Grund der Judenverfolgung

Hallo Experten!

Warum wurden (werden?) Juden seit Jahrhunderten verfolgt, und warum verfolgte Hitler z.B. „ausgerechnet“ die Juden?

Danke im Vorraus für eure Antworten,
Knut

Neid und Privilegien
Hallo Knut

Die Judenverfolgung hat schon lange Tradition. Die Gründe für den Judenhass im Industriezeitalter wurden schon im Mittelalter gelegt.
An der Uni in Salzburg gibt es reichliche Artikel zu diesem Thema.
z.B.:http://www.sbg.ac.at/ges/people/janotta/sim/juden.html
http://www.sbg.ac.at/ges/people/lichtblau/horror.htm

Wenn du bei der Uni/Suchen -Juden- eingibst, erhälst du noch viele weitere Artikel

schöne Grüße

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Hallo Knut !

Ursache? Die Bibel, die Kirche ! Und die sagt : Die Juden haben Christus ans Kreuz genagelt, deshalb mögen wir sie nicht!
Das wurde den Menschen zwei Jahrtausende eingehämmert und sie haben es gern geglaubt. Es ist immer schön, als nichtprivilegierte noch ein Völkchen unter sich zu haben, was noch weniger Privilegien hat. Und denen man mal aufs Maul schlagen kann, ohne dafür bestraft zu werden.
Gruß Werner

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Hi Knut,

Juden im Mittelalter
Bei den Judenverfolgungen im Mittelalter muss man auch unterscheiden zwischen den Aschkenas (den europäischen Juden) und den Sephardim (den spanischen und orientalischen Juden, jetzt mal vereinfacht gesagt). Die Aschkenas lebten seit ca. dem 8.-9. Jahrhundert in West-Europa. Anfangs waren es nur einige wenige Familien, die als Fernhändler vom Kaiser ins Land geholt worden waren. Später kamen mehr Juden ins Land, die dann auch andere Berufe annahmen.

Theologische Begründung
Die Juden wurden jahrhundertelang von den Christen „geduldet“, sie galten als Jesusmörder (ein Vorwurf, den sie sich ja bis heute anhören dürfen) und als „Verstockte“ (vgl. Römerbrief Kapitel 9-11: sie werden von Gott so lange verstockt, bis alle Heiden zum Heil finden). Im Gegensatz zu den Heiden legten sie damit aber ungewollt Zeugnis für die Wahrheit des Christentums ab. So die damalige Argumentation der Theologen.

Ursachen
Folgende Dinge sind im Mittelalter dann verhängnisvoll geworden:

-der schon erwähnte biblisch begründete Antijudaismus
-der Status der Juden im Reich des Kaisers: sie waren Kammerjuden, d.h. der Kammer (dem „Finanzamt“) des Kaisers untergeordnet, unterstanden direkt seiner Gerichtsbarkeit und er konnte de jure (und später auch de facto) frei über ihre Leben und ihren Besitz verfügen- als die Kaisermacht schrumpfte, verkaufte er sie an Bischöfe und Landesherren, die sie im Laufe der Jahre hemmungslos aussagten, plünderten und zum Schluss, nachdem sie meist mittlerweile völlig verarmt waren, im Zuge der großen Pestverfolgungen dem Mob auslieferten. 1348/39 ist für das europäische Judentum ein riesiger Einschnitt. Im Prinzip existierte danach die Kultur, die sich entwickelt hatte, nicht mehr. Die Juden wanderten großteils nach Osten aus.

Kreuzzüge

  • neben der großen Verfolgung in der Pestzeit kam es immer wieder im Zuge der Kreuzzüge zu Verfolgungen. Nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, sieh die Ketzer sind so nah? Außerdem kam es immer wieder zu Hetzpredigten von Kirchenleuten. (man muss allerdings einigen Bischöfen zu gute halten, dass sie sehr ernsthaft versuchten „ihre“ Juden zu schützen)
    Besonders dramatisch sind hier die Ereignisse 1096 (erster Kreuzzug), wo es zu Massenselbstmorden unter den Juden kam, die, eingesperrt und belagert in ihren Häsuern, keinen anderen Ausweg sahen)

Ritualmord- und Hostienschändungsvorwürfe

Vorgeworfen wurde den Juden meist Ritualmord an kleinen Jungs (!) und Hostienschändung. Diese wurden dann angeblich dabei beobachtet, wie sie die Hostie nochmal mit Nadel durchstachen und Blut herausfloß und ähnliches.

