Steinkistengrab

Guten Tag,

unter einem Steinkistengrab kann ich mir was vorstellen. Aber wann wurden diese gebraucht? Wurden die Toten in Hockstellung oder liegend darin begraben? Gibt es sonst noch Wissenswertes darüber? (Kurzinformationen reichen völlig!)
Besten Dank vom Frank

Hallo !

Wann sie gebraucht wurden?? Zur Beerdigung oder was meinst Du?

Ein Steinkistengrab ist nichts weiter, als ein Sarg aus Steinplatten. Ein oder mehreren Grundplatten, mehreren Seitenplatten und Deckplatten.
Wahrscheinlich war diese Kiste für die damaligen Menschen leichter herzustellen, als ein Holzsarg und vielleicht oder wahrscheinlich hing es auch mit dem Glauben an eine andere Welt zusammen, da fast immer Beigaben im Sarg gefunden wurden.
Diese Steinkistengräber zeugen auch von einer steigenden Kultur. Sie sollten wohl länger halten aus religiösen Gründen.
Manche Prähistoriker vermuten, hinter der Hockerbestattung (wenn hockbestattet wurde) in den Steinkistengräbern stünden Auferstehungsvorstellungen. Sie verweisen dabei auf die orientierung der Verstorbenen zur aufgehenden Sonne hin, deuten die Beigaben von Ocker als „Lebensfarbe“ und interpretieren die Hockerlage als Schlafstellung.

Gruß Werner

Das Gräberfeld in der Dölauer Heide bei Halle

Unter einem Steinkistengrab kann ich mir was vorstellen. Aber wann wurden diese gebraucht? Wurden die Toten in Hockstellung oder liegend darin begraben? Gibt es sonst noch Wissenswertes darüber? (Kurzinformationen reichen völlig!)


Steinkistengräber (egal ob in den gewachsenen Boden eingetieft oder auf dem Erdboden aufgebaut und dann mit Erde überdeckt) setzen GRABWERKZEUGE (Spaten, Schaufeln) und damit Ackerbau voraus. In Mitteleuropa erscheinen sie erstmals in der Jungsteinzeit ca. 3.000 v.u.Z., als in Ägypten bereits Pyramiden gebaut wurden. Die Angehörigen der Baalberger Kultur waren die ersten, die Grabhügel errichteten; vielleicht handelt es sich um einen Reflex auf Nachrichten darüber, daß man in fernen Ländern das auch so macht.

Ich bin in Halle geboren, und in der Dölauer Heide (dem Stadtwald von Halle) kennt man 35 Grabhügel sowie seit den 1950er Jahren eine neolithische Siedlung, die größte bekannte Mitteleuropas, aber bis 1990 fehlten die Arbeitskräfte für die Ausgrabung, und jetzt fehlt das Geld. Die acht Grabhügel, die man dennoch geöffnet hat, enthielten alle Steinkistengräber. Die Wände und Decken der Kisten („Bodenplatten“ wurden nirgends gefunden) waren (vermutlich bei sozial höher stehenden Personen) aus behauenen Sandsteinplatten gebildet, bei „geringeren“ Personen nur aus Feldsteinen gelegt (Steinpackungsgräber).
Soweit Knochenreste oder ein Leichenschatten erhalten waren, lagen die Toten in „stabiler Seitenlage“ wie heute Verletzte nach einem Unfall. Leichenverbrennung kannte man nicht.
Die Grabbeigaben rechtfertigen der Menge nach nicht die übliche Deutung als Vorkehrungen für ein „Leben nach dem Tode“; eher handelte es sich um Proviant für eine kurze Übergangszeit (bis zur Wiedergeburt?).
Bemerkenswerterweise sind die meisten Gräber in der späten Bronzezeit wieder geöffnet und mit Nachbestattungen belegt worden. Bis auf einen enthielt jeder Grabhügel mehrere Leichen, im Extremfall elf Stück, die NACHEINANDER darin beerdigt worden waren, und bildete einen kleinen Friedhof für sich. Der besonders „begehrte“, elfmal belegte Hügel befindet sich am alleräußersten östlichen Rand des Plateaus, auf dem die Siedlung lag.

Zusammengefaßt: Steinkistengräber setzen Ackerbau voraus. Ich halte sie ebenso wie Grabhügel für eine „Fernwirkung“ des Pyramidenbaus. Die Solidität der Steinkisten verlockte zu Nachbestattungen noch Jahrtausende später.

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