Heutige Bedeutung des 'Kapitals' von Karl Marx

Von: , Frage gestellt am Mi, 24. Jan 2001

An alle Sozialismuskenner,

Karl Marx hat durch seine Begründung des wissenschaftlichen Sozialismus zweifellos immensen Einfluss auf die Weltgeschichte. In der Gegenwart hat sich nach Ende des Kalten Krieges jedoch der Kapitalismus fast weltweit durchgesetzt. Erfahrung und moderne Wissenschaft zeigen das z.B. Marxs Theorie vom Krisenzyklus der freien Wirtschaft nicht stimmen.

Meine Frage lautet nun: Welche Ergebnisse aus 'das Kapital' sind in der Gegenwart noch akzeptiert und welche wurden mittlerweise von der Wissenschaft für falsch befunden.

Die Frage im richtigen Forum gestellt zu haben hofft:

Ontisch

15 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden hilfreich
    Re: Heutige Bedeutung des 'Kapitals' von Karl Marx


    Hallo!

    www.attac.org

    Das ist für mich moderner Marxismus!

    Gruß,
    Herbert
    P.S. Tut mir leid, wenn es nicht ganz so als Antwort auf deine Frage paßt

  2. Antwort von nach 5 Stunden 4 hilfreich
    Re: Heutige Bedeutung des 'Kapitals' von Karl Marx

    Was die heutigen Theoretiker dazu sagen, weiß ich nichtim Detail. Im Großen und Ganzen lehnen sie die ganze Theorie von Marx ab, wohl weil sie nicht einsehehn können, daß er mit seiner ungeschminkten Wahrheit doch recht hatte.

    Ich hatte ja das zweifelhafte Vergnügen, zumindest Band 1 des Kapitals im Studium wirklich gründlich behandeln zu müssen. Und da muß ich nach 10 Jahren Marktwirtschaft sagen, daß der Herr mehr recht hatte, als ich je für möglich gehalten hätte. Man darf allerdings nicht alles buchstabengetreu nehmen, schließlich ist das ganze Ding schon ziemlich alt. Aber letztlich stimmt auch die Krisentheorie und die Werttheorie sowieso, auch wenn das keiner wahrhaben will. Die letzten Hirngespinste von einer nicht materiellen Wertschaffung zerplatzen ja derzeit an der Börse wie Seifenblasen.

    Übrigens: Aus vielen Marxismusdozenten und Parteischulkadern der DDR sind herrvorragende Unternehmer geworden. So gut wie die beherrscht einfach keiner die ökonomischen Zusammenhänge.
    Richtig abgeschossen wurden ja nur die ganz großen Köpfe. Aber das Herr der Betriebswirtschaftler, Abteilungsleiter, Politökonomen usw. hat ganz unbemerkt die Kurve gekriegt. Alle regen sich über Honecker und Mielke auf, aber wo sind eigentlich die Leute heute, die diesen Mumien ihre Reden geschrieben und die Gesetzesvorlagen erarbeitet haben?

    Gernot Geyer

    • Antwort von nach 19 Stunden 2 hilfreich
      Charlie Marx & Co.

      Finde ich auch Gernot. Der olle Charlie Marx und sein Kumpel Engels haben was. Marxens Werttheorie fand ich schon immer richtig. In der DDR habe ich immer das Zwangsumtauschgeld in Marx/Engels/Bebel/Kautsky Bücher angelegt. Die waren da so schön billig. Viele Bücher von den ollen Sozialisten sind immer noch lesenswert. Schließlich konnte Marx nichts für den unsäglichen "Realsozialismus" auf diesem Planeten.

      Grüße

      • Antwort von nach 21 Stunden hilfreich
        Re: Charlie Marx & Co.

        Stimmt, daran war er unschuldig. Das waren übrigens die schönsten Lichtblicke im trockenen Studium des Marxismus, wenn sich die Lehrer und Dozenten gewunden haben, weil wir so gern auf den Wiedersprüchen zwiachen der Therorie und der realsozialistischen Praxis rumgeritten sind. Im Fernstudium ging ja so etwas relativ folgenlos, wir waren ja von unserem Betrieben
        zum Studium delegiert und deshalb nicht so leicht an der Kandarre zu halten wie Direktstudenten.


        Gernot Geyer

        • Antwort von nach 4 Tagen hilfreich
          Re^2: Charlie Marx & Co.

