Nazis, die Juden geholfen haben

Von: , Frage gestellt am Fr, 23. Okt 2009

Hallo.

Für die Recherche zu einem Buch bin ich auf der Suche nach wahren Geschichten von Juden, denen von Nazis geholfen wurden.

Diesbezüglich habe ich von Fälschungen von Ariernachweisen gehört oder Mitgliedern der SS, die Juden zur Flucht verholfen haben.

Gibt es hier historische Quellen oder belegbare Ereignisse?
Oder hat jemand aus seiner Familie mal von einer solchen Geschichte gehört?

Gruß,

Sacha

26 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 44 Minuten 0 hilfreich
    Re: Nazis, die Juden geholfen haben

    Hallo Sacha, Für die Recherche zu einem Buch bin ich auf der Suche nach
    wahren Geschichten von Juden, denen von Nazis geholfen wurden.
    Hmm ... was genau bedeutet "geholfen"? Etwas zu essen gegeben? Außer Landes geschmuggelt? Das Leben gerettet? Arbeit gegeben?

    Und wer ist ein Nazi?

    Oskar Schindler z.B. war Parteimitglied, trug ein Hakenkreuzabzeichen und war rein äußerlich betrachtet ein mustergültiger Nazi. Aber ich denke, das ist nicht so wirklich, was du meinst, oder?

    Kennst du übrigens den Film "Der Pianist"? Da findet ein Nazi einen Juden - den "Pianisten" - in seinem Versteck, gibt ihm aber etwas zu essen und seinen Mantel. Zählt das schon als "helfen"? Reicht es schon, dass er ihn nicht verraten hat?

    Ich glaube, es kann nur gut für dein Buch sein, wenn du deine Suche genauer eingrenzt.

    Übrigens, noch so eine Geschichte von einem Nazi, der eine Jüdin geschützt hat: Anita Lasker-Wallfisch hatte die Eingebung, sich die Etüden von Chopin beizubringen, und zwar alle. Diese Etüden zählen zu den schwierigsten Klavierstücken, die es gibt. Nun, sie hat die Etüden gelernt, und in Auschwitz hat ihr dann einer der SS-Offiziere mitgeteilt, dass sie nichts zu befürchten hat - weil sie so gut Klavier spielt. (Es kann auch nicht geschadet haben, dass sie jung und hübsch war.)

    Geholfen hat er ihr also wohl. Als uneigennützig würde ich es aber in dem Fall nicht bezeichnen. Er wollte einfach weiter ihre Musik hören.

    Ganz so einfach ist deine Frage also gar nicht zu beantworten.

    Schöne Grüße

    Petra

    • Antwort von nach 58 Minuten 0 hilfreich
      Re^2: Nazis, die Juden geholfen haben

      Hallo Petra. Für die Recherche zu einem Buch bin ich auf der Suche nach
      wahren Geschichten von Juden, denen von Nazis geholfen wurden.
      Hmm ... was genau bedeutet "geholfen"? Etwas zu essen gegeben?
      Außer Landes geschmuggelt? Das Leben gerettet? Arbeit gegeben?
      Ganz konkret heißt das: das Leben gerettet.
      Uneigennützig, eigennützig oder mit Doppelinteresse. Und wer ist ein Nazi?
      Oskar Schindler z.B. war Parteimitglied, trug ein
      Hakenkreuzabzeichen und war rein äußerlich betrachtet ein
      mustergültiger Nazi. Aber ich denke, das ist nicht so
      wirklich, was du meinst, oder?
      Ich meine damit nicht nur Parteimitglieder, sondern tatsächlich Mitglieder der SS.
      Parteimitglieder gab es wohl damals viele. Kennst du übrigens den Film "Der Pianist"? Da findet ein Nazi
      einen Juden - den "Pianisten" - in seinem Versteck, gibt ihm
      aber etwas zu essen und seinen Mantel. Zählt das schon als
      "helfen"? Reicht es schon, dass er ihn nicht verraten hat?
      Nein, ein Mantel und was zu essen ist für die Story natürlich ein Bißchen zu wenig. Das alleine wäre sicher zwar schon ein eingegangenes Risiko, doch suche ich Geschichten, wo aktiv das Leben eines Juden oder einer jüdischen Familie gerettet wurde.
      Bei meinen Recherchen stieß ich auf die Geschichte eines SS-Mannes, der in eine Jüdin verliebt war und ihr und ihrer Familie zur Flucht verhalf.
      Die Frage, ob das aus Eigennutz geschah, kann man auch nicht so leicht beantworten. Aber in diesem Fall schon irgendwie aus Nächstenliebe... Übrigens, noch so eine Geschichte von einem Nazi, der eine
      Jüdin geschützt hat: Anita Lasker-Wallfisch hatte die
      Eingebung, sich die Etüden von Chopin beizubringen, und zwar
      alle. Diese Etüden zählen zu den schwierigsten Klavierstücken,
      die es gibt. Nun, sie hat die Etüden gelernt, und in Auschwitz
      hat ihr dann einer der SS-Offiziere mitgeteilt, dass sie
      nichts zu befürchten hat - weil sie so gut Klavier spielt. (Es
      kann auch nicht geschadet haben, dass sie jung und hübsch
      war.)

      Geholfen hat er ihr also wohl. Als uneigennützig würde ich es
      aber in dem Fall nicht bezeichnen. Er wollte einfach weiter
      ihre Musik hören.
      Vielen Dank schonmal.
      Werde der Geschichte mal nachgehen.

