Ich hab mal ne Frage zum genauen Ablauf der Papstwahl. In der Verfügung von Johannes-Paul II bezüglich der Wahl seines Nachfolgers heisst es unter Punkt 62:
„Nach Abschaffung der sogenannten Wahlverfahren per acclamationem seu inspirationem und per compromissum, wird der Papst von nun an einzig und allein per scrutinium gewählt.“
Latein kann ich zwar, aber die Begriffe ‚per acclamationem‘, ‚per compromissum‘ und ‚per scrutinium‘ müssen hier ganz bestimmte Wahlmodi bedeuten.
Weiss jemand was?
die Wahl ‚per acclamationem‘ bedeutet einfach ‚durch Zuruf‘ (also ohne Einzelabstimmung). Wenn Du ‚per compromissum‘ wählst, dann wählst Du ‚per Übereinkunft‘ und eine ‚electio per scrutinium‘ ist nichts anderes als die geheime Wahl per Stimmzettel.
die Wahl ‚per acclamationem‘ bedeutet einfach ‚durch Zuruf‘
(also ohne Einzelabstimmung). Wenn Du ‚per compromissum‘
wählst, dann wählst Du ‚per Übereinkunft‘ und eine ‚electio
per scrutinium‘ ist nichts anderes als die geheime Wahl per
Stimmzettel.
Alle Klarheiten beseitigt?
Noch nicht.
Wie ich bereits sagte: Latein kann ich. Mich interessiert der genaue Vorgang, wie ‚durch Zuruf‘ oder ‚durch Übereinkunft‘ gewählt wird/wurde. (Wer am lautesten Ruft, gewinnt??? bzw. 120 Leute EINIGEN SICH???)
‚per acclamationem‘ = Vorschlag aus dem Kollegium = einstimmige Wahl durch Erheben. (Ich nehme an, dass auch hier die berühmten Pakete geschnürt werden…)
Eine’per acclamationem’- Wahl ist auch ist auch bei Normalsterblichen üblich (Politik, Verein usw.). Nur geschieht hier die Zustimmung durch (Erheben) + APPLAUS.
Gruss
Mäni
„per Akklamation“ ist ein altes, aus der Antike stammendes Wahlverfahren, das auch heute noch Anwendung findet wenn es um Vereinfachung des Wahlvorgangs geht, z.B. bei vielen Vereinen. Es ist die Form: „Ich mache jetzt einen Wahlvorschlag, und wenn sich keine Gegenstimme erhebt gilt er als angenommen.“ Ob sich dafür bei der Papstwahl besondere Formalien herausgebildet hatten weiß ich leider auch nicht. Ich habe aber einen alten Zeitungsartikel gefunden, der noch aus der Zeit stammt, als dieses Verfahren auch bei der Papstwahl angewandt wurde, vielleicht hilft das ja ein wenig weiter.
Akklamation
Die Demokratische Partei in den USA hat ihren Präsidentschaftskandidaten Michael Dukakis ebenso wie ihren Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten, Lloyd Bentsen, per Akklamation bestimmt. Den Brauch kannte schon das Altertum. Die Wahl eines neuen Königs wurde oft per Zuruf aus der Volks- oder Stammesversammlung und nicht durch eine Einzelabstimmung entschieden. Der aus dem Lateinischen stammende Begriff läßt sich mit „zustimmender Zuruf“, aber auch mit „Beifall“ übersetzen. In demokratischen Staaten spielt die Akklamation bei der politischen Willensbildung kaum noch eine Rolle. Sie wurde durch die offene oder geheime Abstimmung verdrängt. Besonders wegen ihres populistischen und emotionalen Charakters gilt die Akklamation als ungeeignetes Mittel der politischen Willensbildung. Autoritäre Regime benutzen die Akklamation aber auch noch heute, um Geschlossenheit zu demonstrieren. Nach dem Flügelstreit um die geeigneten Kandidaten für das Weiße Haus griffen die Demokraten auf ihrem Wahlparteitag in Atlanta auf dieses Mittel zurück, um der amerikanischen Nation die Einigkeit der Partei vorzuführen. Auch die katholische Kirche kennt noch die Akklamation bei der Wahl eines Papstes: Wenn alle Mitglieder des Konklaves dem Vorschlag ohne vorherige Verhandlungen mündlich zustimmen, gilt nach dem Kirchenrecht der Kandidat als gewählt „quasi per inspirationem“ (gleichsam auf Grund von Eingebung). rkl.
Süddeutsche Zeitung: Aktuelles Lexikon vom 23./24. Juli 1988
die meines Wissens einzige realistische Darstellung einer Papstwahl findet sich in dem Spielfilm „In den Schuhen des Fischers“ mit Anthony Quinn (1968). http://us.imdb.com/Title?0063599