieten warfen, sich also befreiten. Nur hatten dann die Franken immer noch römische Siedler, verstreute andere Stämme, teilweise burgundische Einwanderer, und etliche immer noch sehr unklare Bevölkerungsteile im Land, die gegenüber den Franken eine Mehrheit ausmachte.
    Chlodwig war damit zu einem Machtfaktor geworden, genauer, zum einzigen zählenden Machtfaktor der weiteren Umgebung. Es war also kein Wunder, dass jeder, auch die Kirche, Leute zu ihm entsandte und Kontakt aufnahm. Das ist die Realpolitik der damaligen Zeit. Wer sich darüber beklagt, dass der Metropolit von Reims Chlodwig Briefe schickte, der müsste sich genaus darüber beklagen, dass die Häuptlinge aus der Bretagne gleiches taten. Vielleicht handelte es sich dabei ja nur um eine Verschwörung des sich bereits damals bildenden Tourismusverbandes Bretagne, wer weiß? Chlodwig war DER Mann von dem JEDER was wollte, ganz einfach.
    Dieser Remigius wurde ein wichtiger Berater des Königs. C.s
    Heirat mit Clotilde, einer burgundischen Katholikin, führte
    trotz ihrer Bemühungen nicht sofort zur Konversion des Königs.
    Der Teil, dass er nicht sofort zum Christentum wechselte ist richtig. Dass aber Remigius ein wichtiger Berater wurde, ist sehr umstritten. Tatsächlich verachtete Chlodwig das Christentum und auch Remigius lange als "schwach". Demut gehörte nun wirklich nicht zu seinen Charakterzügen und wir können uns auch sehr einfach vorstellen, wie ein Kriegerführer der selbst auch im Kampf Hand anlegte auch einen von vielen demütigen Kriechern regierte, die ihn nun umgaben.
    Dabei sollte man auch die Rolle der Clothilde im Auge behalten. Sie war Katholikin, keine Arianerin. Aber sie war auch Burgunderin. Sie war Tochter eines burgundischen Teilkönigs und Cousine zweier weiterer. Es war also zunächst eine politische Heirat, die Chlodwig Ansprüche auch auf burgundische Siedlungsgebiete eröffnete. Konnte ja keiner ahnen, dass die beiden sich aneinander gewöhnen würden und fünf Kinder in die Welt setzten.
    Hier liegt ein weiterer Hase im Pfeffer. Offensichtlich ist aus dieser politischen Ehe nämlich mehr geworden. Selbst als der erste Sohn, Ingomer als Kind starb und Chlodwig die Religion seiner Frau dafür verantwortlich machte, reichte ihr Einfluß aus, um eine Eskalation gegen die Christen zu verhindern. Wir haben es hier also mit einem sehr langen Prozess zu tun, nicht, wie Deschner versucht, es darzustellen, mit einem einzigen Ereignis das sich später vor einer Schlacht gegen die Alemannen ereignete. Erst dessen Feldzüge gegen die Alemannen erzeugten in ihm den
    Wunsch nach der Religion eines starken Siegergottes.
    Falsch! Wie oben bereits erwähnt, verachtete Chlodwig das Christentum lange als schwach und machte es für den frühen Tod seines ersten Sohnes verantwortlich. Also war die Sache mit dem Siegergott, obwohl sicher im Nachhinein so verkauft, keinesfalls wirklich ein Motiv.
    Tatsächlich ist es mit Hilfe der vier Quellen, die wir kennen (Avitus von Vienne, Gregor von Tours, Remigius von Reims und die Vita des Solemnis von Chartres) schwer, zu beurteilen, wann Chlodwig eigentlich Christ wurde. Wenn man alle Details zusammennimmt, dann besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es erst 507 vor den Kämpfen mit den Westgoten stattfand, sehr hoch. Denn im Gegensatz zu den Alemannnen waren die Westgoten Christen, aber arianische. Und unter diesem politischen Aspekt macht die plötzliche Annahme des Katholizismus durch Chlodwig einen Sinn.

