Grund der Judenverfolgung

Von: , Frage gestellt am Di, 19. Jun 2001

Hallo Experten!

Warum wurden (werden?) Juden seit Jahrhunderten verfolgt, und warum verfolgte Hitler z.B. "ausgerechnet" die Juden?

Danke im Vorraus für eure Antworten,
Knut

51 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 4 Stunden 0 hilfreich
    Neid und Privilegien

    Hallo Knut

    Die Judenverfolgung hat schon lange Tradition. Die Gründe für den Judenhass im Industriezeitalter wurden schon im Mittelalter gelegt.
    An der Uni in Salzburg gibt es reichliche Artikel zu diesem Thema.
    z.B.:http://www.sbg.ac.at/ges/people/janotta/sim/juden.html
    http://www.sbg.ac.at/ges/people/lichtblau/horror.htm

    Wenn du bei der Uni/Suchen -Juden- eingibst, erhälst du noch viele weitere Artikel

    schöne Grüße [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

  2. Antwort von nach 5 Stunden 1 hilfreich
    Re: Grund der Judenverfolgung

    Hallo Knut !

    Ursache? Die Bibel, die Kirche ! Und die sagt : Die Juden haben Christus ans Kreuz genagelt, deshalb mögen wir sie nicht!
    Das wurde den Menschen zwei Jahrtausende eingehämmert und sie haben es gern geglaubt. Es ist immer schön, als nichtprivilegierte noch ein Völkchen unter sich zu haben, was noch weniger Privilegien hat. Und denen man mal aufs Maul schlagen kann, ohne dafür bestraft zu werden.
    Gruß Werner [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

    • Antwort von nach 8 Stunden 2 hilfreich
      Re^2: Grund der Judenverfolgung

      Ursache? Die Bibel, die Kirche ! Und die sagt : Die Juden
      haben Christus ans Kreuz genagelt, deshalb mögen wir sie
      nicht!
      Das wurde den Menschen zwei Jahrtausende eingehämmert und sie
      haben es gern geglaubt. Es ist immer schön, als
      nichtprivilegierte noch ein Völkchen unter sich zu haben, was
      noch weniger Privilegien hat. Und denen man mal aufs Maul
      schlagen kann, ohne dafür bestraft zu werden.
      das is doch aber blödsinn. jesus selbst hat sich doch geopfert, um uns zu erlösen (oder irgendwie so). eigentlich müßten wir den juden dankbar sein...

      gruß

      michael

      • Antwort von nach 9 Stunden 0 hilfreich
        Re^3: Grund der Judenverfolgung

        das is doch aber blödsinn.
        Na, Michael,
        Dass das Blödsinn ist, mußt Du Werner, glaube ich, kaum sagen! Deswegen hat er es ja hier wiedergegeben um genau dies klarzumachen.

        Ich finde, er hat hier sehr volkstümlich und prägnant zusammengefaßt, was Barbara oben in ihrem Artikel (danke dafür!) geschrieben hat.
        Gruß Eckard

  3. Antwort von nach 6 Stunden 5 hilfreich
    Re: Grund der Judenverfolgung

    Hi Knut,

    Juden im Mittelalter
    Bei den Judenverfolgungen im Mittelalter muss man auch unterscheiden zwischen den Aschkenas (den europäischen Juden) und den Sephardim (den spanischen und orientalischen Juden, jetzt mal vereinfacht gesagt). Die Aschkenas lebten seit ca. dem 8.-9. Jahrhundert in West-Europa. Anfangs waren es nur einige wenige Familien, die als Fernhändler vom Kaiser ins Land geholt worden waren. Später kamen mehr Juden ins Land, die dann auch andere Berufe annahmen.

    Theologische Begründung
    Die Juden wurden jahrhundertelang von den Christen "geduldet", sie galten als Jesusmörder (ein Vorwurf, den sie sich ja bis heute anhören dürfen) und als "Verstockte" (vgl. Römerbrief Kapitel 9-11: sie werden von Gott so lange verstockt, bis alle Heiden zum Heil finden). Im Gegensatz zu den Heiden legten sie damit aber ungewollt Zeugnis für die Wahrheit des Christentums ab. So die damalige Argumentation der Theologen.

    Ursachen
    Folgende Dinge sind im Mittelalter dann verhängnisvoll geworden:

    -der schon erwähnte biblisch begründete Antijudaismus
    -der Status der Juden im Reich des Kaisers: sie waren Kammerjuden, d.h. der Kammer (dem "Finanzamt") des Kaisers untergeordnet, unterstanden direkt seiner Gerichtsbarkeit und er konnte de jure (und später auch de facto) frei über ihre Leben und ihren Besitz verfügen- als die Kaisermacht schrumpfte, verkaufte er sie an Bischöfe und Landesherren, die sie im Laufe der Jahre hemmungslos aussagten, plünderten und zum Schluss, nachdem sie meist mittlerweile völlig verarmt waren, im Zuge der großen Pestverfolgungen dem Mob auslieferten. 1348/39 ist für das europäische Judentum ein riesiger Einschnitt. Im Prinzip existierte danach die Kultur, die sich entwickelt hatte, nicht mehr. Die Juden wanderten großteils nach Osten aus.

