Was ist ein Herzog?

Von: , Frage gestellt am Di, 26. Okt 1999

Hallo,
Was ist eigentlich ein Herzog?
Stephan

10 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 13 Stunden hilfreich
    Re: Was ist ein Herzog?

    Hallo,
    Was ist eigentlich ein Herzog?
    Stephan
    Hallo Stephan!

    Bei den Germanen der Heerführer. Wurde vor jeder kriegerischen Auseinandersetzung neu gewählt.
    Später entwickelten sich Stammesherzogtümer, die allmählich Landeshoheit gewannen und zwar : Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben und Lothringen.
    lat : dux
    frz : duc
    engl: duke
    ital: duca
    vene: doge

    Gruß Werner

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      Mag auch mal

      Hallo Werner,

      interessant wäre in diesem Zusammenhang, wann der deutsche Begriff Herzog zum ersten Mal auftaucht und in welchem Zusammenhang. Und man könnte sich streiten, bis zu welchem Zeitpunkt man noch von Germanen reden kann.

      Eine lustige Geschichte, die ich mir vor Jahren zusammengereimt habe. Frühe lateinische Berichte von den Germanen sprechen von deren Führern hochachtungsvoll als "Richter" (iudex). Bis heute hat sich die Vorstellung des "Thing" (*dingsbums*) als geordnete Gerichts- oder Ratsversammlung erhalten. Tacitus liefert da ganz andere Schilderungen, die eher an eine Sauforgie erinnern. Ich stelle mir vor, daß der "iudex" ein sprachliches Mißverständnis war. Im Germanischen hieß der Stammesführer "tiu". Ob - und wann - daher nun der römische "dux" kommt, weiß ich nicht. Die etwas gebildeteren Germanen haben für die Römer bestimmt ein "tiu der rex" daraus gemacht. Die Römer haben aus "tiuderex" ein "iudex" herausgehört. Und damit wissen auch alle Dieter und Dieterichs, was ihr Name bedeutet.

      Ob die germanischen Stämme ihre Könige gewählt haben, weiß ich nicht. Mir erscheint vieles als hineingedeutet. Vielleicht ging es eher zu wie bei "Dirty Harry". Die Germanen waren ja gerade von den Bäumen herabgestiegen *g*.

      Im Frankenreich war die Verwaltung aufgeteilt in "dux" (Militär) und "comes" (übrige Verwaltung). Hier wurde bestimmt das lateinische "dux" übernommen, und nicht das germanische "tiu". Diese Begriffe werden in den Lehrbüchern mit "Herzog" und "Graf" übersetzt. Und damit weiß ich nicht mehr, was (deutschtümelnde) Übersetzung und was authentisch ist.

      Nur noch ein Zitat aus einem wirklich guten Geschichtsbuch für alle, die nicht nur ständig von Kriegen und Landgewinn lesen wollen:

      "Die innere Festigung der Stämme und die Erneuerung ihrer herzoglichen Gewalten war wohl der bedeutendste Vorgang der ausgehenden Karolingerzeit. Die Schwäche der königlichen Gewalt nötigte die Stämme, sich gegenüber der von den Wikingern oder den Ungarn drohenden Gefahr auf ihre eigenen Kräfte zu besinnen. Der karolingische Reichsadel, der ohne Rücksicht auf seine Abkunft in Aquitanien wie in Sachsen, in der Bretagne wie in Italien Ämter und Besitz innehatte, begann sich nun an einzelne Stämme zu binden; er wurde zum sächsischen, fränkischen oder bayrischen Adel, aus dem auch die Familien der Herzöge hervorgingen."

      Aus: Kroeschell, Karl, Deutsche Rechtsgeschichte, Band 1 (bis 1250), 7. Aufl. 1985, S. 140.

      Wer machte eigentlich Schluß mit den Herzögen? War das Friedrich Barbarossa? Aber woher taucht dann Herzog Ulrich von Württemberg wieder auf?

      viele grüße
      ralph

      • Antwort von nach einem Tag hilfreich
        Re: Mag auch mal

        Hallo Werner,

        interessant wäre in diesem Zusammenhang,
        wann der deutsche Begriff Herzog zum
        ersten Mal auftaucht und in welchem
        Zusammenhang. Und man könnte sich
        streiten, bis zu welchem Zeitpunkt man
        noch von Germanen reden kann.