    Nach der Taufe Chlodwigs sprach „Remigius... ihn ´beredtem Munde also
    an: Beuge still deinen Nacken, Sicamber, bete an, was du
    verbrannt, verbrenne, was du angebetet hast (adora quod
    incendisti, incende quod adorasti“ (ebd., 57). Das ist klipp
    und klar ein Aufruf zur gewaltsamen Verbreitung der
    christlichen Religion.
    Das ist zunächst einmal ein Stück aus Gregor von Tours Geschichte der Franken, Bd.2. Außerdem ist es klipp und klar ein Aufruf, nun christliche Altäre anzubeten, statt sie zu verbrennen (wie gesagt, Chlodwig war den Christentum lange nicht so wohlgesonnen) und die Altäre der nordischen Götter denen er bisher angehangen hatte zu verbrennen und nicht mehr anzubeten.
    Halten wir hier mal ein paar Dinge auseinander. Natürlich hatte gerade ein Ramigius nichts gegen eine Verbreitung der Religion, auch durch Gewalt. Aber wie Chlodwig kannte er sich in seiner Welt aus. Ganz im Gegensatz zu Herrn Deschner. Denn besagte Altäre nordischer Götter gab es ja, soweit es das Gebiet Chlodwigs betrifft, nur noch in Richtung des heutigen Norddeutschland hin. Chlodwigs nächster militarischer Schlag trifft die Westgoten. Die waren bereits arianisiert. Da gab es nichts mehr, was er früher angebetet hatte und nun verbrennen konnte. Das wusste Chlodwig, das wusste Remigius, das wusste jeder seiner höheren Untergebenen. Die Äußerung kann sich also nur auf Chlodwigs eigenen Herrschaftsbereich bezogen haben, nicht auf eine weitere Ausdehnung.
    „Natürlich wird die Geistlichkeit reich aus der Kriegsbeute
    des Merowinger beschenkt. Großzügig bedenkt er die Prälaten
    mit Stiftungen, mit Landzuweisungen... Und er ´fühlte sich
    jetzt als auserwähltes Werkzeug Gottes und frönte erst recht
    seiner Eroberungslust´ (Cartellieri)“ (ebd., 59).
    Der hier am Rande angegebenen Cartellieri ist wahrscheinlich Alexander Cartllieri? Es handelt sich um ein Zitat innerhalb dieses Zitates, dass sich, wenn ich richtig liege, in einer der akademischen Antrittsreden, etwa ab 1904 findet.
    C. war ein erklärter Kirchenfeind, dessen Schlußfolgerungen, ähnlich wie die des Herrn Deschner, weniger auf einer vollständigen Betrachtung der Fakten als auf einer vorgefassten Meinung beruhten. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte aber das außer acht lassen anderer Fakten bei C. ein Maß angenommen, dass irgendwann dazu zwang ihn aus der Universität Jena zu entfernen.
    Fakt ist, es entstanden Klöster auf Land, dass der König den jeweiligen Prälaten schenkte, bzw auf Land, auf dem seine Frau einfach Klöster stiftete und Prälaten unterstellte.
    Fakt ist ebenfalls, dass diese Klöster zu einem sehr großen Teil in nicht entwickelten Gegenden entstanden. Es handelte sich also um die gleiche Taktik, die wir später, im Hochmittelalter vorfinden. Wenn Du viel Land hast, in dem niemand siedelt, schicken ein paar Mönche hin. Ein paar Jahre später hast Du schon ein Dorf um die Abtei herum. Die Stiftung von Klöstern, vor allem hier, an der Grenze zwischen Antike und Mittelalter, lag also durchaus im Interesse der Landesherren (vergl. Lindisfarne). Sie ersetzten im Prinzip die Wirkung der alten römischen Garnisonen als Ansiedlungspunkte. Der Gewinner war in solchen Fällen also immer der König, während die Kirche sehr lange auf die Dividende zu warten hatte.
    Natürlich handelt es sich bei diesen Siedlungsmechanismen des Mittelalters um Tatsachen, die etwa seit dem 18.Jahrhundert unter Historikern bekannt sind. Es gibt also weder für Cartellieri noch für Deschner eine Entschuldigung, diese Dinge außer acht zu lassen. C. gibt uns im obigen Zitat bereits den Schlüssel mit "... aus der Kriegsbeute der Merowinger ..." Also Land in eroberten Gebieten. Und die waren bis auf wenige Zentren weitgehend Wald.
    Später setzte sich das mit den Karolingern fort:

