Hallo,
ich beschäftige mich gerade näher mit dem 1. WK und wie es dazu kam. Daher würde mich mal intressieren was für ein Mensch den Willhelm II. war. Wie er sich gesehen hat und wie andere ihn gesehen haben.
danke Gruß Hanna
Hallo,
ich beschäftige mich gerade näher mit dem 1. WK und wie es dazu kam. Daher würde mich mal intressieren was für ein Mensch den Willhelm II. war. Wie er sich gesehen hat und wie andere ihn gesehen haben.
danke Gruß Hanna
Über KW II - für Johanna die Vielfragerin
Ich beschäftige mich gerade näher mit dem 1. WK und wie es dazu kam. Daher würde mich mal intressieren was für ein Mensch den Willhelm II. war. Wie er sich gesehen hat und wie andere ihn gesehen haben.
KW II, geboren 1859, war durch seine Mutter Victoria (Ehefrau des Kaisers Friedrichs III., der 1888 ein paar Wochen regierte) ein Enkel der britischen Königin Victoria; der englische König Edward VII. war sein Onkel.
Bei seiner Geburt erlitt KW II eine schwere Verletzung. Er mußte mit der Zange auf die Welt geholt werden, und dabei wurde der linke Arm so gezerrt, daß er später deutlich kürzer war als der rechte. Auf Fotos dgl. posiert KW II mit der linken Hand auf dem Griff eines Säbels oder Dolches - um die Behinderung zu vertuschen.
KW II neigte über alle Maßen zum Schwadronieren, zur Selbstüberschätzung und Selbstherrlichkeit. Er hat zweimal NUR durch vorlaute Interviews bzw. Telegramme (sog. „Krüger-Telegramm“, 3.1.1896; sog. "Daily-Telegraph-Affäre 1908) internationale Krisen hervorgerufen. Möglicherweise war er auch nicht ganz richtig im Oberstübchen. Im holländisches Exil nach seinem Sturz 1918 befaßte er sich unentwegt mit Holzhacken und hat buchstäblich ganze Wälder zu Kleinholz verarbeitet.
KW II war empfänglich für Schmeicheleien und schätzte Leute, die ihn in seinen Vorurteilen bestätigten. Die Zeitgenossen verwendeten für diese Erscheinungen des Personenkults den Ausdruck „Byzantinismus“, d.h. Jagd nach oberflächlichem Lob, Kriecherei, Kritiklosigkeit.
Auffällig bei KW II war auch seine Putz- und Prunksucht. Er ließ sich gern pro forma zum Chef aller möglichen ausländischen Regimenter ernennen und hatte ehrenhalber auch den Rang eines britischen Admirals. Die entsprechenden Uniformen sowie auch jede Menge ausländischer Orden führte er ständig bei sich und trug sie zu jedem passenden und unpassenden Anlaß. Er konnte sich in alle Details von Paradeuniformen, Ehrenbezeigungen und Salutschießen vertiefen. Er „verzierte“ die Uniform der Schloßwache, deren Waffen und Helme mit Glitzerwerk, silbernen Adlern und anderen Repräsentationssymbolen. Zeitweilig trug die Wache Uniformen aus der Zeit Friedrichs des Großen, aber voller weißer und silberner Besätze, Schnüre, Borten und Litzen …
Soviel zum MENSCHEN KW II. Seine Person hat aber mit den Ursachen und dem Ausbruch des ersten Weltkriegs nur am Rande zu tun; der Krieg wäre auch gekommen, wenn z.B. Wilhelm I. noch Kaiser gewesen wäre.
Hallo,
ich beschäftige mich gerade näher mit dem 1. WK und wie es
dazu kam. Daher würde mich mal intressieren was für ein Mensch
den Willhelm II. war. Wie er sich gesehen hat und wie andere
ihn gesehen haben.
Da Wilhelm seit seiner Geburt einen verkrüppelten Arm hatte, war der Anspruch an ihn, eine starke Führerperson zu verkörpern natürlich mit der Realität und seinen Möglichkeiten zumindest äußerlich nicht zu vereinen.