        Eine lustige Geschichte, die ich mir vor
        Jahren zusammengereimt habe. Frühe
        lateinische Berichte von den Germanen
        sprechen von deren Führern
        hochachtungsvoll als "Richter" (iudex).
        Bis heute hat sich die Vorstellung des
        "Thing" (*dingsbums*) als geordnete
        Gerichts- oder Ratsversammlung erhalten.
        Tacitus liefert da ganz andere
        Schilderungen, die eher an eine Sauforgie
        erinnern. Ich stelle mir vor, daß der
        "iudex" ein sprachliches Mißverständnis
        war. Im Germanischen hieß der
        Stammesführer "tiu". Ob - und wann -
        daher nun der römische "dux" kommt, weiß
        ich nicht. Die etwas gebildeteren
        Germanen haben für die Römer bestimmt ein
        "tiu der rex" daraus gemacht. Die Römer
        haben aus "tiuderex" ein "iudex"
        herausgehört. Und damit wissen auch alle
        Dieter und Dieterichs, was ihr Name
        bedeutet.

        Ob die germanischen Stämme ihre Könige
        gewählt haben, weiß ich nicht.
        Hallo Ralph!

        Könige haben die Germanen nicht gewählt, ihre zeitweiligen Führer wurden gewählt.


        Mir erscheint vieles als hineingedeutet.
        Vielleicht ging es eher zu wie bei "Dirty
        Harry". Die Germanen waren ja gerade von
        den Bäumen herabgestiegen *g*.
        Von den Bäumen? Dann hast Du aber nicht viel von der Geschichte der Germanen gelesen.
        Man nennt es heute noch, den Führer auf den Schild heben.
        Vielleicht lebten sie auf den Bäumen, aber sie waren demokratischer als die Römer.
        Und wenn eine Horde Wilder die Römer bei Kalkriese in den Sack hauen konnte, so zeigt das doch, dass sie was los hatten.
        Im Frankenreich war die Verwaltung
        aufgeteilt in "dux" (Militär) und "comes"
        (übrige Verwaltung). Hier wurde bestimmt
        das lateinische "dux" übernommen, und
        nicht das germanische "tiu". Diese
        Begriffe werden in den Lehrbüchern mit
        "Herzog" und "Graf" übersetzt. Und damit
        weiß ich nicht mehr, was
        (deutschtümelnde) Übersetzung und was
        authentisch ist.

        Nur noch ein Zitat aus einem wirklich
        guten Geschichtsbuch für alle, die nicht
        nur ständig von Kriegen und Landgewinn
        lesen wollen:

        "Die innere Festigung der Stämme und die
        Erneuerung ihrer herzoglichen Gewalten
        war wohl der bedeutendste Vorgang der
        ausgehenden Karolingerzeit. Die Schwäche
        der königlichen Gewalt nötigte die
        Stämme, sich gegenüber der von den
        Wikingern oder den Ungarn drohenden
        Gefahr auf ihre eigenen Kräfte zu
        besinnen. Der karolingische Reichsadel,
        der ohne Rücksicht auf seine Abkunft in
        Aquitanien wie in Sachsen, in der
        Bretagne wie in Italien Ämter und Besitz
        innehatte, begann sich nun an einzelne
        Stämme zu binden; er wurde zum
        sächsischen, fränkischen oder bayrischen
        Adel, aus dem auch die Familien der
        Herzöge hervorgingen."

        Aus: Kroeschell, Karl, Deutsche
        Rechtsgeschichte, Band 1 (bis 1250), 7.
        Aufl. 1985, S. 140.

        Wer machte eigentlich Schluß mit den
        Herzögen?
        Wieso Schluß? Wir haben unseren heute noch! Den Erbgroßherzog von Oldenburg.

        Gruß Werner

        War das Friedrich Barbarossa? Aber woher taucht dann Herzog Ulrich von
        Württemberg wieder auf?

        viele grüße
        ralph

        • Antwort von nach einem Tag hilfreich
          Re^2: Mag auch mal

          Hallo Werner,

          sollte ich Dir irgendwie auf den Schlips getreten sein, dann entschuldige bitte. Ich habe das mit den Bäumen doch extra mit einem *g* gekennzeichnet. Ich will mir nur vorstellen, wie das Leben damals ohne Fernseher, Telefon, Zentralheizung, Waschmaschine, Schmerztabletten, Traktor, Überziehungskredit und Büchern, dafür mit unleidigen Göttern in einem menschenleeren Gebiet mit einem schwer zu rodenden Wald voller dicker Eichen und Sumpf und Moor und Nieselregen gewesen sein muß. Die Demokratie der Germanen stelle ich mir eher wie die Vorstandswahl eines Vereins vor als mit Wahlkabinen und Stimmzetteln. Kennst Du "Ingo und Ingraban" von Gustav Freytag?