    „Erst raubte man mit dem Schwert das Land, dann festigte man
    mittels christlicher Ideologie und kirchlicher Organisation
    die gemeinsame Herrschaft, passte die Eroberten und
    ´Bekehrten´ politisch an und beute sie wirtschaftlich aus...
    Das ist bis hierher schwer zu beurteilen. Es ähnelt, wenn überhaupt irgendetwas, dann wohl mehr der Situation im Osten des ostfränkischen Reiches nach der Unterwerfung der Wenden. Aber selbst dann ist es insofern einfach falsch, als das es gerade in dieser Phase alles andere als eine "gemeinsame" Herrschaft gab. Mal ganz abgesehen davon, dass das natürlich bereits lange nach der Zeit der Karolinger stattfand. Die fränkischen Könige und Adligen hatten keine ergebeneren
    Helfer als die Geistlichen, und dies wurden durch nichts
    eifriger gefördert als durch den fränkischen Feudalismus. Der
    militärische Sieg zog gleich die Christianisierung nach sich.
    Wohin das fränkische Schwert nicht reichte, zu den Dänen etwa,
    dort war auch jede Mission ausgeschlossen.“ (ebd., 457-8)
    Wie üblich liegt Deschner mit solchen Äußerungen zu 60% falsch. Erstens wurde sehr wohl erfolgreich missioniert, wohin das fränkische Schwert nicht reichte. Dänemark wurde im 9.Jahdt christlich, England und Irland waren es bereits vor den Karolingern geworden. In Spanien war bereits Karl Martell durch christliche Lande marschiert bevor er überhaupt mal an die Mauren drankam um sie zu prügeln. Im Osten stießen katholische Missionare und orthodoxe bei den Warägern aufeinander, was zwar nicht die Christianisierung aber die katholisierung behinderte und im Norden gibt es ab der ersten Hälfte des 9.Jhdts archäologische Nachweise von christlichen Kleinkirchen bis auf die Höhe Drontheims.
    Zweitens ist die Aussage falsch, dass die Geistlichen eifrige Helfer und Unterstützer der fränkischen Fürsten gewesen wären. Dabei muss man mehrere Problemkreise betrachten:
    Erstens hielten viele der höheren Kirchenfürsten auch weltliche Ämter. D.h. es war nicht klar, wem die Loyalität eines Bischof von Mainz beispielsweise wirklich galt. Klar war nur, dass sie selbst zu den Großen zählten, dem Adel. Der wiederum lag allgemein wegen seiner eigenen Interessen (mehr Land, mehr Einnahmen, mehr Rechte usw) meist mit dem jeweiligen König über Kreuz. Die Karolinger haben über Jahrhunderte mit diesem Problem gekämpft. Es kann also keine Rede davon sein, dass sie ausgerechnet von den höheren Geistlichen unterstützt worden wären, die standen meist auf der anderen Seite.
    Zweitens gab es gerade um die Nordmission große Konkurrenz zwischen Papst und Kaiser. Hier zeigte sich einmal mher die Tendenz einer "Staatskirche" unter einem christlichen Herrscher, unabhängig von Rom zu agieren. Das führte soweit, dass die Mönche auf der Seite des einen die Vorräte der Mönche auf der Seite des anderen verbrannten (um 850 in Hamburg z.B.).
    Mönche waren ein Teil der Verwaltung. Einfach weil sie lesen und schreiben konnten. Sie dienten als Schreiber in Kanzleien genaus wie in Klöstern. Aber selbst dann kam es immer noch darauf an, aus welchem Kloster die Mönche kamen, um einen Hinweis auf deren politische Richtung zu finden (wobei die meisten gar keine hatten sondern nur ihren Job getan haben). Der Papst versuchte sich aus der Abhängigkeit von den Karolingern zu befreien, die Karolinger wiederum hatten mit der Reichsteilung unter Ludwig dem Frommen die Einheit verloren. Die Orden kämpften um Unabhägigkeit und Einfluss innerhalb der Kirche. Was da entstanden war, war nicht einfach Kirche und Staat. Das waren viele Gruppen mit ureigensten Interessen, die sich mal als Partner mal als Gegner erwiesen. Herr Deschner, mit seiner grob vereinfachenden Polemik hat da noch nicht einmal im Ansatz das Wesen der fränkischen Reiche erkannt.
    Hier noch ein Spotlight auf das Thema Zwangstaufe aus Krahl,
    Das Elend des Christentums, 36:

    „Im Frankenreich bildeten sich nach dem Tode Chlodwigs bald
    staatskirchenähnliche Verhältnisse heraus... Von 626 an zwang
    Dagobert der Erste den Restbestand der nichtchristlichen
    Bevölkerung zur Taufe.“

    Dagobert I hat ab 626 Juden zwangstaufen lassen, nicht jedoch Anhänger anderer Glauben. Der Hintergrund war die diplomatische Kontaktaufnahme des oströmischen Kaisers Herakleios, der auf diesem Wege versuchte, seine eigene Aktivität gegen Juden auch dahin auszudehnen, wo es damals größere jüdische Siedlungen gab. Na denn, was sagt die Wissenschaftsgemeinde zu all dem?
    Ich bin kein Freund der Kirche, ganz sicher nicht. Aber ich bin ein großer Freund der Geschtswissenschaft. Und mir wird immer ganz blümerant, wenn da einer hergeht, und, nur damit sein Buch zu seiner Meinung passt, Fakten wegläßt, unterschlägt und verfälscht. Dass man Deschner noch keinen Fehler als Historiker nachgewiesen hat, mag vielleicht daran liegen, dass die meisten Historiker ihn nach der zweiten Seite wieder zugeschlagen haben?
    Was die Aussage am Anfang angeht, so ist sie als generelle Aussage nicht haltbar. Aber es waren damals gewalttätige Zeiten, es wurden viele Kriege geführt und Religion war damals ein wesentlich essentiellerer Bestandteil des Lebens als heute. Mit den Siegern kamen neue Religionen. Mit den Verlierern verschwanden alte Religionen. Religion konnte Bündnisse schaffen oder sie zerstören. Aber anzunehmen, dass alle diese Ereignisse gesteuert worden wären, ist ebenfalls nicht haltbar.

    Gruß
    Peter B.

    • Antwort von nach 7 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Deschner vs. Christentum

      Eine ausgezeichnete Analyse der zitierten Stelle. Man kann Deschner durchaus als Steinbruch und Fundgrube verwenden ; wenn es ans Werten und Interpretieren geht, muß man jedoch höchste Vorsicht walten lassen. Ich kann mich an eine Lesung mit ihm erinnern, bei der er mir einen ziemlich fanatischen Eindruck machte...

      • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
        Re^3: Deschner vs. Christentum

        Hallo,

        Danke für die Blumen. Das Problem scheint mir zu sein, dass man Geschichte als Geschichte schreiben kann oder, dass man Geschichte schreiben kann um etwas zu beweisen. Und sowie Autoren Geschichtsbücher schreiben, mit denen sie etwas beweisen wollen, geht die Unvoreingenommenheit verloren.

        Gruß
        Peter B. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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      Re^2: Deschner vs. Christentum

      Hallo Peter, In Trier findet sich aber tatsächlich die Heiligkreuzkapelle,
      die der Legende nach von der Mutter Konstantins d. Großen im
      4.Jhdt. erbaut worden sein soll. Wir wissen, dass sie Christin
      war und auch, dass K sie nach Trier holen ließ wo er ja eine
      Zeit lang residierte. Insofern deckt sich die Geschichte mit
      der Legende. Nur, die Kapelle steht beinahe im ehemaligen
      Tempelbezirk. Das würde bedeuten, dass die Christianisierung
      dieses Bezirks bereits irgendwann vor 312 (als Helena Trier
      wieder verließ) begonnen haben muss. Also mindestens 44 Jahre
      bevor die bösen Christen das mit Gewalt angefangen haben
      sollen, minstens 144 Jahre, bevor der angeblich erste große
      Initiator einer christlichen Expansion, Chlodwig, geboren
      wurde.
      ergänzend zu meinem anderen Posting. Wie Du richtig schreibst, ist die Gründung der Heiligkreuzkapelle durch Helena eine Legende. Es ist mir schleierhaft, wieso Du hier mit Legenden argumentierst. Die Heiligkreuzkapelle wurde zwischen 1050 und 1060 von dem Trierer Dompropst Arnulf errichtet.