Sephardim

Die Sephardim konnten in Spanien unter muslimischer Herrschaft in einer Tradition dr Toleranz unbehelligt leben. Im Zuge der gewaltsamen Vertreibung der Moslems durch die spanischen Christen kam es sehr spät auch zu Verfolgungen durch die Inquisition.

Neuzeit - Vom Antijudaismus zum Antisemitismus

Ihen Status als "Kammerknechte behielten die Juden bis weit in die Neuzeit. Erst Ende des 18. Jahrhunderts/Anfang des 19. Jahrhunderts kam es in allen europäischen Ländern zur Emanzipation. Das hatte natürlich auch seine Gründe in der Zurückdrängung des Einflusses der Kirche, der Herausbildung einer bürgerlichen Kultur, Humanismus, Toleranzbestrebungen etcp…

Und im 19. Jahrhundert wandelt sich auch der Antijudaismus zum Antisemitismus. D.h. die biblische Begründung der Minderwertigkeit der Juden wandelt sich in eine „rassistische“ Begründung der Minderwertigkeit. Das liegt auch daran, dass in dieser Zeit eine biologistisch Weltsicht modern ist. In dieser Zeit entstehen auf jedenfall wichtige rassistische „wissenschaftliche“ Werke, die die Minderwertigkeit anderer Rassen gegenüber den Europäern propagieren. Bahnbrechendes Werk hier: Gobineau: Sir L’inégalité des races, vielfach übersetzt, rezipiert und als „wissenschaftliches“ Buch angesehen. Hier wurde die arische/germanische Rasse als die hochwertigste angesehen und die „Vermischung“ mit anderen Rassen als das eigentliche Übel benannt.

Das nur sehr vereinfacht zum Wandel des Weltbildes:smile:, was auch erklärt, wie der „Judenhass“ ziemlich kontinuitäts

Ja, und Hitlers Weltbild beruhte viel auf diesen rassistischen Sichtweisen.

Das ist alles extrem verkürzt:smile:, mal eben 2000 Jahre Judenhass wie/wo/warum …war eine sehr allgemein gehaltene Frage, hoffe, du hast dich nicht allzu hier durchquälen müssen, ist immer noch lang geworden:smile:.

Beste Grüße,

barbara

Hier findest du noch eine sehr gute kurze Zusammenfassung der Juden im Mittelalter:

http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/geschichte/gesc…

Oups!:frowning: Sorry für die vielen Tippfehler! owT
ot

Antike
Hallo,

nur zur Ergänzung (zum wirklich informativen Artikel!) sei erwähnt, daß das Phänomen der Verfolgung von Juden weitaus älter ist.
In der jüdischen Tradition gilt z.B. der persische Großkönig Ahasveros (5. Jh. v. Chr.) als typischer Großantisemit.
Wie immer es hier mit der Historizität aussieht, es ist bekannt, daß es in der Antike, besonders in Alexandria, antijüdische Progrome gab, wie vor allem Josephus und Philo bezeugen (und mit denen die Christen ganz sicher nichts zu tun haben, was ihr Verhalten in späteren Jahrhunderten nicht entschuldigen soll).
Die Juden hatten in der Antike Privilegien (Tempelstreuer, kein Opferzwang), die ihnen die jeweiligen römsichen Herrscher entweder gewährten, oder aber, um der Bevölkerung einen Sündenbock präsentieren zu können, vorhielten. Tacitus (Hist 5) schreibt über die Juden, sie seien den Göttern verhaßt und den übrigen Religionen entgegengesetzt. Hier wird das antike Unverständnis für eine exklusiv monotheistische Religion deutlich, deren Angehörige sich auch in der Diaspora religiös nicht anpassen.

Gruß,
Taju

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Ursache? Die Bibel, die Kirche ! Und die sagt : Die Juden
haben Christus ans Kreuz genagelt, deshalb mögen wir sie
nicht!
Das wurde den Menschen zwei Jahrtausende eingehämmert und sie
haben es gern geglaubt. Es ist immer schön, als
nichtprivilegierte noch ein Völkchen unter sich zu haben, was
noch weniger Privilegien hat. Und denen man mal aufs Maul
schlagen kann, ohne dafür bestraft zu werden.

das is doch aber blödsinn. jesus selbst hat sich doch geopfert, um uns zu erlösen (oder irgendwie so). eigentlich müßten wir den juden dankbar sein…

gruß

michael

das is doch aber blödsinn.

