Deutsche Kolonien in Übersee

Von: , Frage gestellt am Fr, 2. Mär 2001

Mich beschäftigt schon seit geraumer Zeit die Frage, warum Deutschland die Kolonialisierung von Überseegebieten, außer Namibia, Teile von Papua New Guinea und ein paar anderen Enklaven vollig verschlafen hat, dies nicht gewollt war oder nicht umgesetzt werden konnte. Oder konnte man sich einfach nicht mit England, Frankreich oder gar Belgien zur Durchsetzung der eigenen Interessen messen?

Danke für jede Meinung.

7 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 16 Minuten hilfreich
    Re: Deutsche Kolonien in Übersee

    Wie kommst Du denn darauf? Verschlafen??

    Deutsch-Ostafrika
    Deutsch-Südwestafrika
    Kamerun
    Togo
    Kiautschou in Ostasien
    Kaiser Wilhelmsland
    Bismarkarchipel und die Salomonen
    Marshallinseln
    Karolinen, Marianen und Palauinseln
    Deutsch-Samoa

    Ist das alles nichts???? [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einer Stunde hilfreich
      Re^2: Deutsche Kolonien in Übersee

      Und da Deutschland keine See-Macht war, war es nicht möglich einen Krieg oder gar eine Eroberung mit dem Nautik-Express zu machen....

      Frankreich, England und erst recht Spanien und Portugal waren da viel besser....

      Deutschland hatte auch genug mit den Kriegen im Deutschen Reich und Europa zu tun, so dass die Eroberungen in Afrika schon genug waren.

      In diesem Sinne...

      Marco [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach einer Stunde hilfreich
      Kaum bedeutsam...

      Deutsch-Ostafrika
      Deutsch-Südwestafrika
      Kamerun
      Togo
      Kiautschou in Ostasien
      Kaiser Wilhelmsland
      Bismarkarchipel und die Salomonen
      Marshallinseln
      Karolinen, Marianen und Palauinseln
      Deutsch-Samoa
      Stimmt schon. Aber mal ehrlich, gegen das französische Westafrika und die englischen Kolonialgebiete sind die paar Südseeinseln, die ohnehin ohne großen Widerstand vereinnahmt wurden und zudem eher Prestigeobjekte waren als mit handfesten strategische oder wirtschaftliche Interessen unterlegt, doch nur von geringer Bedeutung gewesen. In Ostafrika sah es wegen der Edelsteinvorkommen doch etwas anders aus. Allerdings dauerte die Kolonialzeit nicht allzu lange an, was wohl wiederum auf fehlendes Interesse zurückzuführen ist, oder?

      • Antwort von nach 3 Stunden 4 hilfreich
        Re: Kaum bedeutsam...

        Deutschland hätte schonngern ein paar Kolonien gehabt, aber es ging nicht.

        Erstens war Deutachland rein geografisch benachteiligt. Es fehlte der Zugang zum Ozean. Zeitweise fehlte sogar der Zugang zum Meer überhaupt weitgehend. Im 17. Jahrhundert saßen in Vorpommern die Schweden, und Hannover gehörte lange Zeit zu England. Da war kein deutscher Staat an der Küste, der sich irgendwelche Kolonialpolitik hätte leisten können.
        Außerdem waren die deutschen Kleinstaaten ein Witz. Es gab ja vor 1871 kein Bundesheer und auch keine deutsche Marine. Und einen der vielen ständig von Geldsorgen geplagten Kleinfürsten gleichberechtigt mit Spanien und England auf der Jagd nach Kolonien... das ist zu absurd. Die hatten ganz andere Probleme.

        Trotzdem hat es 2 Versuche gegeben: Die Fugger versuchten im 16. Jahrhundert in Südamerika Fuß zu fassen, in der Gegend des Orinoko. Aber sie konnten nicht gegen die Spanier bestehen. Von Süddeutschland und mit fremden gecharterten Schiffen war eine Kolonie auf die Dauer einfach nicht zu halten.
        Der Kurfürst von Preußen startete im 17. Jahrhundert einen Versuch in Afrika. Aber auch er hatte einfach zu wenig Mittel und zu wenig Schiffe für eine wirklich erfolgreiche Aktion. Die Sache blieb ein Verlustgeschäft, das später eingestellt wurde.

