Geburten im 16. Jahrhundert

Hallo,

und zwar habe ich mich zu einer dummen Wette überreden lassen, bei der es im Kern darum geht, wieviel Frauen (in%) bei der Geburt im 16. Jh. starben. Wobei ich die Meinung vertrete, daß es deutlich unter 49% sind und meine Wettpartnerin natürlich sagt, daß es mehr sind. Klingt vielleicht ein wenig makaber, ist es wahrscheinlich auch. Aber auf alle Fälle konnten wir bis jetzt keinerlei Dokumente zu diesen Thema finden.

Deshalb wäre ich über jeglichen Hinweis dankbar (der Zeitraum kann auch grob das Mittelalter sein).
Vielleicht gibt es ja ein paar helle Köpfe die mir bei diesem Problem helfen können.

Michael

hallo michael,

mit prozentangaben kann ich auch nicht aufwarten. das problem scheint auch eher die KINDERsterblichkeit gewesen zu sein - manche quellen behaupten, daß im 16. jahrhundert 20 (!) geburten im leben einer frau der normalfall waren, aber nur einige wenige kinder überlebten.
bekannt ist auch, daß mitte des 19. jahrhunderts jede 10. frau an kindbettfieber starb (also tage nach der geburt).

einige links:
http://www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/geschichte/…
http://www.menschenskinder-online.de/geburt/geb_hilf…
http://www.her.nw.schule.de/pgherne/p-Mittelalter/me…
http://www.indiana.edu/~ancmed/midwife.HTM

reicht das erst mal?

gruß ann

Danke Ann,

das wahr wirklich schon hilfreich.
Aber so richtig will sich meine Wettpartnerin noch nicht überzeugen lassen. Da die Wette doch ziemlich exakt gestellt wurde, und das Argument mit jede 10. Frau im 19. Jh. nicht wirklich überzeugte.

Trotzdem vielen Dank für deine Bemühungen.

Michael

es ist wirklich etwas makaber. aber wenns unbedingt sein muß, könnte man sich der problematik rechnerisch nähern, in dem man die erwähnten 20 geburten/pro frau im MA zugrundelegt. nimm nur 10, um auf der sicheren seite zu sein - und schon hast du deine wette (

Besten Dank

Das klingt wirklich einleuchtend. Hät ich ja auch selber draufkommen können ;->

Michael

Hallo,

und zwar habe ich mich zu einer dummen Wette überreden lassen,
bei der es im Kern darum geht, wieviel Frauen (in%) bei der
Geburt im 16. Jh. starben. Wobei ich die Meinung vertrete, daß
es deutlich unter 49% sind und meine Wettpartnerin natürlich
sagt, daß es mehr sind. Klingt vielleicht ein wenig makaber,
ist es wahrscheinlich auch. Aber auf alle Fälle konnten wir
bis jetzt keinerlei Dokumente zu diesen Thema finden.

Hi Michael!

In den „Angermühler Gesprächen zur Ethik der Medizin“, Band 6, gibt es folgenden Hinweis:

Zitat:

Süssmilch sagt es genau: Es war, je nach Region, eine unter 60 - 80 Gebärenden, welche starb. Heute sind es 5,2 unter 100 000 Geburten, also nur noch rund 1/270 der damaligen Sterblichkeit. Bedenkt man, daß jede Frau 5 oder mehr Kinder gebar, so ergibt sich, daß vermutlich 5 - 10 % aller Frauen vor 250 Jahren den Tod im Kindbett fanden.

Zitat Ende

Das Buch „Die Kunst zu leben“ vom Heidelberger Medizinhistoriker Heinrich Schipperges, erschienen 1796, besagt folgendes (Zitat):

Folgende kurze Übersicht, die aus einer Menge Mortalitätstabellen zusammengezogen ist, wird am deutlichsten zeigen, wie ungeheuer der Verlust ist, den die Menschheit jetzt durch Krankheiten erleidet. Gesetzt, es werden jetzt 1000 Menschen geboren, so sterben davon 24 gleich in der Geburt selbst; das Geschäft des Zahnens nimmt ihrer 50 mit; Konvulsionen und andere Kinderkrankheiten in den restlichen
2 Jahren 277; die Blattern, die bekanntlich zum allerwenigsten den 10. Menschen töten, reiben ihrer 80 bis 90 auf, die Masern 10. Sind es Weibspersonen, so sterben davon 8 im Kindbett. Schwindsucht, Auszehrung und Brusterkrankungen (in England wenigstens) töten 190. Andere hitzige Fieber 150, Schlagflüsse 12, die Wassersucht 41. Also kann man von 1000 Menschen nur 78 annehmen, welche am Alter, d.h. eines natürlichen Todes sterben, denn auch da wird der größere Teil noch durch zufällige
Ursachen weggerafft. Genug, es ergibt sich hieraus, daß immer 9/10 vor der Zeit und durch Zufall umkommen…

Zitat Ende

Eine dritte Quelle sagt, daß der Tod im Kindbett bei Frauen im gebärfähigen Alter die häufigste Todesursache sei (bei Männern übrigens der gewaltsame Tod durch Krieg, Unfall, Gewalttaten). Ob aus diesen Quellen eine Quote von mehr als 50% der Frauensterblichkeit durch Geburt abzuleiten ist, halte ich für sehr fragwürdig.

Grüße
Siegfried