Sprache der Nazis

Von: , Frage gestellt am So, 11. Mär 2001

Ich soll ein Referat über die "Sprache der Nazis als euphemistische Propaganda" schreiben. Leider habe ich kein Buch zu diesem Thema gefunden...
Folgende Begriffe soll ich analysieren: Euthanasie, Aktion Gnadentod, Endlösung, Reichskristallnacht, Schutzhaft, Sonderbehandlung, Machtergreifung, Gleichschaltung.

Ich habe die Begriffe per Lexikon erklärt... aber ich kann ja wohl nicht nur schreiben, dass das sehr beschönigend klingt. Weiß nicht so richtig weiter...

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Danke im Voraus

6 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 18 Stunden 1 hilfreich
    Re: Sprache der Nazis

    Im Grunde ist es aber so (einfach): man mordet und erfindet Begriffe, die das Verschleiern.

    Übrigens sind in Deiner Aufzählung zwei Begriffe nicht originär nationalsozialistisch. Die Euthanisie ist schon sehr alt (griechisch für gutes Sterben) und die "Reichskristallnacht" war Volksmund ("Berliner Schnauze"), der damit die Nazisprache selbst verulkt hat - wenn auch aus höchsttraurigem Anlass. Der Begriff entstand wegen der unzähligen eingeschlagenen Schaufenster.

    Andreas

  2. Antwort von nach 18 Stunden 2 hilfreich
    Re: Sprache der Nazis

    Hallo Ines,

    ein Herr Victor Klemperer (Sprachwissenschaftler an der TU DD)
    hat das Buch
    lingua tertii imperi-Die Sprache des dritten Reiches
    geschrieben. Dem ist wenig hinzuzufügen. Ersterscheinung ca. 1947.
    Der Mann hat die Zeit selbst In D erlebt (s. sein Tagebuch).

    Tschuess Marco.

    • Antwort von nach einem Tag hilfreich
      LTI von Klemperer sehr zu empfehlen. (oT)

      .

  3. Antwort von nach 3 Tagen 1 hilfreich
    voila

    dies ist die perfekte lösung für dich! 1 bis 2 seiten pro begriff, lesbar geschrieben

    Cornelia Schmitz-Berning. Vokabular des Nationalsozialismus_. Berlin
    und New York: Walter de Gruyter, 1998. Bibliographie. XLI + 710 S. DM
    128 (gebunden), ISBN 3-11-013379-2 [Buch anschauen].

