INFORMATIONEN ZUM RADIOEMPFANG IN KENIA GESUCHT

Von: , Frage gestellt am Fr, 2. Feb 2001

Um die Authenzität eines Kinofilmes zu gewährleisten, benötige ich dringend Informationen zum damals möglichen Radioempfang in Kenia. Laut Drehbuch hört eine Familie, welche in Kenia im Exil lebt, zwischen 1938 und 1947 eine Rede von Goebbels, von der Reichskristallnacht, sowie von der Niederlage des Afrikakorps in Tunesien. War es damals möglich, überhaupt deutschsprachige Sender in Afrika zu empfangen? Wenn ja, um welche Sender handelte es sich? Gibt es Schweizer Sender, die zu Kriegszeiten ins Ausland sendeten? War der Empfang nur über Kurzwelle oder auch über Mittel- oder Langwelle möglich? Für alle Informationen und mögliche Ansprechpartner rund um dieses Thema wäre ich Ihnen sehr verbunden. Petra

7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    SCHREI DOCH NICHT SO...

    Hallo Petra, War es damals möglich, überhaupt
    deutschsprachige Sender in Afrika zu empfangen?
    ich fürchte, das ist in manchen afrikanischen Gebieten auch heute noch nicht möglich. Erstens: um ein Radioprogramm zu empfangen braucht man Strom, den gibt es in manchen Ländern bis heute nicht; zweitens: bevor wir auf den Trichter kamen, Satelliten ins All zu schießen, funktionierte Radio in Afrika nur über die Kurzwelle (Reichweite ca. 70 km). Zwischen Berlin und Nairobi liegen dummerweise einige Kilometerchen mehr. Was Schweizer Sender angeht, bin ich überfragt. Von der Logik her würde ich aber sagen, daß - selbst wenn sie über Mittel- oder lange Welle gesendet hätten - es nichts an der Empfangsmöglichkeit in Kenia geändert hätte. Schließlich kannst Du auch nicht auf die Buschtrommel hauen und erwarten, daß mein Telefon klingelt, gell?:-) Sprich: Um MW oder LW empfangen zu können, brauchst Du einen Empfänger, der in der Lage ist, die Wellen einzufangen. Siehe auch:

    http://home.wtal.de/ollmann/Afrika.htm
    http://www.isps.ch/ger/agenda_news/news/inhalt/10185...

    Soviel zum Radio.

    Um noch einmal auf die Glaubwürdigkeit des Drehbuchs zurückzukommen:

    1. Goebbels hat meines Wissens das Wort 'Reichskristallnacht' in keiner seiner Reden verwendet (woher die Bezeichnung stammt, weiß niemand so richtig; viele vermuten, daß sie von den vielen zerbrochenen Scheiben stammt und da Juden damals als die Reichen dieser Welt galten, hatten sie gefälligst kein normales Glas sondern Kristall in den Fenstern zu haben) und diese auch nicht kommentiert. Richtig ist allerdings, daß eine Rede von Goebbels (Anfang November 1938) Anlaß für diese schreckliche Geschichte gewesen ist.

    2. Der Afrikakorps kapitulierte doch im Mai 1943, oder? Im Juni bedankte sich Goebbels bei den Truppen (die Rede im Sportpalast in Berlin). Zu der Zeit war die 'Reichskristallnacht' allerdings längst Schnee von gestern (Du weißt hoffentlich, daß ich es nicht so meine, wie es vielleicht rüberkommt) und viele deutsche Juden seit Jahren in Auschwitz, Majdanek, Treblinka, etc. Mit anderen Worten: die Nazis meinten, ihr größtes Problem im Griff zu haben. Warum hätte die 'Reichskristallnacht' noch 1943 in seiner Rede erwähnen sollen?

    3. Wenn mich nicht alles täuscht, hat Goebbels bereits am 01. Mai 1945 - mehr oder weniger freiwillig - das Zeitliche gesegnet. Meinst Du nicht, daß die Alliierten dann 1947 vor Freude im Dreieck gehopst wären, wenn solche Reden per Radio übertragen worden wären? Bedenke bitte, daß die Alliierten nach 1945 z. B. Hunderttausende von Büchern mit gefährlichem (also nationalsozialistischem) Inhalt auf den Index gesetzt und verbrannt haben. Ich meine, daß es 1947 praktisch unmöglich gewesen wäre, eine Goebbels-Rede über den Äther zu schicken.

    Ich hoffe, es hat jemand noch mehr Ideen, mir fällt nix mehr ein.

    So long

    Tessa

    • Antwort von nach 2 Stunden 1 hilfreich
      Kleine Korrektur...

      Stop, TessaVance, Afrika nur über die Kurzwelle (Reichweite ca. 70 km).
      stop! KW ist weltweit hörbar.
      Selbst Empfang von Mittelwelle ist - gute Ausbreitungsbedingungen und eine ordentliche Antenne vorausgesetzt - recht häufig möglich - zumal in den 30er Jahren noch längst nicht so viele Sender in der Luft waren wie heute und sich weniger gegenseitig störten.
      Deutschland hatte zu dieser Zeit recht leistungsstarke Sender sowohl im Mittel- als auch im Kurzwellenbereich in Betrieb.

