China und UDSSR

Von: , Frage gestellt am Mo, 30. Apr 2001

Man hört immer wieder, dass zwischen China und der UDSSR mal ein gespanntes Verhältnis war. Wie kam es dazu, waren es doch beides kommunistische Länder? Wieso konnten sie sich nicht einigen, sie hatten doch einen starken Feind, die USA? Da muss man doch zusammenhalten.

Danke für eure Antwort
Maxi

5 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach einer Stunde 0 hilfreich
    Re: China und UDSSR

    Hallo Maxi,

    das ist ein im Westen sehr verbreiteter Trugschluß.

    Die in China praktizierte Spielart der Sache war der Maoismus, un der und der stand in vielen Dingen im Wiederspruch zur leninistischen Theorie, die die Sowjetunion und andere praktizierten.
    So lehnten die Lenisten die absolute Gleichmacherei maoistischer Prägung mit den Volkskommunen ab, sie lehnten genau so die Theorie vom Export der Rovolution ab (da gab es bis in die 60iger Jahre auch Differenzen mit Kuba, die Geschichte mit Che und seinem Südamerikabenteuer gefiel den Russen gar nicht so gut).
    Die Leninisten glaubten zu dem auch noch an die Wirkung gewisser ökonomischer Gesetze. Deshalb war für sie Mos Theorie vom "Groen Sprung" genau so suspekt wie verschiedene andere seiner Theorien. Auch die Sache mit der "Kulturrevolution" paßte so nicht in das übliche kommunistische Schema.

    China wurde in den 80iger Jahren definiert als militärbürokratische Diktatur mit den ökonomischen Grundlagen des Sozialismus.

    Am meisten Zoff zwischen Sowjets und Chinesen gab es wohl wegen Maos Theorie von Großchina. Der stellte ja Territorialansprüche wie Hitler früher in Europa. Deshalb kam es auch zum Krieg um ein paar Amurinseln. Die Russen haben wohl daraufhin zur Klarstellung der Sache gleich die Inseln komplett im Fluß versenkt, da war anschließend buchstäblich nichts mehr. Aber richtig Schluß war erst, als China Vietnam überfiel und sich dort ne blutige Nase geholt hat. Das war, glaube ich 1979.


    Gernot Geyer

    • Antwort von nach 3 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: China und UDSSR

      Hallo Gernot,
      Die in China praktizierte Spielart der Sache war der Maoismus,
      un der und der stand in vielen Dingen im Wiederspruch zur
      leninistischen Theorie, die die Sowjetunion und andere
      praktizierten.
      Ich denke, das ist nur vorgeschoben.
      Im Kern ging es um die Vorherrschaft im kommun. Lager:
      die UdSSR wollte grosser Bruder aller soz. Länder sein, China wollte wohl zumindest im asiat. Bereich die Führung behaupten.
      Im Endeffekt wurde der Konflikt begraben, weil die UdSSR nicht die Mglkeiten hatte in Asien zu bestimmen und dies eingesehen hat: quasie eine Aufteilung der Interessensphären.

      Der Rest (=Ideologie) ist der Deckmantel für diesen Interessenkonflikt gewesen.
      So jedenfalls meine Meinung.

      Tschuess Marco.

      • Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: China und UDSSR

        Hallo Marco,

        es war mehr als nur ein Machtspiel.

        Klar fiel das auch mit ab, aber das war nur der Nebeneffekt. Die Kommunisten (zumindest die sowjwtischen und ihre Ableger) waren wahnsinnig ideologiebesessen. Für die war die Reinheit ihrer Lehre alles.
        Ich habe in der DDR gelebt, ich weiß, wie wir selbst im Ökonomiestudium die Theorien von Marx, Engels und Lenin lernen mußten. Da war schon der Schatten eines Zweifels Hochverrat. An den Parteischulen haben sie wirklich das Kommunistische Manifest Satz für Satz interpertiert, so richtig mit nummerierten Absätzen. Ich wollte es nie glauben, bis ich die Mitschriften einer solchen Lektion gesehen habe.

        Mao hat sich in China selbst zum Klassiker ausgerufen. Die haben dort den "Großen Vorsitzenden" und seine weisen Ausprüche über alles gestellt, das durfte nach der Theorie der Sowjets nicht sein.
        Dagegen spielten Stalin und seine Nachfolger ab Ende der 50iger Jahre als Theoretiker keine Rolle.

        Logischerweise hatte die Sowjetunion als Vorreiter zu gelten. Das Land hatte ja einen zeilichen Vorsprung vor den anderen. Und da sich (theoretisch) Marx, Engels und Lenin nicht geirrt haben konnten (ich hatte über deren Unfehlbarkeit mal eine sehr böse Diskussion im Studium, die hat mir viel Ärger eingebracht), mußten alle anderen die Entwicklung der Sowjetunion nachvollziehen.

        Trotzdem gab es Unterschiede. Die Jugoslawen kochten ihr eigenes Süppchen mit ihrer Annäherung an die Marktwirtschaft, die Polen haben die Kollektivierung der Landwirtschaft nicht mitgemacht, die DDR hatte kein Ein-Parteien-System.

        Aber Mao mit seinem weiterentwickelten Theorien war zu extrem. Der hat sich wirklich nichts daraus gemacht, wenn ein paar Millionen leute verhungert sind, auch Pol Pot in Kambodscha ging auf seine Kappe. Die Theorie, daß ein 3. Weltkrieg mit ein paar Hundert Millionen Toden egal ist, wenn nur die letzten Überlebenden Cinesen sind, ist sein Werk.
        So skrupellos waren die Russen und ihre Verbündeten nun auch wieder nicht. Deshalb ist ja das System am Ende friedlich abgetreten. Die haben wirklich geglaubt, im Sinne des Volkes zu handeln und haben die Macht abgeben, als sie endlich begriffen, daß dem nicht so war. Honecker, Mielke und Krenz hätten 1989 schießen lassen können. Sie haben es nicht getan, als sie merkten, daß da nicht ein paar Tausend Verführte demonstrierten, sondern wirklich das ganze Volk.