          Im Fernstudium ging ja so etwas relativ folgenlos, wir waren ja von unserem
          Betrieben
          zum Studium delegiert und deshalb nicht so leicht an der
          Kandarre zu halten wie Direktstudenten.
          Das waren auch die Direktstudenten nicht, mache Dir da mal keine Vorstellungen <g>, der Unterschied war eher, daß die Direktstudenten diesen Unterschied mangels Erfahrungen nicht so leicht wahrnehmen konnten bzw. ihnen die praktischen Beispiele für eine entsprechende Argumentation fehlten.

          Ansonsten muß ich Dir auch vollkommen recht geben, von unseren Philosophen sind eine ganze Menge bei den Banken und Versicherungen gelandet, ich wüßte jetzt keinen der nicht Fuß gefaßt hätte und auch die Pol.-Öker sind Stützen des kapitalistischen Systems geworden ;-). Das spricht zumindest nicht gegen olle Marx!

          Gruß Heike

  3. Antwort von nach 21 Stunden hilfreich
    Re: Heutige Bedeutung des 'Kapitals' von Karl Marx

    Der Marx-Experte bin ich nun sicher nicht und in der Schule haben wir ihn nur als historische Randnotiz gehabt. Einige seiner Theorien scheine sich aber (trotz aller Häme und Ignoranz seitens der Politologen und Wirtschaftswissenschaftlern) zu bestätigen. Es entstehen immer weniger immer größere Konzerne, das Kapital konzentriert sich immer mehr. In Ländern mit reinerem Kapitalismus als in D (z.B. GB oder USA) werden die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer und der Mittelstand wird immer dünner.
    Soweit zur Analyse, die Therapievorschläge von Marx sind m.E. nicht so stichhaltig, bzw. zwingend. Auf keinen Fall erstrebenswert, denn sie haben schlußendlich den real existierenden Sozialismus hervorgebracht. Da liegen mir die Vorschläge von Bernstein schon eher, die die soziale Marktwirtschaft mit zugrundegelegt haben.
    Dieses System ist m.E. immer noch das mit den geringsten Mängeln, wenn auch sicher nicht perfekt. Leider wird es immer weiter aufgeweicht, weil "Sachzwänge" dazu zwingen.

    Ob Marx in den ärmeren Ländern eine Wiedergeburt erleben wird wird sich zeigen, auszuschließen ist es sicher nicht. Schließlich war Russland zur Zeit der Revolution auch ein extrem armes Land.

    Gandalf

  4. Antwort von nach einem Tag 3 hilfreich
    ich bin dagegen!

    Als bekennder Marxgegner möchte ich einmal in Eure Schwärmerei reinplatzen.

    Vorausgeschickt sei, dass ich Marx als Denker/Philosoph für lese- und lernwürdig halte. Es gibt sicher keinen wirkungsmächtigeren Philopsophen in der Neuzeit. Auch seine Analyse der sozialen Situation im 19. Jahrhundert ist beachtlich, wenn auch nicht einzigartig.

    Nun meine - schlagwortartigen - Einwände:

    Marx geht von der Gleichheit der Menschen aus. Die Menschen sind sicher gleichwertig, aber sie sind auch verschieden. Und dieses Grundübel Marxscher Ideologie führt direkt in die Fehler des "realen Sozialismus". Die Missachtung des Individuums ist die direkte Quelle der Unfreiheit.

    Marx konnte sich nicht vorstellen, dass die Kapitalisten selbst das Problem der sozialen Frage sehen und anpacken würden. In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass die zweite große Antwort auf die soziale Frage von der kath. Kirche (Kolping/Sozialenzyklika) kam. Diese Antwort ist mir deswegen sympathischer, weil sie das Schicksal der Arbeiter konkret verbessern half, statt wie die Marxisten Verbesserungen sogar zu verhindern, damit nur endlich die Revolution beginne.

    Besonders leicht ist Marx' Denkfehler in seiner Geschichtsauffassung nachzuweisen. Schon der gesunde Menschenverstand weiß, dass es keine Zwangsläufigkeit in der Geschichte geben kann. Was hätte die SPD im Kaiserreich bewegen können, wenn sie nicht immer gesagt hätte, "ist ja alles egal, die Revolution kommt sowieso".

    Mein Hauptpunkt ist aber immer die fehlende Freiheit. Mit der Diktatur des Proletariats ist der GULag vorgezeichnet. Und mit nichts auf der Welt ist ein derartiges System zu rechtfertigen. Ich finde es nicht richtig, hier zwischen "real existierendem" und orthodoxem Marxismus zu unterscheiden. Die Wurzeln liegen bei Marx, auch wenn er natürlich für Lenin/Stalin/Ulbricht keine Verantwortung hat.