          Bei Deinen Bedenken gegen das Wort "König" kommen wir auf die von mir eingangs gestellte Frage: "Von welchen Germanen reden wir?" Sind die Frankenkönige noch Germanen oder schon etwas anderes? Sind die Goten, die irgendwann zu Christi Geburt Schweden verlassen haben, dieselben Germanen, die ein paar Jahrhunderte später in Ravenna herrschten? Wußtest Du, daß zu Cäsars Zeiten die Schwaben in Holland saßen, wohin sie vorher aus dem Berliner Raum gezogen waren? Sind etwa die Schwaben gar keine Schwaben, sondern Slawen?

          Ich habe jetzt nicht nachgeschaut, aber mit Kalkriesa meinst Du sicherlich die Schlacht im Teutoburger Wald. Die Geschichtsschreibung streitet sich bis aufs Messer, ob diese Schlacht die Römer davon abgehalten hat, Germanien zu besetzen. Es hat auch später Expeditionen (Germanicus)gegeben. Siegfried [son Quatsch - Hermann natürlich] ist übrigens in Rom aufgewachsen. Wahrscheinlich ist, daß die Römer in Germanien nördlich der Donau und östlich des Rheins keinen wirtschaftlichen Nutzen sahen, nachdem das "mare nostrum" nicht mehr mit einer Armada von Kriegsschiffen bewacht werden mußte (Holz).

          Ich habe mal in der Geschichte der Oldenburger geschnüffelt. Stadtrecht, Grafen usw. Der erste Herzog regierte von 1785 bis 1829. Hat der etwa seinen Herzogtitel von Napoleon bekommen? Das güldet nicht.

          viele grüße
          ralph

          • Antwort von nach einem Tag hilfreich
            Re^3: Mag auch mal

            Hallo Werner,

            sollte ich Dir irgendwie auf den Schlips
            getreten sein, dann entschuldige bitte.
            Ich habe das mit den Bäumen doch extra
            mit einem *g* gekennzeichnet. Ich will
            mir nur vorstellen, wie das Leben damals
            ohne Fernseher, Telefon, Zentralheizung,
            Waschmaschine, Schmerztabletten, Traktor,
            Überziehungskredit und Büchern,
            Hallo Ralph!

            Wir haben es bis in die 50er Jahre dieses Jahrhunderts ausgehalten ohne Fernseher, Tel., Zentralheizung, Waschmaschine, Überziehungskredit. Frag deine Großeltern!
            Traktoren hatten die meisten Bauern auch erst in den 60ern.
            Schmerztabletten brauchte man damals nicht, Germanen kannten keine Schmerzen.


            dafür mit unleidigen Göttern
            Mit den germanischen Göttern wäre es uns in den letzten 2000 Jahren mit Sicherheit besser gegangen!

            in einem menschenleeren Gebiet mit einem schwer zu
            rodenden Wald voller dicker Eichen und
            Sumpf und Moor und Nieselregen gewesen
            sein muß. Die Demokratie der Germanen
            stelle ich mir eher wie die Vorstandswahl
            eines Vereins vor als mit Wahlkabinen und
            Stimmzetteln. Kennst Du "Ingo und
            Ingraban" von Gustav Freytag?

            Bei Deinen Bedenken gegen das Wort
            "König" kommen wir auf die von mir
            eingangs gestellte Frage: "Von welchen
            Germanen reden wir?" Sind die
            Frankenkönige noch Germanen oder schon
            etwas anderes? Sind die Goten, die
            irgendwann zu Christi Geburt Schweden
            verlassen haben, dieselben Germanen, die
            ein paar Jahrhunderte später in Ravenna
            herrschten? Wußtest Du, daß zu Cäsars
            Zeiten die Schwaben in Holland saßen,
            wohin sie vorher aus dem Berliner Raum
            gezogen waren?
            Die Schwaben in Holland?? Du meinst sicher die Sueben oder Sweben! Diese sind nicht nach Nordwesten, sondern nach Südwesten abgezogen. Was sollten sie denn im kalten Holland? Zuletzt wurden sie in Portugal gesehen.


