Juden - Palästina - Britisches Mandat

Hallo Ihr Lieben,

auch auf die Gefahr hin, daß ich mich mit dieser Frage zum Klops des Jahrhunderts mache:

Auf 3SAT lief gestern ein sehr bewegender und hervorragend gemachter Bericht über die Juden im Zweiten Weltkrieg und über ihren Kampf um einen eigenen Staat.

Dämlich bin ich nicht (na ja, ab und zu schon), Geschichte habe ich auch mal und sogar gerne gelernt, allerdings konnte mir auch diese Reportage nicht einleuchtend erklären, warum sich die Briten so wehement - und vor allem so lange - geweigert haben, 100.000 Juden die Einreise nach Palästina zu verweigern.

Verflucht noch mal, was sollte das damals sein? Die erzkatholischen Polen lynchen ihre Landsleute (darunter Babies) und stecken den Leichen Zettel "Dieses Schicksal blüht jedem Juden, der es wagt, zurückzukommen’ in die Tasche; die Engländer greifen Flüchtlingsschiffe an und verschiffen die Flüchtlinge nach Zypern (auch das habe ich nicht so richtig verstanden); die US-Militärs titulieren sie mit Begriffen, die ich an dieser Stelle nicht unbedingt wiederholen möchte. Ach so, die Franzosen lassen keinen Flüchtling von Bord gehen, der es nicht freiwillig tut. Surprise, surprise: kein Mensch ging vom Bord. Eines muß man den Franzosen lassen: mit dieser Show haben sie sich überaus elegant aus der Affäre gezogen.

Was wollten die Amis mit dieser laschen Haltung beweisen? Was wollte die Welt mit ihrer Ignoranz beweisen? Warum mußte ein südamerikanischer Diplomat während der UN-Vollversammlung gebeten werden, die Entscheidung mit seiner Rede um eine Stunde zu verzögern, damit neue weitere Gründe für die Ausrufung eines jüdischen Staates beschafft werden können? Die Antwort des Botschafters war herrlich: ‚Sie bitten mich, die Entscheidung durch eine Rede von einer Stunde zu verzögern? Innerhalb einer Stunde kann man lediglich einige Anmerkungen machen…‘. Und dann auch noch der Spruch des russischen Außenministers: wir befürworten die Gründung eines jüdischen Staates , von dem es dann schließlich noch eine Stunde davor keinen Namen gab?

Und wehe, es kommt mir eine® mit dem Tip: guck mal bei google.de nach…

Ciao & Shalom

Tessa

Römer Kap. 9-11
Eine sehr ausführliche Frage. Zumal ich nicht weiß, was 3Sat dort ausgekramt hat; ich besitze keinen Fernseher.

Am besten, man nimmt einmal die Bibel und liest im Neuen Testament den Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel 9 bis 11. Ziemlich schwer verständlich alles. Im Kern sagt Paulus: Kurz vor dem Ende der Welt wird das „Volk der Väter“ gerettet werden.

Obwohl die westeuropäischen Juden (ungeachtet gelegentlicher Gewalttaten) seit der Französischen Revolution emanzipiert waren und in ihren Heimatländern über beträchtlichen Besitz verfügten, begann Ende des 19. Jahrhunderts die Einwanderung von Juden in das damals zum Osmanischen Reich gehörende Palästina. Sie gingen aus einem Zustand bürgerlicher Sicherheit in ein armes und instabiles Land. Ein seltsamer Effekt.

Für die Kommunisten war der 7. November 1917 (Sieg der "Oktober"revolution) der Beginn eines neuen Weltzeitalters. Für die Juden begann die neue Epoche fünf Tage früher. Am 2.11.1917 verlas der britische Außenminister Lord Balfour die Proklamation, daß „… die Regierung Seiner Majestät … befürwortend die Errichtung einer nationalen Heimat für das jüdische Volk im Palästina ins Auge [faßt]“. Vielleicht wird diese „Balfour-Deklaration“ eines Tages in den heiligen Schriften stehen; das Edikt des persischen Königs Kyros, worin er den Juden die Rückkehr nach Palästina erlaubt, steht in Esra 6,2.