    Kreuzzüge
    - neben der großen Verfolgung in der Pestzeit kam es immer wieder im Zuge der Kreuzzüge zu Verfolgungen. Nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, sieh die Ketzer sind so nah? Außerdem kam es immer wieder zu Hetzpredigten von Kirchenleuten. (man muss allerdings einigen Bischöfen zu gute halten, dass sie sehr ernsthaft versuchten "ihre" Juden zu schützen)
    Besonders dramatisch sind hier die Ereignisse 1096 (erster Kreuzzug), wo es zu Massenselbstmorden unter den Juden kam, die, eingesperrt und belagert in ihren Häsuern, keinen anderen Ausweg sahen)

    Ritualmord- und Hostienschändungsvorwürfe

    Vorgeworfen wurde den Juden meist Ritualmord an kleinen Jungs (!) und Hostienschändung. Diese wurden dann angeblich dabei beobachtet, wie sie die Hostie nochmal mit Nadel durchstachen und Blut herausfloß und ähnliches.

    Sephardim

    Die Sephardim konnten in Spanien unter muslimischer Herrschaft in einer Tradition dr Toleranz unbehelligt leben. Im Zuge der gewaltsamen Vertreibung der Moslems durch die spanischen Christen kam es sehr spät auch zu Verfolgungen durch die Inquisition.

    Neuzeit - Vom Antijudaismus zum Antisemitismus

    Ihen Status als "Kammerknechte behielten die Juden bis weit in die Neuzeit. Erst Ende des 18. Jahrhunderts/Anfang des 19. Jahrhunderts kam es in allen europäischen Ländern zur Emanzipation. Das hatte natürlich auch seine Gründe in der Zurückdrängung des Einflusses der Kirche, der Herausbildung einer bürgerlichen Kultur, Humanismus, Toleranzbestrebungen etcp..

    Und im 19. Jahrhundert wandelt sich auch der Antijudaismus zum Antisemitismus. D.h. die biblische Begründung der Minderwertigkeit der Juden wandelt sich in eine "rassistische" Begründung der Minderwertigkeit. Das liegt auch daran, dass in dieser Zeit eine biologistisch Weltsicht modern ist. In dieser Zeit entstehen auf jedenfall wichtige rassistische "wissenschaftliche" Werke, die die Minderwertigkeit anderer Rassen gegenüber den Europäern propagieren. Bahnbrechendes Werk hier: Gobineau: Sir L'inégalité des races, vielfach übersetzt, rezipiert und als "wissenschaftliches" Buch angesehen. Hier wurde die arische/germanische Rasse als die hochwertigste angesehen und die "Vermischung" mit anderen Rassen als das eigentliche Übel benannt.

    Das nur sehr vereinfacht zum Wandel des Weltbildes:), was auch erklärt, wie der "Judenhass" ziemlich kontinuitäts

    Ja, und Hitlers Weltbild beruhte viel auf diesen rassistischen Sichtweisen.

    Das ist alles extrem verkürzt:), mal eben 2000 Jahre Judenhass wie/wo/warum ...war eine sehr allgemein gehaltene Frage, hoffe, du hast dich nicht allzu hier durchquälen müssen, ist immer noch lang geworden:).

    Beste Grüße,

    barbara

    Hier findest du noch eine sehr gute kurze Zusammenfassung der Juden im Mittelalter:

    http://www.hausarbeiten.de/rd/archiv/geschichte/gesc...

    • Antwort von nach 6 Stunden 0 hilfreich
      Oups!:( Sorry für die vielen Tippfehler! owT

      ot

    • Antwort von nach 7 Stunden 2 hilfreich
      Antike

      Hallo,

      nur zur Ergänzung (zum wirklich informativen Artikel!) sei erwähnt, daß das Phänomen der Verfolgung von Juden weitaus älter ist.
      In der jüdischen Tradition gilt z.B. der persische Großkönig Ahasveros (5. Jh. v. Chr.) als typischer Großantisemit.
      Wie immer es hier mit der Historizität aussieht, es ist bekannt, daß es in der Antike, besonders in Alexandria, antijüdische Progrome gab, wie vor allem Josephus und Philo bezeugen (und mit denen die Christen ganz sicher nichts zu tun haben, was ihr Verhalten in späteren Jahrhunderten nicht entschuldigen soll).
      Die Juden hatten in der Antike Privilegien (Tempelstreuer, kein Opferzwang), die ihnen die jeweiligen römsichen Herrscher entweder gewährten, oder aber, um der Bevölkerung einen Sündenbock präsentieren zu können, vorhielten. Tacitus (Hist 5) schreibt über die Juden, sie seien den Göttern verhaßt und den übrigen Religionen entgegengesetzt. Hier wird das antike Unverständnis für eine exklusiv monotheistische Religion deutlich, deren Angehörige sich auch in der Diaspora religiös nicht anpassen.