Na, Michael,
Dass das Blödsinn ist, mußt Du Werner, glaube ich, kaum sagen! Deswegen hat er es ja hier wiedergegeben um genau dies klarzumachen.

Ich finde, er hat hier sehr volkstümlich und prägnant zusammengefaßt, was Barbara oben in ihrem Artikel (danke dafür!) geschrieben hat.
Gruß Eckard

Hi Knut!

Warum wurden (werden?) Juden seit Jahrhunderten verfolgt, und
warum verfolgte Hitler z.B. „ausgerechnet“ die Juden?

Warum Hitler einen derartigen Haß auf die Juden entwickelte, ist schwer belegbar. Vieles dürfte in seiner Kindheit und Jugend begründet sein, die geprägt war von Mißerfolgen und Makeln.

Hitler ist der Sohn des österreichischen Zollbeamten Alois Hitler und dessen Frau Klara Plötzl. Alois Hitler wiederum ist der uneheliche Sohn der Maria Schickelgruber. Als Vater kommen drei Männer in Frage: ein gewisser Johann Hiedler, ein Johann Hüttler und ein Grazer Jude namens Frankenberger (Maria Schickelgruber soll als Dienstmädchen bei Frankenberger gearbeitet haben und von ihm geschwängert worden sein - es habe lange Jahre Alimentezahlungen von Frankenberger an Maria Schickelgruber gegeben; mittlerweile gilt die Frankenberger-Abstammung als fraglich).
Maria Schickelgruber starb 1847, ihr unehelicher Sohn Alois Schickelgruber war mehrfach verheiratet und ganz offensichtlich ein übler Charakter (so gibt es Hinweise auf Inzest innerhalb der Familie Schickelgruber). Als Schickelgrubers zweite Frau schwerkrank und bettlägrig wurde, schwängerte Alois seine eigene Nichte Klara Plötzl. Schickelgrubers Frau starb, Alois heiratete Klara - und änderte seinen Namen von Schickelgruber in Hitler (vermutlich anlehnend an die Namen eines seiner möglichen Väter: Hiedler und Hüttler). 1889 wurde dann Adolf Hitler geboren.
Von Beginn an lasteten Gerüchte auf dem Kind: Vierteljude, Bastard, Inzestkind. Adolf war ein Einzelgänger, in der Schule bekam er zunehmend Schwierigkeiten und blieb zweimal sitzen. Zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters (1903) ging er von der Schule ab (ohne Abschluß), lungerte in Linz herum und ging schließlich nach Wien, wo er Kunst studieren wollte. In Wien kam er nachweislich in Kontakt mit den dortigen Juden, sein damaliger bester Freund war Jude, ein ihn behandelnder Arzt war Jude, er selbst lernte Dialektik auf einer Rabbinerschule. Hitlers künstlerische Ambitionen wurde zunichte gemacht, als die Kunstakademie ihn mangels Talent abwies. Er war 24 und sein Lebenstraum zerstört. Sein ganzes Leben, selbst das Leben seiner Eltern und seiner Großmutter bestand nur aus Niederlagen, Rückschlägen und Gerüchten. Da mußte ein Ventil her, jemand dafür verantwortlich gemacht werden. Wenn der vermeintliche Vierteljude Adolf Hitler wegen seiner ungeklärten Abstammung leiden mußte, dann sollten die leiden, die dafür verantwortlich waren: die Juden. Haß kann die seltsamsten Blüten treiben.

Zum Inzest noch eine Randbemerkung: Hitler hat sich sein Leben lang geweigert, ein Kind zu haben. In verschiedenen Quellen wird berichtet, er habe Angst, ein behindertes Kind zu zeugen, da er selbst ein Inzestkind sei (insgesamt hat Hitler ein mehr als gestörtes Verhältnis zu Frauen und Sex gehabt - siehe Aussagen dazu von Helene Hanfstängl, Maria Reiter, Helene Bechstein, Henriette Hoffmann, Leni Riefenstahl, Eva Braun). Wie sehr dieser Inzestgedanke in Hitler arbeitete, zeigen die Ereignisse um Geli Raubal, eine Nichte Hitlers, mit der er ein Verhältnis gehabt haben soll: die (körperliche?) Liebe zu einer Verwandten endet mit dem Tod Geli Raubals.

