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Cornelia Schmitz-Berning. Vokabular des Nationalsozialismus_. Berlin
und New York: Walter de Gruyter, 1998. Bibliographie. XLI + 710 S. DM
128 (gebunden), ISBN 3-11-013379-2 [Buch anschauen].
aus einer rezension
http://www.ess.uwe.ac.uk/genocide/reviewstr25.htm
Die Verfasserin des hier anzuzeigenden Nachschlagewerks stuetzt sich zwar
auf Klemperer und Sternberger, will jedoch etwas anderes. Sie hat weniger
ein sprachkritisches, als ein sachorientierendes Ziel: "Dieses
Nachschlagebuch zum Vokabular des Nationalsozialismus will Germanisten,
Historikern, Politologen, Journalisten und sonstig sprachhistorisch
Interessierten einen Einblick in die Geschichte und die speziellen
Verwendungsweisen von Ausdruecken, Organisationsnamen und festen Wendungen
geben, die sich dem offiziellen Sprachgebrauch im NS-Staat zuordnen
lassen" (S. VI). Als erste hauptsaechliche Quellenbasis dienen ihr die
'Meldungen aus dem Reich' (MADR) in der Edition von H. Boberach (1984),
weiterhin 'Bayern in der NS-Zeit' (Hg. M. Broszat), 'Volksopposition im
Polizeistaat' (Hg. B. Vollmer), 'Anweisungen der Pressekonferenz der
Reichsregierung des Dritten Reichs' (sog. Presseanweisungen), 'Der
Nuernberger Prozess' (Sitzungsprotokolle des Verfahrens gegen die
Hauptkriegsverbrecher) und 'Blick in die Zeit' (eine erst nach 1933 von
Sozialdemokraten gegruendete und finanzierte Wochenschrift, ein
Pressespiegel mit dem Untertitel 'Pressestimmen des In- und Auslandes zu
Politik, Wirtschaft und Kultur'). Durch Auswertung und Vergleich dieser
hoechst unterschiedlichen Textsorten wurden diejenigen Begriffe ermittelt,
die so haeufig und wichtig waren, dass sie im vorliegenden Repertorium
lemmatisiert werden sollten. Jeder Artikel hat ein festes Aufbauschema: Zu
Beginn erfolgt paraphrasierend die Angabe der Bedeutung, die ein Begriff
im Sprachgebrauch der Nationalsozialisten hatte. Dann schliesst sich,
soweit moeglich, die Geschichte des Wortgebrauchs vor der NS-Zeit an. Der
Hauptteil dokumentiert die Verwendungsweisen des Ausdrucks in den
unterschiedlichen Phasen des Dritten Reichs, wobei die Verfasserin
Pamphlete, Zeitungen, Zeitschriften, Lexika, Enzyklopaedien, Tagebuecher
und persoenliche Aufzeichnungen von Zeitzeugen konsultiert hat, insgesamt
eine staunenswerte Fuelle einschlaegiger Texte. Auf diese methodisch
ueberzeugende Weise ist ein Repertorium entstanden, das hoechsten
Anspruechen genuegt und bei zentralen Begriffen selten seine Hilfe
versagt. Fuer jeden, der sich mit der NS-Zeit befasst, ist es hinfort ein
unabdingbares Nachschlagewerk.
Das hier gewaehlte Verfahren garantiert zwar die Qualitaet der
Gesamtanlage sowie der einzelnen Eintraege, aber es schliesst
Vollstaendigkeit aus und muss dies bei der Ausfuehrlichkeit der einzelnen
Eintraege auch tun. Diese bilden vielfach kleine Essays, die man durchaus
selbstaendig lesen kann. Frau Schmitz-Berning legt ihren Schwerpunkt in
den Bereich des 'offiziellen' Nationalsozialismus, seiner Zentralbegriffe
und seiner Institutionen. Sprechende Termini wie Arbeit (13), Blut (18),
deutsch (16), Erbe (14), Jude (8), Leistung (9), national (9), Rasse (36),
Reich (14), Sippe (9), um nur diejenigen zu nennen, die starke Wortfelder
bilden [4], sind erschoepfend dokumentiert. Dabei ist zwischen Begriffen
zu unterscheiden, die die Nazis vorfanden, solchen, die sie umdeuteten und
zu guter Letzt solchen, die sie erfanden. Sie waren uebrigens auch
bezueglich der Sprache viel weniger originell, als man meinen koennte,
waren jedoch Meister im Verfaelschen und Abwandeln des vorgefundenen
Sprachmaterials. Damit ist zwar auch einiges ueber den Geist ihrer
Redeweise ausgesagt, die sich jedoch erst wirklich in der Lektuere von
Texten aus der Zeit erschliesst, z.B. Zeitungstexten.