Turnvater Jahn, Ernst Moritz Arndt, Fichte

Von: (abgemeldet) , Frage gestellt am So, 18. Feb 2001
Wie sind die drei oben genannten Geistesgrößen aus heutiger und aus damaliger (Anf. 19. Jhdt.) Sicht zu sehen zu beurteilen?
Danke, Stucki

1 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von (abgemeldet) nach 22 Tagen hilfreich
    Re: Turnvater Jahn, Ernst Moritz Arndt, Fichte
    Jahn und Arndt sind zunächst dadurch historisch bedeutend, dass sie als Abgeordnete im Parlament der Paulskirche gesessen haben.
    Jahn und Arndt waren echte Nationalisten; beide waren wichtige Vertreter des deutschen Widerstandes gegen die Besetzung durch Napoleon. (Primärliteratur: Arndt, Geist der Zeit, 4 Teile, 1805-18, Neudruck 1912; Jahn, Deutsches Volkstum, 1810, Neudruck 1991). Jahn hat von 1819 bis 1825 im Gefängnis gesessen, Arndt musste 1806 nach Schweden fliehen. Jahn und Arndt sind meiner Meinung nach nur noch aus ihrer Zeit heraus zu verstehen. Wer beide mit dem Jahre 1989 bzw. 1990 in Verbindung bringt, übersieht die Verschiedenheit der Umstände. Arndt ist darüber hinaus psychologisch insofern interessant, als er eine äußerst schwierige Biografie hatte, beginnend mit der Tatsache, dass er als Sohn eines Leibeigenen geboren wurde. Darüber hinaus ist sein späteres politisches Auftreten eher tragisch, da er sehr überzeichnet. Er forderte im Parlament z. B. "die Todesstrafe für Vaterlandsverräther und Elternmörder".

    Fichte (Johann Gottlieb) ist wohl etwas schwieriger zu beurteilen als die beiden anderen, weil er differenzierter denkt (Primärliteratur: "Grundlage des Naturrechts" von 1796, "Der geschloßne Handelsstaat" von 1800, "Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters" von 1806, "Reden an die deutsche Nation" von 1808). Fichtes Eintreten für die Französische Revolution und die mit ihr zu realisierende Freiheitsidee gipfelt in der Überzeugung, dass der von ihm gewollte Vernunft-Staat sich planwirtschaftlich abschotten müsse. Insofern vertritt er frühsozialistische Ideen, die die Freiheit des Einzelnen gegenüber der Freiheit aller einschränken. Beispiel:
    Im Staat gibt es drei Primärstände (Produzenten, Künstler und Kaufleute) ergänzt durch Sekundärstände (Beamte, Lehrer, Soldaten). Die Kaufleute vermitteln zwischen Produzenten und Künstlern durch den Handel. Der Staat hat die Aufgabe, die Personenzahl der einzelnen Stände zu bestimmen. Der Staat kann dies nur tun, indem er sich nach außen abschottet, vorher aber alles "Weltgeld" im Tausch gegen "Landeswährung" an sich bringt.
    Die DDR lässt grüßen.
    Tipp für die Sekundärliteratur: B. Willms, Die totale Freiheit. Fichtes politische Philosophie; Köln 1967 und T. Harada, Politische Ökonomie des Idealismus und der Romantik; Berlin 1989.
    Vielleicht hilft dir das schon weiter.
    Grüße
    Thomas Miller
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