      Gruß,
      Taju

  4. Antwort von nach 11 Stunden 3 hilfreich
    Re: Grund der Judenverfolgung

    Hi Knut! Warum wurden (werden?) Juden seit Jahrhunderten verfolgt, und
    warum verfolgte Hitler z.B. "ausgerechnet" die Juden?
    Warum Hitler einen derartigen Haß auf die Juden entwickelte, ist schwer belegbar. Vieles dürfte in seiner Kindheit und Jugend begründet sein, die geprägt war von Mißerfolgen und Makeln.

    Hitler ist der Sohn des österreichischen Zollbeamten Alois Hitler und dessen Frau Klara Plötzl. Alois Hitler wiederum ist der uneheliche Sohn der Maria Schickelgruber. Als Vater kommen drei Männer in Frage: ein gewisser Johann Hiedler, ein Johann Hüttler und ein Grazer Jude namens Frankenberger (Maria Schickelgruber soll als Dienstmädchen bei Frankenberger gearbeitet haben und von ihm geschwängert worden sein - es habe lange Jahre Alimentezahlungen von Frankenberger an Maria Schickelgruber gegeben; mittlerweile gilt die Frankenberger-Abstammung als fraglich).
    Maria Schickelgruber starb 1847, ihr unehelicher Sohn Alois Schickelgruber war mehrfach verheiratet und ganz offensichtlich ein übler Charakter (so gibt es Hinweise auf Inzest innerhalb der Familie Schickelgruber). Als Schickelgrubers zweite Frau schwerkrank und bettlägrig wurde, schwängerte Alois seine eigene Nichte Klara Plötzl. Schickelgrubers Frau starb, Alois heiratete Klara - und änderte seinen Namen von Schickelgruber in Hitler (vermutlich anlehnend an die Namen eines seiner möglichen Väter: Hiedler und Hüttler). 1889 wurde dann Adolf Hitler geboren.
    Von Beginn an lasteten Gerüchte auf dem Kind: Vierteljude, Bastard, Inzestkind. Adolf war ein Einzelgänger, in der Schule bekam er zunehmend Schwierigkeiten und blieb zweimal sitzen. Zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters (1903) ging er von der Schule ab (ohne Abschluß), lungerte in Linz herum und ging schließlich nach Wien, wo er Kunst studieren wollte. In Wien kam er nachweislich in Kontakt mit den dortigen Juden, sein damaliger bester Freund war Jude, ein ihn behandelnder Arzt war Jude, er selbst lernte Dialektik auf einer Rabbinerschule. Hitlers künstlerische Ambitionen wurde zunichte gemacht, als die Kunstakademie ihn mangels Talent abwies. Er war 24 und sein Lebenstraum zerstört. Sein ganzes Leben, selbst das Leben seiner Eltern und seiner Großmutter bestand nur aus Niederlagen, Rückschlägen und Gerüchten. Da mußte ein Ventil her, jemand dafür verantwortlich gemacht werden. Wenn der vermeintliche Vierteljude Adolf Hitler wegen seiner ungeklärten Abstammung leiden mußte, dann sollten die leiden, die dafür verantwortlich waren: die Juden. Haß kann die seltsamsten Blüten treiben.

    Zum Inzest noch eine Randbemerkung: Hitler hat sich sein Leben lang geweigert, ein Kind zu haben. In verschiedenen Quellen wird berichtet, er habe Angst, ein behindertes Kind zu zeugen, da er selbst ein Inzestkind sei (insgesamt hat Hitler ein mehr als gestörtes Verhältnis zu Frauen und Sex gehabt - siehe Aussagen dazu von Helene Hanfstängl, Maria Reiter, Helene Bechstein, Henriette Hoffmann, Leni Riefenstahl, Eva Braun). Wie sehr dieser Inzestgedanke in Hitler arbeitete, zeigen die Ereignisse um Geli Raubal, eine Nichte Hitlers, mit der er ein Verhältnis gehabt haben soll: die (körperliche?) Liebe zu einer Verwandten endet mit dem Tod Geli Raubals.

    Ein höchstkomplizierter Charakter, der seine Wut und Frustrationen an den Juden ausließ.

    Grüße
    Siegfried

    • Antwort von nach 19 Stunden 0 hilfreich
      Re^2: Grund der Judenverfolgung

      Hallo Siegfried,

      hast Du gut beschrieben. Maser und Fest habe das gut dokumentiert. Ich möchte an dieser Stelle noch erwähnen, daß Hitlers Zeiten in Wien sehr ausschlaggebend gewesen sein müssen. Der Judenhaß war zur damaligen Zeit in bestimmten Viertel von Wien sehr ausgeprägt. Hinzu kommt von Dir sehr richtig beschrieben, sein scheitern als junger Mann, weshalb er ja auch nach München ging.

      Gruß

      Markus [Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]



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