      Freundliche Grüße,
      Ralf

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        Re^3: Deschner vs. Christentum

        Hallo Peter, In Trier findet sich aber tatsächlich die Heiligkreuzkapelle,
        die der Legende nach von der Mutter Konstantins d. Großen im
        4.Jhdt. erbaut worden sein soll. Wir wissen, dass sie Christin
        war und auch, dass K sie nach Trier holen ließ wo er ja eine
        Zeit lang residierte. Insofern deckt sich die Geschichte mit
        der Legende. Nur, die Kapelle steht beinahe im ehemaligen
        Tempelbezirk. Das würde bedeuten, dass die Christianisierung
        dieses Bezirks bereits irgendwann vor 312 (als Helena Trier
        wieder verließ) begonnen haben muss. Also mindestens 44 Jahre
        bevor die bösen Christen das mit Gewalt angefangen haben
        sollen, minstens 144 Jahre, bevor der angeblich erste große
        Initiator einer christlichen Expansion, Chlodwig, geboren
        wurde.
        ergänzend zu meinem anderen Posting. Wie Du richtig schreibst,
        ist die Gründung der Heiligkreuzkapelle durch Helena eine
        Legende. Es ist mir schleierhaft, wieso Du
        hier mit Legenden argumentierst. Die Heiligkreuzkapelle wurde
        zwischen 1050 und 1060 von dem Trierer Dompropst Arnulf
        errichtet.
        Hallo Ralf,

        a.) weil der archäologische Befund zeigt, dass die Kapelle Arnulfs durchaus auf den Resten eines älteren Sakralbaus aus dem 4.Jhdt. steht.
        b.) Weil die Heiligkreuzkapelle bzw. Kapelle vom Heiligen Kreuz bereits in karolingischer erwähnt wird, also lange vor Arnulfs Kapelle

        Die Legende sagt also, diese Kapelle stammt von Helena. Faktisch kann man jedoch nur belegen, dass es bereits eine Kapelle etwa seit der Zeit, die von der Legende behauptet wird, am Ort, der von der Legende behauptet wird und wohl auch etwa in der Größe, die die Legende behauptet, gab.

        Gruß
        Peter B.

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          Re^4: Deschner vs. Christentum

          Hallo Peter, a.) weil der archäologische Befund zeigt, dass die Kapelle Arnulfs
          durchaus auf den Resten eines älteren Sakralbaus aus dem 4.Jhdt.
          steht.
          b.) Weil die Heiligkreuzkapelle bzw. Kapelle vom Heiligen Kreuz
          bereits in karolingischer erwähnt wird, also lange vor Arnulfs Kapelle
          es gab einen Vorgängerbau, das ist richtig. Dass dieser ein christlicher Sakralbau aus dem 4. Jahrhundert sein soll, ist mir völlig neu - da hätte ich gerne einen Belegstelle genannt, bevor ich das glaube. Und die Karolingerzeit (in der es tatsächlich einen christlichen Vorgängerbau gab) ist ein halbes Jahrtausend nach Helena. Die Legende sagt also, diese Kapelle stammt von Helena. Faktisch kann
          man jedoch nur belegen, dass es bereits eine Kapelle etwa seit der
          Zeit, die von der Legende behauptet wird, am Ort, der von der Legende
          behauptet wird und wohl auch etwa in der Größe, die die Legende
          behauptet, gab.
          Helena starb 330 und der Tempelbezirk Altbachtal/Heiligkreuz wurde zunächst bis zu den Zerstörungen 336 von Nichtchristen genutzt, danach restauriert und erneut bis 399 genutzt, bis zur erneuten Zerstörung und dem Verbot nichtchristlicher Kulte.

          Ein christlicher Sakralbau an Stelle eines heidnischen Vorgängerbaus ist zwar etwas völlig Normales - aber eine christliche Kapelle oder Kirche in einem noch genutzten heidnischen Tempelbezirk? Undenkbar.

          Diese Legende ist unhistorisch - nicht nur in Bezug auf die Heiligkreuzkapelle (die erst recht spät überhaupt in der Helenalegende auftaucht) sondern auch auf den Dom. Als Einführung in die Trierer Helenalegende und in die Bezüge zu Trierer Sakralbauten vergl: http://www.bfhf.de/pdf/Helena-Neuerburg.pdf

          Freundliche Grüße,
          Ralf



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