Auf allen Fotos und Gemälden ist der Arm entweder versteckt oder retuschiert - bewegen konnte er ihn wohl nicht.
Aus diesem körperlichen Mangel erwuchsen wohl dementsprechende seelische Probleme - Minderwertigkeitsgefühle, die durch grossen Pomp am Hof ihren Ausdruck fanden und wohl ebenso Auswirkungen hatten auf seine grössenwahnsinnigen politischen Pläne wie etwa die Flottenaufrüstung.
Es gibt unter anderem eine interessante BBC-Sendung über ihn und sicherlich ausreichend Literatur - in diesem Forum ein ausgiebiges Psychogramm zu erstellen dürfte schwierig sein.
Gruss
Lars
Hallo Django,
kannst du mir sagen, warum der Krieg auch unter KW I. gekommen wäre? Schließlich machte der mit Bismarck doch eine ganz andere Politik als sein Enkel später. Bismarck hate sich doch durch sein Bündnissystem abgesichert, welches erst KW II. zerschlagen hat.
Gruß Hanna
Hallo Hanna…
hier findest du vielleicht mehr…
http://www.preussen-chronik.de
Und im Übrigen…
dieses Jahr ist das 300jährige Jubiläum…
aber wusste das jemand?
Viele Grüße
Marco…
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Marxistische Erklärung für den ersten Weltkrieg
Hallo Django, kannst du mir sagen, warum der Krieg auch unter KW I. gekommen wäre? Schließlich machte der mit Bismarck doch eine ganz andere Politik als sein Enkel später. Bismarck hate sich doch durch sein Bündnissystem abgesichert, welches erst KW II. zerschlagen hat.
Das Bismarcksche Bündnissystem bestand aus dem Zweibund mit Österreich-Ungarn sowie dem Rücksicherungsvertrag mit Rußland. Ob dieser Vertrag, der auf beiden Seiten nur wenigen Personen bekannt war, wirklich soviel gebracht hätte, möchte ich bezweifeln.
Die aus theoretischen Überlegungen Lenins abgeleitete marxistische Erklärung über die Ursachen des ersten Weltkriegs lautet: Die kapitalistischen Staaten entwickeln sich ungleichmäßig. Deutschland hatte bereits in den 1870er Jahren Frankreich in der wirtschaftlichen Entwicklung überholt und kam seit der Jahrhundertwende dem Britischen Empire an ökonomischer Leistungsfähigkeit nahe. Das Konkurrenzverhältnis zwischen den ehemals führenden Mächten (Frankreich, England) und der aufkommenden neuen Macht Deutschland (die außerdem bei den Kolonien zu kurz gekommen war) drängte nach militärischer Austragung. Zugleich zeigte der erste Weltkrieg bereits eine Art Funktionskrise des Krieges überhaupt: Großbritannien siegte, büßte aber seinen Reichtum ein und war ab den 1920er Jahren nur noch ein mäßig wohlhabender Staat. D.h.: Selbst der Sieger hatte aus dem Krieg mehr Nachteile als Vorteile.