      Es mag also durchaus möglich gewesen sein, während des Krieges deutschen Rundfunk in Afrika empfangen zu haben - Es gab auch damals bereits Generatoren, Batterien und Strom - auch in Afrika.

      Gruß
      Eckard (Funkamateur und ex-Seefunker)

      • Antwort von nach 2 Stunden hilfreich
        Oops, in Physik wohl net aufgepaßt...

        Hallo Eckard,

        da habe ich wohl tatsächlich gepennt.*schäm* Na ja, man/frau lernt halt nie aus. (Funkamateur und ex-Seefunker)
        Das werde ich mir hinter die Ohren schreiben und auf Dich verweisen, wenn ich mal wieder Unsinn verbreite!:-)

        So long

        Tessa

      • Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
        Funkgeschichte

        Als kleine Ergänzung noch ein paar Worte zun den Frequenzbereichen.
        Die älteste bekannte Funkverbindung ist die Langwelle. Sie breitet sich an die Erdoberfläche angeschmiegt aus. Daher muss für eine Fernübertragung ordentlich Energie bereit gestellt werden. Der Deutschlandfunk brauchte für sein Programm in die damalige DDR ein halbes Kraftwerk. Übrigens gelang es deutschen Ingenieuren schon vor dem 1. Weltkrieg eine Verbindung in die Kolonien (Kamerun) herzustellen.

        Die Kurzwelle macht sich die Reflexionen in der Erdatmossphäre zu Nutze. Daher kann es sein, dass man das Programm erst in größerer Entfernung zum Sender hören kann.

        Die Ultrakurzwelle breitet sich linear, fast wie Licht aus. Daher die kurze Reichweite.

        Andreas

  2. Antwort von nach 5 Stunden hilfreich
    Re: noch einige Informationen

    Hallo Petra,

    es gab eine Rede von Goebbels, die er jedoch nicht im Rundfunk hielt, sondern vor Parteigenossen im Alten Rathaus in München und die als Auslöser für die "Reichskristallnacht" angesehen wird:

    siehe unter Ablauf und Befehlswege
    http://www.lpb.bwue.de/publikat/pogrom/pogrom7.htm

    Im Anschluss an dieses Pogrom hielt er eine Rede im Rundfunk:
    „.....Joseph Goebbels: Zur Reichskristallnacht. Rundfunkübertragung. 10.11.1938.....“
    aus: http://www.shoah.de/se/rundfunk.html

    „.....Schon vor der Kapitulation der 6. Armee in Stalingrad mußte Erwin Rommel sich mit dem Afrika-Korps zurückziehen, waren alliierte Verbände unter General Dwight D. Eisenhower in Nordafrika gelandet und hatten Churchill und Franklin D. Roosevelt im Januar 1943 in Casablanca siegesgewiß die bedingungslose Kapitulation Deutschlands gefordert. Obwohl Reichspropagandaminister Joseph Goebbels auf diese Forderung in seiner Sportpalast-Rede vom Februar 1943 mit der Proklamation des "Totalen Krieges" reagierte, rückten die Alliierten an allen Fronten vor......“
    aus: http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/

    Gruss
    Eve*

  3. Antwort von nach 14 Stunden hilfreich
    Re: INFORMATIONEN ZUM RADIOEMPFANG IN KENIA GESUCH

    Hallo Petra!

    Über Kurzwelle war das nachts immer möglich. Während des zweiten Weltkrieges hörten die deutschen Soldaten an allen Fronten, auch in Nordafrika, den Soldatensender Belgrad.
    Das Lied "Lili Marleen" ist gerade über Kurzwelle weltweit bekannt geworden.
    Weihnachten gab es jedes Jahr eine Wunschkonzertsendung für die deutschen Soldaten und Auslandsdeutschen. Gerade der Kurzwellenempfang und das Senden von Kurzwellensendungen wurde in Deutschland für Propagandasendungen stark vorangetrieben.
    Die Deutschen auf einer Farm in Afrika hatten ganz sicher einen Generator. Sie hatten auch Funkgeräte für die Außenverbindung. Nicht zur Spionage nach Deutschland, sondern um ärztliche Hilfe rufen zu können.

    Nur eines scheint mir bei dem Film merkwürdig, wenn nicht unglaubwürdig : Deutsche während des 2. Weltkrieges in Kenia?? Frei lebend? Kenia war brit. Kolonie und Deutsche wurden sofort in Lagern konzentriert, sie durften auf keinen Fall frei im Land herumlaufen.
    Selbst Albert Schweitzer wurde nach Kriegsausbruch verhaftet und in ein Lager gesperrt.
    Ich glaube, das ist eine Sache, die nicht stimmt.

    Gruß Werner

    • Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
      Re^2: INFORMATIONEN ZUM RADIOEMPFANG IN KENIA GESU

      Albert Schweitzer hatte seine Station natürlich in Lambarene, Gabun und dort herrschten die Franzosen. Aber diese handhabten ihre deutschen Mitbewohner in den Kolonien genauso, wie die Engländer. Sie kamen in Lager und durften sich nicht frei bewegen.
      Noch etwas zu den Radiosendungen. Auch BBC brachte täglich ,zu bestimmten Zeiten, Sendungen für den deutschsprachigen Raum. Radio war damals viel wichtiger als heute.
      Gruß Werner [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

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