Nachkriegszeit
Von: , Frage gestellt am So, 14. Jan 2001
Hallo,
ich habe gehört nach dem 2.WK wurde etwas mit drei Millionen Deutschen in Tschechien gemacht(hört sich jetzt doof an). Was war das?
Danke und Gruß Hanna
Hallo,
ich habe gehört nach dem 2.WK wurde etwas mit drei Millionen Deutschen in Tschechien gemacht(hört sich jetzt doof an). Was war das?
Danke und Gruß Hanna
Hallo Hanna,
ich habe gehört nach dem 2.WK wurde etwas mit drei Millionen
Deutschen in Tschechien gemacht(hört sich jetzt doof an). Was
war das?
In den Randgebieten Tschechiens (Entfernung zur Grenze max. 100 km) zu D und Ö waren Deutsche in der Mehrheit. Sie (auch Sudetendeutsche genannt) lebten seit Generationen (ca. 7 Jahrhunderte) dort.
Tschechien war in der Zwischenkriegszeit (in Folge der Pariser Verträge) erstmalig in der Neuzeit ein eigener Staat. Die Deutschen stellten eine starke Minderheit dar, welche entsprechende Rechte (Zweisprachigkeit...) forderte. Die entsprechenden Gesetze sollen auch nach heutigen Maßstäben gut gewesen sein, allerdings wurden sie nicht 1:1 umgesetzt. D.h. die Minderheit wurde inoffiziell unterdrückt. Dagegen wehrten sich die Deutschen. Es gab auf entsprechenden Demos 1-2mal Tote.
Dies war die Situation in den 20er und Anfang der 30er Jahre.
Als Reaktion darauf gründete sich die Suddetendeutsche Partei unter Henlein, welche konfrontativ/separatistisch auftraten. Sie erreichte beachtliche Wahlerfolge. Die demokratischen Parteien verweigerten die Zusammenarbeit mit der Partei. Die Partei radikalisierte sich weiter. Aus strategischen Gründen unterstützte D unter Hitler diese Partei, was sicher nicht zu Befriedung der Situation beitrug.
Die Sudetendeutsche Partei und dt. Helfer provozierten 1937/38 in den Siedlungsgebieten der Deutschen Zwischenfaelle...
Hitler nutzte diese Ereignisse, um F und England zu überzeugen, daß die Siedlungsgebiete der Deutschen in Tschechien an Deutschland angeschlossen werden. Dies geschah in München 1938.
Die Wehrmacht besetzte erst die Sudetengebiete und ein halbes Jahr später die Rest-Tschechei.
Deshalb machten Tschechen, allen voran der Staatspräsident (?) Benes pauschal die Sudetendeutschen verantwortlich für das nationale Trauma -die Zerschlagung der Tschechei. 1945 erließ Benes, der eine Exilregierung in England angehörte, Dekrete, welchewelche eine Enteignung und Vertreibung aller Sudetendeutschen vorsah. Diese Dekrete sind gemeint, wenn in der dt. Presse von den Benes-Dekreten geschrieben wird. Es ist unklar inwiefern die Dekrete (nachträglich) von den Siegermächten auf der Potsdamer Konferenz anerkannt wurden.
Die Dekrete wurden ausgeführt. Die Deutschen wurden entweder direkt deportiert oder in Internierungslager 'zwischenglagert'. Nur Deutsche mit Know-how (Ingenieure, Ärzte, Bergleute) mussten bleiben. Die Vertriebenen gründeten in der BRD die Sudetendt. Landsmannschaften.
Mit inoffizieller Billigung wurde ganz direkt nach Kriegsende an an einigen Sudetendt. Lynchjustiz verübt. Dies Morde wurden nie gesühnt.
Es musste so lang werden, da sonst die Antwort im luftleeren Raum gestanden hätte und zu Fehlinterpretationen Anlass gegeben hätte.
Für die exakten Geschichtsdaten schauen sie bitte in Geschichtsbücher /Lexika.
Tschuess Marco.