Diese Erklärung erscheint mir überzeugend. Politisch zeigte sich die Konkurrenz zwischen Deutschland und England in den deutschen FLOTTENBAUPROGRAMMEN. Deutschland besaß ab 1870 das größte Landheer der Welt; mit Mühe waren die Heere Frankreichs und Rußlands zusammen dem deutschen Heer annähernd gleichwertig. Großbritannien hatte nur eine kleine Berufsarmee, besaß dafür aber schon immer (und seit dem Naval Defence Act von 1889 auch kraft Gesetzes) eine Flotte, die den Flotten der zweit- und drittgrößten Macht zusammen um 10% überlegen war. Seit 1897 aber baute Deutschland zusätzlich zu dem Riesenheer noch eine Flotte mit dem erklärten Endziel: „Kiel gegen Kiel“, also gleiche zahlenmäßige Stärke wie die Royal Navy. Diese größenwahnsinnige Herausforderung trieb Großbritannien in ein Bündnis mit Frankreich (obwohl beide Länder 1898 kurz davor gestanden hatten, gegeneinander Krieg zu führen). Deutschland verlor das Wettrüsten; die britische Flotte war 1914 doppelt so stark wie die deutsche. Und in gewissem Sinne wurde der erste Weltkrieg zur See entschieden; das Zehnte Kreuzergeschwader hat Deutschland besiegt, indem es spätestens ab Frühjahr 1915 praktisch alle Zufuhren aus Übersee nach Deutschland abfing. Und während Deutschland durch die Seeblockade wirtschaftlich langsam erwürgt wurde, rostete die mit ungeheuren Kosten gebaute deutsche Flotte in den Häfen vor sich hin.
Für eine ernsthafte historische Betrachtungsweise sind solche „was wäre, wenn KW I oder Bismarck noch regiert hätten…“ wohl eher ungeeignet bzw. unzulässig.
Meiner Meinung nach ist es hochspekulativ zu behaupten, WK I hätte so oder so stattgefunden.
Historische Prognosen von Leuten wie Marx oder Lenin sind heute m.E. nicht mehr ganz ernst zu nehmen, zumindest seit die meisten marxistisch-leninistischen Freiland-Langzeitexperimente auch in die Hose gegangen sind.
Dass die weltpolitische Entwicklung auch schon vor 1888 enormes Konfliktpotential bot, ist zwar unbestritten, man kann aber nicht sagen, dass dies unabhängig von der deutschen Politik zwangsläufig zu einem militärischen Konflikt geführt hätte. Geschichte funktioniert zum Glück doch nicht nach vorhersagbaren Mechanismen. Alles andere ist Fatalismus.
Seit 1897 aber baute Deutschland zusätzlich zu
dem Riesenheer noch eine Flotte mit dem erklärten Endziel:
„Kiel gegen Kiel“, also gleiche zahlenmäßige Stärke wie die
Royal Navy. Diese größenwahnsinnige Herausforderung trieb
Großbritannien in ein Bündnis mit Frankreich (obwohl beide
Länder 1898 kurz davor gestanden hatten, gegeneinander Krieg
zu führen).
BTW, das sind alles Ereignisse nach der „Thronbesteigung“ unseres Willy II. Hätte auch anders laufen können.
Gruesse,
HastaLavista
vor kurzem lief in einigen kinos eine art „doku“ über den medienkaiser wilhelm II. titel: majestät brauchen sonne.
mit vielen aufbereiteten originalszenen gab es einen hübschen einblick in den kaiser und seine zeit. vielleicht kannst du den film irgendwo auftreiben.
gruß elmar
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
die historische dialektik als erklärungsmodell heranzuziehen halte ich für sehr zweifelhaft. das vorneweg.
wilhelmm II. hat eine ganze menge scheiße gebaut; die gründe dafür sind in den anderen postings sehr schön dargelegt. dennoch stimme ich mit django überein: auch ohne wilhelm II. wäre es zu einem großen krieg in europa gekommen. der wettlauf der industrialisierung; der versuch der kolonialen weltreiche hatten ganz europa in ein pulverfass verwandelt. gerüstet wurde überall und die verfehlte außenpolitik dees dt. reiches ist dafür nicht die ursache gewesen, wenngleich sie einige ereignisse forciert hat. der krieg galt damals nicht nur im reich als „fortsetzung der politik mit anderen mitteln“ und kaum ein staatsmann in europa hat geglaubt, am krieg vorbeizukommen. niemand bemühte sich wirklich um friedliche konfliktlösungen - alles waren kurzfristige strategien und rundweg machtpolitisch motiviert.