        Gernot Geyer

        • Antwort von nach 11 Stunden 0 hilfreich
          Re^4: China und UDSSR

          Hallo Gernot, es war mehr als nur ein Machtspiel.
          Sorry, ich bleib bei meiner Meinung - s. meine Erfahrungen unten Klar fiel das auch mit ab, aber das war nur der Nebeneffekt.
          Für mich ist der Machtkampf (Führer das primäre und derideolog. Kampf sekundär). Die Kommunisten (zumindest die sowjwtischen und ihre Ableger)
          waren wahnsinnig ideologiebesessen. Für die war die Reinheit
          ihrer Lehre alles.
          Allein in der DDR gab es mehrere Schwenks, soll heissen Neuinterpretation der Theoretiker.
          Les mal 'Die Revolution frisst ihre Kinder', das Buch ist meiner Ansicht nach autentisch, da wird die 'Ideologiefestigkeit' der UdSSR deutlich demonstriert. Ich habe in der DDR gelebt, ich weiß, wie wir selbst im
          Ökonomiestudium die Theorien von Marx, Engels und Lenin lernen
          mußten. Da war schon der Schatten eines Zweifels Hochverrat.
          Ich habe auch in der DDR gelebt -zwar kürzer als Du-, aber ich habe mich mit der DDR-Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln befasst. An den Parteischulen haben sie wirklich das Kommunistische
          Manifest Satz für Satz interpertiert, so richtig mit
          nummerierten Absätzen. Ich wollte es nie glauben, bis ich die
          Mitschriften einer solchen Lektion gesehen habe.
          was es nicht alles gibt Mao hat sich in China selbst zum Klassiker ausgerufen. Die
          haben dort den "Großen Vorsitzenden" und seine weisen
          Ausprüche über alles gestellt, das durfte nach der Theorie der
          Sowjets nicht sein.
          Dagegen spielten Stalin und seine Nachfolger ab Ende der
          50iger Jahre als Theoretiker keine Rolle.

          Logischerweise hatte die Sowjetunion als Vorreiter zu gelten.
          Das Land hatte ja einen zeilichen Vorsprung vor den anderen.
          Nicht jeder der älter ist, ist auch klüger, denn sonst müsste jeder 100 Jährige klüger sein als Einstein. Und da sich (theoretisch) Marx, Engels und Lenin nicht geirrt
          haben konnten (ich hatte über deren Unfehlbarkeit mal eine
          sehr böse Diskussion im Studium, die hat mir viel Ärger
          eingebracht),
          So richtig mit öffentlicher Selbstkritik in der FDJ-Lerngruppe ? mußten alle anderen die Entwicklung der
          Sowjetunion nachvollziehen.
          eben, der Weg ist der einzig richtige und deshalb weiss die SU wie es aussenpolitisch ... langzugehen hat:
          schnöde Machtpolitik Trotzdem gab es Unterschiede. Die Jugoslawen kochten ihr
          eigenes Süppchen mit ihrer Annäherung an die Marktwirtschaft,
          die Polen haben die Kollektivierung der Landwirtschaft nicht
          mitgemacht, die DDR hatte kein Ein-Parteien-System.

          Aber Mao mit seinem weiterentwickelten Theorien war zu extrem.
          Der hat sich wirklich nichts daraus gemacht, wenn ein paar
          Millionen leute verhungert sind, auch Pol Pot in Kambodscha
          ging auf seine Kappe.
          Stalin hat auch seine Millionen Toden: 1920er Kollektivierung und Archipel Gulag So skrupellos waren die Russen und ihre Verbündeten nun auch
          wieder nicht.
          1953 DDR, 1957 Ungarn, 1968, CSSR - ich denke das reicht auch aus. Deshalb ist ja das System am Ende friedlich
          abgetreten. Die haben wirklich geglaubt, im Sinne des Volkes
          zu handeln und haben die Macht abgeben, als sie endlich
          begriffen, daß dem nicht so war. Honecker, Mielke und Krenz
          hätten 1989 schießen lassen können.
          Ich kenne Berichte von Armmeeangehörigen in der Umgebung von Leipzig, die am 9. Oktober auf den Lastwagen sassen, kurz vorm Abmarsch. Es hat anscheinend nicht viel gefehlt. Die Tatsache, dass sie plötzlich absitzen mussten und die Waffenkammern anschliessend nicht mehr von einfachen Soldaten (sondern Offizieren ?) bewacht worden sind, spricht eher von einem Machtkampf im ZK bzw. Weisung aus Moskau. Sie haben es nicht getan,
          als sie merkten, daß da nicht ein paar Tausend Verführte
          demonstrierten, sondern wirklich das ganze Volk.
          Wenn Du an der DDR-CSSR Grenze damals gewesen wärst, wo auf einmal mit MPi bewaffnete Soldaten die Grenze zum Brudervolk sicherten (bis zum 15. Oktober? - Tag vor Krenz Wahl), glaubst Du nicht mehr an die Einsicht.

          Tschuess Marco.

          • Antwort von nach einem Tag 0 hilfreich
            Re^5: China und UDSSR

            Hallo Gernot und Marco!

            Danke für eure Antwort und eure verschieden Ansichten, die beide sehr gut nachvollziehbar sind.

            Maxi

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