      Gruß,

      Sacha

      • Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
        Noch'n Buch

        Hallo nochmal,

        ah so. Nun wird die Sache klarer. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob du neue, noch nicht veröffentlichte Aussagen suchst, oder solche, über die schon geschrieben wurde, oder einfach alles.

        Aber ich habe noch ein Buch für dich:
        "Ich ging durchs Feuer und brannte nicht" von Edith Hahn Beer. Da überlebte eine Jüdin, indem sie einen Nazi heiratete. Sie sagt ihm auch nach einiger Zeit, dass sie Jüdin ist. Er ist zwar sauer, dass sie ihn zu Beginn angelogen hat, aber er heiratet sie trotzdem. Sie bekommt während des Krieges sogar ein Kind von ihm. Naja, einige Jahre nach dem Krieg kam dann doch die Scheidung. Er mochte es nicht, wenn man ihm widersprach, und schlug sie vor den Augen ihrer Tochter, und so hat sie sich dann doch entschieden, sich wieder von ihm zu trennen.

        Immerhin setzt sie sich noch bei den Russen für ihren Mann ein, und er kommt so eher aus der Kriegsgefangenschaft frei.

        Er war allerdings nicht bei der SS.

        Viel Erfolg noch mit deinem Buch.

        Schöne Grüße

        Petra

      • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
        Re^3: Nazis, die Juden geholfen haben

        Bei meinen Recherchen stieß ich auf die Geschichte eines
        SS-Mannes, der in eine Jüdin verliebt war und ihr und ihrer
        Familie zur Flucht verhalf.
        Die Frage, ob das aus Eigennutz geschah, kann man auch nicht
        so leicht beantworten. Aber in diesem Fall schon irgendwie aus
        Nächstenliebe...
        Hi Sascha,

        bei solchen Beurteilungen solltest Du sehr vorsichtig sein. "Schon irgendwie aus Nächstenliebe" - da sträubt sich bei mir etwas und ich muss an kitschige Filme denken.

        Spekulire lieber nicht über die Motive von Handlungen, zu denen du sehr wenig Bezug hast.

        Nix für ungut

        Alles Gute

        Uli

        • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
          Re^4: Nazis, die Juden geholfen haben

          Hallo Uli, bei solchen Beurteilungen solltest Du sehr vorsichtig sein.
          "Schon irgendwie aus Nächstenliebe" - da sträubt sich bei mir
          etwas und ich muss an kitschige Filme denken.

          Spekulire lieber nicht über die Motive von Handlungen, zu
          denen du sehr wenig Bezug hast.
          Das war eher ein Zitat meines Zeitzeugen, den ich befragt hatte.
          Er sagte ganz unverblümt, daß die Beziehung zu einer Jüdin seine Karriere sofort beendet hätte.
          Ich fragte ihn dann, ob er es denn nicht auch seiner Frau zuliebe getan hätte und er sagte: "Doch. Schon irgendwie auch."
          Das hat für mich nichts kitschiges.
          Ganz im Gegenteil.

          Gruß,

          Sacha

          • Antwort von nach einem Tag 1 hilfreich
            Re^5: Nazis, die Juden geholfen haben

            Das war eher ein Zitat meines Zeitzeugen, den ich befragt
            hatte.
            Er sagte ganz unverblümt, daß die Beziehung zu einer Jüdin
            seine Karriere sofort beendet hätte.
            Ich fragte ihn dann, ob er es denn nicht auch seiner Frau
            zuliebe getan hätte und er sagte: "Doch. Schon irgendwie
            auch."
            Das hat für mich nichts kitschiges.
            Ganz im Gegenteil.
            Hi Sascha,

            dann lies Dir noch einmal durch, wie Du es geschrieben hast: Die Frage, ob das aus Eigennutz geschah, kann man auch nicht so
            leicht beantworten. Aber in diesem Fall schon irgendwie aus
            Nächstenliebe...
            Wenn Du ein Buch schreibst, solltest Du gut trennen, was der Zeuge gesagt hat und was Du so glaubst.

            Alles Gute

            Uli

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^6: Nazis, die Juden geholfen haben

              ... Klar. Was die Leute sagen und was sie meinen sind mitunter auch zweierlei.
              Da ich aber an einem fiktionalen Stoff schreibe, der durch reale Geschichten inspiriert ist, darf ich das auch interpretieren.

              Sacha

            • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
              Re^7: Nazis, die Juden geholfen haben

              darf ich das auch
              interpretieren.
              Dürfen schon.
              Aber dann nicht wundern, wenn deine Leser ähnlich wie u.s. reagieren (ich übrigens auch).
              Gerade Schriftsteller sollten mit Sprache etwas präziser umgehen.

              Gruß
              Elke

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: Nazis, die Juden geholfen haben

            Er sagte ganz unverblümt, daß die Beziehung zu einer Jüdin
            seine Karriere sofort beendet hätte.
            Ich fragte ihn dann, ob er es denn nicht auch seiner Frau
            zuliebe getan hätte und er sagte: "Doch. Schon irgendwie
            auch."
            Das hat für mich nichts kitschiges.
            Ganz im Gegenteil.

            Hi Sacha,
            und wenn Du später mal ein Buch über Korruption in der SS schreibst, kannst Du die Geschichte noch einmal brauchen.
            Sorry, ich bin nicht romantisch.

            Gruss

            Uli



Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!