europa bildete ein pulverfass und es war nur eine frage der zeit, wann es explodierte. die eskapaden des dt. reiches führten schließlich dazu, dass man einen auslöser für den krieg hatte. in diesem sinne kommt deutschland auch in der tat eine besondere verantwortung für den ausbruch des 1. wk zu. die ursachen für den krieg liegen aber tiefer und weiter gestreut als nur im dt. reich oder gar nur in wilhelm II.
nein, die geschichte ist nicht festgeschrieben, wie marx es meinte. aber wenn ein weg in eine bestimmte richtung zu lange gegegangen wurde, dann wird es immer schwerer, umzukehren. ein oder zwei visionäre politiker hätten dazu ebensowenig genügt, wie ein dümmlicher politiker (wilhelm II.) reichte, den krieg zu verantworten.
elmar
Auf allen Fotos und Gemälden ist der Arm entweder versteckt oder retuschiert - bewegen konnte er ihn wohl nicht.
Doch, doch. Der Arm war „nur“ verkürzt, aber ansonsten bewegungstüchtig.
WK I
Hi Johanna
(geb jetzt auch mal meinen Senf dazu)
Drei wesentliche Gründe führten zum WK I in dieser Form.
Die absolut bescheuerte Annektion von Elsass-Lothringen. dies Machte Frankreich zum „Erbfeind“, der permanent auf Revanche sann.
Die hirnrissige Marinepolitik Wilhelms des letzten. Dies führte zu einer Feindschaft mit England, das ansonsten mit D keine strategischen Problempunkte hatte. Dadurch begann Grossbritannien sich Bündnisspartner zu suchen, der naheliegende war Frankreich (mit dem man sich kürzlich in der Kolonialfrage geeinigt hatte).
Die Verkettung mit Österreich-Ungarn. Dieses Permanent vom verfall bedrohte Staatsgebilde hatte Probleme mit Italien (Wg Trento/Südtirol & Triest) sowie mit Serbien wg Südslawenfrage.
Darüber musste es irgendwann mal zum Krach mit Russland komen. und nachdem Deutschland sich immer stärker an Ö-U band, lief Russland in die weit offenen Arme Frankreichs.
Im Endeffekt tödlich war das Zerwürfniss mit England. Dieses Land hatte keine unmittelbaren Interessen auf dem Kontinent. Die Royal Navy verfolgte mit der Sicherung der Seewege im Kern defensive Zwecke.
Frankreich und Russland alleine hätte es möglicherweise nie zu einem Weltkrieg kommen lassen. Man hätte sich wohl, wie früher auch, irgendwie geeinigt.
Ach so, das angeblich geniale Bündnisssystem Bismarks hätte einer Konfrontation nie standgehalten, da es entgegengesetzte Ziele verfolgte: Russland zu binden, indem man ihm Vorteile auf dem Balkan versprach und Österreich zu binden, indem man ihm Schutz vor Russland (und dessen Balkanambitionen) versprach.
Beste Roßtäuschertaktik
Gruss
Mike
Gerade ist im ZDF eine Sendung zum Thema Preußens Geschichte… und da KW nunmal Preuuße war…
wen es interessiert 
Preußen, habe ich eben erfahren … war mehr ein Phänomen, als ein Staat… denn gebietlich war es sehr unterschiedlich… lediglich die Kurmark war wohl die ganze Zeit des Bestehens von Preußen preußisch…
Was mich ein wneig irritiert hat, dass der Titel König von Preußen nur in Königsberg rechtlichen halt hätte…
In diesem Sinne…
Marco
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Ist gar nicht weiter kompliziert
Preußen, habe ich eben erfahren … war mehr ein Phänomen, als ein Staat… denn gebietlich war es sehr unterschiedlich… lediglich die Kurmark war wohl die ganze Zeit des Bestehens von Preußen preußisch…
Was mich ein wenig irritiert hat, dass der Titel König von Preußen nur in Königsberg rechtlichen halt hätte… Marco
Die Hohenzollern, d.i. das Adelsgeschlecht, aus dem KW II stammte, kam ursprünglich aus Bayern und wurde 1415 mit der Mark Brandenburg belehnt. Die Kurmark ist der Kern Brandenburgs gewesen.