Ein höchstkomplizierter Charakter, der seine Wut und Frustrationen an den Juden ausließ.

Grüße
Siegfried

das habe ich mich auch schon öfter gefragt-warum grade die Juden?
Ein weiterer Grund ist, dass sich im Mittelalter (und auch später noch) Fürsten Geld von jüdischen Bänkern geborgt haben- und bevor sie zurückzahlen hätten müssen mit Zinsen, hat man halt lieber die ortsansässigen Juden vertrieben und ermordet…

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Knut,

bei der Judenfeindlichkeit im Deutschland der Hitlerzeit wird es wohl eine gewisse Rolle gespielt haben, daß man aufgrund von Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg und der Zeit danach die Juden allgemein als Menschen sah, von denen viele als Anwälte, Meinungsführer in Massenmedien etc. sehr einflußreich waren, die aber eigentlich zu einem Land gehörten, das gegen Deutschland Krieg führte. Ich distanziere mich schärfstens von dieser verblendeten Sichtweise.

Daß Juden seit Jahrhunderten verfolgt werden, ist ein wenig übertrieben gesagt. Einerseits gab es im Mittelalter nicht etwa fortwährend Judenpogrome (die Münchner Stadtgeschichte z.B. berichtet von einem einzigen, im 13. Jhd), zum anderen wurden auch andere erfolgreiche Religionsgemeinschaften Opfer von Pogromen, z.B. die christlichen Waldenser (Oscar Maria Graf: „Das Leben meiner Mutter“).

Judenverfolgung
Tach,

nach den ganzen Antworten hier vielleicht noch schnell mal noch zwei Links:

http://www.omen.de/history/g_kreu_g.htm

http://home.t-online.de/home/osterlandgym/seite4/aus…

CIAo
Reiko

Hallo Siegfried,

hast Du gut beschrieben. Maser und Fest habe das gut dokumentiert. Ich möchte an dieser Stelle noch erwähnen, daß Hitlers Zeiten in Wien sehr ausschlaggebend gewesen sein müssen. Der Judenhaß war zur damaligen Zeit in bestimmten Viertel von Wien sehr ausgeprägt. Hinzu kommt von Dir sehr richtig beschrieben, sein scheitern als junger Mann, weshalb er ja auch nach München ging.

Gruß

Markus

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Hi Wolfgang,

bei der Judenfeindlichkeit im Deutschland der Hitlerzeit wird
es wohl eine gewisse Rolle gespielt haben, daß man aufgrund
von Erfahrungen aus dem 1. Weltkrieg und der Zeit danach die
Juden allgemein als Menschen sah, von denen viele als Anwälte,
Meinungsführer in Massenmedien etc. sehr einflußreich waren,
die aber eigentlich zu einem Land gehörten, das gegen
Deutschland Krieg führte. Ich distanziere mich schärfstens von
dieser verblendeten Sichtweise.

Hä? ich hab das jetzt dreimal gelesen und vielleicht ist es einfach zu spät, aber was für ein anderes Land meinst du denn, zu dem die deutschen Juden im I.WK hätten gehören sollen??? Ansonsten: Es gab ne Menge assimilierte Juden, die es zu was gebracht hatten, es gab aber wesentlich mehr arme Juden, vor allem Flüchtlinge aus dem Osten (vor den dortigen Progromen). Diese wurden übrigends auch von den deutschen Juden eher verachtet. Ansonsten haben - wenn ich jetzt nicht ganz falsche Zahlen im Kopf habe- mehrere Tausend (40.000?, das muss ich noch mal nachschlagen) Juden im I.WK für das deutsche Reich ihr Leben gelassen und für das deutsche Reich gekämpft. Liest du die ersten Tagebücher von Viktor Klemperer, wirst du feststellen, dass der Mann zunächst ganz überzeugter deutscher Nationalist war, stolz auf sein Land. Viele Juden mit dem Ritterkreuz konnten es nicht glauben, dass ihnen nach 33 irgendetwas geschehen könnte, sie hatten ja bewiesen, dass sie zu ihrer Heimat loyal stehen…

Ansonsten hast du sicher recht, propagandistisch wurden Juden einerseits mit dem Großkapital und den Ausbeutern gleichgesetzt und andererseits mit dem Bolschewismus.

