Hallo Gernot,
es war mehr als nur ein Machtspiel.
Sorry, ich bleib bei meiner Meinung - s. meine Erfahrungen unten
Klar fiel das auch mit ab, aber das war nur der Nebeneffekt.
Für mich ist der Machtkampf (Führer das primäre und derideolog. Kampf sekundär).
Die Kommunisten (zumindest die sowjwtischen und ihre Ableger)
waren wahnsinnig ideologiebesessen. Für die war die Reinheit
ihrer Lehre alles.
Allein in der DDR gab es mehrere Schwenks, soll heissen Neuinterpretation der Theoretiker.
Les mal 'Die Revolution frisst ihre Kinder', das Buch ist meiner Ansicht nach autentisch, da wird die 'Ideologiefestigkeit' der UdSSR deutlich demonstriert.
Ich habe in der DDR gelebt, ich weiß, wie wir selbst im
Ökonomiestudium die Theorien von Marx, Engels und Lenin lernen
mußten. Da war schon der Schatten eines Zweifels Hochverrat.
Ich habe auch in der DDR gelebt -zwar kürzer als Du-, aber ich habe mich mit der DDR-Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln befasst.
An den Parteischulen haben sie wirklich das Kommunistische
Manifest Satz für Satz interpertiert, so richtig mit
nummerierten Absätzen. Ich wollte es nie glauben, bis ich die
Mitschriften einer solchen Lektion gesehen habe.
was es nicht alles gibt
Mao hat sich in China selbst zum Klassiker ausgerufen. Die
haben dort den "Großen Vorsitzenden" und seine weisen
Ausprüche über alles gestellt, das durfte nach der Theorie der
Sowjets nicht sein.
Dagegen spielten Stalin und seine Nachfolger ab Ende der
50iger Jahre als Theoretiker keine Rolle.
Logischerweise hatte die Sowjetunion als Vorreiter zu gelten.
Das Land hatte ja einen zeilichen Vorsprung vor den anderen.
Nicht jeder der älter ist, ist auch klüger, denn sonst müsste jeder 100 Jährige klüger sein als Einstein.
Und da sich (theoretisch) Marx, Engels und Lenin nicht geirrt
haben konnten (ich hatte über deren Unfehlbarkeit mal eine
sehr böse Diskussion im Studium, die hat mir viel Ärger
eingebracht),
So richtig mit öffentlicher Selbstkritik in der FDJ-Lerngruppe ?
mußten alle anderen die Entwicklung der
Sowjetunion nachvollziehen.
eben, der Weg ist der einzig richtige und deshalb weiss die SU wie es aussenpolitisch ... langzugehen hat:
schnöde Machtpolitik
Trotzdem gab es Unterschiede. Die Jugoslawen kochten ihr
eigenes Süppchen mit ihrer Annäherung an die Marktwirtschaft,
die Polen haben die Kollektivierung der Landwirtschaft nicht
mitgemacht, die DDR hatte kein Ein-Parteien-System.
Aber Mao mit seinem weiterentwickelten Theorien war zu extrem.
Der hat sich wirklich nichts daraus gemacht, wenn ein paar
Millionen leute verhungert sind, auch Pol Pot in Kambodscha
ging auf seine Kappe.
Stalin hat auch seine Millionen Toden: 1920er Kollektivierung und Archipel Gulag
So skrupellos waren die Russen und ihre Verbündeten nun auch
wieder nicht.
1953 DDR, 1957 Ungarn, 1968, CSSR - ich denke das reicht auch aus.
Deshalb ist ja das System am Ende friedlich
abgetreten. Die haben wirklich geglaubt, im Sinne des Volkes
zu handeln und haben die Macht abgeben, als sie endlich
begriffen, daß dem nicht so war. Honecker, Mielke und Krenz
hätten 1989 schießen lassen können.
Ich kenne Berichte von Armmeeangehörigen in der Umgebung von Leipzig, die am 9. Oktober auf den Lastwagen sassen, kurz vorm Abmarsch. Es hat anscheinend nicht viel gefehlt. Die Tatsache, dass sie plötzlich absitzen mussten und die Waffenkammern anschliessend nicht mehr von einfachen Soldaten (sondern Offizieren ?) bewacht worden sind, spricht eher von einem Machtkampf im ZK bzw. Weisung aus Moskau.
Sie haben es nicht getan,
als sie merkten, daß da nicht ein paar Tausend Verführte
demonstrierten, sondern wirklich das ganze Volk.
Wenn Du an der DDR-CSSR Grenze damals gewesen wärst, wo auf einmal mit MPi bewaffnete Soldaten die Grenze zum Brudervolk sicherten (bis zum 15. Oktober? - Tag vor Krenz Wahl), glaubst Du nicht mehr an die Einsicht.
Tschuess Marco.