Es folgten der Holocaust und die Gründung Israels. Für die Juden sind das Ereignisse, die dem Exodus aus Ägypten zur Zeit des Moses oder der Rückkehr aus dem babylonischen Exil gleichstehen. Und wenn man die Gründung Israels als Vollzug der biblischen Prophezeihung aus Rö. 9-11 ansieht, dann hat das ganze Geschehen vom Beginn der jüdischen Einwanderung in Palästina bis heute auch für die Christen enorme Bedeutung.

Man kann die von 3Sat beschriebenen Geschehnisse als Ausdruck eines tief verwurzelten, ethisch und ökonomisch begründeten Antisemitismus ansehen. Oder als welthistorisches Geschehen.

  • Django -

Moinmoin Tessa :smile:,

Ganz kurz zur Vorgeschichte, ohne die man das später nicht versteht (ich hole jetzt ein bisschen aus, sorry :smile:):

Die britische Nahostpolitik ist schon im ersten Weltkrieg von eigenen Interessen geprägt und wird auch als Mandatsträger der imperialen Strategie untergeordnet, im Nahen Osten eine britische Hegemonialstellng auszubauen.
Schon im ersten Weltkrieg hat GB versucht, sowohl die nationalen Bewegungen der Araber und der Zionisten mit zweideutigen Versprechungen auf seine Seite zu ziehen. Der Nahe Osten war ja eine Stück Kuchen, das man hoffte nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches unter sich aufteilen zu können.

Die europäischen Siegermächte übernahmen schließlich Mandate im Nahen Osten, GB entschied sich für Palästina/Transjordanien und Irak. Warum? Es ging um die Sicherung des Seewegs nach Indien durch den Suezkanal und die Kontrolle über das irakische Erdöl.

Gb und die Juden in Palästina
Alles im allem war die britische Politik mal freundlicher mal weniger freundlich gegenüber den Juden in Palästina. Man könnte die Politik auch als opportunistisch bezeichnen. Je nachdem, wie es gerade passte, wurden wieder mehr die arabischen Interessen unterstützt und dann wieder die jüdischen Interessen.
Ab 1930 wird die Politik GBs gegenüber den Juden in Palästina restriktiver, mit dem „Weißbuch“ wird der Landerwerb für Juden eingeschränkt. In der Zeit zwischen 36-39 beginnen die jüdische Organisation „Jischuw“ die Methode „Zaun und Wachstum“, d.h. die Errichtung von Siedlungen über NAcht. 52 Siedlungen werden so innerhalb von drei Jahren gegründet. In diesen Jahren findet deshalb auch ein arabischer Aufstand statt. 1937 schlägt eine Kommission der Briten eine Teilung des Landes vor. Die Mandatsbehörden untersagen den Bodenkauf durch Juden in Gebieten, die für den arabischen Staat vorgesehen sind.

Die Konflikte zwischen Zionisten und GB schaukeln sich immer weiter nachoben. GB versucht mit Restriktionen der Lage, die sie zunehmend nicht mehr kontrollieren kann, Herr zu werden.

1939 schränkt ein weiteres Weißbuch die Immigration von Juden ein. Als also Juden aus Europa vor den Deutschen fliehen mussten, hatten die Briten oft nur ihre aus dem Ruder gelaufene Mandatsträgerschaft und die Erhaltung derselben im Sinn. Jeder weitere Jude wurde als zusätzliches Problem angesehen, das die Araber noch mehr aufbringen würde. Ich habe den Beitrag nicht gesehen auf 3 Sat, ich vermute aber das die Ablehnung der Juden damit begründet wurde, dasss das Einwanderungskontingent schon ausgeschöpft war.