        Wirklich zum Zuge kam Deutschland erst nach der Reichsgründung 1871. Aber Bismark hielt nicht sehr viel von Kolonien. Das war weniger Unterschätzung als mehr eine reale Einschätzung der Lage. Erst mal mußte Deutschland zu einem Nationalstaat zusammenwachsen, der notfalls auch Frankreich und England Paroli bieten konnte, ehe man beginnen konnte, diese Länder durch Überseeaktivitäten zu reizen. Und danach war das meiste schon weg, um 1900 war die Welt verteilt. Deutschland hatte aber noch einige Eisen im Feuer. Da war erstens der Brückenkopf inChina, daß sich über kurz oder lang gegenüber den Indusrienationen öffnen mußte. Noch wichtiger war aber die im Bau befindliche Bagdadbahn. Damit war ja die vergabe von Konzessionen für Industrie, Handel und Bergbau verbunden. Damit hätte sich Deutschland einen Platz im Nahen Osten gesichert, im Irak und im heutigen Syrien und irgendwann das zerfallende osmanische Reich beerbt.

        Aber da kam der 1. Weltkrieg dazwischen. Es stimmt ja nicht, daß Deutschland allein Schuld war. In Wirklichkeit wa es auch ein Kampf um die Weltherrschaft gegen dem bei der Aufteilung der Welt zu kurz gekommenen Deutschland und den alten Mächten Frankreich und England, die die Konkurrenz gern los sein wollten. DAs haben sie auch geschafft, Deutschland hat ja verloren. Und im Friedensvrtrag mußte Deutschland dann auch folgerichtig auf sämtliche Kolonien verzichten.

        Abschließend noch eine Bemerkung: Wahrscheinlich war es besser so. Immerhin ist Deutschland in seiner kurzen Kolonialzeit zweimal sehr unrühmlich in die Geschichte eingegangen: Einmal bei der brutalen Niederschlagung des Boxeraufstandes in China und einmal bei der Vernichtung der Herero in Namibia. Wenigestens sind uns so weitere Fußnoten dieser Art in der Geschichte erspart geblieben.


        Gernot Geyer

      • Antwort von nach 15 Stunden hilfreich
        Re: Kaum bedeutsam...

        Lies Dir mal durch, was Gernot geschrieben hat. Das trifft wohl alles zu.
        Fehlendes Interesse?? Hast Du vergessen, daß es den ersten Weltkrieg gab und uns dadurch die Kolonien verloren gingen?
        Und nach dem verlorenen Krieg hatte man in Deutschland andere Interessen, als irgendwo Kokosfasern zu sammeln. Außerdem wurde uns durch den Versailler-Vertrag verboten, Kolonien zu besitzen.
        Dann darf man doch nicht vergessen, daß die Kolonialmächte von damals, heute mit ihren ehemaligen kolonien nur Probleme haben. Die uns zum Glück fehlen.
        Kolonien haben den Kolonialmächten vielleicht kurzzeitig einiges gebracht, aber auf Dauer waren es Zusatzgeschäfte. Heute ist es doch soweit, daß die ehem. Kolonien das geraubte Gut und Kunstschätze zurückverlangen, was uns auch erspart bleibt. Ganz im Gegenteil, die Beziehungen zu Togo sind besser als die Beziehungen anderer europ. zu ihren ehem. Kolonien.

        Kein Land hat Glück gehabt mit seinen Kolonien. Das einzige Glück war, man konnte seine Nichtstuer, Abenteurer und sonstige Glücksritter, wie Beamte, die zu Haus nicht weiterkamen, in die Kolonien abschieben. Alles, was hier nichts wurde, versuchte sein Glück in den Kolonien. Man war damit viele Unruhestifter auch in der Verwaltung los. [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach einer Stunde hilfreich
    Re: Bismarck

    Hi,
    soweit ich weiß, war Bismarck (einer der wenigen politischen Persönlichkeiten mit Weitblick im Kaiserreich) gegen eine deutsche Beteiligung am kolonialen "Wettlauf" am Ende des 19. Jh.. Wilhelm I. folgte in den meisten Angelegenheiten der Meinung seines Kanzlers.
    Nach dem Tod von Wilhelm I. 1888 gab Wilhelm II. die Parole "ein Platz an der Sonne" aus und schützte die Geschäfte und Handelsstationen von deutschen Geschäftsleuten, v.a. in Afrika nun von Staatswegen her. Die meisten Kolonialgebiete wurden bereits 1888/89 "erworben". Bismarck wurde später in den 90ern von Wilhelm II.abgesägt wg. Differenzen in der Außenpolitik.

