Hallo Andres
das sehe ich genauso.
Marx sollte man auf jeden Fall gelesen haben, er ist ein scharfer Beobachter seiner Zeit und ein unorthodoxer Denker.
Seine Analysen sind brillant, nur seine Schlussfolgerungen nicht, hängt vielleicht mit seiner eigenen finanziellen Situation und daraus gewonnenen Lebenserfahrungen zusammen.
Nun meine - schlagwortartigen - Einwände:
Marx geht von der Gleichheit der Menschen aus. Die Menschen
sind sicher gleichwertig, aber sie sind auch verschieden. Und
dieses Grundübel Marxscher Ideologie führt direkt in die
Fehler des "realen Sozialismus". Die Missachtung des
Individuums ist die direkte Quelle der Unfreiheit.
Das ist der Punkt, den idealen Menschen Marxscher Prägung wird es nie geben, die Natur verteilt Talente recht willkürlich, das kann kein System ändern.
Marx konnte sich nicht vorstellen, dass die Kapitalisten
selbst das Problem der sozialen Frage sehen und anpacken
würden.
Das habe ich nie verstanden, wurde er doch von Engels, einem Kapitalisten, finanziert.
Ob ihm da sein Unterbewußtsein einen Streich gespielt hat, er es insgeheim demütigend fand?
In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass
die zweite große Antwort auf die soziale Frage von der kath.
Kirche (Kolping/Sozialenzyklika) kam. Diese Antwort ist mir
deswegen sympathischer, weil sie das Schicksal der Arbeiter
konkret verbessern half, statt wie die Marxisten
Verbesserungen sogar zu verhindern, damit nur endlich die
Revolution beginne.
Unbedingt, die Entwicklung des Sozialstaates ist durch Leute wie Kolping angestoßen worden, bei Marx gab es so etwas gar nicht.
Mein Hauptpunkt ist aber immer die fehlende Freiheit. Mit der
Diktatur des Proletariats ist der GULag vorgezeichnet. Und mit
nichts auf der Welt ist ein derartiges System zu
rechtfertigen. Ich finde es nicht richtig, hier zwischen "real
existierendem" und orthodoxem Marxismus zu unterscheiden. Die
Wurzeln liegen bei Marx, auch wenn er natürlich für
Lenin/Stalin/Ulbricht keine Verantwortung hat.
Eben, deswegen wird ein solches System über kurz oder lang immer scheitern.
Gruß
Rainer