„Preußen“ leitet sich von dem slawischen Volksstamm der „Pruzzen“ ab, der an der heute polnischen und russischen Ostseeküste bis Lettland lebte und im 13. Jh. vom deutschen Ritterorden unterworfen wurde. Das Deutschordensgebiet stand ab 1460 unter der Lehnshoheit des polnischen Königs. Der letzte Hochmeister der Ordensritter schloß sich 1525 der Reformation an und wandelte sein Land in ein erbliches Herzogtum um; durch Erbgang kam es zu Brandenburg, das damit gleichzeitig zwei Herrn diente: dem Deutschen Kaiser und dem polnischen König. Man sprach damals von „Brandenburg-Preußen“.
Nach einem siegreichen Krieg Brandeburg-Preußens und Polens gegen Schweden (Frieden von Oliva, 1660) verzichtete der polnische König auf die Oberhoheit in Preußen; der Kurfürst von Brandenburg wurde somit hinsichtlich seiner preußischen Besitzungen souverän. Am 18. Januar 1701 ((heute 300. Jahrestag!)) ernannte sich Kurfürst Friedrich von Brandenburg selbst zum König Friedrich dem Ersten IN Preußen (denn seine Ländereien umfaßten nicht das ganze ehemalige Deutschordensland). Sein Enkel Friedrich der Zweite gen. der Große annektierte 1772 die polnischen „Restgebiete“ Preußens und änderte den Titel in „König VON Preußen“, Kurfürst von Brandenburg etc.
Der brandenburgisch-preußische Staat wurde ab 1713 als „Preußen“ wahrgenommen. Mit der Thronbesteigung König Friedrich Wilhelms I. gen. der Soldatenkönig wurde das mittelgroße Land B.-P. zu „Preußen“, d.h. zu einem seltsamen Gemisch aus brutalem Militärstaat, Despotie und Aggressivität andererseits und erstaunlich fortschrittlichen Zügen andererseits. Wegen dieser Eigenheit blieb der Name „Preußen“ im Gedächtnis hängen, während die eigentlich brandenburgischen Ursprünge dieses Staates in Vergessenheit gerieten.
Halo Django,
der Fortschritt wurde doch hauptsächlich aber durch die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten erwirtschaftet bzw. erreicht, oder?
Oder spielte da die Reformierung auch noch eine größere Rolle?
Danke…
Marco
der Fortschritt wurde doch hauptsächlich aber durch die aus
Frankreich vertriebenen Hugenotten erwirtschaftet bzw.
erreicht, oder?Oder spielte da die Reformierung auch noch eine größere Rolle?
Ohne die wirtschaftlichen Leistungen der Hugenotten schmälern zu wollen: ihr Kommen war bereits eine Folge des „Fortschritts“ in Preußen, nämlich der Religionsfreiheit. Zu den Glaubensflüchtlingen gehören daneben auch die protestanstischen Salzburger, die sich in Ostpreußen niederließen. Ein Zeichen der Toleranz in die andere Richtung setzte Friedrich II., als er nach der Eroberung Schlesiens an einer katholischen Messe teilnahm.
Man kann abwertend sagen, durch die Armut Brandenburgs war es gezwungen, alle aufzunehmen, die irgendwie zum Fortkommen beitragen konnten.
Aber aus dieser Not wurde eben eine Tugend gemacht. Und das hebt diesen Staat über alle Staaten jener Zeit.
Andreas
Hallo Johanne,
vielleicht macht Dir ja auch das Stöbern auf den folgenden sites Spass:
http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/
http://www.lalalu.f2s.com/referator/ref/ge_wilhe.htm
Gruss
Eve*
Die Hugenotten in Brandenburg und anderes
Hallo Django, der Fortschritt wurde doch hauptsächlich aber durch die aus Frankreich vertriebenen Hugenotten erwirtschaftet bzw. erreicht, oder?