  3. Antwort von nach einer Stunde 4 hilfreich
    Kurze Geschichte der deutschen Kolonien

    Mich beschäftigt schon seit geraumer Zeit die Frage, warum Deutschland die Kolonialisierung von Überseegebieten, außer Namibia, Teile von Papua New Guinea und ein paar anderen Enklaven vollig verschlafen hat, dies nicht gewollt war oder nicht umgesetzt werden konnte. Oder konnte man sich einfach nicht mit England, Frankreich oder gar Belgien zur Durchsetzung der eigenen Interessen messen?
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    DEUTSCHE Kolonien konnte es frühestens ab der staatlichen Einigung 1871 geben. Vorher hatten die deutschen Staaten andere Probleme, und es existierte auch keine deutsche Flotte, ohne die es halt einmal keine überseeischen Kolonien geben konnte (es sei denn, man verfuhr wie Belgien, das sich für seine Kolonien die britische Flotte geradezu "auslieh"; Belgien war mit England fest verbündet).

    Bismarck hielt nicht viel von Kolonien. "Hier liegt Rußland, und hier liegt Frankreich, und wir sind in der Mitte. Das ist meine Karte von Afrika", soll er gesagt haben.
    Dann machte Bismarck doch einen etwas über ein Jahr dauernden Ausflug in die Kolonialpolitik. In den Jahren 1883/84 erwarb Deutschland Kolonialbesitz von der fünffachen Größe seines europäischen Territoriums:
    - Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia;
    - Deutsch-Ostafrika, heute Tansania;
    - Kamerun und Togo
    - Teile Neuguineas, der Salomoneninseln, der Samoainseln
    - die Marshall-Inseln.
    Viel eher wäre das auch nicht gegangen. Einem 1875 beschlossenen Gesetz folgend hatte Deutschland bis 1882 eine recht ordentliche Flotte aus zwölf hochseefähigen Panzerschiffen gebaut und war damit viertstärkste Seemacht der Welt (hinter England, Frankreich, Rußland). Und ohne die Flotte ging nichts.
    Was letztlich der Auslöser für diesen kurzen Trip war, ist umstritten. Großbritannien hatte sich 1882 in Ägypten eingemischt, als dort innere Kämpfe ausgebrochen waren, und steckte dann in Schwierigkeiten mit einem Kolonialkrieg im Sudan. Und Bismarck machte den Staaten, die ohnehin schon Schwierigkeiten hatten, gern noch ein paar mehr davon, nur um zu zeigen, daß die anderen auf Deutschlands Wohlwollen angewiesen sind. (Beiläufig gesagt: Solche Gedanken sind dem Herrn Außenminister Fischer fremd.)

    Dabei blieb es bis 1898, dann folgte ein zweiter und letzter Schub. Deutschland kaufte von Spanien, das gerade einen Krieg gegen die USA verloren hatte, den Restbesitz an pazifischen Kolonien auf: die Karolinen, die Marianen und die Palau-Inseln. Außerdem wurde der Hafen Kiautschou von China "gepachtet".

    Mehr war nicht zu holen. Zum einen war die Welt spätestens ab 1890 aufgeteilt. Zum anderen waren die Kolonien wirtschaftlich eine Reinfall. In den 1880er Jahren wanderten jährlich rd. 200.000 Menschen aus Deutschland aus, Deutschland war Auswanderungsland, und der mittlere Westen der USA sprach deutsch. Wer gehofft hatte, diesen Menschenstrom in die Kolonien umleiten zu können, wurde enttäuscht. In den "besten Zeiten" kurz vor 1914 lebten 25.000 Deutsche in den Kolonien. Hafen-, Straßen- und Eisenbahnbauten in den Kolonien fraßen ungeheure Gelder, ohne erkennbaren Nutzen zu bringen. Als einzige deutsche Kolonie erwirtschaftete Togo einen Überschuß; der übrige Kolonialbesitz war ein Gewinnverzehrer.
    "Verschlafen" hat Deutschland nichts. Deutschland erschien als Staat erst sehr spät auf der Bildfläche, und die Alternative zu dem, was tatsächlich passierte, hätte nur in einem Krieg gegen eine alte, verfallene Kolonialmacht bestanden, so wie sich das auch erst 1870 entstandene Italien "seine" Kolonien an der Mittelmeerküste durch Krieg gegen das Osmanische Reich "holte".

    - Django -

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