            Sind etwa die Schwaben gar keine Schwaben, sondern Slawen?

            Wenn Germanen östl. der Elbe gesiedelt haben, heißt das doch nicht, dass sie Slawen waren. Das beweist nur, dass es die Völkerwanderung gab. Siehe Semnonen, Gepiden, Goten, Vandalen (Hasdingen, Silingen), Langobarden, Burgunder usw. Sie alle lebten östl. der Elbe. (Vor der Völkerwanderung).
            Slawen siedelten vorher bis östl. der Weichsel und kamen uns dann immer näher. (Sorben, Wenden). Ich habe jetzt nicht nachgeschaut, aber
            mit Kalkriesa meinst Du sicherlich die
            Schlacht im Teutoburger Wald. Die
            Geschichtsschreibung streitet sich bis
            aufs Messer, ob diese Schlacht die Römer
            davon abgehalten hat, Germanien zu
            besetzen. Es hat auch später Expeditionen
            (Germanicus)gegeben. Siegfried [son
            Quatsch - Hermann natürlich] ist übrigens
            in Rom aufgewachsen. Wahrscheinlich ist,
            daß die Römer in Germanien nördlich der
            Donau und östlich des Rheins keinen
            wirtschaftlichen Nutzen sahen, nachdem
            das "mare nostrum" nicht mehr mit einer
            Armada von Kriegsschiffen bewacht werden
            mußte (Holz).

            Ich habe mal in der Geschichte der
            Oldenburger geschnüffelt. Stadtrecht,
            Grafen usw. Der erste Herzog regierte von
            1785 bis 1829. Hat der etwa seinen
            Herzogtitel von Napoleon bekommen? Das
            güldet nicht.
            1785 war Napoleon 16 Jahre alt und absolvierte gerade seine Lehre als Ziegenhirte auf Korsika.
            Am 14.12.1773 wurde Oldenburg zum Herzogtum befördert.
            Gruß Werner
            viele grüße
            ralph

          • Antwort von nach 33 Tagen hilfreich
            Das erklärt manches ... :-)))

            Wußtest Du, daß zu Cäsars
            Zeiten die Schwaben in Holland saßen,
            wohin sie vorher aus dem Berliner Raum
            gezogen waren? Sind etwa die Schwaben gar
            keine Schwaben, sondern Slawen?
            Na , jedenfalls sind die Schwaben NICHT die wegen übermäßiger Knauserigkeit ausgewiesenen Schotten !
            Vielmehr sind sie aus Abscheu über Schottische Völlerei unter Protest gegangen .
            Später haben sie dann ihre exzessivsten Geizkrägen in die Verbannung geschickt !
            Das müssen die von Dir erwähnten Holländer sein ! :-))
            Übrigens waren sie damals recht viel unterwegs - daher wohl die Affinität zu Wohnwagen !
            Es lebe Mike Krüger ! whk Ich habe mal in der Geschichte der
            Oldenburger geschnüffelt. Stadtrecht,
            Grafen usw. Der erste Herzog regierte von
            1785 bis 1829. Hat der etwa seinen
            Herzogtitel von Napoleon bekommen? Das
            güldet nicht.
            -))
            viele grüße
            ralph
            Tschö ! whk

  2. Antwort von nach 20 Stunden hilfreich
    Re: Was ist ein Herzog?

    Hallo,
    Was ist eigentlich ein Herzog?
    Stephan
    Der, der vor dem Heer (her-)zog!

    Gruß
    Thomas

  3. Antwort von nach 23 Stunden hilfreich
    Re: Was ist ein Herzog?

    Hallo,
    Was ist eigentlich ein Herzog?
    Stephan
    Wenn ich mich nicht total irre, ist Herzog der höchste Adelstitel. Drüber kommt nur noch der King.

    Gruß
    Gudrun

  4. Antwort von nach 18 Tagen hilfreich
    Re: Was ist ein Herzog?

    Hallo,
    Was ist eigentlich ein Herzog?
    Stephan
    ein veralteter Fußballspieler !



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!