Moin,
vermutlich meinst die Vertreibung der Sudetendeutschen, die sich nach dem Ende von Östereich-Ungarn in der Tschechoslowakei wiederfanden. Das Sudetenland ist ein einige Zehner Kilometer breiter Streifen, der sich entlang der deutsch-tschechischen-Grenze auf tschechischer Seite hinzog, von Schlesien bis nach Österreich; es umgibt Böhmen und Mähren, den "zentralen Teil" der Tschechei.
Das Gebiet wurde bereits im hohen Mittelalter von Deutschen besiedelt, vorher war es wohl nur dünn von Slawen besiedelt.
Im Sudetenland selbst stellten die Deutschen die Bevölkerungsmehrheit dar; innerhalb der Tschechoslowakischen Republik seit 1919 hatten sie Minderheitenstatus.
Die Vertreibung 1945/46 lief aber nicht so brutal ab wie in Polen, da das Gebiet Tschechiens noch bis zur Kapitulation deutsch besetzt war, dh. es gab nicht die bekannten Flüchtlingstrecks, die vor der Roten Armee flohen.
Die Vertreibung wurde dann aber von den neuen Machthabern mit Nachdruck "organisiert", d.h. Enteignung und Ausweisung aller "Reichsdeutscher", also aufgrund eines Status, mit dem man sich seit 1938 gerne geschmückt hatte... .
Die hohe Zahl von Deutschen in der Tschechoslowakei erklärt sich nicht zuletzt dadurch, daß die Tschechoslowakei bis 1918 zu dem von Deutschen dominierten Kaiserreich Österreich-Ungarn gehörte.
Die Nazis "begründeten" ihre territorialen Forderungen gern damit, daß das betreffende Land von Deutschen besiedelt sei, die "heim ins Reich" wollten. Als Folge davon wird in Punkt XIII. des Potsdamer Abkommens (unterschrieben am 2.8.1945 von Stalin für die Sowjetunion; Truman für die USA; Atlee für Großbritannien) die bereits laufende Ausweisung der Deutschen aus Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei gebilligt und für notwendig erklärt. Die jetzt Ausgewiesenen sollten nicht noch einmal als Vorwand für einen Krieg dienen.
- Django -
Hallo ihr Vier,
ein wichtiges Element wird in der Diskussion gerne übersehen: Böhmen, die Kulturlandschaft. Die Deutschen in Böhmen sind ja Teil eines Landes gewesen, das von Tschechen, Deutschen und Juden geprägt wurde.
Die Sudetendeutschen - oder Deutsch-Böhmen - sind insofern anders zu bewerten als Schlesier oder Ostpreußen. Eher wie Österreicher...
Andreas
Hallo Andreas,
kannst du mir denn näheres über Böhmen erzählen. Ich weiß darüber eigentlich gar nichts. Danke
Gruß Hanna
Hallo Johanna,
kannst du mir denn näheres über Böhmen erzählen. Ich weiß
darüber eigentlich gar nichts. Danke
Also zur Geograpghie verweise ich mal aufs Lexikon.
Einige Bemerkungen zur Geschichte und Kultuer:
Böhmen gehörte seit der Gründung zum Deutschen Reich.
Die Prager Karls-Universität ar Deutsch. Als Folge einer Tschechisierung per Dekret zogen die Deutschen Lehrkräfte nach Leipzig und gründeten die dortige Uni.
Es gab Zeiten der Kulturkämpfe und Zeiten der Unterdrückung des tschech. Nationalkultur und Zeiten der friedl. Koexistenz der beiden Kulturen.
Zwei berühmte dt. Künstler dieses Jh., die in in Prag wirkten waren Egon Erwin Kisch (Reporteagen9 und Franz Kafka (Romane).
So viel in Kürze. Frag nach wenn Du mehr wissen möchtest.
Tschuess Marco.
kannst du mir denn näheres über Böhmen erzählen. Ich weiß
darüber eigentlich gar nichts. Danke
Das würde wohl den Rahmen dieses Forums sprengen. Zur eigentlichen Problematik Deutsche-Tschechen empfehle ich Ferdinand Seibt: Deutsche und Tschechen, erschienen bei Serie Piper.
Aber wenn Du zu Details konkrete Fragen hast, bin ich gerne bereit zu antworten.
Andreas