Die Hugenotten kamen ab 1685, und daß sie als Protestanten in das protestantische Brandenburg-Preußen flohen, lag nahe. Das Besondere war: Preußen, d.h. der Staat ab 1713, nahm ALLE wg. religiöser Sachen Verfolgte auf, egal ob Protestanten, Katholiken oder sonstwas. König Friedrich Wilhelm I. gen. der Soldatenkönig war ein tiefreligiöser Mensch und hat trotzdem Toleranz geübt. Und aus tiefen Mißtrauen gegen die mit Landadligen besetzten Gerichte machte er sofort 1713 die Anwendung der Folter im Gerichtsverfahren von seiner persönlichen Erlaubnis abhängig; wie oft er sie erteilt hat, weiß ich nicht. Die berühmte Erklärung Friedrichs des Großen vom 3.6.1740 war im Grunde nur die Ankündigung, daß er diese Erlaubnis niemals zu erteilen gedenkt, außer für „große Mordtaten, wo viele Menschen umgebracht worden“, und im Jahre 1756 strich er auch noch diese Einschränkung, ohne daß sich bis dahin „große Mordtaten“ ereignet hätten. Denn in Preußen kam die Schwerkriminalität (mit Räuberbanden, Straßenraub dgl.) nicht hoch; wie hätte dies auch geschehen sollen in einem Lande, das vor Garnisonen starrte.
Aber: Viele - um nicht zu sagen alle - fortschrittlichen Züge des Preußentums waren gewissermaßen ein „Kollateralnutzen“ der Armee: Die Armee braucht Soldaten und Geld … also konnte in Preußen jeder glauben, was er wollte, solange er Steuern zahlt. Die Armee braucht die modernsten Waffen … also „Aufgeschlossenheit gegenüber allem Neuen“, was Herr Stolpe heute gerühmt hat. Die Armee braucht gesicherte Verpflegung … also Anlage von Getreidemagazinen, aus denen im Notfall auch der Zivilbevölkerung etwas gegeben wurde. Die Armee braucht Militärchirurgen … also Gründung (und beste Ausstattung) der Charité.
Andererseits: Seit 1769 grassierte in Rußland die Pest und erfaßte auch Polen. Der preußische Militärkordon, auf Befehl Friedrichs des Großen im August 1770 entlang von Netze und Warthe gezogen, er hielt stand bis zum Schluß; es gelangte kein Infizierten über die Grenze, und die Pest kam nicht nach Westeuropa. Unter den Offizieren, die sich damals auszeichneten, was ein 28jähriger Oberleutnant der Husaren namens Gebhard Leberecht von Blücher. Wieviel Hunderttausenden Menschen dieser Kordon das Leben gerettet hat, wer weiß …
Preußen ist ein unerschöpfliches Thema.
Preußen ist ein unerschöpfliches Thema.
- Django -
Und vor allem hochinteressant 
In diesem Sinne…
Marco
*dersichalsPreußesieht* 
Die Hohenzollern, d.i. das Adelsgeschlecht, aus dem KW II
stammte, kam ursprünglich aus Bayern und wurde 1415 mit der
Mark Brandenburg belehnt.
Obwohl es nicht zur eigentlichen Frage gehört, möchte ich dennoch darauf hinweisen, daß die Hohenzollern meines Wissens nicht ursprünglich aus Bayern stammen. Sigmaringen und Hechingen, die beide Hohenzollern-Schlösser beherbergen, gelten als die Stammlande der Hohenzollern. Vor allem das Schloß in Hechingen wird sehr häufig als Stammhaus bezeichnet.
Diese Städt liegen im heutigen Baden-Württemberg, waren früher Enklaven in Württemberg und liegen örtlich quasi auf der schwäbischen Alb. Die Hohenzollern stammen damit regional bezeichnet aus Schwaben.
Ob dies „damals“ zu Bayern gehörte oder ob der Lokalpatriotismus geschichtliche Fakten verfälscht, weiß ich nicht genau - es würde mich aber sehr wundern.
Viele Grüße,
Michael