Bevölkerungswachstum

Von: , Frage gestellt am So, 9. Sep 2001


Hi

Wie schnell hat sich die Bevölkerung im Mittelalter unter guten bis durchschnittlichen Bedingungen vermehrt (von besondere Vorfälle wie Pest wird mal abgesehen) ?

Gruß
Max

4 Antworten zu dieser Frage

  1. Antwort von nach 3 Stunden 1 hilfreich
    Verdoppelung 1000-1300, Stagnation 1300-1800

    Wie schnell hat sich die Bevölkerung im Mittelalter unter guten bis durchschnittlichen Bedingungen vermehrt (von besondere Vorfälle wie Pest wird mal abgesehen) ?
    - Kurzantwort -
    Verdoppelung von 1000 bis 1300, Stagnation von 1300 bis 1800.


    - Langfassung -

    Ich beziehe mich bei meiner Antwort auf Manfred Vasold: "Pest, Not und schwere Plagen. Seuchen und Epidemien vom Mittelalter bis heute", Beck-Verlag 1991.

    Es scheint im Hohen Mittelalter, also im 12./13. Jahrhundert, in Europa eine Warmzeit gegeben zu haben. Vasold rechnet vom Jahr 1000 bis zum Beginn des 14. Jh. mit einer Verdoppelung der Bevölkerung Europas, in Deutschland sogar mehr, von 5-6 Millionen auf 13-14 Millionen. Äußere Erscheinungen sind die großen Rodungen und das Entstehen von Städten.
    Die Lebenserwartung blieb gering. Skelettuntersuchungen von Friedhöfen, die Vasold zitiert, deuten auf ein durchschnittliches Sterbealter der Männer von 34 Jahren, der Frauen von 27 Jahren. Mit 40 war man alt, mit 60 ein Greis, mit 80 ein Methusalem.
    Ein Sterbealter von summa summarum etwas über 30 Jahren deutet auf 3,5% Sterberate jährlich. Die Geburtenrate muß höher gewesen sein, etwa 4,0%.

    Um 1300 (also noch vor der Pest) deuten überregionale Teuerungen und Hungersnöte das Ende der Warmzeit an. Die Bevölkerung Deutschlands wird stehend. Die Städte verändern zwischen 1300 und 1800 ihren Umfang kaum. Wüstungen treten auf.
    Die Bevölkerungsverluste durch die Pest mögen wie die Verluste durch den 30jährigen Krieg ein Drittel der Bevölkerung betragen haben. Um einen Verlust von 33,33% binnen 50 Jahren auszugleichen, braucht man jährlich 0,8% Bevölkerungswachstum. Zumindest im 15. Jh. wurde dies nicht erreicht. Die tiefe Religiosität jener Zeit dürfte Ausdruck der ständigen Allgegenwart des jähen Todes gewesen sein. Vasold schätzt, daß die Verluste durch den Schwarzen Tod etwa um 1500 aufgeholt waren und in Deutschland ein gewisses Bevölkerungswachstum auf 15-16 Mio Einwohner (bis 1618) begann. Dann kam der 30jährige Krieg, dessen Verluste kaum vor 1750 ausgeglichen waren.

    Der erste moderne Statistiker, Johann Peter Süßmilch, schätzte die jährliche Sterberate in den 1750er Jahren auf 1/36, die Geburtenrate etwas höher, vor allem auf dem Lande.

    - Django -

  2. Antwort von nach 3 Stunden 4 hilfreich
    Re: Bevölkerungswachstum

    Und hier noch ein paar Grafiken:

    MODELL DER BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG IN EUROPA 500-1500
    http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/personen/wid...

    UNGEFÄHRE BEVÖLKERUNGSDICHTE IN EUROPA UM 1350
    http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/personen/wid...

    GESCHÄTZE BEVÖLKERUNGSZAHLEN (IN MILLIONEN) IN EINZELNEN LÄNDERN EUROPAS IN SPÄTANTIKE UND MITTELALTER
    http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/personen/wid...

    STADTENTSTEHUNG UND BEVÖLKERUNGSWACHSTUM
    http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/personen/wid...

Keine passende Antwort gefunden? Jetzt eigene Frage stellen!