1944 ruft der Menachem Bein zur Revolte gegen die britische Herrschaft auf. Ab August 1945 wird die illegale Einwanderung wiederaufgenommen. Deshalb wurden auch die Flüchtlingsschiffe auch von den Briten aufgehalten und nach Zypern umgeleitet. Man wollte vermeiden, dass die Juden durch ihre bloße Anwesenheit weitere Tatsachen schaffen.

Leider hab ich jetzt einen Termin und komme nicht mehr zu der Uno und dem Teilungsplan undundund:smile:),vielleicht findet sich da ja doch ein kleiner Link:wink:),

oder jemand anders macht weiter,

beste Grüße,

Barbara

Nachtrag Links
Hallo Tessa,

hier die versprochenen Links, sie sind bewusst aus unterschiedlichen (propalästinensisch, proisraelische) Quellen:

Hier sehr ausführlich die UNO Diksussion etc.:

Außerdem:

http://www.jerusalem-schalom.de/werin.htm

Einige wichtige Dokumente sind hier in Auszügen zu finden:

http://www.menora.de/menorademo/01/redmenu2.htm

beste Grüße,

Barbara

Zusammenfassung
Was Barbara schreibt, ist völlig richtig. In Kürze:
Die Briten haben Palästina Arabern und Juden gleichzeitig versprochen. Durch die Ereignisse in Europa und den folgenden Zustrom von Juden wuchs ihnen das Problem über den Kopf. So einfach, so schwierig ist das.

Andreas

Merci Euch Dreien! Hab’s kapiert… (o. T.)
Atsch! Ich sagte doch OHNE TEXT!

-)

Hallo zusammen,
abgesehen davon, dass die Bibel eh immer zu empfehlen ist,
habe ich bei dieser Stelle und in diesem Konkreten Falldamit doch meine Probleme.

Am besten, man nimmt einmal die Bibel und liest im Neuen
Testament den Brief des Apostels Paulus an die Römer, Kapitel
9 bis 11. Ziemlich schwer verständlich alles. Im Kern sagt
Paulus: Kurz vor dem Ende der Welt wird das „Volk der Väter“
gerettet werden.

Paulus ging von der Naherwartung aus, rechnete also fest damit, das Ende der Welt selbst zu erleben.

Obwohl die westeuropäischen Juden (ungeachtet gelegentlicher
Gewalttaten) seit der Französischen Revolution emanzipiert
waren und in ihren Heimatländern über beträchtlichen Besitz
verfügten, begann Ende des 19. Jahrhunderts die Einwanderung
von Juden in das damals zum Osmanischen Reich gehörende
Palästina. Sie gingen aus einem Zustand bürgerlicher
Sicherheit in ein armes und instabiles Land. Ein seltsamer
Effekt.

Für die Kommunisten war der 7. November 1917 (Sieg der
"Oktober"revolution) der Beginn eines neuen Weltzeitalters.
Für die Juden begann die neue Epoche fünf Tage früher. Am
2.11.1917 verlas der britische Außenminister Lord Balfour die
Proklamation, daß „… die Regierung Seiner Majestät …
befürwortend die Errichtung einer nationalen Heimat für das
jüdische Volk im Palästina ins Auge [faßt]“. Vielleicht wird
diese „Balfour-Deklaration“ eines Tages in den heiligen
Schriften stehen; das Edikt des persischen Königs Kyros, worin
er den Juden die Rückkehr nach Palästina erlaubt, steht in
Esra 6,2.

Ich will den Juden nicht zu nahe treten, aber meines Wissens ist die Kanonbildung schon seit gut 2000 Jahren abgeschlossen, während sie dies zur Zeit des Buches Esras nicht war.
Damals war die Aufnahme in die heiligen Schriften kein Problem, mit der Belfour-Erklärung sehe ich da aber doch eins.

Viele Grüße,
Philipp