Daß Juden seit Jahrhunderten verfolgt werden, ist ein wenig
übertrieben gesagt. Einerseits gab es im Mittelalter nicht
etwa fortwährend Judenpogrome (die Münchner Stadtgeschichte
z.B. berichtet von einem einzigen, im 13. Jhd),

Nicht fortwährend im Sinne von jedes Jahr, aber es gab immer wieder Verfolgungswellen, bei denen ganze jüdische Stadtgemeinden vernichtet wurden (entweder geplündert und „nur vertrieben“ - oder geplündert und getötet). Wenn du also in manchen Städten von keinen Verfolgungen mehr hörst, liegt es vielleicht auch daran, dass es keine nennenswerte Zahl von Juden mehr gab oder sogar gar keine mehr.

Zwar wurden auch andere Ketzerbewegungen, wie z.B. die Katharer, (eine gnostische „Ketzerbewegung“) in Kreuzzügen vernichtet. Die Stellung der Juden war aber schon eine Sonderstellung. Allein deshalb, weil „Ketzerbewegungen“ wie die Waldenser regional und zeitlich begrenzt waren (die Waldenser gibt es allerdings heute noch in Norditalien, im Gegensatz zu den Katharern hatten sie sich dann theologisch soweit angepasst, dass sie für die Kath. Kirche tolerierbar waren).

Religiöse Toleranz ist - was das Christentum angeht- eine Erfindung der Neuzeit. Die Religion hat in ganz anderer Weise das komplette Leben der Menschen bestimmt.

Nicht zu vergessen die späteren Hexenverfolgungen- nicht umsonst hieß im Volksmund die geheimen Hexentreffen „Hexensabbath“.

Wie auch immer, die Geschichte der religiösen Bewegungen im Mittelalter finde ich hochspannend. :smile:)

Trotzdem hatten die Juden immer eine Sonderstellung. Sie waren eine klar abgegrenzte Gruppe, lebten in bestimmten Stadtvierteln, und sie waren keine „Abgefallenen“, wie die Ketzer. (vl. mein Posting unten). Im Prinzip wurden sie geradezu theologisch gebraucht.

Ab 1215 (IV. Lateranum) mussten sie einen gelben Fleck und besondere Kleidung tragen und nach und nach wurden ihre Rechte immer mehr eingeschränkt. So mussten sie auch einen speziellen „Judeneid“ leisten, dazu mussten sie sich auf eine Schweinehaut stellen! Stell dir die Demütigung vor! Und auch wenn sie nicht täglich Verfolgungen ausgesetzt waren, hatten sie in ihrer unsicheren Situation ständig mit dem schlimmsten zu rechnen. Waren sie mal ihrem Herrn nicht mehr nützlich, konnten sie nicht zahlen, was er wollte, konnte es schnell verdammt gefährlich werden.

Als PS vorab:smile:: Einige Verbote deuten aber darauf hin, dass es auch „normales“ Zusammenleben zwischen Christen und Juden gab. So wurden Juden und Christen immer wieder verboten, gegenseitig an Festen teilzunehmen. Nachdem solche Verbote immer wieder zu finden sind, kann man davon ausgehen, dass es die Leute weiter gemacht haben…nur als Beispiel…:smile:

Beste Grüße,

barbara

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Hallo Siegfried,

hast Du gut beschrieben. Maser und Fest habe das gut
dokumentiert. Ich möchte an dieser Stelle noch erwähnen, daß
Hitlers Zeiten in Wien sehr ausschlaggebend gewesen sein
müssen. Der Judenhaß war zur damaligen Zeit in bestimmten
Viertel von Wien sehr ausgeprägt. Hinzu kommt von Dir sehr
richtig beschrieben, sein scheitern als junger Mann, weshalb
er ja auch nach München ging.

Gruß

Markus

Hi Markus!

Kurze Korrektur bzw. Ergänzung:
Laut verschiedener Quellen ist Hitler 1913 nach München gegangen, weil ihm die Einberufung in die österreichische Armee bevorstand - ein schlichter Fall von „Wehrdienstverweigerung“. Ein Jahr später meldete er sich hingegen als Kriegsfreiwilliger. Ein sehr symptomatisches Verhalten für einen innerlich völlig zerrissenen und widerspüchlichen Menschen.

Grüße
Siegfried

Hi!