    aus einer rezension
    http://www.ess.uwe.ac.uk/genocide/reviewstr25.htm

    Die Verfasserin des hier anzuzeigenden Nachschlagewerks stuetzt sich zwar
    auf Klemperer und Sternberger, will jedoch etwas anderes. Sie hat weniger
    ein sprachkritisches, als ein sachorientierendes Ziel: "Dieses
    Nachschlagebuch zum Vokabular des Nationalsozialismus will Germanisten,
    Historikern, Politologen, Journalisten und sonstig sprachhistorisch
    Interessierten einen Einblick in die Geschichte und die speziellen
    Verwendungsweisen von Ausdruecken, Organisationsnamen und festen Wendungen
    geben, die sich dem offiziellen Sprachgebrauch im NS-Staat zuordnen
    lassen" (S. VI). Als erste hauptsaechliche Quellenbasis dienen ihr die
    'Meldungen aus dem Reich' (MADR) in der Edition von H. Boberach (1984),
    weiterhin 'Bayern in der NS-Zeit' (Hg. M. Broszat), 'Volksopposition im
    Polizeistaat' (Hg. B. Vollmer), 'Anweisungen der Pressekonferenz der
    Reichsregierung des Dritten Reichs' (sog. Presseanweisungen), 'Der
    Nuernberger Prozess' (Sitzungsprotokolle des Verfahrens gegen die
    Hauptkriegsverbrecher) und 'Blick in die Zeit' (eine erst nach 1933 von
    Sozialdemokraten gegruendete und finanzierte Wochenschrift, ein
    Pressespiegel mit dem Untertitel 'Pressestimmen des In- und Auslandes zu
    Politik, Wirtschaft und Kultur'). Durch Auswertung und Vergleich dieser
    hoechst unterschiedlichen Textsorten wurden diejenigen Begriffe ermittelt,
    die so haeufig und wichtig waren, dass sie im vorliegenden Repertorium
    lemmatisiert werden sollten. Jeder Artikel hat ein festes Aufbauschema: Zu
    Beginn erfolgt paraphrasierend die Angabe der Bedeutung, die ein Begriff
    im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten hatte. Dann schliesst sich,
    soweit moeglich, die Geschichte des Wortgebrauchs vor der NS-Zeit an. Der
    Hauptteil dokumentiert die Verwendungsweisen des Ausdrucks in den
    unterschiedlichen Phasen des Dritten Reichs, wobei die Verfasserin
    Pamphlete, Zeitungen, Zeitschriften, Lexika, Enzyklopaedien, Tagebuecher
    und persoenliche Aufzeichnungen von Zeitzeugen konsultiert hat, insgesamt
    eine staunenswerte Fuelle einschlaegiger Texte. Auf diese methodisch
    ueberzeugende Weise ist ein Repertorium entstanden, das hoechsten
    Anspruechen genuegt und bei zentralen Begriffen selten seine Hilfe
    versagt. Fuer jeden, der sich mit der NS-Zeit befasst, ist es hinfort ein
    unabdingbares Nachschlagewerk.

    Das hier gewaehlte Verfahren garantiert zwar die Qualitaet der
    Gesamtanlage sowie der einzelnen Eintraege, aber es schliesst
    Vollstaendigkeit aus und muss dies bei der Ausfuehrlichkeit der einzelnen
    Eintraege auch tun. Diese bilden vielfach kleine Essays, die man durchaus
    selbstaendig lesen kann. Frau Schmitz-Berning legt ihren Schwerpunkt in
    den Bereich des 'offiziellen' Nationalsozialismus, seiner Zentralbegriffe
    und seiner Institutionen. Sprechende Termini wie Arbeit (13), Blut (18),
    deutsch (16), Erbe (14), Jude (8), Leistung (9), national (9), Rasse (36),
    Reich (14), Sippe (9), um nur diejenigen zu nennen, die starke Wortfelder
    bilden [4], sind erschoepfend dokumentiert. Dabei ist zwischen Begriffen
    zu unterscheiden, die die Nazis vorfanden, solchen, die sie umdeuteten und
    zu guter Letzt solchen, die sie erfanden. Sie waren uebrigens auch
    bezueglich der Sprache viel weniger originell, als man meinen koennte,
    waren jedoch Meister im Verfaelschen und Abwandeln des vorgefundenen
    Sprachmaterials. Damit ist zwar auch einiges ueber den Geist ihrer
    Redeweise ausgesagt, die sich jedoch erst wirklich in der Lektuere von
    Texten aus der Zeit erschliesst, z.B. Zeitungstexten.

  4. Antwort von nach 7 Tagen 1 hilfreich
    Re: Sprache der Nazis

    Ich soll ein Referat über die "Sprache der Nazis als
    euphemistische Propaganda" schreiben. Leider habe ich kein
    Buch zu diesem Thema gefunden...
    Folgende Begriffe soll ich analysieren: Euthanasie, Aktion
    Gnadentod, Endlösung, Reichskristallnacht, Schutzhaft,
    Sonderbehandlung, Machtergreifung, Gleichschaltung.
    Hallo Ines,

    da gibt es genau das passende Buch für dich:

    Vokabular des Nationalsozialismus
    http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/311016888X/red...

    Grüße,

    Thomas

    • Antwort von nach 10 Tagen hilfreich
      Thomas' Link ist billija! o.T.

      heisst ohne text

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