    Mein Fazit ist, dass Marx die Dinge seiner Zeit richtig beobachtet hat, sich an seiner richtigen Analyse berauscht und die gesamte Welt auf diese Situation bezogen hat. Am Ende meinte er, den Fixpunkt gefunden zu haben, mit dem von der Antike bis in die Zukunft alles zu erklären ist. Ein klassischer menschlicher Fehler, dem übrigens viele große Denker unterlagen.

    Andreas

    P.S. Falls ich in den nächsten Tagen nicht antworte: ich bin nicht feige oder unhöflich, sondern unterwegs ;-)

    • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
      Re: ich auch ;-)

      Hallo Andres
      das sehe ich genauso.
      Marx sollte man auf jeden Fall gelesen haben, er ist ein scharfer Beobachter seiner Zeit und ein unorthodoxer Denker.
      Seine Analysen sind brillant, nur seine Schlussfolgerungen nicht, hängt vielleicht mit seiner eigenen finanziellen Situation und daraus gewonnenen Lebenserfahrungen zusammen. Nun meine - schlagwortartigen - Einwände:

      Marx geht von der Gleichheit der Menschen aus. Die Menschen
      sind sicher gleichwertig, aber sie sind auch verschieden. Und
      dieses Grundübel Marxscher Ideologie führt direkt in die
      Fehler des "realen Sozialismus". Die Missachtung des
      Individuums ist die direkte Quelle der Unfreiheit.
      Das ist der Punkt, den idealen Menschen Marxscher Prägung wird es nie geben, die Natur verteilt Talente recht willkürlich, das kann kein System ändern. Marx konnte sich nicht vorstellen, dass die Kapitalisten
      selbst das Problem der sozialen Frage sehen und anpacken
      würden.
      Das habe ich nie verstanden, wurde er doch von Engels, einem Kapitalisten, finanziert.
      Ob ihm da sein Unterbewußtsein einen Streich gespielt hat, er es insgeheim demütigend fand?

      In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass die zweite große Antwort auf die soziale Frage von der kath.
      Kirche (Kolping/Sozialenzyklika) kam. Diese Antwort ist mir
      deswegen sympathischer, weil sie das Schicksal der Arbeiter
      konkret verbessern half, statt wie die Marxisten
      Verbesserungen sogar zu verhindern, damit nur endlich die
      Revolution beginne.
      Unbedingt, die Entwicklung des Sozialstaates ist durch Leute wie Kolping angestoßen worden, bei Marx gab es so etwas gar nicht. Mein Hauptpunkt ist aber immer die fehlende Freiheit. Mit der
      Diktatur des Proletariats ist der GULag vorgezeichnet. Und mit
      nichts auf der Welt ist ein derartiges System zu
      rechtfertigen. Ich finde es nicht richtig, hier zwischen "real
      existierendem" und orthodoxem Marxismus zu unterscheiden. Die
      Wurzeln liegen bei Marx, auch wenn er natürlich für
      Lenin/Stalin/Ulbricht keine Verantwortung hat.

      Eben, deswegen wird ein solches System über kurz oder lang immer scheitern.
      Gruß
      Rainer

      • Antwort von nach 15 Tagen hilfreich
        Re^2: ich auch ;-)

        Das ist der Punkt, den idealen Menschen Marxscher Prägung wird
        es nie geben, die Natur verteilt Talente recht willkürlich,
        das kann kein System ändern.
        du sprichst mit den talenten iq und eq an, doch es gibt auch noch den sq. und das ist dass, was man erlernen kann.
        auch wenn es den idealen menschen vielleicht nicht geben wird, o wäre es doch immerhin ein ziel, oder? und wer von vornerein sagt, dass kann ja nix werden, da wird dat dann meistens auch nix, gelle. Marx konnte sich nicht vorstellen, dass die Kapitalisten
        selbst das Problem der sozialen Frage sehen und anpacken
        würden.
        Das habe ich nie verstanden, wurde er doch von Engels, einem
        Kapitalisten, finanziert.
        Ob ihm da sein Unterbewußtsein einen Streich gespielt hat, er
        es insgeheim demütigend fand?
        es ist die logik und der sinn des kapitals, sich selber am meisten zu vermehren, oder? immer mehr faktor mensch durch kapital zu ersetzen, so dass zum schluss möglichst nur noch
        kapital überbleibt. da sagt mir meine logik, dass das nicht
        im sinne des faktors mensch sein kann, oder?

        gruss marian



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