Daß Juden seit Jahrhunderten verfolgt werden, ist ein wenig
übertrieben gesagt. Einerseits gab es im Mittelalter nicht
etwa fortwährend Judenpogrome (die Münchner Stadtgeschichte
z.B. berichtet von einem einzigen, im 13. Jhd), zum anderen
wurden auch andere erfolgreiche Religionsgemeinschaften Opfer
von Pogromen, z.B. die christlichen Waldenser (Oscar Maria
Graf: „Das Leben meiner Mutter“).

Nun ja…

135 n.Chr.: Vertreibung der Juden aus Palästina
um 1096: europaweite Pogrome im Umfeld des 1.Kreuzzuges (z.B. werden in Worms alle Juden getötet)
1209: Judenpogrome in England
1221: Judenpogrom in Erfurt
1290: Ausweisung aller Juden aus England
1293: Ausweisung aller Juden aus Süditalien
1347/50: europaweite Judenpogrome wg. der Pest
Kennzeichnungspflicht der Juden durch Judenhut, gelber Fleck, Barttracht, allgemeine Ghettoisierung
1384: Pestpogrome in Deutschland
1391: Pogrome in Spanien
1394: Ausweisung aller Juden aus Frankreich
1492: Ausweisung aller Juden aus Spanien
1515: erste Ausweisung der Juden aus Brandenburg
1515: erste Ausweisung der Juden aus Genua
1519: Vertreibung der Juden aus Regensburg
1526: Vertreibung der Juden aus Preßburg
1527: Vertreibung der Juden aus Paris und Florenz
1540: Pogrom in Lissabon
1540: Vertreibung der Juden aus Neapel und Böhmen
1543: Kampfschrift Luthers zugunsten der Judenvertreibung
1550: zweite Ausweisung der Juden aus Genua
1555: Ghettoisierung der Juden in Rom (Trastevere)
1572: Ausweisung der Juden aus Österreich
1573: zweite Ausweisung der Juden aus Brandenburg
1594: Pogrome in der Walachei und in Klausenburg
1600: (!!) alle Juden erhalten in Amsterdam das volle Bürgerrecht (!!!)
1601: Pogrome in Siebenbürgen
1612: (!!!) Hamburg gewährt allen Juden volle Bürgerrechte (!!!)
1614: Pogrom in Frankfurt/Main
1635: Pogrom in Lima/Peru
1639: Pogrome in ganz Südamerika
1648: Pogrome in Pinsk, Weißrußland, Ukraine, Galizien, Polen (200.000 bis 500.000 getötete Juden)
1649: Pogrome in Mexiko
1655: Pogrom in Wilna (ufert so stark aus, daß dabei die ganze Stadt abbrennt)
1671: Vertreibung aus Ungarn
1701: Vertreibung aus Basel
1727: Vertreibung aus der Ukraine
1744: erneute Vertreibung aus Böhmen (durch Maria Theresia)
1791: (!!!) Bürgerrecht für alle Juden in Frankreich (!!!)
1811: Pogrom in Wien (300 Tote)
1819: Pogrome in über 30 deutschen Städten
1834: Massaker an der jüdische Bevölkerung in Obergaliläa
1848 (!!!) Bürgerrecht für Juden in Italien (!!!)
1862: Ausweisung aller Juden aus Tennessee/USA durch General Grant
1869: (!!!) Bürgerechte für Juden in Preußen und dem Norddeutschen Bund (!!!)
1871: (!!!) Bürgerechte für Juden im Deutschen Reich (!!!)
1881: Pogrome in Rußland und Polen (ca. 160 Städte, besonders schlimm in Kiew)
1882: weitere Pogrome in Rußland
1903: Pogrome in Rußland
1916: Versuchter Nachweis der deutschen Heeresleitung, die Juden würden sich vor dem Militärdienst drücken, scheitert. Anteil der gefallenen Juden entspricht dem Anteil der Juden an der Bevölkerung (Bericht wird daraufhin geheimgehalten)
1917: Pogrom in Saloniki
1917/18: Pogrome in Rußland
1919: Pogrom in der Ukraine durch die Nationalarmee
1929: Pogrom in Hebron
1938: Pogrom in Deutschland
1933/45: Massenvernichtung der europäischen Juden durch die Nazis

Ich zitiere dich nochmals:

Daß Juden seit Jahrhunderten verfolgt werden, ist ein wenig
übertrieben gesagt.

Ein wenig übertrieben?
Wirklich?

Grüße
Siegfried

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…und noch ein paar Links…
…zum Thema Holocaust:

http://www.shoa.de
http://www.shamash.org/holocaust/
http://www.wiesenthal.com/
http://history1900s.about.com/homework/history1900s/…
http://www.mtsu.edu/~baustin/holo.html
http://www.yad-vashem.org.il/index.html
http://fcit.coedu.usf.edu/holocaust/default.htm

Ciao
Camilla

Siegfried,

es ist eine offenkundige Tatsache, daß die Deutschen in der Hitlerzeit danach strebten, alle Juden zu töten, weil die Deutschen damals das böseste Volk der Weltgeschichte waren, was sie heute jedoch nicht mehr sind.

Ich habe mir erlaubt, aus Deiner Liste alle deutschen Judenprogrome herauszusuchen:

um 1096: europaweite Pogrome im Umfeld des 1.Kreuzzuges (z.B.
werden in Worms alle Juden getötet)
1221: Judenpogrom in Erfurt
1347/50: europaweite Judenpogrome wg. der Pest
1384: Pestpogrome in Deutschland
1819: Pogrome in über 30 deutschen Städten
1871: (!!!) Bürgerechte für Juden im Deutschen Reich (!!!)
1938: Pogrom in Deutschland

Und

1933/45: Massenvernichtung der europäischen Juden durch die
Nazis

Massenvernichtung schon ab 1933? Da kannste mal sehen…

Gruß
Wolfgang

Hallo Barbara,

daß an dem Verhalten der jüdischen Kriegsteilnehmer 14/18 etwas auszusetzen gewesen wäre, habe ich nicht gemeint. Sie haben für Deutschland gekämpft, und Ehre sei ihrem Andenken!
Es ist zwar nur eine Vermutung, aber vielleicht ist das ein Grund dafür, warum manche jüdische Familie während der gesamten Nazizeit überhaupt nicht behelligt wurde.

Wir wissen heute, daß die Deutschen im 3. Reich das bösesten Volk der Weltgeschichte waren und darum versuchten, alle Juden auszurotten, was wiederum das böseste Verbrechen der Weltgeschichte ist. Wir wissen heute auch, daß aus dem gleichen Grunde nach den Juden die Katholiken ausgerottet worden wären, wenn Hitler an der Macht geblieben wäre; sicherlich irgendwann gefolgt von den Protestanten.

gebracht hatten, es gab aber wesentlich mehr arme Juden, vor
allem Flüchtlinge aus dem Osten (vor den dortigen Progromen).

Wenn Du, Barabara, andeutest, daß zwischen WWI und II Juden aus dem Osten nach Deutschland geflüchtet sind, dann glaube ich das zunächst mal nicht, weil das mein Geschichtsbild erschüttert.

Damals jedoch wußten die Deutschen das noch nicht. Damals dachte man, daß die Juden Deutschland irgendwie etwas schlimmes angetan hätten, etwa im Zusammenhang mit dem Kriegseintritt Amerikas, mit dem Sturz des Kaisers. Es gab damals auch schon den Zionismus, zu dem die Deutschen ein recht zwiespältiges Verhältnis hatten. Der Zionismus meint, daß die Juden ein Staatsvolk sind, dessen Land Israel ist.

Gruß
Wolfgang

Hallo Siegfried,

hast Du gut beschrieben. Maser und Fest habe das gut
dokumentiert. Ich möchte an dieser Stelle noch erwähnen, daß
Hitlers Zeiten in Wien sehr ausschlaggebend gewesen sein
müssen. Der Judenhaß war zur damaligen Zeit in bestimmten
Viertel von Wien sehr ausgeprägt. Hinzu kommt von Dir sehr
richtig beschrieben, sein scheitern als junger Mann, weshalb
er ja auch nach München ging.

Gruß

Markus

Hallo Siegfried,

recht hast Du.

Gruß

Markus

Hi Markus!

Kurze Korrektur bzw. Ergänzung:
Laut verschiedener Quellen ist Hitler 1913 nach München
gegangen, weil ihm die Einberufung in die österreichische
Armee bevorstand - ein schlichter Fall von
„Wehrdienstverweigerung“. Ein Jahr später meldete er sich
hingegen als Kriegsfreiwilliger. Ein sehr symptomatisches
Verhalten für einen innerlich völlig zerrissenen und
widerspüchlichen Menschen.

Grüße
Siegfried